Perspektive wechseln für bessere Kommunikation



Viele Unternehmen kommunizieren intern wie extern mangelhaft. Damit sich Mitarbeiter und Chefs besser verstehen und die Ziele erreichen, hilft ein Perspektivwechsel.

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Sich in andere hineinversetzen zu können, ist eine wichtige Qualität von Führungspersonen, aber auch von Kollegen untereinander. (Foto: Unsplash)

Perspektive wechseln: Gründe & Vorteile

Der Studie der index Agentur zufolge haben 37 Prozent der Unternehmen keine Strategie für die interne Kommunikation. Weiterhin gaben die Befragten an, dass Transparenz und Offenheit zu den wichtigsten Zielen führen.

Mitarbeiter und Chefs wollen einander verstehen.

Dabei kommt es auf folgende Punkte an:

#1 Verständnis für andere Rollen zeigen

Perspektivwechsel sind Augenöffner: In die Rolle bzw. Situation eines anderen Menschen zu schlüpfen, lässt euch nicht nur rational verstehen, was die Person beschäftigt, sondern auch emotional nachempfinden.

Perspektivwechsel finden im Austausch miteinander statt, nicht im eigenen Kopf.

Schließt euch im Team so oft wie möglich kurz, in Lockdown-Zeiten etwa durch Videokonferenzen, um euch über Annahmen, Irrtümer und Interpretationen untereinander zu verständigen. Achtet hierbei auf eure Körpersprache, um nicht ungewollt falsche Signale zu senden.

Am einfachsten gelingt der Perspektivwechsel für euer Gegenüber, wenn ihr mit einer klassischen Eröffnung in das Gespräch startet:

Bitte versetze dich in meine Lage: …

Ein anderer Weg, um ein tiefgreifendes Verständnis zu gewinnen, verläuft über die Vorstellungskraft. Diesen Weg gehen wir oft unbewusst im Alltag. Beispielsweise dann, wenn wir eine Geschichte über einen anstrengenden Kunden oder einen geglückten Elevator Pitch erzählen.

Das Prinzip dahinter ist Storytelling. Seit Jahrtausenden erzählen Menschen sich Geschichten, da sie die Emotionen ansprechen. Wir versetzen uns bei Filmen, Serien und Büchern in die Helden hinein, leiden mit ihnen, freuen uns über ihre Erfolge.

Unternehmerhelden darf und sollte es genauso gehen: Erzählt gute Geschichten über euren Alltag, um Verständnis und Einsicht bei eurem Team hervorzurufen. Die wichtigste Geschichte ist die eurer Unternehmensvision. Mit dem Golden Circle könnt ihr diese herausarbeiten und konkrete Handlungsschritte daraus ableiten.

#2 Wertschätzung der Leistung anderer

Wenn wir unsere Chefs und Kollegen durch Perspektivwechsel besser verstehen, können wir ihre Entscheidungen, Beweggründe und Handlungen nachvollziehen.

Anstatt mit Unverständnis zu reagieren, können wir Wertschätzung für andere Sicht- und Herangehensweisen entgegenbringen, auch wenn wir selbst die Dinge anders angehen würden.

Damit es Raum für diese Wertschätzung geben kann, braucht es die Bereitschaft, loszulassen. Den Mikromanagern unter den Führungskräften fällt das besonders schwer. Sie befürchten, dass ungeübte Mitarbeiter die Aufgaben schlechter erledigen als sie selbst mit jahrelanger Routine. Und tatsächlich brauchen Mitarbeiter eine Zeit des Einlernens, wenn sie in neuen Bereichen Verantwortung übernehmen.

Die Übertragung von verantwortungsvollen Aufgaben bedeutet aber auch entgegengebrachtes Vertrauen und damit – Wertschätzung.

Bei engagierten Kollegen führt dies dazu, dass sie motiviert sind und neue, kreative Lösungswege finden, die innovativer und effektiver sein können. Auch das können Ergebnisse eines Perspektivwechsels sein.

#3 Neue Denk- und Lösungswege

Ein bekannter Spruch lautet:

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Der Spruch wird Einstein zugeschrieben, der soll ihn aber nie gesagt haben. Trotzdem trifft der Satz ins Schwarze, denn immer in den eigenen, eingefahrenen Denkmustern unterwegs zu sein, führt auch zu den immer gleichen Ergebnissen.

Das ist bei neuen Problemen und Herausforderungen ungünstig. Ihnen begegnet ihr am besten durch möglichst viele verschiedene Lösungsansätze, von denen der beste ausgewählt werden sollte. Holt euch dafür mehrere Perspektiven ein, indem ihr darüber in Meetings mit eurem Team oder einzelnen Mitarbeitern brainstormt.

#4 Weniger Fehlkommunikation

Durch das Verständnis der Sichtweisen und Einstellungen eurer Kollegen verringern sich Irritationen im Austausch. Nutzt den Perspektivwechsel auch dafür, Fehlkommunikation vorzubeugen und Missverständnisse auszuräumen.

Tipps für den Perspektivwechsel

Wie könnt ihr den Perspektivwechsel konkret umsetzen?

#1 Eigene Perspektive aufschreiben

Die eigenen Gedanken, Ansichten und Einstellungen aufzuschreiben, führt zu Klarheit. Im Laufe des Lebens sammeln wir etliche Glaubenssätze über die Arbeit, unsere Mitmenschen etc. Viele davon sind unbewusst, üben jedoch einen großen Einfluss auf unser Verhalten aus. Die eigene Sichtweise aufzuschreiben, zwingt uns zu einer bewussten Auseinandersetzung mit unseren Glaubenssätzen und macht diese erkennbar. Das hilft dabei, die eigene Perspektive klar darzulegen, etwa in einem Mitarbeitergespräch.

#2 Stühle tauschen

Wenn der Lockdown vorbei ist und ihr euch wieder öfter im Büro begegnet, dann nutzt die Chance für einen physischen Perspektivwechsel: Während euer Gegenüber euch seine Perspektive schildert, schlüpft in dessen Arbeitsumgebung. Beispielsweise kann ein Mitarbeiter auf dem Chefsessel Platz nehmen, wenn er der Führungskraft zuhört. Oder der Chef setzt sich in das Großraumbüro, um die Geräuschkulisse kennenzulernen, mit der seine Angestellten täglich umgehen müssen.

Das Bäumchen, wechsle dich führt dazu, dass der Perspektivwechsel nicht nur gedanklich erfolgt, sondern erfahren wird. Dieses Verständnis ist umfassender, tiefgreifender und damit nachhaltiger.

Spannend ist nach der Pandemie auch, einen Tag lang in dem Job eines Kollegen bzw. Angestellten zu arbeiten. Termine, Aufgaben und Herausforderungen erfahrt ihr so unmittelbar und könnt euch ein differenziertes Bild dieses Jobs machen.

#3 Zuhören ohne Unterbrechungen

Zuhören ist ein aktiver Prozess, den viele Menschen heutzutage nicht beherrschen. Achtet einmal selbst darauf, wie häufig ihr einander ins Wort fallt. Dahinter steckt meistens die Angst, nicht gehört zu werden oder einen Beitrag, den man zum Gesagten leisten möchte, zu vergessen. Besser ist es, sich Notizen zu machen, während der andere spricht, und Punkt für Punkt zu antworten, wenn die Person ausgesprochen hat.

#4 An Realitätsverlust arbeiten

Klingt ein bisschen merkwürdig, empfiehlt Leander Greitemann jedoch in seinem Buch Unfog Your Mind. Greitemann hat Philosophie, BWL und Soziologie studiert. Als LivePhilosoph gibt er Menschen bei Impulsvorträgen und in Buchform Tipps für den Perspektivwechsel. Einer davon bezieht sich auf eine berühmte Psychologin:

Hinterfrage Gedanken, die dir nicht guttun. Ein schönes Werkzeug zur Befragung ist The Work von Byron Katie. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang ihre zweite Frage: Kannst du dir absolut sicher, dass das wahr ist? Oder ist die Umkehrung auch wahr oder wahrer? Wenn das der Fall ist: Warum solltest du dich ärgern?

Gemeint ist damit nicht, tatsächlich in einen Realitätsverlust zu verfallen, sondern die eigenen Gedanken zu beobachten und sie immer häufiger zu hinterfragen. Deshalb heißt es auch Wahrnehmung: Wir nehmen die Realität durch unsere Sinne wahr und bewerten sie mit unseren Gedanken. Diese Gedanken und Bewertungen können aber auch Irrtümer sein. Das Geheimnis zu mehr geistiger Flexibilität ist Offenheit.

Oder um einen weiteren spannenden Absatz des Buches zu zitieren:

Sage dir, inspiriert durch Sokrates, öfter: “Ich weiß, dass ich nichts wissen kann” und begegne den Ereignissen und Menschen mit Präsenz und Neugierde.

Diese Haltung zu üben, befreit vom eigenen (Vor-)Verurteilen und vom Scheuklappendenken.

Dann sind Perspektivwechsel am effektivsten

Entscheidend bei Perspektivwechseln ist, dass diese regelmäßig und persönlich durchgeführt werden.

Es handelt sich nicht um eine einmalige Teamübung, sondern um einen sich wiederholenden Prozess, der im Idealfall täglich in den Köpfen der Mitarbeiter und des Chefs stattfindet – nicht erst dann, wenn Probleme auftauchen.

Das führt zu dauerhaftem Verständnis und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, was wiederum die Produktivität fördert.

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