Snapchat für Unternehmen: Tipps + Vergleich mit TikTok



Bald wird Snapchat zehn Jahre alt. Zeit, um nach den Höhen und Tiefen des Netzwerkes Bilanz zu ziehen: Für wen lohnt sich Marketing auf der Plattform? Und worin besteht eigentlich der Unterschied zu TikTok? Tipps und Infos für Unternehmer.

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Kein Geist bei Snapchat sein: Unternehmen mit jungen Zielgruppen sollten sich intensiv mit dem Potenzial der Plattform beschäftigen. (Foto: Unsplash)

Status-quo: Weiterhin die Nummer 1 bei junger Zielgruppe

Da Facebook längst von Eltern, Lehrern und Vorgesetzten geflutet wurde, tummelt sich die Jugend seit Jahren auf Instagram. Doch auch dorthin hat es die Werbewirtschaft geschafft und so sattelte man auf Snapchat um.

Insgesamt scheint es wie eine unaufhörliche Jagd auf die Zielgruppe zu sein: Kaum hat die Industrie deren Lieblingskanal erschlossen, flüchtet sie zum nächsten. Wird auch Snapchat dasselbe Schwarmphänomen ereilen? Das wird die Zeit zeigen, im Moment sieht es aber nicht danach aus.

Der Altersdurchschnitt von Snapchat-Usern liegt bei 14 bis 29 Jahren. Hier erreicht Snapchat mit 46 Prozent Platz 1 unter den sozialen Netzwerken, dahinter kommt Instagram mit 32 Prozent. Im Alter zwischen 25 und 34 liegen beide Kanäle gleichauf.

Die Zielgruppe ist auf Snapchat sehr aufmerksam

Bei Snapchat geht es nicht um Shares oder Likes wie bei Facebook und Co., sondern darum, Aufmerksamkeit zu erzielen – und die wird einem durch das Konzept der App geradezu auf dem Silbertablett serviert. Die begrenzte Möglichkeit, sich die Bilder und Videos erneut anzusehen, macht die Nutzerschaft nämlich sehr aufmerksam. Die User wollen nichts verpassen, also sehen sie sich alle erstellten Snaps genau an. Denn auch zurückspulen ist nicht möglich.

Einige Male kann man sich die Snaps nochmals von vorne ansehen, aber nach genau einem Tag verschwinden die Fotos und Videos im Nirvana. Aus diesem Grund fragen sich viele Unternehmen, warum sie Zeit und Geld für Marketingstrategien in einem Social Media-Kanal aufwenden sollten, der so flüchtig ist und von außen so gar nicht intuitiv bedienbar erscheint. Das Ziel muss es aber sein, die werberelevante Zielgruppe da abzuholen, wo sie sich aufhält und die eigene Innovationskraft unter Beweis stellen, indem man zeigt, dass man umdenken und sich flexibel an diese Zielgruppe anpassen kann.

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Auch nach fast zehn Jahren der Aufs und Abs ist Snapchat ein effektiver Marketingkanal. (Logo: Snapchat, Grafik: Für-Gründer.de)

Fakt ist: Trotz gelegentlicher Nutzerabwanderungen hat Snapchat über die Jahre einen rasanten Zuwachs hingelegt, von dem die Konkurrenten Facebook, Twitter und Instagram nur träumen können. Im ersten Quartal 2020 hatte Snapchat 70 Millionen aktive Nutzer am Tag in Europa. Zu den Top-Ländern, die diese Nutzerzahlen beisteuerten, gehört auch Deutschland.

Pro und Contra Snapchat: Zwei Meinungen

Snapchat scheidet die Geister. Daher haben wir uns entschlossen, zwei Sichtweisen zu veröffentlichen, die einmal dafür und einmal dagegen halten.

Pro Snapchat: Snapchat ist nicht wie Facebook oder Twitter, so perfekt inszeniert und vorausgeplant, sondern ein Kanal für spontane Echtheit. Das, was Unternehmer ärgern dürfte, ist die mangelnde Messbarkeit und die Flüchtigkeit der Inhalte. Doch genau dieser Fakt macht Snapchat so attraktiv für junge Nutzer. Wenn man sich erstmal darauf eingelassen und akzeptiert hat, dass es nicht um den Aufbau von wiederverwertbarer Content-Masse, sondern um den eines Unternehmensimages geht, kann man sich über die geringen Produktionskosten von nahezu null freuen.

Contra Snapchat: Social-Media-Kanäle sind sowohl für kleine als auch große Unternehmen noch immer eine Herausforderung, für die es kein Patentrezept gibt. Insbesondere kleine Unternehmen sollten in Anbetracht ihrer begrenzten Ressourcen zunächst auf Kanäle setzen, in denen sie ihre Ziele, Strategien und die Ergebnisse ihrer Maßnahmen kontinuierlich überprüfen können. Wer sich dann sicher im Umgang mit den sozialen Netzwerken fühlt und Kapazitäten frei hat, kann auch Snapchat ausprobieren. Denn umsonst ist Snapchat natürlich nicht, auch hier wollen Storys geplant und gut ausgeführt werden, damit das Image passt. Und nur die kontinuierliche Pflege des Kanals wird auch die erhoffte Wirkung bringen.

Zusätzlich zu Snapchat auch TikTok?

Beide Netzwerke richten sich an junge Zielgruppen, beide ermöglichen Usern, Videos hochzuladen. Doch sind Snapchat und TikTok grundverschieden. TikTok ging aus musical.ly als Lip-Sync-App hervor, mit der Nutzer ihre Lieblingssongs nachsingen, nachtanzen und das Video davon veröffentlichen können. Über Hashtags lassen sich diese Kleinode dann aufspüren. Das macht TikTok vor allem für Kampagnen mit User Generated Content interessant.

Bei TikTok lassen sich Challenges starten, die im Idealfall viral gehen können. Richtig umgesetzt, müssen Unternehmen so gar keinen eigenen Content auf die Plattform einspeisen, den Aufruf zur Challenge ausgenommen. Wie bei einem Dominoeffekt können Tausende User dann auf selbst erstellte Inhalte anderer User reagieren, die wiederum unter dem Kampagnen-Hashtag auffindbar sind.

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Hier ist der Name Programm: Unter #MachDichZumOtto tun TikTok-Mitglieder genau das. Hinter den Thumbnails verbirgt sich allerlei Absurdes. (Foto: TikTok)

Snapchat ist dagegen ein klassisches soziales Netzwerk, hier dominiert der Austausch mit Freunden und beliebten Accounts. Unternehmen müssen sich bei Snapchat wie in anderen Netzwerken auch ein Standing erarbeiten, indem sie eigene Kanäle starten und eine Community aufbauen. Aber sie können auch mit bezahlten Einträgen, u. a. mit Snapchat Ads und Commercials nachhelfen, um Nutzer im Sinne klassischer Anzeigen auf Onlineshops oder die eigene Website zu führen.

Ein weiterer cleverer Weg ist es, eigene Filter und Lenses zu entwickeln. Diese projizieren Sticker, Hüte und Symbole auf die Gesichter der Nutzer, wenn sie Videos oder Fotos von sich erstellen. So sorgt ihr für jede Menge Spaß und für ein effektives Branding dank nützlicher Funktion für die User.

Unternehmen mit jungen Zielgruppen sollten definitiv beide Netzwerke ernst nehmen. Denn inzwischen verzeichnet TikTok allein in Deutschland 5,5 Millionen aktive Nutzer, 69 Prozent von ihnen sind zwischen 16 und 24 Jahre alt, womit sie genau in die Altersgruppe von Snapchat fallen. Bis zu 46 Minuten halten sich die User dort jeden Tag auf – es wäre sinnvoll, einen Teil dieser Zeit für euer Marketing bei TikTok und idealerweise auch bei Snapchat zu nutzen.

How to snap?

Snapchat ist ein Nachrichtendienst, über den Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos an ihre Freunde verschicken können. Für Fotos und Bewegtbild gibt es dynamische und ortsbezogene Filter sowie umherfliegende Emoticons. Darüber hinaus löschen sich die Fotos und Videos von selbst, wie auch die Storys, die eine Aneinanderreihung von Snaps darstellen.

Aber wie funktioniert die App eigentlich? Das fragen sich viele Menschen und tun sich schwer, Anleitungen zu Snapchat zu verstehen. Im Grunde ist Snapchat ein Mikrokanal aus dem Social-Media-Bereich.

  • Starten und adden: Wenn man einen Account anlegt, überlegt man sich einen Nutzernamen und erstellt ein Bitmoji. Es gibt auch eine QR-Funktion, über die man andere User im weltweiten Snapchat-Nutzerkreis finden und adden kann.
  • Privat kommunizieren: Es besteht die Möglichkeit, private Chats zu führen, ganz wie bei WhatsApp. Textnachrichten, Fotos, Videos und Emoticons werden nur zwischen Sender und Empfänger hin und her versandt.
  • Öffentlich die eigene Story teilen: Mann kann sich aber auch öffentlich darstellen, indem man Fotos und Videos von sich kreiert und in seine Story hochlädt. Die Snapchat-Story ist quasi das, was die Timeline für Facebook oder Twitter ist – ein Feed mit den aktuellsten „Neuigkeiten“ an oberster Stelle.

Snapchat ist schnelllebig

Möchte man sich eine Story ansehen, tippt man auf den jeweiligen Kanal – von Justin Bieber über Lewis Hamilton bis hin zum Europäischen Parlament und dem Weißen Haus kann man so einige Kanäle abonnieren – und sieht sich die nacheinander erstellten Fotos und Videos, eben die Storys, an.

Sowohl die Fotos als auch die Videos werden in der Regel nur zehn Sekunden lang angezeigt.

Bei einem Foto ist das meistens auch nicht tragisch.

Doch was ist mit den Videos? Hier reichen zehn Sekunden nur selten aus. Achtung, das ist der Spaß daran. Sind die zehn Sekunden Aufnahmezeit abgelaufen, muss man neue zehn Sekunden filmen und weitere zehn Sekunden und nochmals zehn Sekunden – bis die Geschichte zu Ende erzählt ist oder der Moment gebührend festgehalten wurde. Alle diese Einzelteile, quasi Snippets und daher auch „Snaps“ genannt, werden aneinander gereiht dargestellt und das für 24 Stunden.

Nur in den privaten Chats – fernab der öffentlichen Story – verschwinden die ausgetauschten Textnachrichten, Fotos und Videos noch schneller, und zwar direkt nach dem Ansehen.

Besonders attraktiv sind für die User die dynamischen Bilder und Emoticons. Während man ein Selfie bzw. Video von sich macht, kann man einen Geofilter verwenden, Gesichter „faceswappen“ oder einen virtuellen Blumenkranz auf seinen Kopf zaubern.

Authentische Einblicke funktionieren am besten

Während also die interessierte Zielgruppe förmlich an ihren Smartphones klebt, um alles mitzubekommen, erwacht das Vertriebs- und Marketingherz. Jedoch sind die meisten Unternehmen noch immer im Anfangsstadium der gestellten Fotos. Dabei wird Snapchats Potenzial erst mit authentischen Videos ausgeschöpft.

Was man filmen sollte? Na den Unternehmensalltag, ein Event, ein Produktfotoshooting oder wenn die Kollegen Schlange am Kaffeeautomaten stehen. Persönlich, natürlich, witzig und echt sind die Schlagwörter.

Das Spannende ist, dass die Fotos und Videos auf Snapchat längst nicht so weitreichend vorausgeplant werden können wie auf Facebook und Co. Snaps wirken deshalb echter und näher.

Somit können auch Unternehmen nicht einfach eine statische Content-Pipeline aufbauen, sondern müssen stets recht kurzfristig und „roh“ an die Sache herangehen. Für Unternehmen bietet es sich daher an, Einblick hinter die Kulissen zu geben. Die US-amerikanische Parfümerie-Kette Sephora snapt, wenn Produktfotos gemacht werden und gibt regelmäßig einen Vorgeschmack auf bald beginnende Verkaufsstarts.

Ein anderes Beispiel ist ProSieben. Während einer „Snapchat Week“ nahmen die Macher der Sendungen taff oder Circus HalliGalli die Fangemeinde mit hinter die Kameras. Bis zu 53.000 Views konnte der Sender schon vor Jahren für seine Snaps verzeichnen – und das ganz ohne Share-Button.

5 Tipps für Start-ups auf Snapchat

Befolgt diese 5 konkreten Tipps zum unternehmerischen Umgang mit Snapchat, um schnell einzusteigen:

  1. Der eigene Content ist dem Snapchat-Stil anzupassen: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Spaß. Schreibt nicht so viel Text und baut dafür mehr spielerische Funktionen der App ein.
  2. Persönliche Einblicke: Nehmt die Zuschauer mit ins Büro oder auf Events und versorgt sie von dort aus mit frischen Inhalten wie eurem persönlichen Eindruck via Video.
  3. Snapt im Takt mit den jungen Nutzern, die vornehmlich aus Schülern und Studenten bestehen. Gute Zeiten sind daher die Morgenstunden vor Schul- bzw. Studienbeginn sowie große Pausen.
  4. Die Notwendigkeit, sich eigene Strategien zur Messung von Erfolgen zu überlegen, ist der vierte Ratschlag. Denn Snapchat ist nicht richtig messbar, man kann nicht einsehen, wie viele Follower man hat. Man kann allerdings in einer Excel-Liste notieren, sobald man geadded wurde. So kann man eine eigene Liste der Fans führen und zusammenrechnen, wie groß die Fanbase wohl ist.
  5. Der fünfte und letzte Tipp lautet, dass das Social-Media-Team auch außerhalb von Snapchat erreichbar ist. Bei aller Spielerei mit dem gelben Geist sollte der persönliche Kontakt nicht vergessen werden. Weist daher regelmäßig auf andere Kommunikationskanäle hin.
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