Unternehmenskultur für Start-ups: 6 Tipps für die praktische Umsetzung



Wohl jedes Start-up möchte eine Unternehmenskultur, mit der sich alle im Team wohlfühlen und entwickeln können. Wie aber setzt ihr eine gelungene externe wie interne Kommunikation im Alltag um, innerhalb derer ihr Werte lebt, für die euer Start-up einsteht? Gründer und Studien verraten es. 

Artikel mit theoretischen Tipps für die Etablierung einer Unternehmenskultur gibt es viele. Aber was könnt ihr konkret und in eurem Alltag tun, um diese Kultur auch zu pflegen? Vier erfolgreiche Unternehmer verraten es euch.

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Sich aufeinander verlassen können und zusammenhalten – was so banal für die Unternehmenskultur klingt, ist in Wahrheit eine tägliche Herausforderung. (Foto: piktochart)

#1 Jeden Einzelnen wertschätzen

Habt ihr das folgende Credo schon einmal gehört?

Wenn nicht kritisiert wird, ist das Lob genug.

Diese Einstellung hat fatale Folgen, denn eure Teammitglieder brauchen Lob und Anerkennung für die Arbeit, die sie täglich leisten. So ergab eine Studie der Relocation-Agentur Suite&Co, dass Fachkräften die Wertschätzung vom Chef wichtiger ist als Statussymbole. Demnach heißt es in der Studienauswertung:

Ein Wunschauto für das Wochenende, eine Wochenendreise oder ein Concierge-Services? Der Mehrheit der Fachkräfte ist dies laut Studie nicht wichtig. Was zählt, sind vielmehr anerkennende Worte des Vorgesetzten: Mehr als drei Viertel aller Befragten (76 Prozent) Fachkräften sind der Meinung, dass ein wertschätzendes Danke für besondere Leistungen motivieren kann.

Und das Beste dabei ist: Diese Form der Wertschätzung ist völlig kostenlos. Wenn ihr sie ehrlich rüberbringt.

#2 Offene Kommunikation pflegen

Aus einer Mücke kann schnell ein Elefant werden, wenn Konfliktpunkte nicht frühzeitig angesprochen werden. Helen von R3SOLUTE hat dafür eine gute Lösung direkt aus dem Unternehmensalltag parat:

Wenn es mal ein Problem geben sollte, was sehr selten vorkommt, suchen wir immer den offenen Dialog und finden eine Lösung. Es ist uns wichtig, dass jeder auf seine Kosten kommt, und dabei spielt offene Kommunikation eine große Rolle.

Mit dieser offenen Kommunikation, die tatsächlich gepflegt und nicht nur in der Stellenbeschreibung behauptet wird, können Unternehmen Unzufriedenheit schnell aus der Welt schaffen. Entscheidend hierfür ist, dass diese Kommunikation nicht nach dem Top-Down-Prinzip und angstfrei verläuft. So Helen weiter:

Meiner Meinung nach ist es das Wichtigste, dass jeder im Team gehört wird und seine Anregungen aber auch Bedenken ungezwungen und in einem vertrauten Rahmen jederzeit ansprechen kann.

Für diesen Zweck sind vertrauliche Mitarbeitergespräche ideal geeignet. Führt diese regelmäßig durch, um Wertschätzung zu zeigen und auf die individuellen Bedürfnisse eurer Teammitglieder einzugehen.

#3 Raum für Ideen geben

Natürlich möchtet ihr, dass Mitarbeiter ihre Stunden effizient nutzen. Effizienz bedeutet aber nicht, ihnen keine Luft mehr für die Entwicklung eigener Ideen und Konzepte zu lassen.

Traut euch daher, eurem Team Zeit für Experimente zu geben. Ihr werdet staunen, welche Ideen sich durch einen solchen Freiraum entwickeln können.

Dazu gehört etwas Mut und sicherlich wird nicht jeder Mitarbeiter diesen Raum für proaktive, kreative Arbeit nutzen. Nach einigen Testläufen werdet ihr jedoch schnell feststellen, wer sich einbringt. Dann könnt ihr diesen Mitarbeiter gezielt fördern, was für beide Seiten ein Zugewinn ist.

#4 Alltag mit Teamevents aufpeppen

Tagein tagaus im Büro sitzen – wie langweilig! Zu einer ganzheitlichen Unternehmenskultur gehört auch, regelmäßig spannende Mitarbeiterevents zu veranstalten. Das bringt frischen Wind in den Alltag und verhindert, dass dieser allzu monoton ist.

Wie wäre es zum Beispiel mit Stand-Up-Paddling? Weitere Ideen findet ihr in unserem Artikel: Teamevents aufpeppen: 3 originelle Ideen und Tipps für den schmalen Geldbeutel.

#5 Kompatibilität von Bewerbern prüfen

Ihr erspart euch viele Enttäuschungen, wenn ihr frühzeitig prüft, ob neue Mitarbeiter sich mit eurer Unternehmenskultur identifizieren können. Gemeint ist damit nicht nur die fachliche Eignung. Genauso wichtig ist der zwischenmenschliche Aspekt, wie Doreen Huber, Gründerin der LEMONCAT GmbH weiß:

Um ein kompetentes Team auf die Beine zu stellen, das funktioniert und das Unternehmen weiterbringt und vorantreibt, reicht es nicht einfach, smarte Menschen mit beeindruckendem Lebenslauf und den nötigen Skills in einem Raum zu stecken und machen zu lassen.

Stattdessen komme es auf soziale Kompetenzen und Teamfähigkeit an. So hat Doreen ein spezielles Verfahren für die Personalauswahl eingeführt:

Alle neuen Mitarbeiter gehen, bevor sie final eingestellt werden, durch einen Culture-Check, um festzustellen, ob die Person auch menschlich ein guter Fit für LEMONCAT ist.

Es werden nur diejenigen Mitarbeiter eingestellt, mit denen der Personaler auch in den Urlaub fahren würde. Das geht natürlich nur auf Basis einer maximalen Kompatibilität mit der Unternehmenskultur. Mit dieser Einstellung haltet ihr euch Mitarbeiter fern, die nicht zu eurer Kultur passen.

Vielfalt ist ein weiterer zentraler Punkt einer funktionierenden Unternehmenskultur, wie Helen Winter, Co-Founder und CEO der Non-Profit-Organisation R3SOLUTE bestätigt:

R3SOLUTE’s Team ist gender-divers und interkulturell und deckt viele verschiedene Fachrichtungen wie Recht, Medizin, Business, Soziale Arbeit, Konfliktmanagement und Psychologie ab. Diese Vielfalt bereichert unseren Arbeitsalltag und erlaubt es uns, rücksichtsvoll miteinander umzugehen.

#6 Nur Mitarbeiter einstellen, die überzeugen

Als Unternehmer erspart ihr euch jede Menge Ärger, wenn ihr den folgenden Rat von Toposens beherzigt:

Gründerspruch_Toposens

  • Tipp: In unserer kostenlosen Publikation findet ihr weitere inspirierende Tipps & Zitate von den Top-50-Start-ups.

Je besser Mitarbeiter zu eurer Unternehmenskultur passen, desto aussichtsreicher wird die Zusammenarbeit verlaufen. Wäre es dabei nicht hilfreich, in einem möglichst automatisierten Auswahlverfahren schon frühzeitig die Spreu vom Weizen zu trennen? Das wäre nicht nur hilfreich, sondern ist auch machbar, wie ein Start-up im nächsten Tipp verrät.

Chefs und Mitarbeiter sind gemeinsam verantwortlich für die Unternehmenskultur

Mitarbeiter brauchen ein Umfeld, in dem ihre Meinung ernstgenommen, gehört und respektiert wird. Fragt euch als Gründer, Vorgesetzte CEOs etc. also ehrlich: Seid ihr wirklich offen für diese beidseitige Ehrlichkeit. Dazu gehört viel Mut und sie ist nicht leicht zu erlernen.

Darüber hinaus sollten Mitarbeiter selbst ein Interesse daran mitbringen, die Unternehmenskultur aktiv mitzugestalten. Sodass jeder im Team seine Potenziale entfalten kann und sich am Arbeitsplatz wohlfühlt.

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