So vermeidet ihr Mikromanagement



Wer alles kontrollieren will, verzettelt sich durch Mikromanagement. Wir zeigen euch, wie ihr Mikromanagement vermeidet und Zeit für die wesentlichen Aufgaben findet.

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Alles kontrollieren zu wollen, ist der sichere Weg ins Mikromanagement. Traut euren Mitarbeitern zu, dass sie ihre Aufgaben selbstständig lösen können. (Foto: Unsplash)

#1 Entscheidet euch für einen Führungsstil

Autoritär, demokratisch oder Laisser-faire? Der Führungsstil ist eure Richtschnur im Umgang mit euren Mitarbeitern. Dabei ist es wichtig, den zu eurem Charakter passenden Führungsstil festzulegen und diesen konsequent beizubehalten. Dadurch baut ihr eine stabile, nachhaltige und verlässliche Arbeitsbeziehung zu eurem Team auf. Wie euch das gelingt, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Leitfaden zur Personalführung.

Tipp: Nächste Woche werden wir in einem neuen Artikel die beliebtesten Führungsstile vorstellen.

#2 Führt ein Projektmanagement ein bzw. optimiert das vorhandene

Projektmanagement hat das Ziel, Workflows zu definieren. So weiß jeder Mitarbeiter, welche Aufgabe er bis wann zu erledigen hat. Hierfür gibt es effektive Projektmanagement-Software auf dem Markt, mit denen ihr Mikromanagement vermeidet. Wir aus der Redaktion empfehlen Trello, mit dem wir selbst täglich arbeiten.

#3 Eliminiert, automatisiert oder delegiert Aufgaben

Eure oberste Priorität sollte sein, eure Aufgaben zu beherrschen und nicht umgekehrt. Hier hat sich ein System bewährt, das bei der Einteilung von Aufgaben enorm hilfreich ist: eliminieren, delegieren oder automatisieren. Je häufiger in diesen Kategorien denkt, desto schneller könnt ihr Aufgaben abhaken, an den passenden Mitarbeiter weitergeben oder in automatische Prozesse integrieren.

Eliminieren

Vorsicht vor Routinen: Viele Arbeitsabläufe schleifen sich mit der Zeit ein – obwohl sie längst überflüssig geworden sind. Sinnlose Aufgaben sind nicht nur kontraproduktiv, sondern verringern laut einer Studie des IWH Halle auch die Mitarbeitermotivation. Zu den Top-Kandidaten dieser Kategorie gehören:

  • überflüssige Meetings
  • sinnlose Reportings
  • ausschweifende E-Mails
  • falsche Gewichtung von Aufgaben allgemein

Mal ehrlich: Der Inhalt vieler Mails lässt sich schneller am Telefon durchgeben und manches Reporting, das bei PowerPoint Stunden in der Erstellung dauert, kann gestrichen oder zumindest eingekürzt werden.

Automatisieren

Tools helfen euch in allen Unternehmensbereichen dabei, Aufgaben zu verschlanken: ein CRM, Social-Media-Planungstools oder Tools zur Zeiterfassung sind nur ein paar Beispiele. Aufgaben zu automatisieren, bedeutet, Zeit zu sparen und sich nicht mehr um jede einzelne Aufgabe kümmern zu müssen. Mikromanagement ade!

Delegieren

Eine gute Führungskraft weiß, wann sie Aufgaben abgeben muss. Vielen Start-up-Geschäftsführern fällt genau das aber besonders schwer. Die ersten Monate in der Anfangsphase der Gründung waren stressig, aber ihr habt alles selbst gesteuert und entschieden.

Das funktioniert so ab einer bestimmten Phase aber nicht mehr. Wenn euer Unternehmen wächst und ihr ein Team aufbaut, dann steht ihr vor einer anderen Herausforderung: Aufgaben zu delegieren. Damit das gelingt, braucht ihr Vertrauen.

#4 Vertraut euren Mitarbeitern

Hinter dem Problem Mikromanagement steckt das Bedürfnis nach Kontrolle, wohinter sich wieder die Angst verbirgt, dass Mitarbeiter scheitern. Es besteht also kein Vertrauen in die Fähigkeiten der Teammitglieder, was negative Folgen hat:

  • Ein Klima von Druck entsteht, daraus ergibt sich ein Motivationsverlust der Mitarbeiter.
  • Es passieren vermehrt Fehler.
  • Dadurch erhöht sich wiederum das Kontrollbedürfnis beim Mikromanager.
  • Mitarbeiter versuchen, sich der Kontrolle zu entziehen.
  • Eine Spirale setzt sich in Gang, an deren Ende beide Seiten resignieren.

Diese Abwärtsspirale ist beim Mikromanagement unvermeidbar.

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Vorsicht vor zu viel kleinteiliger Kontrolle: Mikromanagement führt in eine Abwärtsspirale. (Foto: Unsplash)

Vermeidbar ist zum Glück das Mikromanagement an sich, nämlich durch Vertrauen: Lasst eure Mitarbeiter in ihrem Aufgabenbereich selbstbestimmt agieren und Verantwortung übernehmen. Ihr gebt also einen Vertrauensvorschuss, was natürlich immer ein Risiko birgt. Gleichzeitig könnt ihr aber auch motivierte Mitarbeiter gewinnen. Wer dagegen Mikromanagement betreibt, der hat von vornherein verloren.

#5 Erlangt Respekt beim Team

Eure Mitarbeiter müssen euch respektieren, nur dann werden sie delegierte Aufgaben zufriedenstellend umsetzen. Doch Respekt lässt sich nicht einfordern. Ihr könnt jedoch eine starke Grundlage für Respekt schaffen, indem ihr eine Unternehmenskultur mit diesen Eckpfeilern bei euch etabliert:

Offene Kommunikation

Mitarbeiter achten Chefs, die offen für Feedback sind, eigene Fehler einräumen können und kurze Kommunikationswege wie das persönliche Gespräch oder das Telefon bevorzugen.

Gleichbehandlung

Eine gute Führungskraft behandelt alle Mitarbeiter gleich. Jeder bekommt also auf dieselbe, konstruktive Weise Feedback.

Motivationsfähigkeit

Ihr könnt bei euren Mitarbeitern Motivation nicht auf Knopfdruck aktivieren. Aber Perspektiven aufzeigen, mit denen diese sich identifizieren können und die sie intrinsisch motivieren. Dazu ist es wichtig, regelmäßig Mitarbeitergespräche zu führen, um ihre Erwartungen und Wünsche kennenzulernen.

#6 Perfektionismus ablegen

Gründer sind auf Problemanalyse und Lösungssuche geeicht, denn so begann bei den meisten von ihnen die Ausarbeitung eines Produktes oder einer Dienstleistung. Aber ihr wisst auch aus eigener Erfahrung, dass der Weg hin zu einer solchen Lösung nicht perfekt verläuft.

Warum also solltet ihr Perfektion von Mitarbeitern erwarten? Erlaubt euch und euren Mitarbeitern, Fehler zu machen. Diese Fehler und die sich daraus ergebenden Konsequenzen auszuhalten, kann manchmal hart sein. Und natürlich sollte auch eine Fehlertoleranz ihre Grenzen haben. Entscheidend für einen guten Umgang mit Fehlern ist, dass alle Beteiligten die Absicht haben und auch umsetzen, aus ihnen lernen zu wollen.

#7 Einen Coach oder Mediator hinzuziehen

Ein versierter Coach kann euch von außen beobachten und individuelle Tipps geben, wie ihr bei Mikromanagement gegensteuern könnt. Man selbst ist schließlich oft betriebsblind für die eigenen Schrullen. Darüber hinaus kann ein Coach oder Mediator euch und euer Team bei der Umsetzung aller vorher genannten Schritte unterstützen.

Fazit: Die Balance ist wichtig

Mikromanagement abzulegen bedeutet nicht, alle Zügel aus der Hand zu geben. Und selbstverständlich müsst ihr als Geschäftsführer Prozesse überprüfen. Die Balance zwischen Kontrolle und Vertrauen zu finden, ist zugegebenermaßen eine anspruchsvolle Herausforderung, die täglich geübt werden muss. Doch diese Übung lohnt sich, da ihr mit jedem Tag eine bessere Führungskraft werdet. Und das trägt entscheidend zu eurem Unternehmenserfolg bei – ganz ohne Mikromanagement.

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