Der Supermarkt Unverpackt: nachhaltig einkaufen



Nachhaltiger Konsum mit neuen Methoden ist in” – das zeigen die Trends in der Kleidungs- sowie Lebensmittelindustrie. Die Gründerin Marie Delaperrière bringt diesen Trend nun nach Kiel in die Supermarktindustrie. Statt in Plastik abgepackt, werden alle Artikel lose angeboten. Der Kunde kauft sich bloß die gewünschte Menge ohne auf vorgefertigte Richtlinienmengen der Industrie hören zu müssen.

Für-Gründer.de: Hallo Frau Delaperrière, wir haben Ihren Supermarkt Unverpackt ja bereits vor einiger  Zeit als interessante Geschäftsidee auf Für-Gründer.de vorgestellt – wie verliefen denn die letzten Monate und wie ist die Resonanz der Kunden auf das Konzept?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Die letzten Monate waren natürlich sehr aufregend und fernab jeder Routine. Nach der Eröffnung stand die Sortimentserweiterung im Vordergrund und natürlich der Kundenkontakt.

Die Resonanz der Kunden auf das Konzept würde ich als sehr positiv bezeichnen. Es scheint eine große Anzahl von Menschen zu geben, die sich über den Verpackungswahn ärgern und bereit sind andere Wege zu gehen. Das ist für mich eine schöne Bestätigung.

Marie Delaperrière ist die Gründerin von Unverpackt Kiel
Marie Delaperrière – Gründerin von Unverpackt Kiel (Foto von Berit Ladewig)

Für-Gründer.de: Kleine Supermärkte – früher auch Tante Emma Läden genannt – gehörten in Zeiten der Discounter eigentlich zu einer aussterbenden Art. Was hat Sie dennoch motiviert zu gründen?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Wie bereits erwähnt, habe auch ich mich über die Verpackungswut der Lebensmittelindustrie geärgert und hatte die Nase voll von dem ganzen Plastikmüll, den ich bei jedem Einkauf nach Hause trage.

Ich wollte dem etwas entgegensetzen. Ich wollte den Kunden die Möglichkeit geben sich wieder mit dem Inhalt, nämlich den Lebensmitteln, zu beschäftigen. Die Wertigkeit der Waren wirklich augenscheinlich zu begutachten und nebenbei auch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel ich von einem Produkt wirklich brauche. Dies ist, wie ich finde,  gerade heute bei all der Lebensmittelverschwendung ein wichtiges Thema.

Für-Gründer.de: Was waren die größten Herausforderungen zum Start und spielten Genehmigungen eine große Rolle?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Eine der größten Herausforderungen war die entsprechenden Lieferanten zu finden und das Erstsortiment auszuwählen.

Genehmigungen spielten keine Rolle. Bevor ich allerdings in die konkrete Planung des Ladens ging, habe ich mich mit der Lebensmittelüberwachung zusammengesetzt und das Konzept vorgestellt, um sicherzustellen, dass die Hygienerichtlinien eingehalten werden.

Für-Gründer.de: Auf welche Marketingkanäle setzen Sie?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Wir sind schon vor Eröffnung mit unserer Homepage online gegangen. Der Link wurde dann schnell von Interessierten über Facebook geteilt und so war das Medieninteresse schnell da. Seit einiger Zeit ist Unverpackt auch bei Facebook vertreten. Hier kündigen wir Aktionen und Neuerungen an und informieren so unsere Kunden.

Für-Gründer.de: Auf der Crowdfunding Plattform Startnext hat sich ein ähnliches Konzept in Berlin erfolgreich mit über 100.000 Euro aus der Crowd finanziert. Wie haben Sie denn die Startinvestitionen gestemmt? Und haben Sie auch eine Bankenfinanzierung in Erwägung gezogen?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Natürlich habe ich während der Konzeptausarbeitung und Planung über eine Bankfinanzierung nachgedacht, habe mich dann aber dagegen entschieden und das Projekt selbst finanziert.

Für-Gründer.de: Wie haben Sie sich generell auf die Selbstständigkeit vorbereitet und haben Sie einen Businessplan geschrieben?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Ich habe mich ungefähr ein Jahr damit beschäftigt den Businessplan zu schreiben und mich damit intensiv auf die Selbständigkeit vorbereitet.

Da ich nicht aus der Lebensmittelbranche komme, habe ich zur Vorbereitung auf meine Selbstständigkeit ein Praktikum in einem Supermarkt gemacht. Dort habe ich vieles gelernt aber auch vieles gesehen, was ich anders machen wollte.

Für-Gründer.de: Wie haben Sie den Standort ausgewählt und wie haben Sie Ladengestaltung umgesetzt?

Marie Delaperrière von Unverpackt: In meinem Businessplan habe ich anhand des Sinus-Milieumodells eine Standortauswahl durchgeführt. Auf dieser Grundlage basierend habe ich mich auf Immobiliensuche gemacht.

Bei der Ladengestaltung war mir neben der Einhaltung  der Hygienerichtlinien vor allem wichtig, eine warme persönliche Atmosphäre zu schaffen. Ich hatte hier einen tollen Lieferanten aus Frankreich, der mich bei der Ladengestaltung sehr unterstützt hat und dessen Möbel meine Ansprüche an eine nachhaltige Lebensweise erfüllen.

Im Laden gibt es keine Verpackungen, die vermeidbaren Müll entstehen lassen könnten.
Im Laden gibt es keine Verpackungen, die vermeidbaren Müll entstehen lassen könnten.

Für-Gründer.de: Wie wählen Sie Produkte für Ihren Laden aus und was sind ein paar Exoten, die Sie empfehlen würden?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Unsere Produktauswahl treffen wir nach unseren selbst gewählten Richtlinien und natürlich anhand der Kundenwünsche. Unsere Produkte sind überwiegend Bio-Waren. Darüber hinaus versuchen wir, möglichst viele regionale Lieferanten und Produkte zu haben. Bei Kaffee beispielsweise achten wir auf Fair Trade. Wir haben eine Vielzahl besonderer Lebensmittel, die wunderbar schmecken, vom Essig bis zu super leckeren Nussmischungen.

Aber: Exoten, die ich empfehlen würde, sind nun gerade nicht aus dem Lebensmittelbereich, sondern aus unserem Non-Food-Bereich. So haben wir z.B. Thermo-Coffee-To-Go-Becher, die durch ihre Langlebigkeit perfekt unseren Nachhaltigkeitsgedanken widerspiegeln…Oder unsere clevere Alternative zur Brottüte.

Wichtig sind mir Alternativen zur Wegwerfmentalität aufzuzeigen und Lösungen, die uns überzeugt haben, den Kunden anzubieten.

Für-Gründer.de: Worauf liegt Ihr Fokus in den nächsten zwölf Monaten?

Marie Delaperrière von Unverpackt: In den nächsten Monaten werde ich mich vor allem mit der Konzeptoptimierung und der Sortimentserweiterung beschäftigen.  Ich bin immer auf der Suche nach neuen Produkten aus dem Lebensmittelbereich, aber auch nachhaltige Innovationen aus dem Non-Food-Bereich interessieren mich.

Für-Gründer.de: Und zum Abschluss: Welche Tipps haben Sie für angehende Gründer?

Marie Delaperrière von Unverpackt: Dinge, die mir auf meinem Weg zu Gründung geholfen haben, waren vor allem:

ein strukturierter und sehr detaillierter Businessplan, eine durchdachte Standortauswahl, aber vor allem meine Überzeugung und die absolute Identifizierung mit meinem Projekt!

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit Unverpackt!

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schild

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