Besser planen – erfolgreicher gründen!

Wir zeigen Ihnen, wie aus Ihrer Geschäftsidee ein valides Geschäftsmodell wird und wie Sie mit einem professionellen Businessplan Kapitalgeber überzeugen!

Jens Schleuniger, Geschäftsführer von Für-Gründer.de

Break Even Point: So berechnen Sie die Gewinnschwelle

Ein Unternehmen muss nicht nur Umsatz, sondern nach Abzug der Kosten auch Gewinn machen. Daher gehört zur Finanzplanung nach der Umsatz- und Kostenkalkulation unbedingt auch die Ermittlung des Break Even Points – der Gewinnschwelle – dazu. Damit bezeichnet man den Punkt, an dem die Einnahmen genauso hoch sind wie die Ausgaben bzw. der Erlös genauso hoch ist wie die Kosten.

Überschreitet ein Unternehmen den Break Even Point, befindet es sich in der Gewinnzone. Unterschreitet es ihn, macht es Verluste. Hier erfahren Sie, wie Sie den Break Even Point berechnen können.

Wann trägt sich das operative Geschäft selbst?

Ein wesentlicher Teil des Kapitalbedarfs, der im Rahmen der Finanzplanung ermittelt wird, geht auf das operative Geschäft zurück. Schließlich sind die Kosten in der Startphase der Selbstständigkeit in der Regel deutlich höher als die Umsätze, die sich erst langsam entwickeln. Daher lautet die Frage: Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem das junge Unternehmen erstmals mehr Geld einnimmt als es ausgibt? Dafür ist ein Blick in den Finanzplan, der die wirtschaftliche Situation des Unternehmens jetzt und in Zukunft zeigt, hilfreich: Dort listen Sie als Unternehmer für jeden Monat die Ausgaben und die Einnahmen der Firma auf. In dem Monat, in dem sich die Einnahmen mit den Ausgaben decken, ist der Break Even Point erreicht.

In der weiteren Folge sollten die Gewinne dann in der Regel weiter steigen, damit das Unternehmen nachhaltig in der Gewinnzone bleibt. Erst dann lohnt sich ein Geschäft. Der Break Even Point, kurz BEP, gibt also Auskunft darüber, zu welchem Zeitpunkt ein Unternehmen von der Verlust- in die Gewinnzone wechselt.

Je nach Branche wird die Gewinnschwelle schneller oder langsamer erreicht. Grundsätzlich aber gilt die Faustregel, dass eine Gründung innerhalb von 12 bis 24 Monaten den Break Event Point erreichen und damit Gewinne erwirtschaften sollte. Ansonsten wird es sehr schwierig, eine Finanzierung für eine Geschäftsidee zu bekommen.

Wir zeigen Ihnen im Folgenden:

  1. Wie Sie den Break Even Point im Rahmen des Finanzplans ermitteln
  2. Welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um den Break Even Point zu beeinflussen
  3. Warum der Break Even Point für Banken so wichtig ist
TIPP

Um keine bösen Überraschungen zu erleben, ist es wichtig, den Finanzplan möglichst realistisch zu gestalten. Je weiter der Finanzplan in die Zukunft reicht, desto schwieriger wird es für den Gründer, diese Voraussagen zu treffen. Daher sollten Sie unbedingt auf eine professionelle Finanzplanungshilfe zurückgreifen.

Finanzplan online erstellen

Die Gewinnschwelle berechnen

In der Break-Even-Analyse muss der Unternehmer die Kosten in fixe und variable Kosten aufteilen. Fixe Kosten sind Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge gleichbleibend hoch sind, also etwa Miete oder Löhne. Variable bzw. umsatzabhängige Kosten sind solche, die in Abhängigkeit der produzierten Menge niedriger bzw. höher ausfallen. Das sind etwa die Materialkosten. Zieht man vom Erlös die variablen Kosten ab, ergibt sich im Übrigen der Deckungsbeitrag. Es handelt sich also um den Betrag, der zur Deckung der Fixkosten zur Verfügung steht. 

Break Even Point: Die Formel

Leitfrage: Bei welcher produzierten Menge (x) ist der Gewinn (G) gleich Null?

  1. Er ist gleich Null, wenn die Einnahmen (E) minus der Kosten (K) gleich Null sind.
    G(x) = E – K = 0
  2. Daraus ergibt sich die Frage: Wann sind die Einnahmen identisch zu den Kosten?
    E  = K ?
  3. Die Einnahmen resultieren bei vielen Geschäftsmodellen aus dem Verkaufspreis multipliziert mit der verkauften Menge (x):
    E = p * x
  4. Die Kosten ergeben sich aus Variable Kosten multipliziert mit der verkauften Menge (x) plus fixe Kosten
    K = xK(v) + K(f)
  5. Umgestellt nach der Produktionsmenge ergibt sich daraus der Wert x, also die genaue Stückzahl, zu der Kosten und Einnahmen gleich hoch sind. Dies ergibt den Break-Even-Point.
    x = K(f) / p - K(v)

Beispielrechnung: Die Saftbar

Die Formel erscheint auf den ersten Blick sehr abstrakt. Sehen wir uns also ein konkretes Beispiel an. Ein Unternehmen verkauft frisch gepresste Säfte. Um zu ermitteln, wie viele Becher es verkaufen muss, um Gewinn zu erzielen, stellt es folgende Rechnung an:

  • Der Verkaufspreis pro Becher beträgt 3 Euro
  • Die variablen Kosten pro Becher betragen 1 Euro (für die Früchte, Pappbecher, etc.)
  • Die fixen Kosten betragen pro Monat 5.000 Euro (für Miete, Angestellte, etc.)

Daraus ergibt sich:

  1. Einnahmen = 3 Euro mal Menge x
    E = 3x
  2. Kosten = 1 Euro mal Menge x plus 5000 Euro
    K = 1x + 5000
  3. Da der Punkt gesucht wird, an dem die Einnahmen gleich der Kosten sind (E = K), ergibt sich:
    3x = 1x + 5000
  4. Aufgelöst nach der Stückzahl x ergibt sich folgende Lösung:
    x = 5000 / 3-1 – also
    x = 5000/2 = 2.500

Bei 2.500 verkauften Säften ist die Gewinnschwelle erreicht. Ab dem Verkauf von 2.501 Bechern macht das Unternehmen Gewinn.

Im Verlauf einer exemplarischen Gründungskalkulation erreicht das Unternehmen im 5. Monat den Break Event Point.

 1. Monat2. Monat3. Monat4. Monat5. Monat
Absatz2505001.0002.0002.500
Fixkosten5.0005.0005.0005.0005.000
Variable Kosten2505001.0002.0002.500
Gesamtkosten5.2505.5006.0007.0007.500
Umsatz (Preis * Absatzmenge)7501.5003.006.0007.500
Gewinn/Verlust./ 4.500./. 4.000./ 3.000./. 1.0000

Im Umkehrschluss birgt der Break Even Point aber auch noch eine weitere Aussage: Er zeigt, wie stark der Absatz zurückgehen darf, ohne dass das Unternehmen in die Verlustzone rutscht. Man spricht in beiden Fällen auch vom Mindestabsatz. Der Break Even Point ist aber nie in Stein gemeißelt, sondern verschiedenen Einflussfaktoren wie höheren Fixkosten oder steigenden Materialkosten unterworfen.

Außerdem verläuft die Entwicklung des Umsatzes meistens nicht linear. Das liegt zum einen daran, dass es umsatzstärkere und umsatzschwächere Monate gibt. Sehr deutlich wird das bei Saison-Geschäften. Ein Eis-Laden nimmt am meisten in den Sommermonaten ein, im Winter herrscht Flaute. Auch in anderen Branchen gibt es Gründe, warum gewisse Zeiten umsatzstärker und andere umsatzärmer sind.

Auch die Höhe der Ausgaben ist nicht konstant. Manche Kosten fallen zum Beispiel nur vierteljährlich an. Hinzu kommt: Wenn sich der Umsatz überraschend erhöht, das Geschäft also besser als erwartet läuft, erhöhen sich meistens auch die Kosten, zum Beispiel für neue Mitarbeiter, die eingestellt werden müssen oder höhere Einkaufskosten. All diese Faktoren sollten in die Berechnung einfließen.

Die Gewinnschwelle beeinflussen

Ziel der Finanzplanung ist es, den Zeitpunkt der Gewinnerzielung so realistisch wie möglich im Voraus berechnen. Nachdem Sie den Break Even Point ermittelt haben, können Sie weitere Überlegungen anstellen, an welchen Stellschrauben Sie drehen können, um die Gewinnschwelle ggf. früher zu erreichen:

  • Analysieren Sie Ihre Preiskalkulation – lassen sich ggf. höhere Preise durchsetzen, ohne in gleichem Maße Umsatzrückgänge befürchten zu müssen?
  • Können variable oder fixe Kosten reduziert werden, etwa durch die Wahl eines günstigeren Lieferanten oder bspw. Leasing?
  • Sind Ihre Vertriebskanäle richtig gewählt, um die Zielgruppe optimal zu erreichen?
  • Wollen Sie stärker in Vertrieb und Marketing investieren, damit Ihr Absatz schneller steigt?

Stellt sich in der Planungsphase jedoch heraus, dass in den ersten Jahren die Finanzierung Ihres Unternehmens nicht gesichert und auch keine Profitabilität in Sicht ist, muss möglicherweise das gesamte Geschäftsmodell in Frage gestellt werden. Schließlich ist ein Modell, das dauerhaft nicht zu Gewinnen führt, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Seien Sie also bei allem Optimismus, der Gründer normalerweise antreibt, möglichst realistisch bei der Berechnung des Break Even Points.

Bedeutung des Break Even Points für Kapitalgeber

Wie bereits eingangs dargelegt, stellt das operative Geschäft neben den Investitionen den wesentlichen Faktor für den Kapitalbedarf einer Gründung dar. Erst wenn ein Unternehmen Gewinne erzielt, ist auch die Rückzahlungsfähigkeit für Kredite gewährleistet. Dementsprechend schauen Banken sehr genau auf den Break Event Point: Wann wird dieser erreicht und wie profitabel entwickelt sich das Unternehmen danach? Und auch Investoren nutzen den Break Even Point, um bspw. Meilensteine in der Unternehmensentwicklung festzulegen, an deren Erreichen die Auszahlung weiterer Mittel gekoppelt ist.

Fazit: Der Break Even Point ist ein zentraler Meilenstein jeder Gründung

Der Break Event Point ergibt sich aus der Umsatz- und Kostenplanung als der Punkt, an dem Umsatz und Kosten gleich hoch sind. Dabei ist es wichtig, dass der Unternehmer alle Zahlen so realistisch wie möglich kalkuliert. Einerseits darf man nicht zu blauäugig sein und die Spanne bis zum Break Even zu kurz darstellen – viele Unternehmen haben gerade in den Anfangsjahren einige Hürden zu nehmen – noch darf der Break Even Point in zu weiter Zukunft liegen, also etwa erst nach einem Zeitraum von mehreren Jahren. Es ist niemandem geholfen, wenn man mit naiven oder zu pessimistischen Daten operiert. Kapitalgeber sind geschult genug, dies zu erkennen. Vor allem aber bringt es dem Gründer selbst nichts, wenn er sich in die Tasche lügt. Früher oder später holt einen die Realität ein. 

Zudem empfiehlt sich auch nach der Gründung, den Plan laufend zu überprüfen und gegebenenfalls den neuen Gegebenheiten anzupassen, um frühzeitig Liquiditätsengpässe entdecken und handeln zu können.

Die Berechnung des Break Even Points im Rahmen des Finanzplans macht komplexe Zusammenhänge anschaulich. Der Unternehmer erhält jederzeit einen schnellen Überblick darüber, ab welchem Zeitpunkt sich ein Geschäft wirklich lohnt, sprich: zu welchem Zeitpunkt Rentabilität eintritt. Daher sollten Sie als Gründer diese wichtige Finanzkennzahl immer im Blick behalten.