Finanzierungsplan für Unternehmen

Wer gründet, braucht zunächst Geld, um Investitionen zu tätigen, Arbeitsräume anzumieten, Mitarbeiter einzustellen oder das eigene Gehalt auszuzahlen. Um das alles finanzieren zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Diese werden im Finanzierungsplan festgehalten. 

Der Finanzierungsplan ist ein zentrales Element im Finanzplan und von besonderer Bedeutung für Kreditgeber und Investoren. Diese werden nur in ein gesundes Unternehmen investieren, dessen Finanzierung sauber geplant ist.

Was ist der Finanzierungsplan?

Im Kapitalbedarfsplan rechnen Sie aus, was Ihre Gründung in den ersten Jahren kosten wird und wieviel Geld Sie brauchen, damit Sie immer flüssig bleiben. Im Finanzierungsplan stellen Sie anschließend dar, wo das nötige Geld herkommen soll und wie Sie die Liquidität des Unternehmens langfristig sichern. Es gibt grundsätzlich zwei Arten der Finanzierung:

  1. Eigenkapital
  2. Fremdkapital

Durch Fördermittel lassen sich sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital aufstocken. Der Finanzierungsplan ist wesentlicher Bestandteil des Finanzplans und gibt Banken, Kreditgebern und Investoren eine Übersicht über die Gesamtfinanzierung des Unternehmens und finanzielle Risiken. Um einen Finanzierungsplan sauber aufzusetzen, empfiehlt es sich mit einer Finanzplan-Vorlage oder einer Finanzplan-Software zu arbeiten. So bekommen Sie schon bei der Erstellung zahlreiche Tipps, wie Sie Ihre Finanzierung auch in Zeiten der Krise hinbekommen und können am Ende den Finanzierungsplan ganz einfach in einen professionell gestalteten Businessplan integrieren.

1. Eigenkapital

Die häufigste Form der Finanzierung einer Gründung ist Eigenkapital. In der Regel dauert es eine ganze Weile, bis Gründer den ersten Gewinn einfahren und sich das Unternehmen selbst trägt. Ohne Startkapital loszulegen und sofort erfolgreich zu sein, gleicht einem Lottogewinn und kommt genauso selten vor. Zudem ist Finanzierung der Existenzgründung ohne eigene Mittel nicht realisierbar, da Ihnen kein Kapitalgeber Geld gibt, wenn Sie nicht selbst bereit sind, eigenes Geld zu investieren. Zum anderen ist es auch nicht sinnvoll, da Sie sonst zu 100 % von fremden Kapitalgebern abhängig sind bzw. Sie zumindest einen Großteil des Unternehmens abgeben müssen.

Finanzierung durch eigenes Geld

Gründungen sind dann am einfachsten, wenn man über das notwendige Kapital selbst verfügt, sei es durch Ersparnisse, geerbtes Geld, Verkauf von Vermögenswerten oder großzügige Geschenke aus der Verwandtschaft. Wenn man ausschließlich mit eigenem Geld gestartet ist und das spätere Wachstum ausschließlich aus dem operativen Geschäft finanziert, spricht man von Bootstrapping.

Staatliche Zuschüsse und Fördermittel

Der Staat hat ein großes Interesse an erfolgreichen Unternehmen, die irgendwann auch neue Arbeitsplätze schaffen und unterstützt Gründer deshalb mit dem Gründungszuschuss. Darüber hinaus bietet insbesondere die KfW Bank zahlreiche Förderprogramme für Existenzgründer und Unternehmen an. Es lohnt sich, die unzähligen Möglichkeiten mit unserem kostenlosen Fördermittelcheck zu prüfen.

Privatdarlehen

Verwandte oder Freunde sind naheliegende Geldgeber, sofern sie über das notwendige Kapital verfügen und ein Vertrauen in Ihre Fähigkeiten und Ihre Geschäftsidee haben. Sprechen Sie also ganz offen mit Freunden und Verwandten über Ihre Idee, um einen Kreditgeber oder Investor im engsten Kreis zu finden. Seien Sie sich aber bewusst darüber, dass Gründungen ein sehr riskantes Investment sind und Ihr persönliches Verhältnis dadurch belastet werden könnte. Und schließen Sie in jedem Fall einen Vertrag ab, damit es am Ende für beide Seiten keine bösen Überraschungen gibt. Darin werden Höhe, Laufzeit und Zinsen festgehalten sowie die genauen Konditionen der Rückzahlung. So vermeiden Sie Missverständnisse und falsche Erwartungen.

Finanzierung über Beteiligungen

Vielleicht findet ein Freund von Ihnen die Geschäftsidee so überzeugend, dass er kurzerhand einsteigen und das Unternehmen mit Ihnen zusammen gründen möchte. Somit trägt er auch das Risiko. Um das Interesse von Investoren zu wecken, muss Ihre Idee einzigartig und bereits erfolgreich erprobt sein und zudem rasantes Wachstum versprechen. Ansonsten haben Business Angels in der Regel kein Interesse an einer Beteiligung.

Steht eine vielversprechende Geschäftsidee noch auf dem Prüfstand, können Investoren auch ein sogenanntes Wandeldarlehen geben, also ein reguläres Darlehen, das sich ggf. in Unternehmensanteile umwandeln lässt. Der große Vorteil: Obwohl es sich um ein Darlehen handelt, wird es als Eigenkapital verbucht, was spätestens dann wichtig wird, wenn Sie einen Bankkredit benötigen.

Finanzierung über die Crowd

Crowdfunding ist eine noch recht junge Finanzierungsform, die durch einige spektakuläre Geschichten aus dem Netz groß geworden ist. Ob man sich aber zutraut, gleich mit einer ganzen Masse von Investoren zu verhandeln, muss jeder für sich selbst prüfen. Ohne entsprechende Medienkompetenz sollte man lieber die Finger davon lassen.

2. Fremdkapital

Ein Unternehmen nur mit Eigenkapital zu finanzieren, ist auf Dauer sehr schwierig. Vor allem bei größeren Investitionen sind Unternehmen auch auf Fremdkapital angewiesen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die allerdings meistens erst dann in Frage kommen, wenn ein Unternehmen entsprechende Zahlen und Sicherheiten vorlegen kann.

Fremkapital wird Ihnen nur für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung gestellt. Für das Bereitstellen der Finanzierung erhalten Fremdkapitalgeber in der Regel einen Zins und verlangen die Rückzahlung des Kapitals nach einer vereinbarten Dauer. Bitte beachten Sie, dass Fremdkapital nur für eine gewisse Zeit zur Verfügung gestellt wird, d. h. Sie müssen sich frühzeitig über die Refinanzierung Gedanken machen. Auch die Tatsache, dass Sie für Fremdkapital Zinsen bezahlen und ggf. Darlehen tilgen müssen – was sich entsprechend negativ auf die Liquidität auswirkt – dürfen Sie nicht außer Acht lassen.

Darlehen von der Hausbank

Viele Unternehmen haben nach wie vor eine Hausbank, die sie bei der Finanzierung unterstützt. Die Hausbank gewährt hauptsächlich zwei Arten von Krediten: den Betriebsmittelkredit für kurzfristige Finanzspritzen und den Investitionskredit für langfristigere Anschaffungen. Dabei handelt es sich meistens um Tilgungsdarlehen, die über den gesamten Darlehenszeitraum in festen Raten mit Zinsen zurückbezahlt werden. Aufgrund fehlender Sicherheiten ist es für Gründer und junge Unternehmer allerdings häufig schwer, an ein Darlehen zu kommen. Umso wichtiger ist ein fundierter Business- und Finanzplan.

Online-Kreditbörsen 

Im Internetzeitalter gibt es immer mehr Online-Kreditanbieter, die schnelle Kredite anbieten und eine Marktlücke füllen. Sie bieten vergleichsweise unkomplizierte Kredite speziell für Gründer an, lassen sich das Risiko aber auch gut bezahlen. Aber auch hier wird die Bonität geprüft und es werden Sicherheiten verlangt.

Staatliche Förderdarlehen

Banken vergeben an Unternehmen, die noch keine schwarzen Zahlen schreiben, meistens keine Kredite. Deshalb stellen staatliche Förderbanken wie die KfW Bank Kredite als Fremdkapital für Gründer bereit. Allerdings ist auch für einen Förderkredit eine Hausbank unerlässlich, denn diese stellt den Antrag und trägt häufig zumindest einen Teil des Risikos.

Kontokorrentkredit

Der Kontokorrentkredit (im privaten Bereich bekannt als "Dispo") eignet sich weniger zur Finanzierung von Gründungen. Erstens ist er vergleichsweise teuer und zweitens ist der Kreditrahmen meistens überschaubar, sodass er eher als Puffer für kurzfristige Engpässe betrachtet werden sollte, mit dem man aber im Finanzierungsplan eher nicht rechnet.

Finanzierungen im Finanzplan aufnehmen

In Ihrem Finanzierungsplan erfassen Sie nun die notwendigen Finanzierungen, um den festgestellten Kapitalbedarf zu decken: angefangen vom selbst eingebrachten Startkapital, Beteiligungen von Investoren bis hin zu Fördermitteln. Wichtig sind dabei bspw. bei einem Kredit Angaben zur Kreditsumme, der Laufzeit, den Zinsen und der Art der Tilgung (Bild). Ein Finanzplan-Tool erstellt dann automatisch den Finanzierungsplan und aktualisiert fortlaufend die Liquiditätsplanung. So bekommen Sie einen schnellen Überblick, ob das Kapital reicht oder ob Sie in absehbarer Zeit weitere Geldgeber finden müssen.

Alternative Finanzierungsformen berücksichtigen

Neben den klassischen Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierungen wollen wir Sie an dieser Stelle auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten hinweisen, die Sie zum Start Ihrer Gründung nutzen können:

  • Einkaufsfinanzierung: Statt eines Betriebsmittelkredits können Sie spezialisierte Anbieter nutzen, um Waren vorzufinanzieren
  • Factoring: Damit gestellte Rechnungen schnell zum Zahlungseingang führen, bietet sich Factoring an
  • Leasing: Statt höhere Investitionen auf einen Schlag zahlen zu müssen, können Sie Leasing nutzen und monatliche Raten zahlen

Durch diese Finanzierungsmöglichkeiten können Sie den Kapitalbedarf reduzieren. Erläutern Sie den Einsatz dieser Instrumente auf jeden Fall in Ihrem Textteil zum Finanzierungsplan.

Das optimale Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital

In der Gründungsphase werden Sie zunächst vorwiegend Eigenkapital einsetzen, da es für die meisten Gründer schwierig sein dürfte, Fremdkapitalgeber zu finden. Banken stellen hohe Anforderungen an eine Besicherung oder Bürgschaften. Zudem ist sich privat Geld zu leihen meistens billiger und einfacher. Mit zunehmender Reife Ihres Unternehmens wird es dann aber auch immer wichtiger, eine effiziente Kapitalstruktur sicherzustellen – sprich: etwas mehr Fremdkapital einzusetzen, um auch wachsen zu können.

Sobald konkrete Zahlen vorgewiesen werden können, wird die Finanzierung über Fremdkapital immer leichter, schließlich können Ihre Geldgeber mit einem erfolgreichen Geschäft auch selbst vergleichsweise risikofrei Geld verdienen.

Die Finanzkrise hat allerdings gezeigt, dass eine zu hohe Verschuldung zu Problemen führen kann. Unsere „Goldene Regel“ lautet deshalb, dass ein Unternehmen bis maximal 60 % fremdfinanziert sein sollte – dies ist jedoch nur eine Empfehlung und hängt stark vom jeweiligen Geschäftsmodell ab. Nichtsdestotrotz ist es gerade in Krisensituationen besser, wenn man nicht zu stark auf Fremdkapitalgeber angewiesen ist, die indirekt auch einen Einfluss und Druck aufs Unternehmen ausüben können.

TIPP

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Fazit: Der Finanzierungsplan im Businessplan

Mit dem Finanzierungsplan zeigen Sie im Businessplan auf, wie Sie die Finanzierung für Ihre Existenzgründung sicherstellen möchten.

Beschreiben Sie, für welche Form der Finanzierung Sie sich warum entschieden haben und wie das Verhältnis von Eigenkapital und Fremdkapital aussehen soll. Das Ziel sollte sein, dass Sie ein gut ausgearbeitetes Finanzierungskonzept präsentieren, dass sowohl mögliche Eigenkapital- wie auch Fremdkapitalgeber überzeugt und auf eine gesunde Mischung aufbaut.

Nachdem Sie die Finanzierung sichergestellt haben, schließen Sie den Finanzplan mit der Rentabilitätsrechnung ab.

TIPP

Mit der Finanzierung steht und fällt oft eine mögliche Existenzgründung. Nutzen für die Erstellung des Businessplans (als wichtigstes Dokument möglicher Kapitalgeber) und die Sicherstellung der Finanzierung das geförderte Gründercoaching – ein erfahrener Gründercoach unterstützt Sie tatkräftig bei Ihrer Gründung!

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