OKR: Von der Vision zum Alltagsziel



Transparent und motivierend die Unternehmensziele umsetzen: Mit der OKR-Methode haben alle Mitarbeiter die wichtigsten Aufgaben und Ziele im Blick und können sich darauf fokussieren.

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Unternehmensziele und Aufgabenziele mit den Mitarbeitern festzulegen motiviert und führt zu gemeinsamen Erfolgen. (Foto: Unsplash)

Was bedeutet das OKR-Modell?

Jedes Start-up hat seine Vision und Mission. Die Kunst ist es, die großen Vorhaben soweit in Ziele zu formulieren, dass diese von den Mitarbeitern – von der Führungskraft bis zum Praktikanten – erreicht werden können.

Mit dem OKR-Modell brecht ihr die Vision in Ziele (Objectives) herunter und definiert, was ihr tun müsst, um die Schlüsselergebnisse zu erreichen (Key Results). Wichtig ist, dass die Ziele messbar sind.

Der Unterschied zu anderen Führungsstilen ist, dass nicht der Chef alleine die Ziele vorgibt und die Mitarbeiter sie abarbeiten. Stattdessen kommt nur ein Teil der OKRs aus dem Management (Top-down) und die Abteilungen, Teams sowie einzelne Mitarbeiter verhandeln über die vorgegebenen Ziele und legen weitere, eigene OKRs in Abstimmung fest. Die Ergebnisse werden dann wieder nach oben gegeben (Bottom-up).

Der Vorteil: Jeder Mitarbeiter kennt die Ziele und weiß, was er machen muss, um diese zu erreichen. Zugleich wissen auch die Führungskräfte, was an der Basis tagtäglich getan werden muss. Das motiviert alle Teammitglieder und die Ziele werden besser und sicherlich auch schneller umgesetzt.

Bekannt wurde die Methode durch Google in den 90er Jahren, sie wurde aber schon Jahre vorher vom Intel-Mitgründer erfunden.

Wie setzt ihr die OKR-Methode um?

Bevor es mit der Umsetzung der eigentlichen Methode losgeht, stehen Gedanken um Vision und Ziele an.

Fragt euch daher:

  • Wie lautet unsere Vision?
  • Was ist unsere Mission?
  • Welche Unternehmensziele sind dafür zu erreichen?
  • Welche Ergebnisse müssen die definierten Aufgaben erbringen, damit die Unternehmensziele und schließlich die Vision erreicht werden können?

Wenn ihr im Management diese Fragen beantwortet habt, holt spätestens dann euer Team ab. Besprecht mit den Kollegen die Unternehmensziele und stellt die Objectives und Key Results vor. Im zweiten Schritt sollen dann die Teammitglieder ihre Ziele und Schlüsselergebnisse definieren und mit den Vorgesetzten abstimmen.

Hierbei ist wichtig:

  • Wie können die Mitarbeiter die Unternehmensziele erreichen?
  • Welche Key Results erachten sie als wichtig?
  • In welchen Zeiträumen sollten Objectives und Key Results umgesetzt werden?
  • Was brauchen sie, um die Vorgaben vom Management und ihre eigenen Ziele erreichen zu können?

Insgesamt sollen circa 40 Prozent der Zielvorgaben aus dem Management kommen und der Rest seitens der Mitarbeiter. Um den Fokus nicht zu verlieren, leitet drei bis fünf Objectives ab, die jeweils maximal vier Key-Results haben. Mehr Ziele sollten pro Mitarbeiter im Quartal nicht bearbeitet werden.

Dabei ist diese Methode wie eine Challenge: Die Ziele werden so formuliert, dass sie herausfordernd und nur bis zu 70 Prozent erreichbar sind. Das Team soll dadurch motiviert werden, seine eingefahrenen Arbeitsweisen und Komfortzonen zu verlassen und noch eine Schippe drauf zu legen.

Dadurch, dass die Mitarbeiter mit einbezogen werden, fühlen sie sich als Teil des Ganzen und wissen, welche Aufgaben relevant für das Unternehmen sind. Somit fokussieren sich alle auf die wirklich wichtigen Themen.

  • Artikel-Tipp: Um produktiver zu werden und Zeitfresser auszuschalten, lohnt es sich, verschiedene Selbstmanagement-Methoden auszuprobieren.

OKR-Beispiel: Vision > Mission > Ziele > Ergebnisse

Vision: Unsere Gewürze sollen auf keiner Grillparty fehlen.

Mission: Bis Ende 2021 sollen die Gewürze deutschlandweit in Geschäften vor Ort zu kaufen sein.

  • Ziel / Objective 1: Zielgruppe unter 25 Jahren erreichen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 1: TikTok-Profil erstellen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 2: Snapchat verwenden
    • Schlüsselergebnis / Key Result 3: Kostproben an Universitäten verteilen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 4: Artikel für die junge Zielgruppe schreiben inkl. Verweis auf coole Gewürzmischungen
  • Ziel / Objective 2: Ausbau Online-Shop
    • Schlüsselergebnis / Key Result 1: Suchmaschinenoptimierung für die bestehenden 300 Produkte ausbauen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 2: Produktpalette um 10 Gewürzmischungen erweitern, insbesondere für die junge Zielgruppe
    • Schlüsselergebnis / Key Result 3: Einfachere Bezahlmethoden bis Ende 2020 einführen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 4: Wöchentlich einen Blogartikel (Rezepte/Grillideen) als Ergänzung zum Sortiment schreiben mit Verweis auf Produkte
  • Ziel / Objective 3: Listung in großen Supermärkten
    • Schlüsselergebnis / Key Result 1: In Q3 Kontakt zu regionalen Filialen aufnehmen und Kostproben anbieten
    • Schlüsselergebnis / Key Result 2: Konzept, wie eine städtische, regionale und später deutschlandweite Listung aussehen könnte – bis Ende Juli erstellen
    • Schlüsselergebnis / Key Result 3: …
    • Schlüsselergebnis / Key Result 4: …

Die OKR-Methode soll helfen, die wichtigsten Ziele zu fokussieren und nicht zahlreiche Ziele immer nur ein bisschen weiter zu bearbeiten. Die Erreichung und Nicht-Erreichung der Ergebnisse dient als Vorlage für die Definition der neuen OKRs.

Natürlich kann nur jedes Unternehmen für sich geeignete Ziele und Maßnahmen definieren. Von daher ist es wichtig, zu überprüfen, ob die Methode für einen in Frage kommt und ob sie im eigenen Unternehmen funktionieren und von den Mitarbeitern getragen werden würde.

Warum ist die OKR-Methode so wichtig?

Gründer und Unternehmer kennen die eigene Vision. Sie wollen mit der eigenen Geschäftsidee die Welt verbessern oder zumindest den Bereich, in dem sie sich bewegen. Sie wissen selbst am besten, dass es gar nicht so einfach ist, den richtigen Anfang zu finden und im hektischen Alltag die großen Unternehmensziele effektiv und effizient umzusetzen.

Die großen Unternehmensziele gibt der Chef vor, für die weiteren Teilziele werden die Mitarbeiter mit einbezogen. Denn wenn diese selbst die Vision und die Unternehmensziele benennen können und merken, dass sie mit ihrer Arbeit zum Erfolg des Unternehmens beitragen, steigert das neben dem schnelleren Erreichen der Ziele auch die Mitarbeitermotivation.

Gründerin Anna von Wildling sagte uns in der Gründerstory, dass sie ab einer Teamstärke von rund 20 Personen klare Strukturen brauchten:

Eine gemeinsame Vision und klar definierte Werte geben dem Team Richtung und Leitplanken vor, an denen man sich orientieren kann. OKRs definieren unsere Ziele für das jeweilige Quartal und schaffen Transparenz und einen engen Feedback-Loop.

Die festgelegten Ziele und Key Results lassen sich leicht messen und alle Seiten wissen Bescheid, was zu tun ist und wie sie dem Unternehmensziel dienen. Ob ein Team die Ziele im Quartal, pro Monat oder wöchentlich bespricht, hängt von den jeweiligen Aufgaben und der Erreichung der Key Results ab.

Auch Personio-Gründer Hanno Renner empfiehlt, frühzeitig gute Strukturen und Prozesse aufzusetzen:

Wir haben zum Beispiel schon sehr früh OKRs und ein wöchentliches Allteam eingeführt. Das kann einem bei drei oder vier Mitarbeitern unsinnig vorkommen. Ich glaube aber, dass es viel schwieriger gewesen wäre, wenn wir damit erst bei 20, 50 oder 100 Mitarbeitern angefangen hätten.

Fazit: Mehr Transparenz führt zu besseren Ergebnissen

Gerade wenn Start-ups schnell wachsen und zahlreiche neue Mitarbeiter einstellen, sind eine klare Kommunikation der Unternehmensziele und Nachvollziehbarkeit der Aufgaben für jeden Mitarbeiter notwendig, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten. Wenn die Mitarbeiter gefordert sind, sich selbst einzubringen und sich Gedanken über die Umsetzung der Unternehmensziele zu machen, erachten sie diese auch eher als ihre eigenen und stehen stärker hinter den Aufgaben.

Ein regelmäßiger Austausch im Team, mit den Vorgesetzten und ab und an mit der Geschäftsführung zeigt den Teammitgliedern, dass jeder Mitarbeiter wichtig im Unternehmen ist und motiviert ihn, seine Aufgaben gewissenhaft und mit einem großen Einsatz zu erledigen. Aufgrund der Transparenz der einzelnen Prozesse können alle zu jeder Zeit sehen, wo die Projekte stehen und müssen nicht warten, bis der Chef einmal wieder die Ergebnisse präsentiert.

  • Wie sich die OKR-Methode zu anderen Management-Methoden unterscheidet, lest ihr in unserem OKR-Beitrag auf Für-Gründer.de
  • Mit Hilfe der ABC-Analyse könnt ihr die Ergebnisse messen und abschätzen, ob sich der Aufwand gelohnt hat
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