- Die Eröffnung eines Cafés ist auch ohne Erfahrung möglich. Franchise-Konzepte erleichtern den Einstieg.
- Mobile Konzepte sind deutlich günstiger im Einstieg und im laufenden Betrieb als klassische Laden-Cafés.
- Für die Finanzierung sollten Café-Gründer einen ordentlichen Business- und Finanzplan vorweisen.
- Café-Gründer müssen strenge behördliche Voraussetzungen erfüllen, insbesondere bei Alkoholausschank.
| Café eröffnen ohne Erfahrung?
Ein eigenes Café ohne gastronomische Erfahrung ist grundsätzlich möglich. Eine Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie, als Barista oder zum Konditor ist nicht (zwingend) notwendig.
Trotzdem sollten angehende Gründer den Betrieb eines Cafés nicht unterschätzen. Denn ein Café zu eröffnen bedeutet weit mehr, als Kaffee zu servieren, Kuchen anzubieten und eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen.
Um ein Café nicht nur zu eröffnen, sondern auch erfolgreich zu betreiben, müssen Gründer verschiedene Grundkenntnisse mitbringen und bereit sein, sich gezielt weiterzubilden.
Vorteilhaft sind insbesondere folgende Kenntnisse:
- Kalkulation von Kosten und Preisen
- Durchführung der Kassenabrechnung
- Personalplanung und -führung
- Aufstellen und Einhalten von Hygienekonzepten
Vorerfahrung in der Gastronomie hilft zudem, betriebliche Abläufe besser einzuschätzen. Zum Beispiel, wann typische Stoßzeiten sind (meist am Wochenende und an Feiertagen) und welche Aufgaben vor und nach den eigentlichen Öffnungszeiten anfallen.
| Konzept und Angebot entwickeln
Am Anfang jeder Café-Eröffnung steht die Frage, was für ein Café eigentlich entstehen soll. Das Konzept bildet die Grundlage für nahezu alle weiteren Entscheidungen.
Umso detaillierter das Café-Konzept beschrieben wird, desto besser können Standortwahl, Zielgruppe vor Ort, die Ausstattung und den Kapitalbedarf sowie laufende Kosten geplant werden.
Um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, müssen sich Gründer verschiedene Faktoren genau ansehen:
- Eigene Vorlieben: Welche persönliche Leidenschaft lässt sich gut zu einem Konzept umwandeln? Eine Vorliebe für Röstungen, Aromen und verschiedene Bohnen kann z. B. die Basis für ein Specialty-Coffee-Café sein.
- Bevorzugte Zielgruppe: Sollen eher Familien, Kaffee-Liebhaber, Kuchen-Liebhaber, Touristen oder Rentner angesprochen werden? Was mag die Zielgruppe?
- Positionierung am Markt: Nicht jedes Café muss Kaffee, Frühstück, vegan, Cocktails und eine Mittagskarte gleichzeitig anbieten. Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Cafés? Was gibt es noch nicht in der geplanten Gegend?
Mit dieser Basis können sich Gründer konkrete Gedanken um die Produktpalette machen. Gerade für den Start empfehlen wir, lieber ein kleines, aber dafür sehr gut ausgewähltes Sortiment anzubieten.
Auf diese Weise bleibt die Karte überschaubar, Lagerplätze planbar und Kunden werden nicht überfordert.
Beispiele für Café-Konzepte
In der folgenden Tabelle geben wir Beispiele für Café-Konzepte und ein mögliches Angebot als Inspiration.
| Konzept | Mögliches Produktangebot |
| Klassisches Café mit Kaffee und Kuchen | Verschiedene Kaffee-Spezialitäten, Filterkaffee und (hausgemachte) Kuchen sowie Torten |
| Specialty-Coffee-Café | Angebot von Filterkaffee, Kaffee-Spezialitäten und Vertrieb von eigenen Röstungen |
| Frühstücks- oder Brunch-Café | Süßes und herzhaftes Frühstücksangebot, z. B. Toasts, Brötchen und belegte Platten. Neben Kaffee-Spezialitäten sollten verschiedene Säfte geboten werden |
| Erlebnis- oder Event-Café | Aktion im Vordergrund: Malen, Basteln, Brettspiele spielen, Live-Musik oder Stand-up-Comedy |
| Veganes Café | Vegane Kaffee-Spezialitäten sowie vegane Kuchen und Torten |
| Coworking-Café | Weniger Produktfokus als das Schaffen einer ruhigen Atmosphäre zum Arbeiten, viele Steckdosen und gutes WLAN |
| Patisserie-Café | Feingebäck, Pralinen sowie aufwändig hergestellte Kuchen und Torten |
Franchise als Alternative
Nicht jedes Café muss komplett eigenständig entwickelt werden. Eine Alternative zur eigenen Gründungsidee kann ein Franchise-Konzept sein. Dabei wird ein bereits erprobtes Geschäftsmodell übernommen, zum Beispiel mit bestehender Marke, festem Sortiment, Gestaltungsvorgaben, Lieferantenstrukturen, Marketingunterstützung und Schulungen.
Der Vorteil liegt vor allem darin, dass viele Entscheidungen nicht bei null beginnen. Konzept, Markenauftritt, Angebot, Prozesse und teilweise auch Einkauf oder Einrichtung sind bereits vorgegeben. Das kann besonders für Gründer ohne Gastronomieerfahrung attraktiv sein, weil sie auf vorhandenes Know-how und standardisierte Abläufe zurückgreifen können.
| Passenden Standort wählen
Der Standort gehört zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Café-Eröffnung. Er beeinflusst laufende Kosten, Zielgruppe und somit auch das Angebot.
Bei der Suche nach dem passenden Standort haben angehende Café-Inhaber zunächst die Wahl, ob sie einen mobilen oder einen festen Standort suchen.

Sowohl das mobile Café (z. B. Coffee-Bike) als auch das klassische Ladencafé mit Sitzplätzen, Theke und Außenbestuhlung bieten jeweils Vor- und Nachteile, die wir nachfolgend gegenüberstellen.
Vor- und Nachteile des Ladencafés
Durch einen festen Standort bietet das Ladencafé eine gute Möglichkeit, um eine Stammkundschaft aufzubauen. Zudem sorgen Sitzplätze für einen hohen Gemütlichkeitsfaktor.
Ein weiterer Vorteil: Bei gutem Wetter locken Sitzplätze im Freien mehr Laufkunden an.
Aufgrund der Ladenmiete, Einrichtung und größerem Produktangebot ist der Kapitalbedarf beim Ladencafé jedoch sehr viel höher als beim mobilen Café.
Außerdem können besondere behördliche Auflagen hinzukommen, etwa eine Gaststättenerlaubnis bei Alkoholausschank oder Nutzungsänderungen, falls der Standort zuvor noch kein Café war.
Vor- und Nachteile des mobilen Cafés
Ein mobiles Café bietet 2 große Vorteile:
- Flexibilität: Gründer können sich den Standort weitgehend flexibel aussuchen
- Günstiger Einstieg: Anders als beim Ladencafé ist weniger Kapital für die Eröffnung und den laufenden Betrieb notwendig
Das mobile Café eignet sich besonders für Märkte, Veranstaltungen, Bürostandorte, Festivals, Wochenmärkte oder stark frequentierte Plätze. Dafür hängen Umsatz und Planung stärker von Genehmigungen, Wetter, Standplätzen, Veranstaltungsbuchungen und logistischer Organisation ab.
Ist die Entscheidung für ein mobiles Café oder ein Ladencafé gefallen, gilt es, die richtige Lage zu finden.
Wer ein Café eröffnen will, hat meist die Wahl aus folgenden Gegenden:
- Innenstadt: Hoch frequentiert, aber hochpreisig
- Wohngegend: Optimal für Familien, aber wenig Frequenz
- Gewerbegebiet: Planbare Frequenz, aber keine langen Aufenthalte
Nicht jede gute Lage ist automatisch die richtige Lage. Innenstadt, Wohngebiet und Gewerbepark können jeweils funktionieren, stellen aber unterschiedliche Anforderungen an Konzept, Angebot, Öffnungszeiten, Preisniveau und Marketing.
Wir zeigen nun, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Gegenden bieten und für welches Konzept diese jeweils geeignet sind.
Innenstadt: Hoch frequentiert, aber hochpreisig
Die Innenstadtlage ist aufgrund der zahlreichen Laufkundschaft beliebt, besonders in Gegenden mit hohem Touristenaufkommen. Konzepte mit schnellem Service, To-go-Angebot und sichtbarer Außenwirkung können in der Innenstadt gut funktionieren.
Gleichzeitig ist die Innenstadt meist mit hohen Mietkosten und stärkerem Wettbewerb verbunden. Viele Cafés, Bäckereien, Ketten, Restaurants und To-go-Angebote konkurrieren um dieselbe Kundschaft.
Wohngegend: Optimal für Familien, aber wenig Frequenz
Ein Standort in einer Wohngegend lebt weniger von zufälliger Laufkundschaft als von Beziehungen, Wiederholung und lokaler Verankerung.
Dafür kann ein Café zum häufig besuchten Treffpunkt werden, etwa für Familien, die Nachbarschaft oder berufstätige im Homeoffice. Auf der anderen Seite ist die Frequenz weniger spontan und häufig als in der Innenstadt.
In der Wohngegend funktionieren Konzepte besonders gut, die Aufenthaltsqualität, persönliche Atmosphäre und Verlässlichkeit bieten. Dazu gehören Frühstücksangebote, Familienfreundlichkeit und Wochenendangebote.
Gewerbegebiet: Planbare Frequenz, aber keine langen Aufenthalte
Ein Gewerbepark oder Bürostandort kann für bestimmte Café-Konzepte sehr attraktiv sein. Die Nachfrage konzentriert sich häufig auf bestimmte Zeitfenster.
Etwa morgens vor Arbeitsbeginn, in der Mittagspause und am Nachmittag für Kaffee oder Snacks. Durch diese Nachfrage ist das Angebot sehr gut planbar.
Gleichzeitig ist ein Gewerbepark oft weniger geeignet für lange Aufenthalte am Abend oder spontane Wochenendbesuche.
Das Geschäftsmodell hängt stark davon ab, wie viele Menschen tatsächlich vor Ort arbeiten, ob es Kantinen oder Bäckereien gibt und wie mobil die Beschäftigten in der Pause sind.
| Eröffnungskosten und Finanzierungsbedarf ermitteln
Um den Kapitalbedarf (Finanzierungssumme) zu ermitteln, müssen angehende Café-Inhaber nicht nur die Kosten für die Eröffnung einplanen. In den Finanzplan gehören zudem die laufenden Kosten, etwa für den Wareneinsatz oder die Betriebskosten.
Die Ermittlung der Finanzierungssumme hilft Gründern herausfinden, ob das Konzept tragfähig ist. Daher gehen wir nun auf folgende Schritte der Finanzplanung ein:
#1 Kosten der Café-Eröffnung berechnen
Kosten, die rund um die Eröffnung entstehen, sind etwa:
- Einmalige Anschaffungskosten für ein Kaffee-Rad oder einen Foodtruck
- Miete, Kaution und ggf. Abstandszahlungen (Ablöse) für das Ladencafé
- Aufwand für Umbau und Renovierungsmaßnahmen
- Ausstattung, etwa Siebträgermaschine, Theke, Sanitär-Anlagen, Spülküche, etc.
- Einrichtung, unter anderem für Tische, Stühle, Dekoration, Lampen
- Warenbestand für die ersten Eröffnungstage, etwa Kaffeebohnen, Kuchen/Torten, Zucker, etc.
- Kassensystem, inklusive Bargeldlade, Bondrucker, Kartenlesegerät und Touch-Display
- Genehmigungen, etwa für die Gewerbeanmeldung, Alkoholausschank oder Sondergenehmigungen für den Außenbereich
- Marketing-Maßnahmen, etwa eine Website und Website-Hosting, Social-Media-Ads, Flyer und Beklebung
Hinzu kommt der Eigenbedarf, etwa für Miete, Nebenkosten, Lebensmittel. Diese Kosten müssen gedeckt werden, bis das Café anläuft und Gewinne erzielt.
In der folgenden Tabelle kalkulieren wir anhand einer Beispielrechnung, wie hoch die Eröffnungskosten jeweils für ein mobiles sowie ein festes Konzept ausfallen können.
Bei der Ermittlung der Kosten für das Ladencafé gehen wir von einem Mietobjekt in einer Großstadt und Innenstadtlage aus. Die Kaution beträgt 4 Monatskaltmieten. Das Objekt muss zudem 3 Monate bis zur Eröffnung aufwendig renoviert werden.
| Kosten bis zur Eröffnung | Mobiles Café | Ladencafé |
| Anschaffung Kaffee-Rad | 10.000 € | - € |
| Kaution 4 Monats-Kaltmieten (5.000 €/Monat) | - € | 20.000 € |
| Kaltmiete für 3 Monate | - € | 15.000 € |
| Nebenkosten | 1.000 € | 4.500 € |
| Renovierungskosten | - € | 20.000 € |
| Siebträgermaschine | 3.000 € | 3.000 € |
| 2 Kaffeemühlen | 1.000 € | 1.000 € |
| Kassensystem | 1.000 € | 1.000 € |
| Marketing (Beklebung, Flyer, etc.) | 1.000 € | 3.000 € |
| 2 Kühlschränke | - € | 2.400 € |
| Spülmaschine | - € | 2.500 € |
| Erstausstattung (Tische, Stühle, Geschirr, Besteck, Kaffeetheke) | - € | 12.000 € |
| Erster Warenbestand für die Eröffnung | 1.500 € | 4.000 € |
| Eigenbedarf (2.100 €/Monat) | 2.100 € (Eröffnungsmonat) | 6.300 € (3 Monate) |
| Gebühren durch behördliche Auflagen | 300 € | 700 € |
| Personalkosten für 1 Minijobber | - € | 800 € |
| Gesamtkosten für die Eröffnung | 21.900 € | 96.200 € |
Wie hoch die Kosten für den Eröffnungstag letztlich ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Renovierungsbedarf: Muss das Ladencafé nur mit geringem Aufwand an das gewünschte Konzept angepasst werden oder müssen Elektrik, Sanitärbereich, Küche und Co. neu gemacht werden?
- Konzept: Wird das Café mit oder ohne Backstube eröffnet? Eine Backstube erfordert wesentlich mehr Kapital zu Beginn durch Knetmaschinen, Backöfen, Teigwalzen und sonstige Ausstattung.
- Ausstattung: Können Mobiliar sowie Kaffee- und Spülmaschine eventuell gebraucht gekauft werden? Viele Vertreiber von Gastro-Ausstattung bieten auch Leasing-Modelle statt Kauf an, dies erhöht jedoch die laufenden Kosten.
- Personal: Wird Personal für den Café-Betrieb bzw. die Eröffnung benötigt oder können Familienmitglieder aushelfen? Achtung: Auch bei Unterstützung aus der Familie ist eine Absicherung durch die Berufsgenossenschaft notwendig.
- Kassensystem: Viele Anbieter von Kassensoftware ermöglichen es, über z. B. eigene Tablets oder sogar den Laptop und das Smartphone abzukassieren. Dadurch entfällt die Investition in teure Hardware.
- Genehmigungen: Welche Gebühren durch behördliche Auflagen anfallen, hängt unter anderem davon ab, ob Café-Betreiber Alkohol ausschenken oder wie lange das mobile Café an einem bestimmten Standort stehen soll.
#2 Laufende Kosten und Wareneinsatz ermitteln
Ab dem Tag der Eröffnung entstehen laufende Kosten, die zusätzlich zu den Eröffnungskosten gedeckt werden müssen.
Laufende Kosten ermitteln
Die laufenden Kosten setzen sich aus fixen und variablen Kosten zusammen:
- Fixkosten: (Warm-)Miete, Personalkosten, Laufende Software-Gebühren (z. B. für die Kasse oder Buchhaltung), Steuerberatung, Versicherungen, Kreditraten, Lebenshaltungskosten
- Variable Kosten: Wareneinsatz (Kaffee, Milch & Milchalternativen, Kuchen & Torten), Kosten für To-go-Becher und -Deckel, Werbung, Gebühren für Kartenzahlungen
Laufende Fixkosten fallen unabhängig vom Umsatz an, während die Höhe der variablen Kosten von der verkaufen Menge abhängt.
Materialaufwand und Wareneinsatz berechnen
In die laufenden variablen Kosten fließt der Wareneinsatz ein. Damit sind die Kosten für die Zutaten je Getränk und Gericht auf der Speisekarte gemeint.
Ein Cappucciono besteht aus ca. 10 g gemahlenen Kaffeebohnen und etwa 130 Milliliter Milch pro Tasse.
Bei einem Durchschnittspreis von 22 € pro Kilo Kaffeebohnen fallen 0,22 € für den Kaffee an.
Für Kuhmilch (ca. 1,10 € pro Liter) kommen ca. 0,14 € hinzu, für vegane Milchalternativen (ca. 1,99 € je Liter) ca. 0,26 € pro Tasse.
Eine Tasse Cappuccino mit Kuhmilch (ohne Zucker oder Sirup) hat somit einen Wareneinsatz von 0,36 €, ein veganer Cappuccino kostet ca. 0,48 €.
Der Verkaufspreis abzüglich des Wareneinsatzes bildet allerdings noch nicht den Gewinn.
Denn: Laufende Betriebskosten (Miete, Strom, Personal, etc.) sowie weitere variable Kosten, die mit jedem Produkt anfallen (z. B. Zucker, Sirup oder Spülmittel für Tassen und Besteck, To-go-Becher) werden davon noch abgezogen.
#3 Betrag zur Kostendeckung ermitteln
Um zu berechnen, ob das Café kostendeckend arbeitet, muss der sogenannte Break-Even-Point (Gewinnschwelle) ermittelt werden.
Die Gewinnschwelle gibt an, wie viele Einheiten (z. B. Cappuccino und ein Stück Kuchen) täglich und monatlich verkauft werden müssen, damit sowohl die fixen als auch die variablen Kosten gedeckt werden.
Um die Gewinnschwelle zu berechnen, können angehende Café-Gründer unseren Break-Even-Rechner nutzen oder folgende Formel anwenden:
Deckungsbeitrag pro Stück = Verkaufspreis - varialbe Kosten
Je Tasse Cappuccino fallen 0,48 € Wareneinsatz an. Hinzu kommen ca. 0,20 € anteilig für variable Kosten (z. B. Besteck, Zucker, etc.).
Der Cappuccino soll für 3,50 € verkauft werden (inklusive Mehrwertsteuer).
Vom Verkaufspreis müssen also noch 19 % Mehrwertsteuer (0,56 €) sowie 0,68 € variable Kosten abgezogen werden.
Zur Deckung der fixen Kosten und des Unternehmerlohns bleiben davon 2,26 € übrig (3,50 € - 1,24 €).
Im nächsten Schritt werden die Fixkosten durch den Stückdeckungsbeitrag geteilt. So ergibt sich der Mindestabsatz, der erzielt werden muss, um die fixen und variablen Kosten zu decken.
Für dieses Beispiel gehen wir davon aus, dass jeder Kunde nur einen Cappuccino für 3,50 € (brutto) kauft. Die laufenden Fixkosten betragen 10.000 € pro Monat.
Bei einem Stückdeckungsbeitrag von 2,26 € müsste das Café monatlich rund 4.423 Tassen Cappuccino verkaufen, um alle fixen und variablen Kosten zu decken.
Ein Absatz von 4.423 Tassen Cappuccino pro Monat ist jedoch selbst für ein Café in Innenstadtlage unrealistisch. Damit das Café alle Kosten deckt, wäre es notwendig, dass bei ca. 26 Öffnungstagen im Monat rund 170 Tassen täglich verkauft werden.
Je nach Wetter, Region und Standort liegt die durchschnittliche Kundenfrequenz in einem Café allerdings bei etwa 100 Kunden pro Tag.
Damit das Café nicht jeden Monat Verluste erwirtschaftet, sollten angehende Café-Inhaber Fixkosten wie die Miete oder auch Personal möglichst gering halten.
#4 Finanzierungsbedarf berechnen
Damit das Café nicht nur eröffnet, sondern auch durch die erste Anlaufphase finanziert werden kann, muss nun der eigentliche Kapitalbedarf ermittelt werden.
Dieser setzt sich zusammen aus:
- Einmalige Eröffnungskosten
- Laufende fixe und variable Kosten
- Lebensunterhalt
- Sicherheitsreserve (z. B. für Reparaturen oder Verzögerungen)
Davon wird das vorhandene Eigenkapital abgezogen.
In der folgenden Tabelle zeigen wir beispielhaft, wie hoch der Finanzierungsbedarf für das mobile Konzept und das Ladencafé aussehen kann.
Hinweis: Beim Ladencafé gehen wir davon aus, dass das Café erst nach 3 Monaten „anläuft“. Deshalb müssen laufende Kosten sowie Lebensunterhalt für diese Zeit gesichert sein.
| Mobiles Café | Ladencafé | |
| Eröffnungskosten | + 21.900 € | + 106.200 € |
| Laufende Kosten während der Anlaufphase (3 Monate) | + 9.000 € | + 30.000 € |
| Zusätzlicher Sicherheitspuffer (3 Monate) | + 3.000 € | + 9.000 € |
| Abzüglich Eigenkapital | - 5.000 € | - 30.000 € |
| Finanzierungssumme | 28.900 € | 115.200 € |
Wie hoch die Finanzierungssumme letztlich ausfällt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab:
- Mietpreise und Kaution für das Ladencafé
- Anschaffungskosten für das mobile Café
- Eigenbedarf aufgrund von Miete, Lebensmittel, etc.
- Dauer bis zur Eröffnung und der Anlaufphase danach
- Vorhandener Eigenkapitalanteil und benötigte Sicherheitsreserve
Im nächsten Schritt werden diese Zahlen im Business- und Finanzplan zusammengeführt. Dadurch sehen Kreditgeber schnell, ob das Konzept langfristig tragfähig ist und ob sich eine Investition lohnt.
| Bürokratische Anforderungen erfüllen
Bevor Café-Gründer ihren ersten Kaffee servieren, müssen sie einige behördliche Hürden meistern. Welche Voraussetzungen konkret erfüllt werden müssen, hängt von der Rechtsformwahl, Angebot, Konzept und Standort ab.
- Gang zum Notar und Handelsregistereintrag: Wer eine Kapitalgesellschaft (z. B. eine GmbH) gründet, muss erst die Formalitäten um den Handelsregistereintrag erledigen, bevor die Gewerbeanmeldung erfolgen kann.
- Gewerbeanmeldung: Da es sich bei der Café-Eröffnung um einen Gewerbebetrieb handelt, ist die Gewerbeanmeldung zwingend erforderlich.
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen: Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wird über das Online-Finanzamtportal ELSTER ausgefüllt. Dadurch erhalten Sie Ihre Steuernummer und Umsatzsteuer-ID.
- Anmeldung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK): Die Anmeldung bei der IHK erfolgt durch die Gewerbeanmeldung in der Regel automatisch. Es fallen jährliche Beiträge an. Die Höhe hängt vom Gewerbeertrag ab.
- Meisterpflicht prüfen: Ein Café ist trotz handwerklicher Tätigkeiten als Handelsbetrieb zuzuordnen. Sollte die handwerkliche Tätigkeit jedoch überwiegen, müssen Gründer prüfen, ob sie meisterpflichtig (Bäcker/Konditor) sind.
- Gaststättenunterrichtung durch die IHK einholen: Bei Alkoholausschank müssen sich Personen, die keine Berufsausbildung in der Lebensmittelbranche abgeschlossen haben, von der IHK unterrichten lassen (§ 4 Abs. 1 GastG)
- Belehrung vom Gesundheitsamt einholen: Personen, die mit Lebensmitteln arbeiten, benötigen vor Tätigkeitsbeginn eine Belehrung durch das Gesundheitsamt oder eine beauftragte Stelle.
. - Gaststättenerlaubnis beantragen: Wer zubereitete Speisen und Getränke zum Verzehr vor Ort anbietet und Sitzmöglichkeiten bietet, benötigt eine Gaststättenerlaubnis. Diese ist jedoch nur notwendig, wenn auch Alkohol ausgeschenkt wird. Das gilt auch für das mobile Café. Die Erlaubnis muss ca. 4 Wochen vor Betriebsbeginn beantragt werden.
- Sondernutzungserlaubnis beantragen: Für Außenbestuhlung sowie Aufsteller und Pflanzen außerhalb des Cafés kann je nach Stadt eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich sein.
- Toilettenpflicht: Sobald alkoholische Getränke ausgeschenkt werden, müssen Toiletten für Männer und Frauen angeboten werden. Ein Vorraum mit Waschbecken muss vorhanden sein.
- Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft: Für die betriebliche Unfallversicherung ist eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft verpflichtend.
- Betriebsnummer beantragen: Um Mitarbeiter (auch Minijobber und Praktikanten) anzustellen, benötigen Gründer eine Betriebsnummer. Diese beantragen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit.
- Veterinäramt aufsuchen: Für Cafés gelten lebensmittelhygienische Anforderungen. Deshalb sollten Lagerung, Kühlung, Reinigung, Eigenkontrollen und der Umgang mit offenen Lebensmitteln frühzeitig mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung abgestimmt werden.
- Lebensmittelkonzept (HACCP-Konzept) entwickeln: Um den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln sicherzustellen, müssen Konzepte für Lagerung, Zubereitung, Verkauf und Reinigung entwickelt werden. Mitarbeiter müssen einmal pro Jahr geschult werden.
- Informationen vom Bauamt anfordern: Gründer sollten vor Unterschreiben des Mietvertrags das zuständige Bauamt kontaktieren und Informationen über Nutzungsänderungen, Brandschutz, Fluchtwege, Toiletten, Lüftung, Barrierefreiheit sowie Umbaumaßnahmen einholen.
| Marketing für die Café-Eröffnung planen
Sind Konzept, Standort und die bürokratischen Anforderungen geklärt, können Café-Gründer Sichtbarkeit aufbauen. Wichtig sind dabei ein klarer Name, ein stimmiges Erscheinungsbild, eine auffindbare Online- bzw. Social-Media-Präsenz und eine Kommunikation, die zum Konzept des Cafés passt.
Wir zeigen nun, welche Marketing-Maßnahmen eine besondere Rolle spielen:
#1 Namen und Branding entwickeln
Der Name eines Cafés sollte gut merkbar, leicht aussprechbar und zum Konzept passend sein. Ein gemütliches Nachbarschaftscafé braucht einen anderen Auftritt als ein modernes Specialty-Coffee-Café oder ein mobiles Kaffee-Rad. Wichtig ist, dass Name, Logo, Farben, Schriftbild, Einrichtung, Speisekarte und Tonalität zusammen ein einheitliches Bild ergeben.
#2 Online-Sichtbarkeit aufbauen
Sobald Name, Farben, Schriftarten und Co. feststehen, geht es an den Internet-Auftritt. Café-Inhaber sollten dafür folgende Kanäle nutzen:
- Eine eigene Website, inklusive Domain und Hosting
- Unternehmensprofil bei Google und anderen Restaurant-Portalen
- Accounts bei Instagram, YouTube und Facebook
Gerade Social Media kann in der Vorbereitungs- und Eröffnungsphase des Cafés helfen, Aufmerksamkeit aufzubauen. Wichtig ist aber, nicht einfach auf allen Kanälen präsent sein zu wollen. Sinnvoller ist es, die Kanäle zu wählen, auf denen die gewünschte Zielgruppe tatsächlich aktiv ist.
Während der Umbauphase könnten zum Beispiel Fortschritte bei der Renovierung gezeigt werden, die Vorstellung von Konzept und Angebot aber auch Einblicke in die Einrichtung und Atmosphäre können Aufmerksamkeit erzielen.
#3 Lokale Kooperationen aufbauen
Cafés profitieren stark von lokalen Netzwerken bzw. Kooperationen mit Unternehmen, Vereinen, Schulen, lokalen Produzenten oder Geschäften. Solche Partnerschaften helfen, schneller bekannt zu werden und Vertrauen aufzubauen.
Zum Beispiel können Cafés von lokalen Herstellern Zutaten und Backwaren zukaufen, den Kaffee von lokalen Röstereien beziehen und Ausstellungen für lokale Handwerker und Künstler anbieten.
Solche Kooperationen sollten zum Konzept passen und nicht beliebig wirken. Ein Nachbarschaftscafé kann über lokale Aktionen wachsen, ein Specialty-Coffee-Café über Tastings und Rösterei-Partnerschaften, ein Café im Gewerbegebiet über Firmenangebote und Mittagsdeals.
#4 Eröffnungskommunikation vorbereiten
Die Eröffnung sollte nicht erst am Eröffnungstag kommuniziert werden. Besser ist ein kleiner Kommunikationsplan für die Wochen davor. So entsteht Aufmerksamkeit und potenzielle Gäste wissen rechtzeitig, wann und wo das neue Café startet.
In der folgenden Tabelle geben wir einen beispielhaften Kommunikationsplan vor, der je nach Konzept beliebig angepasst werden kann.
| Zeitrahmen | Maßnahmen | Kanäle |
| 6 - 8 Wochen vor Eröffnung | Website erstellen, Inhalte nach Local-SEO optimieren, ggf. E-Mail-Adressen sammeln | Eigene Website, Google Business Profil |
| 4 Wochen vor Eröffnung | Vorbereitung und ggf. Umbau zeigen, Name und Konzept kommunizieren | Instagram, YouTube-Shorts, TikTok |
| 2 Wochen vor Eröffnung | Eröffnungsdatum, Öffnungszeiten, Speisekarte und Specials kommunizieren | Website, Google Business Profil, Instagram, YouTube-Shorts, TikTok |
| 1 Woche vor Eröffnung | Countdown, Fotos, lokale Kooperationen starten und Einladungen teilen | Website, E-Mail-Marketing, Instagram, YouTube-Shorts, TikTok |
| Eröffnungswoche | Eröffnungsaktion, Feedback sammeln | Social Media, Website und E-Mail-Marketing |
| Nach der Eröffnung (regelmäßig) | Fotos zeigen, Bewertungen sammeln, Stammkundenaktionen starten | Social Media, Website und E-Mail-Marketing |
Ein Soft Opening kann sinnvoll sein, um Abläufe vor der offiziellen Eröffnung zu testen. Dabei kann zunächst eine kleinere Gruppe eingeladen werden, etwa Freunde, Nachbarschaft, lokale Partner oder ausgewählte Gäste.
So könne Gründer Kasse, Service, Angebot und Arbeitsabläufe ohne Druck prüfen, bevor der Betrieb vollständig startet.
#5 Bewertungen sammeln und pflegen
Bewertungen sind für Cafés besonders wichtig, weil viele Menschen spontan anhand von Google Maps, Fotos und Rezensionen entscheiden. Deshalb sollten Café-Gründer von Anfang an darauf achten, zufriedene Gäste freundlich um eine Bewertung zu bitten.
Wichtig ist, Bewertungen nicht zu erzwingen oder künstlich aufzubauen. Besser ist ein natürlicher Hinweis, zum Beispiel auf kleinen Karten, auf der Rechnung, per QR-Code auf dem Tisch oder der Speisekarte oder im persönlichen Gespräch.
Auch auf Kritik sollte professionell reagiert werden. Eine sachliche, freundliche Antwort zeigt, dass Feedback ernst genommen wird.
Gute Bewertungen helfen nicht nur bei der lokalen Sichtbarkeit, sondern auch beim Vertrauen neuer Gäste. Besonders am Anfang können erste Rezensionen entscheidend sein, weil das Café noch keine gewachsene Bekanntheit hat.
#6 Stammkundschaft aufbauen
Nach der Eröffnung sollte Marketing nicht enden. Langfristig lebt ein Café von Wiederbesuchen. Stammkundschaft entsteht durch gleichbleibende Qualität, verlässliche Öffnungszeiten, persönlichen Service und Angebote, die zum Alltag der Gäste passen.
Mögliche Maßnahmen zur Kundenbindung sind:
- Stempelkarte oder digitales Treueprogramm
- Wochenangebote
- saisonale Produkte
- Newsletter oder WhatsApp-Liste, sofern rechtlich sauber umgesetzt
- kleine Events, Tastings oder Brunch-Termine
- persönliche Ansprache von Stammgästen
- lokale Aktionen im Viertel
- Kooperationen mit Unternehmen oder Nachbarschaft
Wichtig ist, dass Kundenbindung nicht nur über Rabatte funktioniert. Oft sind Verlässlichkeit, Atmosphäre und persönliche Beziehung stärker als Preisnachlässe.
| Häufige Fragen zur Café-Eröffnung
Die Eröffnung eines eigenen Cafés kostet zwischen rund 22.000 € für ein mobiles Café und über 100.000 € für ein Ladencafé. Wie hoch die Eröffnungskosten für das Café ausfallen, hängt stark von Konzept, Standort und Zustand des Mietobjekts ab. Bei mobilen Cafés sind die Kosten für den Anhänger bzw. das Kaffee-Rad entscheidend.
Grundsätzlich darf jeder ein Café eröffnen. Eine gastronomische Ausbildung ist nicht zwingend vorgeschrieben. Gründer brauchen aber kaufmännisches Grundwissen, Organisationstalent und ein gutes Verständnis für Hygiene, Kalkulation, Einkauf, Personal und Gästeservice.
Pflicht sind je nach Konzept verschiedene Anmeldungen und Nachweise. Dazu zählen in der Regel die Gewerbeanmeldung, die steuerliche Erfassung, die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft und die Infektionsschutzbelehrung beim Gesundheitsamt. Wer Alkohol ausschenken möchte, benötigt zusätzlich eine Gaststättenerlaubnis.
Wie viel man mit einem kleinen Café verdient, hängt vom benötigten Umsatz, dem Angebot, Standort, Öffungszeiten und der Auslastung ab. Ein guter Standort in Innenstadtlage bringt ca. 100 Laufkunden täglich. Je nach Durchschnittsbon (z. B. Kaffee + Kuchen) kann ein Café etwa 1.000 € an wirtschaftlich guten Tagen verdienen.
Café-Gründer sollten allerdings beachten, dass nicht an jedem Tag gute Umsätze erzielt werden. Daher sollten Öffnungszeiten und Personalplanung Hand in Hand gehen.
Ja, 100.000 € sind für die Café-Eröffnung realistisch. Ob das Budget ausreicht, hängt vom Standort, Mietniveau, Renovierungsbedarf, Ausstattung und Konzept ab. Ein kleines Café, ein einfaches Ladenlokal oder ein mobiles Café können mit 100.000 € gut planbar sein.
Als Gründer, Selbstständiger oder Unternehmer weißt du, wie wichtig passgenaue Inhalte sind. Hilf uns, diese auch in Zukunft zu liefern, indem du uns bewertest.
