Kreativitätstechniken zur Ideenfindung



Kreativitätstechniken helfen bei der Ideenfindung und Umsetzung. Wir stellen Kreativitätsübungen vor, die allein und im Team funktionieren – auch dann, wenn ihr euch nicht für besonders kreativ haltet.

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Denken, schreiben, zeichnen: Kreativitätstechniken helfen dem Einfallsreichtum nach. (Foto: Unsplash)

Warum Kreativitätstechniken?

Viele Menschen glauben, dass Kreativität etwas ist, das sie nicht kontrollieren können. In gewisser Weise stimmt das auch: Kreativität ist nicht kalkulierbar und entzieht sich dem analytischen Verstand. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich nicht mit Kreativitätstechniken trainieren und nutzen lässt.

  • Kreativitätstechniken sind keine neue Erfindung, es gibt sie seit Jahrzehnten. So werden Kreativitätstechniken seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Marketing eingesetzt, um vielversprechende Einfälle für Kampagnen zu entwickeln.

Lernt jetzt beliebte Kreativitätstechniken kennen, die unterstützen, gute Ideen zu generieren. Sie sind schnell und einfach umsetzbar und lassen sich gut in den Unternehmensalltag integrieren.

Kreativitätstechniken für das Training allein

Bevor wir Kreativitätstechniken und Kreativitätsmethoden zur Umsetzung im Team vorstellen, möchten wir Methoden aufzeigen, mit denen sich das eigene Kreativvermögen wie ein Muskel trainieren lässt.

#1 Alternative Verwendungsmöglichkeiten

Beginnen wir mit einer der beliebtesten Kreativitätsübungen: Nehmt einen beliebigen Haushaltsgegenstand, eine Kaffeetasse zum Beispiel. Fragt euch nun, welche drei weiteren Verwendungsmöglichkeiten es für diese Tasse gibt, anstatt aus ihr zu trinken.

Das könnten Anwendungsmöglichkeiten sein wie:

  • Kleiner Pflanzentopf
  • Stiftehalter
  • Deko-Behälter

Bei dieser Kreativitätstechnik geht es um Abstraktionsvermögen. Ihr trainiert euren Kopf darauf, alternative Lösungen zu finden.

#2 Schlagzeilen finden

Dies ist eine der häufgisten Kreativitätsübungen bei der Ausbildung von Journalisten. Das ist naheliegend, schließlich müssen sie im späteren Berufsalltag Schlagzeilen erstellen, die das Thema eines Artikels oder einer Podcast-Episode spannend auf den Punkt bringen. Doch auch für Unternehmer ist die Schlagzeilen-Technik optimal, um die Fähigkeit zu trainieren, interessante Querverbindungen zu knüpfen. Probieren wir es gleich an einem Beispiel.

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Welche Schlagzeilen lassen sich aus einer Kombination der Bilder ableiten? Probiert Überschriften-Technik der Kreativitätsmethoden selbst einmal aus. (Fotos: Unsplash)

Zu den obigen Fotos könnte zum Beispiel diese Headline passen:

Damit es wieder funkt: Neuer Naturwirkstoff für Höhenflüge in der Liebe gefunden

Genauso gut könnte die Schlagzeile aber auch lauten:

Mit dem Flugzeug in die Flitterwochen: Untersuchung zeigt Auswirkungen auf Umwelt und Industrie

Beide Schlagzeilen schaffen vollkommen unterschiedliche Sinnzusammenhänge und genau darum geht es bei dieser Übung. Je schneller es gelingt, diese Sinnzusammenhänge zu konstruieren, desto leichter fällt es, mit dieser Kreativitätstechnik abseits der eingetretenen Pfade Lösungen zu finden.

#3 Remote Associates Test

Bei diesem Test dreht sich alles um Wortverknüpfungen: Anhand von drei verschiedenen Wörtern soll der passende Schlüsselbegriff erraten werden. Die Wortkombinationen gibt es in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Machen wir gleich einmal den Test. Lest die folgenden Begriffe und versucht, von selbst auf die Lösungen zu kommen. Weiter unten findet sich dann die Auflösung.

  • Decke / Bein / Manieren: …
  • Geburtstag / Überraschung / Keller: …
  • Wasser / Mine / Kruste: …
  • Stand / Schein / Besuch: …

Den Remote Associates Test gibt es bereits seit den 1960er Jahren. Damals wurde er eingesetzt, um zu messen, wie kreativ ein Mensch ist. Heute weiß man, dass der Test sich nur auf einen Bereich der Kreativität konzentriert und für eine solche Messung nicht ausreicht. Allerdings ist er nach wie vor eine starke Kreativitätstechnik, um das eigene Kombinationsvermögen zu fördern.

Und hier nun die versprochene Auflösung der obigen Beispiele:

  • Decke / Bein / Manieren: Tisch
  • Geburtstag / Überraschung / Keller: Party
  • Wasser / Miene / Kruste: Salz
  • Stand / Schein / Besuch: Kranken

#4 Gemeinsamkeiten finden

Was haben Robinson Crusoe und Beamte gemeinsam?

Diese Scherzfrage haben wir bei unserer Lektüre zu Kreativitätstechniken gefunden. Die Auflösung lautet:

Beide warten auf Freitag.

Humor entsteht dadurch, dass Gegensätze in einen ungewöhnlichen Bezug zueinander gebracht werden. Das lässt sich auch bei anderen Witzen in diese Richtung beobachten:

Was hat Windows mit U-Booten gemeinsam? Macht man ein Fenster auf, beginnen die Probleme.

Versucht es selbst einmal: Pickt zwei Begriffe aus verschiedenen Lebensbereichen heraus und formuliert eine Gemeinsamkeit, die auch auf sprachlicher Doppeldeutigkeit basieren kann. Das fördert nicht nur die Kreativität, sondern kann als Nebenprodukt auch gute Witze für das nächste Teammeeting abwerfen. So macht die Anwendung von Kreativitätsmethoden gleich doppelt so viel Spaß.

#5 Freie Assoziationen

Diese Übung ist so ähnlich wie die nach der Schlagzeilensuche. Der Unterschied besteht darin, dass ihr euch selbst Fotos auswählt und daraus eine treffende Kurzbeschreibung formuliert, die sämtliche Bilder sinnvoll miteinander verbindet. Hierfür können mehr als fünf Fotos, aber auch weniger verwendet werden. Sinn der Methode ist, einen ähnlichen Effekt wie bei Übung #2 zu erzielen, allerdings mit weniger Druck.

#6 Mindmapping

Damit die linke (rationales Denken) und die rechte (Kreativität, Phantasie) Gehirnhälfte bei der Suche nach der richtigen Geschäftsidee optimal zusammenarbeiten, empfiehlt sich die Methode des Mindmappings. Beim Mindmapping wird ein Problem durch das Prinzip der Assoziation visualisiert und Gedanken können sich frei entfalten.

Bei der Erstellung einer Mindmap wird das Kernthema/Problem (also die Suche nach einer Geschäftsidee) in der Mitte einer Grafik platziert. Um dieses Kernthema werden nun einzelne Gedankenstränge angeordnet und zusammengehörige Aspekte durch Linien verbunden. Dadurch entsteht eine Art Baum, die Gedankenkarte.

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Beispiel einer Mindmap, erstellt mit dem Tool mind24. (Screenshot: mind24)

Die Mindmap ist als ein Gerüst zu verstehen, das die Gedanken rund um das Kernthema sortiert und in eine Struktur bringt. Um die Mitte Geschäftsidee finden könnten zum Beispiel alle möglichen Ideen und Faktoren ergänzt werden, die den Gründer definieren, z. B. Onlineshop, Programmierkenntnisse, beratungsaffin, Teamplayer, tierlieb, SEO-Experte etc. Am Ende kristallisiert sich beispielsweise heraus, dass die Geschäftsidee ein selbst programmierter Onlineshop für Tierfutter ist.

#7 Reizbild-/Reizwort-Methode

In ihrem Podcast “Der kreative Flow” stellt Roberta Bergmann die Reizbilder-Methode vorgestellt. Ähnlich wie bei der Übung “Freie Assoziation” nutzt ihr – wie der Name schon sagt – Bilder, um Ideen zu generieren. Und so schildert Roberta den Ablauf:

Du nimmst dir willkürlich ein Bild aus einem Bilderpool und schaust: Wie korrespondiert das Bild mit meinem Thema, mit dem ich mich beschäftigen möchte?

Das Bild, das ihr spontan auswählt, hilft euch also dabei, Zugang zu eurem kreativen Projekt oder womöglich auch einer Blockade zu finden, die euch daran hindert, weiterzukommen. Ähnlich könnt ihr auch bei der Reizwort-Methode verfahren. Und so funktioniert sie nach Roberta:

Du kannst ein Buch oder eine Zeitschrift zur Hand nehmen. Du schlägst willkürlich eine Stelle auf und schaust, welches Wort dir da als erstes ins Auge fällt. Und dieses Wort gleichst du dann mit dem Thema ab, das dich gerade beschäftigt.

Die Schnipseltechnik aus Robertas Podcast ist eine weitere Variante der Reizbild-/Reizwort-Methode. So funktioniert sie:

Bei der Schnipseltechnik werden einzelne Wörter oder Bilder auf einen Tisch gelegt und dann neu miteinander, mit dem eigenen Thema, kombiniert.

Auch bei dieser geht es wie bei den meisten Kreativitätsmethoden darum, die gedanklich eingetretenen Pfade zu verlassen und neue, einfallsreiche Wege zu gehen.

Menschen sind unterschiedlich, die einen sind visuell geprägt, die anderen finden eher zur Sprache Zugang. Findet durch Probieren heraus, ob ihr eher die Reizbild- oder die Reizwort-Methode bevorzugt.

#8 Visualisierung

Die menschliche Vorstellungskraft ist enorm: Wer sich etwas im Geiste vorstellen kann, dem fällt die Umsetzung viel leichter. Arbeitet also nicht nur mit Worten auf Papier, sondern auch mit grafischen Elementen.

Geht es um Produktentwicklung? Schließt die Augen und stellt euch vor, wie der Prototyp aussehen soll. Welche Details sind wichtig? Wie soll die Form des Prototypen sein? Zeichnet dann die Visualisierung auf Papier oder nutzt ein Designtool wie Canva oder Piktochart dafür.

Die Verwendung digitaler Tools hat den Vorteil, dass sie sich auch dann anwenden lassen, wenn der Anwender kein großes Zeichentalent hat.

So helfen Vorlagen wie bereits vorgefertigte Illustrationen dabei, dem Team die Ergebnisse nahezubringen.

Die Technik der Visualisierung beschränkt sich nicht nur auf die Produktentwicklung. Teams können sie auch dafür einsetzen, Lösungen für Herausforderungen im zwischenmenschlichen Bereich zu finden. Nehmt als Beispiel einen Geschäftskundentermin: Stellt euch vor, wie ihr dem Kunden begegnet. Wie läuft die Begrüßung? Lächelt ihr? Wie möchtet ihr das Gespräch führen und welches Ziel soll am Ende erreicht werden?

Stellt euch auch die Mimik und Gestik des Kunden vor. Was soll geschehen, wenn das Gegenüber seine Arme verschränkt, sich skeptisch am Kopf kratzt oder plötzlich eine Frage stellt, mit der nicht zu rechnen war? Je plastischer ihr euch die Situation ausmalt, desto souveräner werdet ihr auftreten.

Kreativitätstechniken im Team

In der Gruppe entstehen Synergien und neue Ideen für Unternehmensprozesse. Damit dies nicht im Chaos endet, stellen wir Kreativitätstechniken für das Team vor.

#1 6-3-5-Kreativitätstechnik

Die 6-3-5-Technik verläuft ähnlich dem Brainwriting, das wir später im Artikel vorstellen. Die 6-3-5-Methodik ist dabei bereits im Namen enthalten:

  • 6 Teilnehmer erhalten ein Blatt Papier, auf dem sie
  • 3 Ideen notieren dürfen und die Blätter dann
  • 5 Mal weiterrechen.

Tatsächlich ist diese Methode bereits über 50 Jahre alt. In den späten 1960ern wurde sie vom Unternehmensberater Bernd Rohrbach entwickelt und eignet sich perfekt für die Integration in die Design-Thinking-Methode, die ebenfalls zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kreativitätstechniken gehört.

Und so ist das Vorgehen bei der 6-3-5-Kreativitätstechnik: Ein Ziel wird vorgegeben. Jeder Teilnehmer der Kreativrunde schreibt seine 3 Ideen nieder, die ihm für die Erreichung des Ziels einfallen. Anschließend gibt jedes Teammitglied sein Blatt mit den drei gesammelten Ideen im Uhrzeigersinn an einen Kollegen weiter. Nun geht es darum, die Entwicklung der Ideen, die im Rotationsprinzip übermittelt wurden, fortzusetzen.

Am Ende der letzten Runde erhält jeder Mitarbeiter sein eigenes Blatt zurück – ausgefüllt mit der 5-stufigen Weiterentwicklung aller drei Ideen, mit denen er eingangs begonnen hatte. Abschließend schätzt das Team gemeinsam ein, welche Ideen in ihrer Umsetzung realistisch sind.

#2 Brainstorming

Beim Klassiker unter den Kreativitätsmethoden schreiben die Mitarbeiter spontan alles auf, was ihnen zu einem Problem in den Sinn kommt. Wichtig ist hierbei, nicht erst darüber nachzudenken, was auf das Papier gelangen soll. Genau darum geht es beim Brainstorming: Der Verstand bewertet die ganze Zeit. Dabei blockiert er manchmal, indem er verhindern möchte, dass wir den Kollegen “dumme” Ideen präsentieren und uns dadurch blamieren. Das Problem hierbei ist aber: Hören wir auf diese Blockade, zapfen wir nicht unser volles kreatives Potenzial an, das frei fließen möchte.

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Beim Brainstorming werden spontane Einfälle zusammengetragen, die sich wie Satelliten um euer Kernthema drehen. Erst dann erfolgt die Auswertung. Brainstorming gehört damit zu den effektivsten und zugleich einfachsten Kreativitätsübungen. (Grafik: Für-Gründer.de)

Brainstorming ist ein effektiver und altbewährter Weg, um die Ideen sprudeln zu lassen, bevor der Verstand sie blockieren kann. Sicherlich wird dabei viel Albernes oder Zusammenhangloses herauskommen. Lasst euch davon nicht abhalten, früher oder später treten so echte Ideenperlen zutage. Erst recht, wenn die Brainstorming-Technik regelmäßig trainiert und der Kopf an diesen Prozess gewöhnt wird. Zum Schluss werden die Ergebnisse des Teams ausgewertet, um praktikabel umsetzbare Ideen zu finden.

Wichtig beim Brainstorming: Setzt feste Zeitvorgaben, am besten mit einer Stoppuhr. Außerdem sollten alle Ideen deutlich sichtbar für das Team auf einem Flipchart oder Laptop festgehalten und dann über einen Beamer präsentiert werden. Weiterhin sollte die Brainstorming-Runde aus maximal acht Mitarbeitern bestehen, sonst endet die Anwendung einer der beliebtesten Kreativitätstechniken im Chaos.

#3 Brainswarming

Brainswarming gehört zu den visuell geprägten Kreativtechniken, hier dreht sich alles um Ziele und Ressourcen. Auf einem Whiteboard oder einem großen Blatt Papier notiert das Team oben das Ziel, welches erreicht werden soll. Das kann die Entwicklung eines neuen Produktes oder die Idee für eine originelle Marketingkampagne sein.

Am unteren Ende des Whiteboards bzw. Blattes werden die Ressourcen aufgeschrieben, die zur Erreichung des Ziels zur Verfügung stehen, etwa Produktionsmaterialien wie Rohstoffe, aber auch Kommunikationskanäle wie Social Media. Die Ressourcen können die Mitarbeiter gemeinschaftlich zusammentragen.

Nun bekommt jeder die Aufgabe, Pfade von den Ressourcen hin zum Ziel zu zeichnen. Damit ist es natürlich nicht getan: Die Pfade symbolisieren Ideen, deren Umsetzung zur Zielerreichung beitragen. Anders als beim Brainstorming geht bei der Ideensammlung nach Brainswarming-Methode Qualität vor Quantität: Das Team sollte genügend Zeit bekommen, um Ideen zu notieren und erst dann die Pfade anlegen. Anschließend bleiben die vielversprechenden Ideen stehen.

#4 Brainwriting

Brainwriting ist eine der ruhigsten Kreativitätstechniken, aber deswegen nicht weniger effektiv. Anders als beim Brainstorming streuen die Teilnehmer ihre Ideen nicht kreuz und quer im Gespräch ein. Stattdessen notiert sich jeder auf einem Blatt Papier die eigenen Ideen, und zwar in Ruhe.

Eine zeitliche Frist von z.B. zehn Minuten für das Aufschreiben der Ideen könnt und solltet ihr setzen, aber Abstimmungen untereinander zunächst vermeiden. Ist die Zeit abgelaufen, tauschen die Teilnehmer die Blätter untereinander und setzen die Ideenfindung schriftlich fort. So können Gedanken und Impulse weitergesponnen werden.

Besonders effektiv ist dieser Dauerbrenner unter den Kreativitätsübungen, wenn der Blättertausch anonymisiert stattfindet. Dadurch trauen sich auch schüchterne Mitarbeiter, Ideen frei von gedanklichen Barrieren aufzuschreiben. Die unter #1 vorgestellte 6-3-5-Technik gehört übrigens zu den Brainwriting-Kreativitätstechniken.

#5 Design Thinking

Beim Design Thinking wiederholen Mitarbeiter festgelekte Abläufe so lange und oft, bis das Resultat mit den Kundenwünschen und -bedürfnissen übereinstimmt.

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Design Thinking funktioniert mit zyklischen Phasen. Die Kreativarbeit wird an mehreren Stellschrauben wiederholt geleistet. (Grafik: Für-Gründer.de)

Die Methode lässt sich u. a. auf die Unternehmensbereiche Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb anwenden. Die große Stärke beim Design Thinking ist die Zusammenarbeit multidisziplinärer Teams. So entstehen Synergien und Quergedanken, die den kreativen Prozess erheblich fördern.

#6 Kopfstandtechnik

Bei allen Kreativitätstechniken gebraucht der Mensch seinen Kopf. Bei der Kopfstandtechnik stellt er die Welt auf den Kopf. Keine Bange, ihr müsst dafür keine sportlichen Verrenkungen leisten. Stattdessen schiebt jeder einen Denkprozess an, bei dem das Problem von einer komplett anderen Warte aus betrachtet wird.

Bei der Kopfstandtechnik fragt ihr nicht: Wie finden wir eine Lösung?, sondern: Warum funktioniert der Prozess nicht?

Die Kopfstandtechnik gehört zu den besonders leicht umsetzbaren Kreativtechniken. Zum einen, weil die meisten Menschen ohnehin den Fokus auf dem haben, was nicht gut läuft. Ein Stück weit ist uns allen diese Problemfokussierung eigen. Warum sich dies nicht zunutze machen?

Zum anderen besteht bei dieser Kreativitätstechnik kein Druck, tolle Ideen zu finden. Im Gegenteil, hier ist meckern erlaubt und Mitarbeiter dürfen sich darin gern gegenseitig übertreffen. Fasst am Ende dieses Prozesses alle Gründe, warum etwas nicht funktioniert, auf einem Flipchart zusammen. Dafür lassen sich auch Post-its oder Karteikarten nutzen.

Jeder einzelne Kritikpunkt ist – sofern er denn stimmt – zugleich ein Impuls zur Verbesserung, um zum Ziel zu gelangen. So fällt es auch leichter, aus den negativen Feststellungen praktikable Lösungen abzuleiten.

  • Beispielfrage: Warum schaffen wir weniger Aufgaben als noch vor zwei Wochen?
  • Antwort: Weil der nahe gelegene Bäcker zugemacht hat, bei dem die Mitarbeiter sich mehrere Kaffee am Tag holen. Nun sind sie auf einen anderen Bäcker ausgewichen, der weiter entfernt ist, was längere Pausen nach sich zieht.
  • Lösung: Wir kaufen eine gute Kaffeemaschine für das Büro. Dadurch sparen wir Wegstrecken, Zeit und Geld.

#7 Painspotting

Der ewige Sturm der schöpferischen Zerstörung.

So beschrieb Joseph Schumpeter, der Erfinder der Theorie der schöpferischen Zerstörung, die radikale Kraft, die der Methode des Painspotting innewohnt.

Abgeleitet aus dem englischen “pain” für Schmerz und “spot” für entdecken versucht man beim Painspotting, Probleme der Kunden zu identifizieren, die diesen großen Schmerz verursachen (Painspotting). Denn dann sind die unbefriedigten Bedürfnisse besonders groß und für eine entsprechende Lösung ist der Kunde bereit, zu bezahlen.

Beim Painspotting wird der Ärger des Kunden in Umsatz verwandelt.

Abgeleitet von der Suche nach Problemlösungen für Kunden kann Painspotting auch für die Suche nach der eigenen Geschäftsidee eingesetzt werden. Dazu sucht man sich Produkte, Dienstleistungen oder Services, über die man sich selbst schon aufgeregt hat und die man für stark verbesserungswürdig hält. Der Ärger wird dann in Energie umgewandelt, um mit verbesserten Produkten in bestehende Märkte einzudringen.

Damit die Methode des Painspotting erfolgreich ist, sind die folgenden Schritte zu beachten:

  • Probleme identifizieren: Grundvoraussetzung für das Painspotting ist, ein Problem zu erkennen bzw. ein Bedürfnis zu identifizieren. Das passiert oft spontan, wenn man sich tatsächlich über ein Produkt / eine Dienstleistung ärgert. Fragt euch, welche aktuellen Bedürfnisse eurer Meinung nach durch Produkte nicht ausreichend befriedigt werden. Findet sich hier kein Ansatz, können auch Elemente der Marktforschung genutzt werden.
  • Eigene Stärken kennen: Natürlich sollte man seine eigenen Stärken kennen. Denn auch wenn ein Problem erkannt wird, müssen die Verantwortlichen in der Lage sein, dieses mit deinem Know-how zu lösen. Alternativ lässt sich natürlich auch ein Team so zusammenstellen, dass dafür Experten vorhanden sind.
  • Zielgruppe definieren: Eine Zielgruppe muss vorhanden und bekannt sein.

Vor dem Start empfiehlt es sich, erfolgreiche Unternehmen anzuschauen, die mit ihrem Produkt auf einem bestehenden Markt durchschlagenden Erfolg hatten.

#8 Rekombination

Ihr müsst das Rad bei Kreativitätsübungen nicht neu erfinden, sondern einfach nur Speichen, Felge und Mantel richtig zusammenfügen. Um von diesem Bild zum Prinzip der Rekombination zu kommen: Bei dieser Kreativitätstechnik greift das Team auf Bestehendes zurück und kombiniert einzelne Bausteine neu miteinander. Die Rekombinations-Methode gehört damit zu den effektivsten Kreativitätstechniken bei der Produktentwicklung.

Innovation durch Rekombination: Das ist das Erfolgsgeheimnis dieser Kreativitätstechnik.

Und wie lauter das Vorgehen hierbei? Druckt Fotos erfolgreicher Erfindungen aus. Diese sollten aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen stammen. Legt die Fotos nebeneinander und schreibt darunter das entscheidende Merkmal jeder Erfindung. Überlegt im Anschluss, ob und wie sich diese Merkmale miteinander kombinieren lassen, um ein neues, nützliches Produkt zu schaffen.

Ein Beispiel für Rekombination ist das Hovercraft: Dieses entsteht aus der Kombination von Luftkissen, klassischem Schiffbau und Propellern aus der Luftfahrt. Auch im kreativen Bereich finden sich zahlreiche Beispiele für Rekombinationen, beispielsweise in Büchern und Filmen, die bekannte Versatzstücke neu zusammenfügen und dadurch ein eigenes Werk schaffen.

Mit der Rekombinations-Methode gelangt der Kreative zu ungewöhnlichen Lösungen, die  bei einem Neuanfang ohne Grundlagen womöglich nicht in den Sinn gekommen wären.

#9 Walt-Disney-Methode

Die Walt-Disney-Methode geht auf Robert B. Dilts zurück und orientiert sich an dessen Sicht auf Walt Disney. Er hat in ihm einen Träumer, einen Realisten und einen Miesepeter gesehen und dementsprechend teilen sich auch die Rollen in der Walt-Disney-Methode auf, ergänzt um die Rolle eines neutralen Beobachters.

Rollen:

  • Träumer (Ideenlieferant)
  • Realist
  • Kritiker (Miesepeter)
  • Neutraler Beobachter

Die Teilnehmer schlüpfen während der Diskussion nacheinander in die verschiedenen Rollen. Der Träumer muss in dieser Art Rollenspiel nun eine Idee spinnen, die der Realist auf seine Umsetzbarkeit prüft und der Kritiker auf Schwachstellen genau unter die Lupe nimmt. Der neutrale Beobachter beobachtet und protokolliert die Ergebnisse der einzelnen Runden. Jeder der Teilnehmer muss einmal alle Rollen einnehmen.

Mit der Walt-Disney-Methode werden klassische Denkmuster aufgebrochen, der Blickwinkel der Teilnehmer ändert sich. Die Technik ist optimal geeignet, um eine Geschäftsidee zu finden.

#10 Zufallstechnik

Die deutsche Sprache ist faszinierend präzise, so auch beim Begriff Zufall – etwas fällt uns zu, beispielsweise ein kreativer Einfall. Hier zeigt sich, dass Kreativität auch dann wirken kann, wenn wir uns nicht aktiv um sie bemühen. Damit die Zufallstechnik funktioniert, gilt es, alle Erwartung daran loszulassen. Es kann durchaus passieren, dass kein Einfall kommt. Sonst wäre es ja auch kein Zufall, sondern geplantes Vorgehen. Gelingt dieses Loslassen aber, können die Ergebnisse umso überraschender sein als bei anderen Kreativtechniken.

Und so geht die Zufallstechnik: Jedes Teammitglied schreibt mindestens 10 Begriffe auf, jeder Begriff bekommt eine eigene Karteikarte. Dann wählt ihr zufällig einen Begriff aus und formt einen Satz, wie dieser Begriff zur Lösung des Problems beitragen kann. Dabei werdet ihr vor allem eine Menge Spaß haben, da sich daraus häufig absurde Kombinationen ergeben werden. Das entspannt das Team und Entspannung fördert die Kreativität.

Nehmen wir an, ein Unternehmen möchtet einen Wasserhahn mit hervorstechendem Design entwickeln und ein Mitarbeiter zieht den Begriff Schlange aus dem Mix an Wörtern. Nun könnte dieser Mitarbeiter auf die Idee kommen, dass die Haut einer Schlange eine besonders interessante Struktur aufweist und diese Struktur auch schick auf der metallischen Oberfläche eines Wasserhahns machen könnte. Schon wurde eine kreative Designidee entwickelt, die einer komplett zufälligen Verknüpfung entsprungen ist.

Die Zufallstechnik lässt sich noch mit weiteren Kreativitätsmethoden verbinden, zum Beispiel mit der Hinzunahme von Fotos und Videoschnipseln für die Ideenfindung. Worte sind jedoch die stärkste Basis, da sie unser Gehirn dazu zwingen, eigene Bilder zu entwickeln und damit die Kreativität anzukurbeln.

Welche Kreativitätstechniken eignen sich wofür?

Der Einsatz von Kreativitätstechniken ist von der Teamgröße, den Persönlichkeitseigenschaften der Mitarbeiter und von der jeweiligen Aufgabe abhängig. Die 6-3-5-Methode eignet sich hervorragend für die konzentrierte Arbeit im Design-Thinking-Prozess, um eine Vielzahl von Ideen zu generieren und diese mehrstufig weiterzuentwickeln. Die Kopfstandtechnik ist ideal, um verfahrene Situationen zu lösen und einen gänzlich neuen Blickwinkel auf diese zu erhalten.

Die Zufallstechnik ist dann besonders effektiv, wenn es einen breiten Gestaltungsspielraum gibt, also ganz am Anfang eines Lösungsprozesses. Probiert verschiedene Techniken aus, so stellt sich am schnellsten heraus, welche davon in welchen Situationen für das eigene Team funktionieren.

Und zum Schluss noch ein wichtiger Tipp … aufschreiben, aufschreiben, aufschreiben

Kreative Ideen kommen gern mal mitten im Alltag auf, wenn wir uns in der Bahn, an der Kasse oder in einer anderweitigen Situation befinden, in der wir die Idee nicht sofort in die Tat umsetzen können. Damit sich die Geistesblitze nicht einfach verflüchtigen, empfiehlt es sich, sämtlich Ideen sofort aufzuschreiben – am besten digital, da die meisten modernen Unternehmer das Smartphone oder Tablet immer dabei haben.

digitales Büro
Mit Notizapps wie Evernote und Ulysses (nur für iOS-Nutzer) geht nie wieder eine Idee verloren. Die anschließenden Kreativitätsübungen könnt ihr auf dieser Basis anwenden, wenn ihr Zeit habt. (Screenshot: Ulysses)

Digital erstellte Notizen haben den Vorteil, dass sie sich mit Apps wie Evernote auf verschiedenen Geräten synchronisieren lassen. So braucht die über die Zeit entstehende Kreativliste nur noch abgearbeitet zu werden.

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