Was macht ein Chief Performance Officer?



Unternehmer wollen ständig die Performance im Team zu steigern. Wie das geht und welche Zusammenhänge mit der Arbeit des Chief Finance Officers dabei bestehen, verrät uns Dr. Oliver Kunath von sevDesk. Er kennt die Herausforderungen als CFO und CPO genau.

GründerDaily: Hallo Oliver, wo kommt der Begriff des Chief Performance Officers her?

Oliver von sevDesk: Der Begriff des Chief Performance Officers wird seit ca. 2010 vermehrt in der Literatur erwähnt und findet sich heute auch zunehmend in Stellenausschreibungen auf Jobportalen. Gleichzeitig ist die Bezeichnung noch nicht nachhaltig in der Berufspraxis angekommen und sollte daher nicht mit dem etablierten Profil des Chief Product Officers verwechselt werden – die Gefahr dazu besteht aufgrund desselben Akronyms („CPO“) sehr leicht.


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Der Chief Performance Officer stellt eine Weiterentwicklung des CFO-Profils dar (CFO: Chief Finance Officer; deutsch: Kaufmännischer Leiter oder auch Vorstand). Das Profil des klassischen CFO entwickelt sich stetig weiter, insbesondere aufgrund wachsender technologischer Möglichkeiten im Bereich der Datenverarbeitung und -analyse.

Somit verändert sich die Rolle des CFOs zunehmend von einem eher rückwärtsgewandten, stark auf Compliance und auf die operative Umsetzung der Jahresplanung achtenden Beobachter zu einem den CEO intensiver beratenden Steuermann in Bezug auf Zahlen, Fakten, Analysen und deren Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens.

GründerDaily: Welche Aufgaben und Ziele hat ein CPO?

Oliver von sevDesk: Zu den Aufgaben des klassischen CFOs gehören die Themen Bilanzierung, Konsolidierung, Controlling & Berichterstattung, Treasury sowie Steuern. Diese Basisaufgaben sind ebenso Teil des CPO-Profils. Der CPO ist darüber hinaus die zentrale Anlaufstelle im Unternehmen für die Koordination der Unternehmenssteuerung der Leistungserbringung.

Die sich beschleunigende Digitalisierung, d. h. immer kostengünstigere Datenspeicherung, steigende Internetbandbreiten, Ausbau der Mobilfunknetze, Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten für jedermann und überall auf der Welt sowie eine dynamische Open-Source-Softwarebewegung sorgen für die Verfügbarkeit und Analysierbarkeit von geschäfts- und entscheidungsrelevanten Daten in nie da gewesenem Umfang sowie (nahezu) in Echtzeit.

Hierdurch verändert sich insbesondere das Anforderungsprofil des Controllings als Teil der CPO-Funktion, also der Unternehmensanalyse, -planung und -steuerung, deren immanente Aufgabe schon immer die Verarbeitung von Zahlen und Daten ist.

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Weitsicht und Fähigkeit zur Kommunikation: Der Chief Performance Officer ist ein Allrounder im Team, der viele Bereiche im Blick behalten muss. (Foto: sevDesk)

Ein Chief Performance Officer muss in der Lage sein:

  • ein aufschlussreiches und vorausschauendes Reporting in Echtzeit zu erstellen, das sich auf die Erreichung der ausgegebenen strategischen Ziele konzentriert,
  • eine stark werttreiber-orientierte Analyse und Steuerung der Wertschöpfungskette sicherzustellen und
  • das dafür notwendige Kapital im Unternehmen verfügbar zu machen und konsequent auf jene Zielerreichungsoptionen zu allokieren, welche die höchste und sicherste Zielerreichung versprechen.
  • Darüber hinaus ist der CPO (Mit-)Initiator von Transformationsprojekten zur Steigerung der Unternehmensproduktivität, z. B. durch den Einsatz von Automatisierungstechnologien.

In dieser Rolle arbeitet ein CPO eng mit den Führungskräften aus dem Bereich Human Resources bzw. People Operations zusammen, da sowohl die erfolgreiche Unternehmenssteuerung als auch die Durchführung von Veränderungsprozessen die vorausschauende Entwicklung relevanter Fähigkeiten aufseiten der Mitarbeiter voraussetzen.

GründerDaily: Welche Qualifikationen bzw. Eigenschaften muss ein CPO noch haben?

Oliver von sevDesk: Geeignete Kandidaten besitzen ein hohes Verständnis über das Innenleben des oder der Geschäftsmodelle des betreffenden Unternehmens, sind detailversessen und mit analytischem Scharfsinn ausgestattet, besitzen eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit sowie strategische Weitsicht.

GründerDaily: Mit welchen Maßnahmen steigert der CPO die Performance?

Oliver von sevDesk: Da der CPO das Profil des CFOs miteinschließt, sind finanzanalytisch getriebene Maßnahmen zur Steigerung der Unternehmensleistung weiterhin gefragt. Gleichzeitig ist der Werkzeugkasten des CPOs umfangreicher, da er insbesondere den Einsatz moderner Daten- und Prozessanalysetechnologien nutzt (z. B. Descriptive Analytics & Business Intelligence, Predictive und Prescriptive Analytics oder Process Mining). Dadurch werden die Zusammenhänge der Leistungserbringung für alle handelnden Personen im Unternehmen sichtbarer.

Komplexe analytische Prozesse mit großen Datenmengen so zu verdichten, dass handelbare Entscheidungen zur Performanceverbesserung getroffen werden können, ist der wichtigste Teil der Arbeit eines erfolgreichen CPOs.

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