Führungsstile: Welcher passt zu mir?



Die Führung von Mitarbeitern braucht Methode: Wir zeigen euch daher die beliebtesten Führungsstile mit ihren Vor- und Nachteilen.

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Kooperativ oder lieber distanziert-hierarchisch? Euer Führungsstil sollte zu euch und eurem Unternehmensspirit passen. (Foto: Unsplash)

Personen- vs. aufgabenorientierter Führungsstil

Der Psychologe Kurt Lewin gilt als Vater der Führungsstil-Forschung. Bereits 1939 untersuchten er und sein Team, welche Führungsstile beim Menschen beliebt sind. Heutzutage wird grundlegend zwischen dem personenorientierten und dem aufgabenorientierten Führungsstil unterschieden.

Personenorientierter Führungsstil

Beim personenorientierten oder personenbezogenen Führungsstil legt die Führungskraft den Fokus darauf, Mitarbeiter als Partner mit Wünschen, Bedürfnissen und Erwartungen zu sehen. Das beinhaltet Feedback, Anerkennung und Unterstützung. Die Mitarbeiter sollen spüren, dass ihr Vorgesetzter hinter ihnen steht und sich für sie einsetzt.

Aufgabenorientierter Führungsstil

Der aufgabenorientierte Führungsstil legt den Schwerpunkt auf maximaler, qualitativ hochwertiger Leistung. Der Mitarbeiter als Person steht dabei nicht im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um das zu erreichende Leistungsziel.

Die folgenden Führungsstile finden sich innerhalb dieses Spektrums entweder als Mischform beider Stile oder tendieren stärker in die eine oder andere Richtung.

#1 Autoritärer Führungsstil

Beim autoritären Führungsstil treffen die Führungskräfte Entscheidungen und delegieren sie als Anweisungen an Mitarbeiter weiter. Diese haben wenig bis keinen Einfluss auf die Entscheidungsfindung.

Der autoritäre Führungsstil war jahrzehntelang Standard in Unternehmen, weicht aber immer mehr dem kooperativen Führungsstil. Doch viele Start-ups nutzen nach wie vor den autoritären Führungsstil, um Ziele schnell zu erreichen.

Der autoritäre Führungsstil verlangt viel Disziplin und Gehorsam. Zeigt das Personal sich damit einverstanden, ist der autoritäre Führungsstil sehr effektiv. Allerdings möchten viele Mitarbeiter in der heutigen Zeit keine reinen Befehlsempfänger mehr sein, sondern aktiv mitgestalten – insbesondere bei dynamischen Unternehmen wie Start-ups.

Vorteile des autoritären Führungsstils:

  • klare, eindeutige Strukturen
  • zügige Entscheidungsfindung
  • in Unternehmenskrisen geeignet, wenn es besonders auf Disziplin und Durchhaltevermögen ankommt

Nachteile des autoritären Führungsstils:

  • Meinungen, Ansichten und Ideen von Mitarbeitern spielen keine Rolle
  • keine Kommunikation auf Augenhöhe
  • demotiviert und frustriert engagierte Mitarbeiter

#2 Charismatischer Führungsstil

Eine charismatische Führungskraft muss ihre Ziele gegenüber der Belegschaft nicht mit Druck oder Tadel durchsetzen – sie folgt ihr von ganz allein und das bis zur Hingabe. Grundlage hierfür ist die Ausstrahlung des Entscheiders. Wenn ihr euer Team inspirieren und motivieren, ja geradezu mitreißen könnt, pflegt ihr einen charismatischen Führungsstil.

Damit das gelingt, müsst ihr eine Leitfigur werden. Das bedeutet auch, sich gegen eingefahrene Strukturen oder Unternehmensregeln zu stellen und Opfer zu bringen – etwa den vorübergehenden Verzicht auf eigenes Gehalt oder ein Privatleben zugunsten von Nachtschichten im Büro, um euer Start-up voranzubringen.

Darüber hinaus zeichnen sich charismatische Führungskräfte durch ausgeprägtes visionäres Denken sowie eine starke Rhetorik aus: Sie machen damit eine glänzende Figur u. a. bei Elevator Pitches oder Verkaufsgesprächen.

Charismatische Führung birgt jedoch auch das Gefahrenpotenzial der Ver-führung, da emotional stark einnehmende Menschen nicht zwingend die besten Absichten verfolgen oder Entscheidungen treffen.

Vorteile des charismatischen Führungsstils:

  • hohe Loyalität der Mitarbeiter gegenüber euch und dem Unternehmen
  • starke Motivation des Teams auch in Krisenzeiten
  • gezielte Förderung von High Potentials möglich

Nachteile des charismatischen Führungsstils:

  • basiert nicht auf Fakten, sondern auf Emotionen – Gefahr seitens der Mitarbeiter, sich irrational mitreißen zu lassen
  • starke extrovertierte Ausstrahlung geht statistisch häufig mit schwierigen Persönlichkeitszügen wie Narzissmus oder Psychopathie einher (“Dunkle Triade”)
  • beliebter Führungsstil bei Blendern, Inkompetenz wird verschleiert

#3 Kooperativer Führungsstil

Dieser Führungsstil ist in vielen Start-ups beliebt, da er das Um-die-Ecke-Denken fördert und so das Teampotenzial für kreative Lösungsvorschläge nutzt. Denn beim kooperativen Führungsstil bezieht ihr eure Mitarbeiter in sämtliche Prozesse von der Ideenentwicklung bis zur Entscheidungsfindung und Umsetzung mit ein.

Im Idealfall sorgt dies für eine hohe Zufriedenheit der Mitarbeiter und für ein hohes Engagement, da sie aktiv und gemeinsam mit euch die Zukunft eures Start-ups gestalten können. Der Nachteil ist jedoch, dass die damit verbundenen flachen Hierarchien Entscheidungsprozesse hinauszögern oder beim Aufkommen von Konflikten blockieren können.

Vorteile des kooperativen Führungsstils:

  • hohe Mitarbeitermotivation durch Beteiligung des Teams an Ideenfindung und -umsetzung
  • Mitarbeiter können sich entwickeln und entfalten, dadurch Kompetenzaufbau möglich
  • Entlastung der Führungskraft durch Aufteilung der Verantwortung im Team

Nachteile des kooperativen Führungsstils:

  • kaum Durchsetzungskraft der Führungskraft aufgrund flacher Hierarchien, Risiko von Machtkämpfen
  • Erfolg ist stark abhängig vom tatsächlichen Engagement der Mitarbeiter
  • lange bis lähmende Entscheidungsprozesse

#4 Laisser-faire-Führungsstil

Der Laisser-faire-Führungsstil ist der wohl lockerste Führungsstil. Aber ist er auch der beste? Zumindest macht ihr euren Mitarbeitern hierbei keinerlei Vorgaben dazu, wie sie ihre Arbeit umzusetzen haben. Ihr gebt lediglich Ziele vor, die euer Team bis zum Ende des Tages, der Woche oder des Quartals erledigen sollen. Ihr verschwindet dabei nicht komplett von der Bildfläche, sondern steht als Ansprechpartner für Fragen weiterhin zur Verfügung.

Das hat den großen Vorteil, dass eure Mitarbeiter sich in diesem weit gesteckten Rahmen ihre eigenen Prozesse organisieren können. Allerdings kann das auch nach hinten losgehen und zu einem heillosen Durcheinander führen, in dem niemand weiß, wer wofür verantwortlich ist. Der Laisser-faire-Führungsstil sollte daher nur angewendet werden, wenn ihr eure Mitarbeiter sehr gut kennt und wisst, dass diese über ein hohes Maß an Selbstorganisation und -disziplin sowie Teamfähigkeit verfügen.

Vorteile des Laisser-faire-Führungsstils:

  • agiles Arbeiten mit hoher Flexibilität gegenüber Veränderungen
  • massive Entlastung der Führungskraft
  • Team kann sich je nach Kompetenzen, Stärken und Schwächen ideal aufstellen

Nachteile des Laisser-faire-Führungsstils:

  • Überforderung jener Mitarbeiter, die mehr Führung brauchen
  • Missbrauchspotenzial der Freiheiten vorhanden, um wenig leisten zu müssen
  • gruppenpsychologisch besteht ein Bedürfnis nach Führung, es können sich ungewollte und suboptimale Hierarchien bilden

Kombination von Führungsstilen

Die Kombination verschiedenster Führungsstile ist nicht nur möglich, sondern häufig auch empfehlenswert. So kann ein zeitweise autoritär genutzter Führungsstil genau richtig sein, wenn sich euer Start-up in einer schwierigen Situation befindet.

Zum Beispiel dann, wenn Projekte kurzfristig fertig werden müssen, da ein Scheitern den Ruin des Unternehmens bedeuten könnte. In solch akuten Zeiten ist wenig Raum für Laisser-faire und die Zukunftsvorstellungen der einzelnen Mitarbeiter.

Das strenge Regiment sollte aber nicht der Normalzustand sein. Besser ist es, eine Unternehmenskultur zu etablieren, in der ihr eure Mitarbeiter wertschätzt und mit ihnen regelmäßig in Dialog tretet. Hierbei besteht wiederum das Risiko, zu wenig auf Distanz zu gehen und dadurch als Führungskraft nicht ernst genommen zu werden.

Der richtige Führungsstil hängt von der Situation ab

Den richtigen Mix als Führungskraft zu finden, ist ein hoher Anspruch. Nicht ohne Grund hat sich rund um dieses Thema eine große Coaching-Industrie aufgebaut. Wichtig ist vor allem, dass ihr nicht jeden Tag oder jede Woche zwischen den verschiedenen Stilen hin und her springt. Das macht euch unberechenbar und verunsichert eure Mitarbeiter. Praktiziert lieber die situative Führung: Welcher Führungsstil ist in der aktuellen Situation der richtige?

Eine gute Führungskraft ist wie der Fels in der Brandung: stabil und widerstandsfähig. Aber anders als der Fels seid ihr in der Lage, zu reden. Nutzt dies, um eure Mitarbeiter zu verstehen und sie an euch zu binden. In Zeiten des Fachkräftemangels kann diese tägliche Aufgabe gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

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