Finanzplanung: 4 Gründe und 1 Lösung

Wer eine Bankfinanzierung benötigt oder einen Investor sucht, muss einen professionellen Finanzplan vorzeigen. Aber auch diejenigen Unternehmen, die stärker und nachhaltiger wachsen möchten, können auf eine solide Finanzplanung nicht verzichten. Sie hilft, sowohl finanzielle Risiken zu identifizieren als auch das wirtschaftlichen Potenzial der eigenen Geschäftstätigkeit richtig einzuschätzen.

Wie man eine professionelle Finanzplanung erstellt und warum der Abgleich zwischen Soll- und Istwerten wichtig ist, erklären wir Ihnen hier.

Warum lohnt sich eine professionelle Finanzplanung?

Warum soll man sich als Gründer bzw. Selbstständiger überhaupt die Arbeit machen, um normalerweise einmal pro Jahr eine solide Finanzplanung zu erstellen bzw. den aktuellen Finanzplan zu überarbeiten?

Und warum ist es sinnvoll, die Ist-Zahlen mit den Planwerten zu vergleichen?

Auf diese Fragen gibt es sehr viele unterschiedliche Antworten. Wir haben daher die aus unserer Sicht 4 wichtigsten Punkte, die für eine kontinuierliche Finanzplanung sprechen, nachfolgend kurz zusammengefasst:

  1. Liquiditätsengpass vermeiden
    Nur durch die Finanzplanung wird die Zukunft planbar. So kann beispielsweise ein möglicher Liquiditätsengpass frühzeitig erkannt werden, der ggf. erst in 9 Monaten zu einem existenziellen Risiko werden kann. Eine kontinuierliche Finanzplanung identifiziert frühzeitig finanzielle Chancen und Risiken, die im Laufe des Planungszeitraumes entstehen.
  2. Stärkeres Unternehmenswachstum
    In einer Studie der renommierten Universität Cranfield kamen die Autoren zum Schluss, dass Unternehmen mit Finanzplanung um 30% stärker wuchsen, als Unternehmen ohne Planung. Erstaunlich ist diese Erkenntnis nicht. Denn die regelmäßige Finanzplanung deckt Potenziale auf, beispielsweise die Möglichkeit der Innenfinanzierung. Außerdem zwingt sie den Unternehmer, sich mit kritischen Faktoren auseinanderzusetzen und auf sie zu reagieren. Beispielsweise mit dem Problem langer Zahlungsziele von Kunden oder mit drohenden Zahlungsausfällen oder steuerlichen Vorauszahlungen.   
  3. Nachhaltigere Unternehmenssteuerung
    Eine Finanzplanung wirkt sich positiv auf den langfristigen Erfolg eines Unternehmens aus. Durch den kontinuierlichen Abgleich zwischen den Plan und Istwerten, stellen Sie Abweichungen fest und ermitteln die Gründe dafür. Daraus entwickeln Sie Handlungsempfehlungen, die Ihr Unternehmen wieder auf den „richtigen Weg“ führen.
  4. Im Notfall: Finanzplanung direkt zur Hand
    Eins ist sicher: wenn ein Unternehmen zwingend und schnell Kapital benötigt, verlangen Finanzpartner eine realistische Finanzplanung. Hat man diese schon erstellt, spart man wertvolle Zeit. Der Finanzplan ist daher auch eine Art „Notfallinstrument“ für den Fall, dass schnell eine Finanzierung benötigt wird.

Zu diesen 4 Punkten gesellt sich die Grundregel im Geschäftsleben hinzu: Keine Finanzierung ohne Finanzplanung und anschließendes Reporting. 

Denn die Kapitalgeber - Banker wie Investoren -  möchten in der Regel monatlich wissen, wie sich die Ist-Zahlen im Vergleich zu den Planwerten entwickeln. Von besonderem Interesse sind dabei insbesondere 2 Bestandteile der Finanzplanung.

Aus welchen 5 Bestandteilen besteht die Finanzplanung?

Wird eine Finanzierung benötigt, verlangt die Bank und/oder Investoren eine Finanzplanung. Basis für die Entscheidung bildet im Normalfall die Liquiditätsplanung (für 3-5 Jahre auf Monatsbasis) sowie die Rentabilitätsrechnung (für 3-5 Jahre auf Jahresbasis).
Oft möchten die Kapitalgeber auch die komplette Finanzplanung einsehen, die aus nachfolgenden 5 Bestandteilen besteht:

  1. Umsatzplanung
    Startpunkt der Finanzplanung bildet der Umsatz. Hier geht es in erster Linie darum, eine realistische und nachvollziehbare Umsatzplanung zu erstellen. Hilfreich sind hierfür beispielsweise Vergleiche zu den Vorjahres- bzw. den aktuellen Werten. Auch Faktoren wie Kapazitätsgrenzen und mögliche Saisonalitäten sollten bei der Umsatzplanung berücksichtigt werden.
  2. Kostenplanung
    Auf die Umsatzplanung folgt die Kostenplanung. Die Kostenseite besteht aus verschiedenen Einzelposten. Zu den wichtigsten gehören die variablen Kosten (also Kosten, die direkt vom Umsatz abhängig sind), die Personalkosten, Ausgaben für Marketing und die Betriebskosten.
  3. Investitionsplan
    Der Investitionsplan zeigt auf, wann welche Investition getätigt und wie diese abgeschrieben wird. Auch mögliche Desinvestitionen (also z.B. ein Verkauf von einer Maschine) werden im Investitionsplan berücksichtigt.
  4. Liquiditätsplan & Finanzierung
    Im Liquiditätsplan fließen alle getroffenen Annahmen zusammen. Er zeigt auf, wie sich der monatliche Kontostand verändert und wann ggf. das Konto ins Minus rutscht. Anhand des Liquiditätsplans kann der gesamte zukünftige Kapitalbedarf abgeleitet werden, den es dann natürlich auch zu finanzieren gilt. Die jeweiligen allfälligen Finanzierungen werden ebenfalls im Liquiditätsplan berücksichtigt.
  5. Plan GuV
    Die Plan Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) wird in einer guten Finanzplanung automatisch anhand der getätigten Eingaben erstellt. Sie zeigt auf, ab wann man buchhalterisch profitabel arbeitet und wie hoch der jährliche Gewinn oder Verlust ausfällt. Die dazugehörende Rentabilitätsrechnung zeigt zusätzlich auf, wie hoch Margen und Rentabilität ausfallen.

Soweit zur Theorie. Nun stellt sich nur noch folgende Frage:

Wie erstelle ich eine professionelle Finanzplanung?

Eine Finanzplanung zu erstellen gehört sicherlich zu den komplexesten unternehmerischen Tätigkeiten. Daher erstaunt es nicht, dass insbesondere kleinere und mittelständische Unternehmen auf eine Finanzplanung verzichten und dementsprechend unnötige Risiken in Kauf nehmen und wirtschaftliches Potenzial verschenken.

Diejenigen Unternehmen, die sich dann trotzdem an die vermeintlich komplexe Materie herantrauen, versuchen entweder ein eigenes Excel Modell zu bauen oder eine bestehende Vorlage zu nutzen und diese an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Beide Wege kosten viel Zeit und haben sich in der Praxis (leider) als fehleranfällig erwiesen.

Doch nun die gute Nachricht: Wir von Für-Gründer.de haben in Abstimmung mit Banken und Kapitalgebern eine online-Lösung entwickelt, mit der man einen bankfähigen, professionellen und vollumfänglichen Finanzplan schnell und einfach erstellen kann. Unsere Online-Lösung „Unternehmerheld“ führt dabei die Nutzer effizient durch die verschiedenen Bestandteile des Finanzplans hindurch. Der Unternehmerheld weist auf kritische Faktoren hin und erstellt auf Basis der Eingaben automatisch die Liquiditätsplanung und die Rentabilitätsrechnung. Als Resultat erhält der Nutzer einen bankfähigen Finanzplan, für den man gemäß Aussagen von Nutzern meist nicht mehr als ein bis zwei Stunden benötigt.

Nach der Finanzplanung: Ist vs. Planwerte vergleichen

Ist der Finanzplan erstellt, geht es danach um die kontinuierliche Überprüfung bzw. den Abgleich zwischen den Plan- und den Istwerten. Ziel ist es dabei den unternehmerischen Erfolg zu messen und mögliche Abweichungen zur Finanzplanung frühzeitig zu erkennen.

Liegt beispielsweise der erzielte Umsatz hinter dem Planwert, so können z.B. rechtzeitig Vertriebsaktivitäten verstärkt werden. Laufen hingegen die Kosten aus dem Ruder, sollte eine Überprüfung der Kostenseite eingeleitet werden um ggf. an der richtigen Stelle effizienter zu werden. Entsprechend ist der kontinuierliche Soll-Ist-Vergleich ein wichtiges Instrument zur Unternehmenssteuerung und - führung.

Nicht selten sind übrigens auch die Kapitalgeber an einem kontinuierlichen Reporting interessiert (oder verlangen dies sogar). Sie können sich durch den Soll-Ist-Vergleich schnell einen Überblick über die aktuellen Zahlen im Vergleich zu den ggf. vereinbarten Planzahlen machen.

6 häufige Fehler in der Finanzplanung

Wir haben zahlreiche Finanzpläne insbesondere von Gründern aber auch von Selbstständigen und kleinen Unternehmen zugeschickt bekommen mit der Bitte, diese zu überprüfen. Im Laufe der letzten Jahre haben wir daher eine Reihe an Fehlern identifiziert, von denen wir die häufigsten und gravierendsten nachfolgenden zusammengefasst haben:

  1. Unrealistische Umsatzplanung
    In der Umsatzplanungen werden relevante Faktoren wie z.B. Kapazitätsgrenzen (ein Restaurant mit 10 Tischen wird vermutlich nicht mehr als 20-25 Gäste in der Mittagspause bedienen können) oder Saisonalitäten (oft ist der Umsatz in der Sommerurlaubszeit geringer) meist nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Ein kontinuierlich steigender Umsatz ist übrigens fast nie realistisch!
    Bei Gründungen konnten wir zudem fast immer eine zu optimistische Umsatzplanung feststellen. Insbesondere bei Neugründungen ist es in der Praxis so, dass in der Regel eine Anlaufzeit benötigt wird. Nicht selten wird der im ersten Monat prognostizierte Umsatz erst nach 6 Monaten erzielt – dies wirkt sich dann natürlich auch negativ auf die Liquiditätsplanung aus.
  2. Netto oder Bruttowerte?
    Nicht selten werden Netto und Bruttowerte vermischt bzw. zum Teil die Umsatzsteuer komplett vergessen. Achten Sie bei Ihrer Finanzplanung jeweils darauf, dass Sie sowohl Netto (z.B. relevant für die GuV) als auch Bruttowerte (wichtig für die Liquiditätsplanung) berechnen.
  3. Auf Zahlungsziele achten!
    Häufig werden Zahlungsziele in Ihrer Finanzplanung nicht berücksichtigt. Insbesondere in der Liquiditätsplanung macht es einen Unterschied, ob man von seinem Kunden das Geld direkt nach Leistungserbringung bzw. Rechnungsstellung erhält, oder erst 60 Tage danach. Hinzu kommt, dass viele Gründer und Selbstständige Zahlungsausfälle und Zahlungsminderungen (wie z.B. Rabatt oder Skonto) nicht in die Finanzplanung einbeziehen. Alle drei Faktoren können aber einen erheblichen Einfluss auf die Liquiditätsplanung und somit den Kapitalbedarf haben.
  4. Vergessen Sie Ihren eigenen Lohn nicht
    In einer vollumfänglichen Finanzplanung sollte auch Ihr eigener Lohn berücksichtigt werden. Bei Freiberufler, Einzelunternehmer und Personengesellschaften wie z.B. der GbR erfolgt der „Unternehmerlohn“ durch private Entnahmen. Bei Kapitalgesellschaften sind die Gründer in der Regel angestellt und erhalten einen regulären Lohn (je nach Anteile mit oder ohne Sozialabgaben).
    Noch einen letzten Punkt zum Thema Personal: Bitte denken Sie grundsätzlich daran, dass Sie in der Finanzplanung auch die Lohnnebenkosten berücksichtigen, sofern Sie Mitarbeiter haben.
  5. Hoppla – haben Sie auch an die Steuern gedacht?
    Das Thema Steuern ist sicherlich kein angenehmes – trotzdem dürfen Sie in einer vollständigen Finanzplanung nicht fehlen. Fast alle Selbstständigen und Unternehmen müssen sich mit der Umsatzsteuervoranmeldung und den entsprechenden Zahlungen beschäftigen. Mit Ausnahme von Freiberuflern ist auch das Thema Gewerbesteuer relevant. Hat man eine Kapitalgesellschaft, kommen zusätzlich Körperschaftssteuer und Soli hinzu.
  6. Bei Neugründungen: Keinen Puffer, zu niedriger Kapitalbedarf
    Laut einer Studie der KfW Mittelstandsbank unterschätzen über 70% der Gründer den eigenen Kapitalbedarf - im Schnitt brauchen Gründer mehr als doppelt so viel Kapital, wie ursprünglich geplant. Der Umsatz wird zu optimistisch angesetzt, während oft nicht alle Kosten in der Finanzplanung berücksichtigt werden. Dies kann entsprechend schnell zu einem finanziellen Problem bis hin zur Insolvenz aufgrund fehlender Liquidität führen. Es ist daher ratsam, bei der Umsatzplanung etwas konservativer vorzugehen und einen Puffer einzuplanen. Wie hoch dieser Puffer ausfallen soll, hängt insbesondere vom Geschäftsmodell ab. In der Praxis wird von erfahrenen Beratern meist ein Puffer i.H. von 6 Monaten der fixen Kosten (also Betriebskosten + Personalkosten + ggf. weitere Kosten für Marketing etc.) angesetzt.

Neben diesen 6 Fehlerquellen haben z.T. aber auch "technische Faktoren" zu falschen Ergebnissen geführt. Häufig enthält die verwendete Exceltabelle Berechnungsfehler. Formeln stimmen nicht oder wurden gelöscht, die Referenzwerte sind falsch oder es werden nur Teilsummen gebildet.

Liefert die Exceltabelle falsche Werte, verfälscht sich die Liquiditätsplanung. Das ist dann kritisch, wenn die Planung ein solides Finanzpolster angibt, während sich bei richtiger Berechnung eine Finanzierungslücke auftut. Berechnungsfehler in der Exceltabelle führen häufig zu falschen unternehmerischen Entscheidungen. Ist das Planergebnis aufgrund einer fehlerhaften Summenbildung zu gering, könnten falsche Entscheidungen die Folge sein, die dem Unternehmen schaden.

Liegt ein falsch berechneter Finanzplan einem Banker oder Investor vor, ist das nicht nur ärgerlich und peinlich. Der Rechenfehler kann Ihnen die erhoffte Finanzierung kosten. Wichtig bei der Finanzplanung ist also: Halten Sie die Planung so genau und so einfach wie möglich. Wenn Sie mit Exceltabellen arbeiten, müssen Sie wirklich jede Zahl und jede Formel zweimal überprüfen.

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