Existenzgründung: Alle Schritte + Fördermittel

Damit der Einstieg in die Selbstständigkeit gelingt, haben wir einen kompakten Leitfaden vorbereitet. Hier finden Gründer Informationen zu allen wichtigen Stationen sowie Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Existenzgründung. 

>> Hier gehts direkt zu den Zuschüssen & Fördermitteln

1. Existenzgründung: Was brauche ich?

Für eine erfolgreiche Existenzgründung sind einige Aspekte zwingend zu beachten: 

  • Genehmigungen: Je nach Branche sind entsprechende Erlaubnisse, Genehmigungen oder Zertifikate erforderlich.  
  • Anmeldungen: Dies ist abhängig von der gewählten Rechtsform.  
  • Geschäftskonto: Gründer sollten bereits am dem ersten Cent Umsatz Privates von Geschäftlichem trennen.  
  • Versicherungen: Je nachdem, welche Branche und welche Tätigkeit ausgeübt wird, sollten Gründer sowohl sich als auch ihr Unternehmen versichern. 

2. Welche Fördermittel, Zuschüsse und Finanzierungen gibt es?

Beim Thema Existenzgründung kommt schnell die Frage nach der Finanzierung auf: Wie bekomme ich Startkapital und welche Fördermittel gibt es für die Existenzgründung? Oftmals ist die Förderung von der speziellen Gründungssituation abhängig – also, ob im Haupt- oder Nebenerwerb gegründet wird oder ob die Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit oder aus dem Studium erfolgt. Für jeden Gründer gibt es passende Fördermittel, Zuschüsse und Finanzierungsangebote.

Für wen?Finanzierung
Alle Existenzgründer 
Gründer aus der Arbeitslosigkeit 
Studentische Gründer
Start-ups
  • INVEST Zuschuss für Wagniskapital 
  • High-Tech Gründerfonds (HTGF) 

3. Was ist eine gute Geschäftsidee?

Keine Existenzgründung ohne Geschäftsidee. Was zur Findung der Geschäftsidee helfen kann, sind diverse Kreativitäts-Methoden. Inspirieren kann auch ein digitaler Streifzug durch bereits bestehende Geschäftsideen: Es gibt zahlreiche Start-ups, die eine Idee aus dem amerikanischen Markt in Deutschland umgesetzt haben.  

Die Geschäftsidee muss also nicht zwingend neu oder innovativ sein. Unternehmen, die Produktneuheiten an den Markt bringen, sind tatsächlich eher selten. Umso wichtiger ist es, dass Gründer sich mit ihrer Zielgruppe und dem Kundennutzen beschäftigen. Dabei helfen kann das Business Model Canvas. 

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass eine Geschäftsidee folgende Kriterien erfüllen sollte: 

  • Einen Bedarf erfüllen 
  • Ein echtes Problem der Zielgruppe lösen 
  • Der Zielmarkt muss ausreichend groß sein 
  • Ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen 

Existenzgründer, die mit einer bereits auf dem deutschen Markt erprobten Idee starten möchten, haben außerdem die Option der Franchisegründung. 

4. Beratung: Wer hilft mir, selbstständig zu werden?

Es gibt deutschlandweit viele Anlaufstationen, die Gründern unter die Arme greifen – sei es mit Informationen, Networking oder Beratung. Wir stellen die wichtigsten vor. 

Existenzgründungsberatung 

Der erste Schritt sollte der Gang zur örtlichen IHK bzw. HWK sein. Dort können Gründer sich umfangreich beraten lassen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Beratungsangebote, u. A. von Gründungsberatern. 

BeratungsangebotDetails
Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)Gutschein für eine kostenlose Gründungsberatung für Gründer aus der Arbeitslosigkeit 
Gründercoaching (Förderung unternehmerischen Know-hows)Zuschüsse für Beratungskosten 

Die Agentur für Arbeit bezuschusst den AVGS. So können Gründer aus der Arbeitslosigkeit besser in die Selbstständigkeit einsteigen. Das Gründercoaching wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst.

Neben AVGS und Gründercoaching bieten wir individuelle Beratungsangebote für jede Phase der Existenzgründung an – diese werden in den meisten Fällen ebenfalls gefördert. 

Existenzgründerseminar 

Die IHK und die Agentur für Arbeit bieten Existenzgründungseminare an. In diesen Kursen lernt man, was auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu beachten ist. Diese Seminare befassen sich unter anderem mit der Gründungsbürokratie – also Gewerbeanmeldung und Genehmigungen. Es werden zudem auch wichtige Aspekte wie die Erstellung eines Businessplans sowie Fördermittel aufgegriffen. Oftmals gibt es im gleichen Rahmen auch Workshops zur Businessplan-Erstellung. 

Gründer, die den Gründungszuschuss oder die Starthilfe beantragen möchten, müssen an einem Existenzgründer-Kurs des Arbeitsamts teilnehmen.

Vorlagen, Muster & Tools für die Existenzgründung 

Im Downloadbereich vom Für-Gründer.de gibt es Vorlagen und Tools von A wie AGB bis Z wie Zahlungserinnerung. Diese bieten Gründern vor, während und nach dem Start den Support, den sie brauchen. Diese Dokumente können vollständig kostenlos heruntergeladen und verwendet werden. 

5. Welche besonderen Bedingungen gelten für meine Gründungssituation?

Bevor es mit der Planung der Existenzgründung los geht, sollten Gründer sich ihre derzeitige Lebenssituation ansehen. Denn je nach Gründungssituation gibt es verschiedene Richtlinien und Bedingungen. 

  • Gründen aus der Arbeitslosigkeit: Gründer, die ALG I oder II beziehen, müssen bei ihrer Existenzgründung auf die maximale Arbeitszeit achten. Gewinne werden zudem ab einer gewissen Höhe auf den Bezug von ALG I bzw. II angerechnet. 

  • Studentische Gründer: Gründet man während des Studiums, gibt es Einschränkungen bzgl. der Arbeitszeiten und des Verdiensts. Werden diese überschritten, wird der Studentenstatus aberkannt und Gründer erhalten u. U. kein BAföG mehr. 

  • Gründen im Nebenberuf: Möchte man neben dem Hauptjob eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen, muss dies zwingend im Vorhinein mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Darüber hinaus gelten Auflagen: So darf die nebenberufliche Selbstständigkeit bspw. dem Hauptberuf keine Konkurrenz machen – sowohl vom Inhalt her als auch vom zeitlichen Aufwand. 

Existenzgründung als hauptberufliche Tätigkeit 

Wenn Gründer sofort Vollzeit mit einer selbstständigen Tätigkeit loslegen möchten, können im Gegensatz zu den anderen Gründungssituationen finanzielle Risiken entstehen, da es keinen Fallback gibt. Jedoch müssen auf der anderen Seite keine Grenzen oder Richtwerte bei Arbeitszeit und Einkommen beachtet werden. 

6. Existenzgründung: Businessplan erstellen

Bevor es mit den praktischen Gründungsschritten losgeht, steht die Planung der Existenzgründung an. Dies erfolgt in den meisten Fällen durch die Erstellung eines Businessplans. Wer einen leichteren Einstieg benötigt, kann mit dem Business Model Canvas starten. 

Gründer, die auf externes Kapital angewiesen sind, benötigen zwingend einen Businessplan. Denn Banken oder auch die Agentur für Arbeit vergeben keine Kredite bzw. Zuschüsse, wenn kein ausgearbeiteter Geschäftsplan den Erfolg des Unternehmens nach der Startphase bezeugt. 

Mit einem Businessplan werden alle wichtigen Themen abgehakt, u. a.: 

  • Idee und Angebot 
  • Zielgruppe 
  • Markt und Wettbewerb 
  • Strategie 
  • Marketing 
  • SWOT-Analyse 
  • Finanzplan 

Da gerade der Finanzplan vielen Existenzgründern Bauchschmerzen bereitet: Ein Tool für den kompletten Businessplan hilft bei der Erstellung und nimmt Gründern viele Berechnungen im Finanzplan ab: 

Businessplan-Tool testen 

7. Rechtsform wählen & Gründungsschritte

Steht der Businessplan, kann das Unternehmen endlich formal gegründet werden. Je nach Branche oder Tätigkeit müssen Gründer sich zunächst um erforderliche Genehmigungen, Erlaubnisse oder Zertifikate kümmern. Diese müssen vorliegen, bevor die Anmeldeschritte bei den Behörden vorgenommen werden können. 

So benötigen Gründer zur Eröffnung eines Restaurants etwa ein Gesundheitszeugnis, eine Schanklizenz und eine Unterrichtung der IHK. Für Berufe im Handwerk wird in der Regel ein Meisterbrief benötigt. Eine Übersicht zeigt unser Artikel Genehmigungen für die Existenzgründung

Existenzgründung – welche Rechtsform ist am besten? 

Das kommt darauf an, was Gründer mit dem Unternehmen geplant haben – soll es der kleine Foodtruck sein, der später in ein Restaurant überführt werden soll? Oder die Massagepraxis? Sofern die Geschäftsidee Risiken mit sich bringt, empfiehlt sich eine Haftungsbeschränkung. Diese bringen Kapitalgesellschaften mit – dafür sind hier aber die Gründungkosten höher. Für Kleingründungen mit geringem Risiko und kleinem Umfang eignen sich das Kleingewerbe oder eine GbR. Diese Rechtsformen können schnell und kostengünstig gegründet werden. 

Von der Rechtsform hängen die konkreten Anmeldeschritte ab: 

RechtsformAnmeldeschritte
Kleingewerbe, Einzelunternehmen, GbR 
Freiberufler 
UG, GmbH, AG etc.
  • Notartermin + Handelsregistereintrag 
  • Gewerbeanmeldung 
  • Anmeldung beim Finanzamt (steuerlicher Erfassungsbogen) 
  • Anmeldung bei IHK oder HWK 

Rechtsformübergreifend ist darüber hinaus eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft erforderlich. Freiberufler müssen individuell abklären, ob sie zur Mitgliedschaft bei der Künstlersozialkasse oder Berufsgenossenschaft verpflichtet sind. 

Sollen Mitarbeiter beschäftigt werden, muss bei der Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer beantragt werden. 

TIPP

Ab dem ersten Tag beruflich und privat trennen: mit einem Geschäftskonto. Welches das beste ist, zeigt der Geschäftskonten-Vergleich. 

Geschäftskonten vergleichen

8. Nach der Gründung: Versicherungen, Buchhaltung & mehr

Ist die Existenzgründung abgeschlossen, müssen Gründer sich noch weiteren Themen widmen: 

Versicherungen

Grundsätzlich müssen sowohl das Unternehmen als auch die Gründer selbst abgesichert sein. Je nach Branche und Tätigkeit können die relevanten Versicherungen variieren. Zu empfehlen ist immer eine Gewerbeversicherung für die jeweilige Branche plus Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- sowie Berufsunfähigkeitsversicherung. 

Online-Auftritt

Heutzutage ist ein eigener Auftritt im Web wichtiger denn je. Dafür muss zunächst eine Strategie für die Website und/oder andere Kanäle entwickelt werden. Gründer müssen sich im Klaren sein, warum sie online gehen wollen und was damit erreicht werden soll. Bspw. kann ein Restaurant seine Speisekarte präsentieren und es ermöglichen, online einen Tisch zu reservieren. 

Marketing

Keine Kundschaft ohne Marketing – dies gilt für die meisten Unternehmen. Wer ein Ladengeschäft in einer belebten Fußgängerzone hat, kann mit Laufkundschaft rechnen. Ein Online-Dienstleister jedoch nicht. Deshalb ist es wichtig, relevante Marketing-Kanäle zu identifizieren und auf die richtigen Werbemittel zu setzen. 

Buchhaltung

Wer selbstständig tätig ist, muss sich um eine ordnungsgemäße Buchhaltung kümmern. Dazu gehört eine EÜR (für kleine Unternehmen) sowie die Rechnungsstellung. Ladengeschäfte müssen darüber hinaus noch Kassenbuch führen. Kapitalgesellschaften hingegen sind zur Bilanzierung verpflichtet und können ihre Buchhaltung nicht mit einer EÜR erledigen. 

9. Häufige Fragen zum Thema Existenzgründung

Was kostet eine Existenzgründung? 

Dies hängt stark von Geschäftsidee und Rechtsform ab. Theoretisch ist eine Gründung, bspw. als Online-Dienstleister im Kleingewerbe, bereits ab 100 Euro möglich. An Anmeldekosten fällt hier einzig die Gewerbeanmeldung an. 

Für Restaurants, die eingerichtet werden müssen, fallen ungleich höhere Kosten an. Eine Restaurantgründung mit einer Kapitalgesellschaft kann gerne 20.000 Euro oder mehr kosten. 

Wie komme ich an Startkapital für meine Existenzgründung? 

Je nach Geschäftsidee und Umfang können Gründer frei aus speziellen Finanzierungen für Unternehmen oder klassischen Bankkrediten wählen. Ebenso können Zuschüsse oder Fördermittel (sofern die Voraussetzungen erfüllt sind) beantragt werden. Zuschüsse müssen von den Gründern unter Umständen nicht zurückgezahlt werden. 

Wie lange dauert eine Existenzgründung? 

Wird mit einem Kleingewerbe oder mit einer GbR gegründet, kann die Existenzgründung bereits nach wenigen Wochen erledigt sein. Gründer von Kapitalgesellschaften (UG, GmbH, etc.) benötigen in der Regel etwas mehr Zeit: hier sollte mit mehreren Wochen bis hin zu einigen Monaten gerechnet werden. 

Welche Steuern fallen als Existenzgründer an? 

Je nach Rechtsform fallen unterschiedliche Steuern für Unternehmen an: 

RechtsformAnfallende Steuern
Kleingewerbe, Einzelunternehmen, GbR 
  • Einkommensteuer 
  • Gewerbesteuer 
  • Ggf. Vorsteuerabzug/Umsatzsteuer* 
  • Ggf. Lohnsteuer* 
Freiberufler 
  • Einkommensteuer 
  • Ggf. Vorsteuerabzug/Umsatzsteuer 
Kapitalgesellschaften 
  • Körperschaftsteuer 
  • Einkommensteuer 
  • Gewerbesteuer 
  • Ggf. Vorsteuerabzug/Umsatzsteuer* 
  • Ggf. Lohnsteuer* 

* Dies hängt davon ab, ob die Kleinunternehmerregelung angewendet wird. 

** Werden Mitarbeiter beschäftigt, fällt für diese Lohnsteuer an. 

10. Fazit: Existenzgründung leicht gemacht

Damit die Existenzgründung unkompliziert ablaufen kann, sollten Gründer sich an die beschriebenen Schritte halten:

  • Geschäftsidee finden
  • Gründungssituation identifizieren
  • Businessplan schreiben
  • Rechtsform wählen
  • Genehmigungen einholen
  • Relevante Förderungen, Zuschüsse o. Ä. beantragen
  • Unternehmen anmelden
  • Geschäftskonto eröffnen

Je nach Rechtsform und Tätigkeit kann sich die Reihenfolge dieser Schritte unterscheiden. Der nächste Schritt für Existenzgründer ist jetzt die Erstellung eines Businessplans. Dabei hilft unser Leitfaden:

Businessplan erstellen