Unternehmenswerte als Motivation



Warum sind Unternehmenswerte so wichtig? Und wie lässt euer Team sich für diese Werte begeistern? Das verrät Anna Theil, Co-Founderin des Ideen-Hubs Studio für Morgen und Miterfinderin der Purpose Cards.

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Anna Theil und Nicolas Greiff sind die Köpfe hinter den Purpose Cards. (Foto: Studio für Morgen)

73 Prozent der Menschen würden sich nicht bei einem Unternehmen bewerben, wenn sie die Werte des potenziellen Arbeitgebers nicht teilen. Die neue Studie von Glassdoor zeigt, dass für viele Menschen Kultur und Werte in der Arbeitswelt immer wichtiger sind und viel öfter diskutiert werden. Der Wertewandel hängt unter anderem mit folgenden Entwicklungen zusammen:

  • Purpose: Warum und wofür sind wir da? Die Frage nach dem Purpose und gelebten Organisationswerten wird für zukunftsorientierte Unternehmen entscheidend, da es nicht mehr nur darum geht, Gewinne zu erzielen, sondern als Unternehmen Sinn zu stiften und eine verantwortungsvolle Rolle in der Gesellschaft einzunehmen.
  • Sinnorientierung: Die aktuelle Forschung zeigt, dass viele Bewerber vor allem nach Unternehmen suchen, deren Mission, Kultur und Werte sie voll und ganz teilen können. Viele Unternehmen thematisieren daher schon in Einstellungsgesprächen das Thema Werte, da die Motivation und Zufriedenheit von Mitarbeiter steigt, wenn die persönlichen Werte und die Organisationswerte miteinander in Verbindung gebracht werden können. Zudem erhöht dies auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitarbeiter lange im Unternehmen bleiben.
  • Selbstorganisation: Als Antwort auf die Herausforderungen der aktuellen Arbeitswelt und Entwicklungen wie Digitalisierung und Globalisierung, beschäftigen sich viele Unternehmen mit neuen Organisationsmodellen, die oftmals mit mehr Selbstverantwortung verbunden sind. Die größere Freiheit und die kontinuierlichen Veränderungen in der Organisation erfordern dabei ein klares Werte-Fundament, das den Mitarbeiter Orientierung, Halt und Vertrauen gibt.
  • Zusammenarbeit in Teams: Die wachsende Komplexität von Themen und Problemstellungen erfordert mehr Kollaboration in interdisziplinären Teams. Ein gegenseitiges Verständnis der persönlichen Werte führt in den Teams zu einer besseren Zusammenarbeit, schnelleren Entscheidungen und weniger Konflikten. Für internationale, standortübergreifende oder remote arbeitende Teams ist das Thema Werte nochmals bedeutsamer, da der persönliche Austausch im Alltag fehlt.

Verbindung von persönlichen Werten mit den Unternehmenswerten

Man kann zwischen persönlichen und Unternehmenswerten unterscheiden: Die persönlichen Werte sind entscheidend für die eigene Motivation, während die Unternehmenswerte oder geteilten Werte für den gemeinsamen Fokus des Teams und die Ausrichtung der Organisation wichtig sind.

Aus meiner Erfahrung beschäftigen sich mehr und mehr Organisationen inzwischen mit ihren Werten und kommunizieren diese auch öffentlich, aber die persönlichen oder geteilten Werten sind oftmals noch ein blinder Fleck. Die größte Motivation haben Mitarbeiter, wenn sie sowohl Klarheit über ihre eigenen Werte als auch Klarheit über die Unternehmenswerte haben.

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Je größer die Schnittmenge zwischen Unternehmenswerten und den Werten des Mitarbeiters, desto höher die Motivation. (Grafik: Studio für Morgen)

Purpose Cards als Werte-Tool

Die Idee der Purpose Cards ist, dass jeder intuitiv und in kurzer Zeit 20 Wertekarten für sich reflektiert und priorisiert. Ziel des Spiels ist es, dabei drei bis fünf Kernwerte für sich festzulegen, die einem Orientierung für das Leben oder die Arbeit geben und es damit leichter machen, sich darüber auszutauschen, sinnvolle Entscheidungen zu treffen oder gut mit anderen zusammenzuarbeiten.

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Welche Werte sind euch wichtig? Das findet ihr mit den Purpose Cards heraus. Im Online-Shop erhaltet ihr 20 Prozent Rabatt bei Eingabe des Gutscheincodes “FuerGruender”. (Foto: Studio für Morgen)

Je nach Zielsetzung können die Purpose Cards auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden: für einen selbst, für Bewerbungs– und Mitarbeitergespräche, für Coachings oder mit Teams. Insbesondere für Teams ist es eine spannende Methode, um über individuelle und geteilte Werte zu sprechen und sich so auf eine andere Weise kennenzulernen.

Anwendungsbeispiel: Reflexion von Werten im Bewerbungsprozess

Was ist meinem Gegenüber wichtig und wie können wir gut zusammenarbeiten? Die Purpose Cards werden bei Unternehmen inzwischen oft im Bewerbungsprozess eingesetzt, um herauszufinden, welche Werte den Bewerber etwas bedeuten, ob diese mit der Position, dem Unternehmen und den jeweiligen Erwartungen zusammenpassen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Purpose Cards in dem Kontext für beide Seiten ein hilfreiches Tool sind, um das Unsichtbare sichtbar zu machen und zu wichtigen Themen schnell ins Gespräch zu kommen. Von den Bewerber wird es zudem als sehr wertschätzend wahrgenommen, wenn sie schon im Bewerbungsprozess nach ihren persönlichen Werten gefragt werden und auch einen tieferen Einblick in die Unternehmenswerte bekommen.

  • Autorin Anna Theil über sich: Ich habe seit 2010 die Crowdfunding-Plattform Startnext mitaufgebaut und mir ist das Thema Werte aus unterschiedlichen Perspektiven immer wieder begegnet – mir selbst, im Team mit Kollegen, in Bewerbungsgesprächen oder bei Beratung von Gründer. Mit dem Ziel, die Auseinandersetzung mit Werten einfacher zu machen, habe ich gemeinsam mit dem Designer Nicolas Greiff die Purpose Cards entwickelt und Studio Für Morgen gegründet.
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