So sehen Deutschlands Gründerinnen aus: Fünf Ideen von Fempreneuers



Deutschland hat zu wenige Gründerinnen. Frauen machen laut dem aktuellen Female Founders Monitor gerade einmal einen mageren Anteil von 15 Prozent der gesamten Gründer in Deutschland aus. Das ist zu wenig, finden wir. Denn die wenigen Fempreneurs warten mit spannenden und zukunftsorientierten Geschäftsideen auf. Wir stellen euch heute fünf Highlights vor.

meinGaragenverkauf – Heimflohmarkt geht heute auch online

Hand aufs Herz: Wie viele Dinge, die ihr seit Ewigkeiten nicht mehr in die Hand genommen habt, stehen bei euch zu Hause herum? Über die Jahre sammelt sich dann doch eben viel Kleinkram an, der eigentlich nur unnötig Platz wegnimmt. Trotzdem trennt man sich davon oft nur sehr ungern, denn schließlich liegen einem diese Dinge auch irgendwie am Herzen.

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Mompreneuer Julia Wolf hat sich mit dem Online-Marktplatz meinGaragenverkauf selbstständig gemacht. (Foto: meinGaragenverkauf)

Das sah auch Mompreneur Julia Wolf so und ließ sich bei der Lösungsfindung von ihrem Sohn inspirieren, der einen Garagenflohmarkt Zuhause veranstalten wollte. Um ein besseres Ergebnis unabhängig von der Laufkundschaft zu erzielen, kam ihr die Idee zum Online-Marktplatz meinGaragenverkauf. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei im Grunde um einen privaten Garagenverkauf beziehungsweise Hausflohmarkt – nur online. Das Besondere dabei ist, dass die abzugebenden Stücke nur an bestimmte Personen weitergereicht werden.

Und das funktioniert so: Wenn ihr ausreichend Dinge aussortiert habt, könnt ihr über das Shop-Modul euren eigenen Flohmarkt einrichten. Zu diesem ladet ihr anschließend per E-Mail Leute aus eurem Bekanntenkreis ein. Nur diese haben Zugang zu eurem Shop. So ist sichergestellt, dass die Verkaufsgegenstände auch tatsächlich im angegebenen Zustand sind – ein unschlagbarer Vorteil gegenüber anderen Online-Flohmärkten. Auf der anderen Seite könnt ihr eure alten Schätze zuversichtlich an Leute abgeben, bei denen ihr euch sicher seid, dass sie sich angemessen darum kümmern werden.

TerraLoupe – die Welt messbar gemacht

Karten sind schon seit langer Zeit ein wichtiges Werkzeug für den Menschen. Und daran hat sich auch in der heutigen Zeit nichts geändert. Das Start-up TerraLoupe von Gründerin und Geschäftsführerin Manuela Rasthofer betrachtet das Thema aus einer neuen Perspektive – von oben. Das Unternehmen wertet Luftbildaufnahmen zentimetergenau aus. Das klingt nach extrem viel Arbeit und das war es zu Beginn auch. Dank Deep-Learning erfolgt die Auswertung mittlerweile jedoch größtenteils maschinell.

Aus den Luftbildaufnahmen wird so ein virtuelles Abbild der jeweiligen Region erstellt, das weit über eine normale Karte hinausgeht. So wird nicht nur ein Abbild geschaffen, sondern die Bestandteile desselben auch einzeln ausgewertet und klassifiziert. Auf diese Weise ist es beispielsweise möglich, Verkehrszeichen entlang einer Strecke zu identifizieren oder geeignete Flächen für Bauprojekte zu erkennen.

Die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie sind breit gefächert. Versicherer können beispielsweise eine genauere Werteinschätzung einer Immobilie vornehmen, die unter anderem Fensterflächen, Umfeld und auf dem Dach installierte Solarzellen berücksichtigt. Auch für das Merketing spielen derlei Auswertungen eine große Rolle, wenn es darum geht, die relevante Zielgruppe besser zu bestimmen. Das wohl größte Anwendungsgebiet ist jedoch das Autonome Fahren. Hier sind aktuelle und genaue Karten unverzichtbar, damit es möglich ist, Verkehrsregeln genau einzuhalten und das Fahrverhalten auf die jeweilige Situation anzupassen.

Original Unverpackt – Supermarktbesuch mal anders

Wenn man an einen Supermarkt denkt, kommen einem als erstes wohl lange Regalreihen mit verschiedensten Lebensmitteln in den Sinn. Gefühlt versucht dabei jedes Produkt das nächste auszustechen, wenn es um die Farbauswahl der Verpackung geht. Man muss ja schließlich auch auffallen.

Dass es auch anders geht, zeigt der Original Unverpackt Markt in Berlin. Die Lebensmittel hier werden nicht in Einmal- und Kunststoffverpackungen feilgeboten. Stattdessen bringt der Kunde seine eigenen Behältnisse mit. Darin werden die jeweiligen Produkte dann abgefüllt und vor dem bezahlen abgewogen – bezahlt wird nach Gewicht.

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Vorreiter in der Lebensmittelbranche? Bei Original Unverpackt ist der Name Programm. (Foto: Original Unverpackt)

Gründerin Milena Glimbovski realisierte das Projekt 2014 nach einer sehr erfolgreichen Crowdfunding-Aktion. Mittlerweile gibt es Original Unverpackt seit fünf Jahren, die Jubiläumsfeier steht kurz vor der Türe. Passend dazu ist derzeit der zweite Laden in Planung, noch im Herbst soll dieser eröffnet werden.

Wenn ihr jetzt denkt: “Hey, das kommt mir doch bekannt vor!”, verwundert das nicht. Mittlerweile gibt es deutschlandweit einige Unverpackt-Läden. Auch größere Ketten haben das Konzept zumindest für einen kleinen Teil ihres Angebots übernommen. Gründerin Milena scheint das jedoch nicht als Konkurrenz zu sehen, sondern vielmehr aktiv zu unterstützen: In einem Online-Seminar erklärt sie Unverpackt-Begeisterten, wie diese ihren eignen Laden eröffnen können.

Careship – Pflegenotstand angepackt

Die Gründer-Geschwister Antonia und Nikolaus Albert haben mit dem Thema Pflegenotstand private Erfahrungen gemacht. Um das Problem anzugehen, gründeten sie 2015 das Start-up Care Companion, besser bekannt unter dem Namen Careship. Dieses vermittelt qualifiziertes Pflegepersonal online an pflegebedürftige Menschen, in erster Linie an Senioren und Menschen mit Behinderung.

Das Angebot beinhaltet verschiedenste Teilbereiche, denn die Bedürfnisse der Kunden sind teilweise sehr verschieden. In manchen Fällen geht es zum Beispiel schlicht darum, einer Person Gesellschaft zu leisten oder sie den Tag über zu beschäftigen. Andere brauchen Hilfe beim Einkaufen oder dem Haushalt. Und wieder andere sind auf Unterstützung beim Essen und der Körperpflege angewiesen.

Bei einem ersten Kennenlerntermin können sich Kunden und Helfer beschnuppern. Wenn die Chemie stimmt, kann die Hilfe daraufhin je nach Bedarf in Anspruch genommen werden, regelmäßig oder nur von Zeit zu Zeit. Das Pflegepersonal wird über Careship lediglich vermittelt, Voraussetzung hierfür ist demnach, dass die Helfer über einen eigenen Gewerbeschein verfügen.

tausendkind – Komplettausstattung für den Nachwuchs

Mit tausendkind haben sich die beiden Unternehmensberaterinnen Dr. Anike von Gagern und Dr. Kathrin Weiß schon 2010 selbstständig gemacht – mehr oder minder aus der Not heraus. In einem gewissen Alter kommt die Zeit, in der scheinbar der gesamte Freundes- und Bekanntenkreis Nachwuchs bekommt. Und viele Geburtstage bedeuten in der Regel auch viele Geschenke. Da man aber ungern zweimal dasselbe verschenken will, ist hier reichlich Kreativität – und oft auch sehr viel Zeit und Laufbereitschaft – vonnöten.

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Die beiden tausenkind-Gründerinnen Dr. Kathrin Weiß (l.) und Dr. Anike von Gagern waren zuvor Unternehmensberaterinnen – jetzt sind sie Mompreneuers. (Foto: tausendkind)

In einer solchen Lage fanden sich auch die beiden Gründerinnen wieder und machten sich daraufhin mit ihrer Geschäftsidee selbstständig. Im tausendkind-Onlineshop findet sich von Kleidung über Spiel- und Bastelsachen bis zu Möbeln und Dekoration alles, was Kinder und frischgebackene Eltern so brauchen könnten.

Wer dann noch immer nicht genügend Zeit oder Kreativität mitbringt, um das passende Geschenk zu herauszusuchen, der kann sich über den sogenannten ‘Geschenkefinder’ auch gleich Vorschläge geben lassen, passend zu der jeweiligen Gelegenheit und dem preislichen Rahmen.