Kleingewerbe anmelden: Schritt für Schritt von Amt zu Amt

Sie gründen alleine und möchten sich nicht als Kaufmann ins Handelsregister eintragen lassen? Oder Sie gründen zusammen mit anderen eine GbR? Dann starten Sie damit, was herkömmlich als Kleingewerbe bezeichnet wird. Und wie Sie das Kleingewerbe anmelden, zeigen wir Ihnen nachfolgend. Am Ende der Seite haben wir auch ein kurzes Video, das Ihnen bei der Anmeldung des Kleingewerbes hilft.

Zudem stellen wir Ihnen eine Vorlage für die Anmeldung Ihres Kleingewerbes kostenfrei zur Verfügung. Wer als Kaufmann oder bspw. als GmbH beginnt, muss zusätzlich eine Anmeldung beim Handelsregister vornehmen. Freiberufler hingegen fallen nicht unter den Begriff Kleingewerbe.

Kleingewerbe, Kleinunternehmer, Handelsgewerbe

Eigentlich gibt es das „Kleingewerbe" gar nicht und doch wird die Bezeichnung häufig verwendet, um ein Gewerbe zu beschreiben, dass kein Handelsgewerbe ist und damit nicht im Handelsregister steht. Außerdem wird der Begriff Kleingewerbe häufig auch mit Kleinunternehmer bzw. der Kleinunternehmerregelung verwechselt. Der Status Kleinunternehmer hängt jedoch mit der Umsatzsteuer zusammen - und hat somit nichts mit dem Thema „Kleingewerbe anmelden" zu tun.

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Achtung: Freiberufler betreiben kein Kleingewerbe

Freiberufler fallen weder unter die Kategorie Kleingewerbe noch Handelsgewerbe. Sie müssen keine Anmeldung beim Gewerbeamt oder Handelsregister vornehmen und sind auch bei der IHK oder HWK außen vor. Dafür gibt es für einige Freiberufler Standeskammern oder die Anmeldung bei der Künstlersozialkasse ist Pflicht. Prüfen Sie, ob Sie zu den Freien Berufen zählen. Und lesen Sie hier, wo Sie eine freiberufliche Tätigkeit anmelden müssen.

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Auch wenn ein Geschäftskonto nicht unbedingt verpflichtend ist, bietet es sich für jeden Gründer an. Schon alleine um die privaten von den geschäftlichen Finanzen zu trennen. Wir stellen Anbieter für das Firmenkonto vor.

Im Hinblick auf das Thema Krankenversicherung haben Gründer die Wahl zwischen gesetzlich und privat. Egal, wie Sie sich entscheiden - unser Tipp lautet: machen Sie einen Vergleich.

Unterscheidung: Handelsgewerbe vs. Kleingewerbe anmelden

Laut Handelsgesetzbuch (§ 1 Abs. 1 HGB) ist ein Kaufmann, wer ein Handelsgewerbe betreibt. Soweit so gut. Dort steht auch, dass ein Handelsgewerbe jeder Gewerbebetrieb ist, es sei denn, dass

  • „das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert" (§ 1 Abs. 2 HGB).

„Art" meint die Komplexität der Geschäftsvorgänge oder auch die Vielfalt der geschäftlichen Handlungen. Mit „Umfang" sind u.a. das Umsatzvolumen, die Anzahl der Beschäftigten oder die Höhe des Betriebsvermögens gemeint.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass nicht jeder Gewerbebetrieb ein Handelsgewerbe ist. Und hier kommt dann wieder der häufig verwendete Begriff Kleingewerbe ins Spiel.

Beispiele für ein Kleingewerbe

Als Faustregel kann man sagen, dass mit einem Kleingewerbe Unternehmen gemeint sind, die nicht mehrere Hunderttausend Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften. Die herkömmlich als Kleingewerbe bezeichnete Gründung entsteht in der Regel, wenn man z.B. alleine gründet. Dann geht man automatisch als Einzelunternehmen an den Start. Wenn sich mindestens zwei Personen für ein gemeinsames Unternehmen zusammenschließen, wird daraus eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Und auch die GbR fällt dann unter den Begriff Kleingewerbe, da sie nicht ins Handelsregister eingetragen wird und damit kein Handelsgewerbe ist.

Beispiele für ein Handelsgewerbe

Wenn Sie sich als Einzelunternehmer bereits zu Beginn entschließen, dass Sie sich ins Handelsregister eintragen lassen wollen, erhalten Sie den Status Kaufmann und gelten nicht mehr als Kleingewerbe. Auch bei der Gründung einer GmbH oder UG muss automatisch der Eintrag ins Handelsregister erfolgen und man geht von dem im HGB zitierten Handelsgewerbe aus. Dabei ist zu beachten, dass der Eintrag ins Handelsregister durch einen Notar erfolgen muss. Wenn Sie z.B. eine GmbH Gründung planen, beurkundet dieser den Gesellschaftsvertrag und erstellt weitere Dokumente, die er dann beim Amtsgericht einreicht. Der Gründungsprozess an sich dauert auch länger, als wenn Sie eine GbR als Kleingewerbe anmelden.

Und auch wenn Sie zunächst als Kleingewerbe starten, wachsen Sie mit der Zeit sicherlich nach und nach. Und ab einer bestimmten Größe werden Sie zu einem Handelsgewerbe und müssen den Eintrag ins Handelsregister vornehmen. Aus der GbR wird durch den Eintrag dann automatisch eine Offene Handelsgesellschaft (OHG). Für den Kaufmann oder das Handelsgewerbe wie die GmbH oder UG gelten aber dann auch umfassendere Vorschriften nach der Gründung wie bspw. bei der Buchführung und Buchhaltung.

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Auf einen Blick: Wann ist Ihr Unternehmen ein Kleingewerbe?

Rechtsformen KleingewerbeRechtsformen Handelsgewerbe
EinzelunternehmenKaufmann
GbROHG
KG
UG, GmbH
AG

Das Kleingewerbe anmelden: der Gang von Amt zu Amt

Halten wir also final fest: wenn Sie nicht als Kaufmann, mit einer OHG, GmbH, UG oder anderen Kapitalgesellschaft in die Selbstständigkeit starten, dann beginnen Sie als Kleingewerbetreibender. Und somit stellt sich die Frage, wo Sie Ihr Kleingewerbe anmelden müssen?

Um ein Kleingewerbe anmelden zu können, sind Besuche bei gewissen Ämtern Pflicht. So muss es auch der Handelsgewerbetreibende machen. Allerdings muss der Gründer, der ein Kleingewerbe anmelden möchte, eine Sache nicht machen: Er muss sich nicht in das Handelsregister eintragen lassen. Kleingewerbetreibende und Freiberufler sind nämlich von der Eintragungspflicht ins Handelsregister befreit. Sie können sich aber freiwillig eintragen lassen, allerdings haben Sie dann auch eine ganze Reihe mehr an Rechten und Pflichten.

Also merken wir uns: Gründer, die ein Kleingewerbe anmelden wollen, können einen Bogen um das Handelsregister machen, alles andere bleibt aber gleich! Welche Schritte Sie als Gründer durchlaufen müssen, um ein Kleingewerbe anmelden zu können, wird nachfolgend Amt für Amt erklärt. Dabei spielen folgende Ämter für die Anmeldung Ihres Kleingewerbes eine Rolle:

Infografik: Unternehmen anmelden spielerisch erklärt

Nachfolgende Infografik zeigt Schritt für Schritt, in welcher Reihenfolge Sie die verschiedenen Behörden ansteuern müssen. Folgen Sie dabei stets der Figur, die Ihrer Rechtsform entspricht. Die Grafik öffnet sich bei Klick auf untenstehendes Bild.

Kleingewerbe anmelden beim Gewerbeamt

Fast alle Gründer müssen eine Gewerbeanmeldung durchführen. Nur Freiberufler brauchen dies nicht zu tun, sondern wenden sich direkt an das Finanzamt. Wer ein Kleingewerbe anmelden möchte, fordert einen Gewerbeschein vom Gewerbeamt oder dem Ordnungsamt der Gemeinde. Das Gewerbeamt befindet sich im Regelfall in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung. In Berlin kann man sich beispielsweise auch online registrieren und sein Kleingewerbe anmelden. In anderen Gemeinden erhalten Gründungsinteressierte die auszufüllenden Formulare vor Ort und geben sie dort auch wieder ab.

Achtung auch beim Kleingewerbe: Genehmigungen prüfen

Außerdem ist zu prüfen, ob man eine Genehmigung für das Gewerbe braucht. Einige Beispiele für erlaubnispflichtige Gewerbe in Deutschland sind: Altenpflege, Bauträger und Baubetreuer, Dachdecker, Fahrschulen, Glaser, Immobilienmakler, Maler und Lackierer, Parkettleger, Raumausstatter, Textilreiniger sowie Zimmerer. Wer sich nicht sicher ist, erkundigt sich bei der zuständigen IHK oder HWK.

Das Kleingewerbe nebenberuflich starten?

Man wird im Übrigen, sobald man ein Kleingewerbe anmelden möchte, auch gefragt, ob man haupt- oder nebenberuflich startet. Hier gibt es aber bis auf den Umfang der Tätigkeit selbst keine weiteren Unterschiede. Man hat die gleichen Rechte und Pflichten. Entschließt man sich zum nebenberuflichen Start, sollten man überlegen, ob man seinen eigenen Arbeitgeber darüber informiert, dass man ein Kleingewerbe anmelden wird.

Gewerbeanmeldung

Wenn Sie Ihr Kleingewerbe anmelden möchten, können Sie für das Gewerbeamt eine kostenlose Vorlage nutzen und einfach ausfüllen. 

Oftmals brauchen Sie für die Anmeldung nicht beim Gewerbeamt persönlich erscheinen, sondern können die Gewerbeanmeldung für Ihr Kleingewerbe online einreichen. Die Kosten belaufen sich je nach Gewerbeamt auf 10 bis 40 Euro. Erfahren Sie mehr Details zur Gewerbeanmeldung.

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Das Gründungspakt für Einzelunternehmer bzw. Kleingewerbetreibende bietet eine persönliche Unterstützung bei der Gewerbeanmeldung und bei allen Fragen rund um das Finanzamt - für nur 95 Euro (netto).

Kleingewerbe anmelden beim Finanzamt

In der Regel schickt das Finanzamt Kleingewerbetreibenden nach der Gewerbeanmeldung automatisch einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Außerdem erteilt das Finanzamt eine Steuernummer. Wer Waren oder Dienstleistungen innerhalb der EU umsatzsteuerfrei verkaufen oder erwerben will, muss eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen. Diese wird durch das Bundeszentralamt für Steuern vergeben. Wir haben die Kontaktdaten zu einem Finanzamt in Ihrer Nähe aufgelistet.

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Der Fragenbogen zur steuerlichen Erfassung ist etwas umfangreicher. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie diesen für Ihr Kleingewerbe ausfüllen.

Kleingewerbe anmelden und Betriebsnummer beantragen

Beschäftigen Gründer Angestellte, müssen sie beim Arbeitsamt eine Betriebsnummer beantragen. Die Betriebsnummer wird von der Bundesagentur für Arbeit vergeben und muss beantragt werden, sobald der erste Mitarbeiter eingestellt wird. Die Nummer ist sowohl für die Anmeldung zur Sozialversicherung als auch bei der Krankenkasse relevant. Der Antrag auf eine Betriebsnummer muss auch für Mini-Jobber und Auszubildende gestellt werden. Im Fall einer Betriebsübernahme müssen Sie eine neue Betriebsnummer beantragen.

Kleingewerbe anmelden: Industrie- und Handelskammer

Nach der Gewerbeanmeldung ist die Mitgliedschaft in einer der 80 Industrie- und Handelskammer (IHK) nötig. Sie ist für alle deutschen Unternehmen mit Ausnahme von Freiberuflern, landwirtschaftlichen Betrieben und Handwerkern Pflicht. Somit werden alle, die ein Kleingewerbe anmelden, auch IHK-Mitglied.

Ob bei der IHK Berlin, IHK München, IHK Köln oder IHK Stuttgart - wer ein Kleingewerbe anmelden möchte, muss sich auch bei der zuständigen IHK anmelden. Die IHK Mitgliedschaft erfolgt auf Basis des Firmensitzes und die Anmeldung im Regelfall durch das Gewerbeamt. Die zuständige IHK schickt dem Unternehmer dann ein Schreiben mit allen weiteren Infos zur IHK-Mitgliedschaft.

Kleingewerbe anmelden: bei der HWK erkundigen

Noch bevor Sie ein Kleingewerbe anmelden, müssen Sie sich erkundigen, ob das Gewerbe in die Handwerksrolle eingetragen werden muss. Bei der Handwerksrolle handelt es sich um ein Verzeichnis aller Betriebsinhaber zulassungspflichtiger Handwerke. Die Inhaber der Betriebe erhalten anschließend die Handwerkskarte. Die Handwerksrolle wird von der Handwerkskammer im jeweiligen Bezirk geführt.

Zu den zulassungspflichtigen Handwerken, die in die Handwerksrolle eingetragen werden, gehört:

  • wer die Meisterprüfung in dem zu betreibenden Handwerk abgelegt hat,
  • wer die Meisterprüfung in einem fachlich-technisch verwandten Handwerk abgelegt hat,
  • wer eine mindestens gleichwertige fachbezogene deutsche Prüfung abgelegt hat,
  • wer eine Ausübungsberechtigung nach § 7a oder § 7b HWO (Altgesellenregelung) besitzt oder
  • wer eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HWO oder als EU-Staatsbürger eine Ausnahmebewilligung nach § 9 HWO für das zu betreibende oder ein verwandtes Handwerk besitzt.

Kleingewerbe anmelden: Berufsgenossenschaft

Ein Kleingewerbe anmelden, bedeutet auch, sich bei der Berufsgenossenschaft einzutragen. Berufsgenossenschaften gibt es für verschiedene Branchen. Sie sind maßgeblich für die gesundheitlichen Aspekte in Unternehmen zuständig. So müssen sich alle Unternehmen binnen einer Woche nach Gründung dort anmelden. Die Ausnahme machen zuständige landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften oder Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand.

Kleingewerbe anmelden mit Mitarbeitern

Angestellte sind bei der jeweiligen Krankenkasse zu melden. Meldungen bei der Krankenkasse werden nicht nur beim Eintritt eines neuen Mitarbeiters fällig, sondern auch zu anderen Zeitpunkten. Informieren Sie sich hierzu am besten bei der jeweiligen Krankenkasse. Für die Überweisung der Beiträge und die weiteren Meldefristen stellt die Krankenkasse gerne aktuelle Merkblätter zur Verfügung.

TIPP

Wenn man ein Kleingewerbe anmelden möchte, wird man auch gefragt, ob die eigenen Daten zu Werbe- oder Informationszwecken weiter gegeben werden dürfen. Dies sollte man verneinen, da man sonst Wochen damit verbringt, (Werbe-)Angebote abzuwehren.

Step by step erklärt: Die Unternehmensanmeldung

Was Sie sonst noch für Ihr Kleingewerbe brauchen

Ihr Kleingewerbe anzumelden ist der formale Schritt in die Selbstständigkeit. Nachfolgend geben wir Ihnen noch weitere Dinge mit, an die Sie beim Start denken sollten:

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