Deckungsbeitrag berechnen und den Gewinn richtig planen

Wann macht Ihr Unternehmen Gewinn? Das ist die entscheidende Frage in jedem Finanzplan. Wenn Sie den Deckungsbeitrag kennen, können Sie sich diese Frage selbst beantworten. 

Wir zeigen nachfolgend, wie Sie den Deckungsbeitrag richtig berechnen und warum er gerade für Gründer so wichtig ist.

1. Was ist der Deckungsbeitrag?

Der Deckungsbeitrag ist die Differenz von Umsatz und den variablen Kosten. Er dient also zur Deckung der fixen Kosten. Ist der Gesamtdeckungsbeitrag eines Unternehmens höher als die Fixkosten, macht das Unternehmen einen Gewinn, andernfalls entstehen Verluste. Nehmen wir das Beispiel einer Bar. 

  • Getränke-Umsatz pro Monat 36.000 €
  • Wareneinkauf für die Getränke: 9.000 €
  • Fixe Kosten pro Monat: 20.000 €
  • Deckungsbeitrag = Umsatz – Wareneinkauf = 25.000 €
  • Gewinn = Deckungsbeitrag – Fixkosten = 25.000 – 20.000 € = 5.000 €

Den Deckungsbeitrag berechnen Sie entweder fürs gesamte Unternehmen, aber aber auch für einzelne Produkte oder Produktgruppen. Außerdem können Sie eine Deckungsbeitragsrechnung auch für Abteilungen oder Niederlassungen erstellen.

So können Sie jederzeit berechnen, ob sich Ihr Tun lohnt oder ob Sie am Ende draufzahlen müssen.
 

2. Deckungsbeiträge im Businessplan kalkulieren

Der Deckungsbeitrag ist in der Finanzplanung eines Businessplans für 3 Dinge wichtig:

#1 Planung des Break Even Points

Um den Break Even Point zu errechnen, also den Zeitpunkt, ab dem ein Unternehmen erstmals Gewinne schreibt, braucht man den Gesamtdeckungsbeitrag, also die komplette Umsatzplanung sowie die Planung der Fixkosten und der variablen Kosten

#2 Planung Ihres Leistungsangebotes und der Deckungsbeiträge jedes einzelnen Produktes

Die wenigsten Unternehmen bieten nur ein einziges Produkt an. Jedes einzelne Leistungsangebot verursacht unterschiedlich hohe variable Kosten. Je geringer die variablen Kosten eines Produkts, desto höher der Produktdeckungsbeitrag und desto rentabler das Produkt. Häufig benötigen Sie Produkte mit geringem Deckungsbeitrag, um solche mit hohem Deckungsbeitrag verkaufen zu können. 

Legen Sie die Produktdeckungsbeiträge im Businessplan offen und argumentieren Sie, warum Sie Ihr Leistungsangebot so und nicht anders konzipieren.

#3 Vergleich Ihres Geschäftsmodells mit Branchendeckungsbeiträgen

Für viele Branchen gibt es Vergleichszahlen zu branchenweiten Deckungsbeiträgen. Informieren Sie sich, welche Branchendeckungsbeiträge für Ihr Unternehmen zutreffen und präsentieren Sie diese Werte im Businessplan. So machen Sie Ihren Businessplan bzw. Ihren Finanzplan für den Geldgeber plausibel und zeigen, dass Sie Ihren Markt genau kennen.
 

 

3. Beispiel Deckungsbeitrag berechnen: Italienisches Restaurant

Marco und Antonella wollen in einem belebten Kiez das italienische Restaurant "Pizza per Pazzi" eröffnen. Das sind die Daten, die sie im Finanzplan zugrunde legen.

  • Das Umfeld im Kiez ist für ein italienisches Restaurant bestens geeignet. Der Grieche am gleichen Standort verkauft im Schnitt pro Abend über 120 Essen pro Abend, das sind über 3.600 Essen pro Monat. Räume, die das Unternehmer-Team angemietet hat, sind für ein ähnliches Volumen ausgerichtet.
  • Antonella und Marco bieten 3 Produktbereiche an, Pizza, Pasta und natürlich Getränke. Die Pizzen kosten im Verkauf 8,90 € und im Einkauf 5,00€. Eine Pasta wird im Schnitt für 6,50 € verkauft, die Gestehungskosten liegen bei 3,90 €. Getränke kosten im Schnitt 5,00  und im Einkauf 1,25€.
  • An Fixkosten wie Miete, Strom und Gehälter entstehen pro Monat 16.000 €
  • Die beiden Unternehmer unterstellen, dass jeder Gast entweder eine Pizza oder eine Pasta bestellt und pro Besuch zwei Getränke konsumiert.

Diese Kalkulationstabelle machen Marco und Antonella auf:

Planung der Produkt-Deckungsbeiträge
ProdukteVerkaufsEinkaufspreisDeckungsbeitrag
Pizza6,50 €2,60 €3,90 €
Pasta8,90 €5,00 €3,90 €
Getränk5,00 €1,25 €3,75 €

Marco und Antonella gehen davon aus, dass Sie pro Abend ca. 90 bis 100 Gäste bewirten können, wenn sich das Restaurant in der Nachbarschaft herumgesprochen hat. Das sind 3.000 Essen mit Getränk pro Monat. Jetzt wollen die beiden wissen, wie viele Essen sie mindestens verkaufen müssen, um die fixen Kosten zu decken.

Planung der Gewinnschwelle (Break Even Point) mit dem Gesamtdeckungsbeitrag des Unternehmens
ProdukteAbsatz/MonatUmsatzDeckungsbeitrag
Pizza7024.563,00 €2.737,80 €
Pasta7026.942,00 €3.042,00 €
Getränke2.80814.040,00 €10.530 €
Deckungsbeitrag Unternehmen16.005,60 €
Fixkosten / Monat16.000,00 €
Gewinn5,60 €

Marco und Antonella sehen also, dass Sie für die Gewinnschwelle ca. 1400 Essen pro Monat verkaufen müssen. Das entspricht nicht einmal der Hälfte der geplanten 3.000 Essen pro Monat. Sie sehen aber auch, dass das Wohlergehen des Restaurants am Getränkeumsatz liegt. Folgende Maßnahmen planen sie daher, um den Getränkeumsatz zu sichern.

  • Konzeption einer attraktiven Speisekarte mit trendigen Drinks
  • Drink des Abends als tägliche Marketingmaßnahme
  • Schöne Deko im Inneren mit Weinflaschen
  • Die Zubereitungszeiten so wählen, dass der Gast die Chance hat, in dieser Zeit, sein erstes Glas zu leeren.
  • Jede Servicekraft muss Durst bekommen, wenn sie am Gasttisch ein leeres Glas sieht. Um dann dem Gast sofort ein weiteres Getränk anzubieten.

Die Planung der Deckungsbeitrag ist also nichts Abstraktes. Sondern sie mündet in handfeste Maßnahmen, die Sie in Ihrem Businessplan dokumentieren. Ziel für Ihren Businessplan muss es sein, die Ertragskraft Ihrer Leistungen mit einer Deckungsbeitragsrechnung zu erläutern. Um im Anschluss Maßnahmen zu präsentieren, wie Sie vor allem die ertragsstarken Produkte pushen.

Berechnung der Deckungsbeiträge mit einer Finanzplanungssoftware

Deckungsbeiträge berechnen mit einer Finanzplanungssoftware
In unserem Finanzplan-Tool können Deckungsbeiträge pro Produkt über die Umsatzplanung und die Planung der variablen Kosten kalkulieren.

4. Deckungsbeitragsrechnung - wichtige Tipps

Wenn Sie Ihre Deckungsbeiträge berechnen, sollten Sie 3 Dinge beachten.

#1 Halten Sie Ihre Deckungsbeitragsrechnung einfach

Halten Sie sich nicht auf mit komplizierten Berechnungen. Theoretisch könnten Marco und Antonella die Personalkosten des Kochs den Essen zuordnen, um den Deckungsbeitrag zu präzisieren. Solche komplexen Kalkulationen sollten Sie sich am Anfang schenken. 

#2 Ordnen Sie Fixkosten richtig zu

Nehmen wir an, Marco und Antonella setzen im Sommer zusätzlichen eine mobile Speiseeis-Theke ein. Dann sollten die beiden sämtliche Kosten, die für diese Speiseeis-Theke entstehen, dem Umsatz für das Speiseeis separat zuordnen. Die Kosten für die Verkäuferin am Speiseeeis-Stand dürfen sie also nicht in die Fixkosten des normalen Restaurantbetriebs gerechnet werden, da dies das Ergebnis verfälschen würde.

#3 Vermeiden Sie Fehlentscheidungen im Produktbereich

Mit der Planung der Produktdeckungsbeiträge planen Sie Ihr Sortiment bzw. Ihr Leistungsangebot. Treffen Sie aber keine falschen Entscheidungen, wenn beispielsweise ein Produkt mit einem geringen Deckungsbeitrag einfach aussortieren. Wenn dieses Produkt eine Türöffner-Funktion hat, dann wäre es fatal, das Produkt auszusortieren.

Marco und Antonella können also nicht einfach auf Pasta und Pizza verzichten, auch wenn diese beiden Produkte nur die Hälfte der Deckungsbeiträge einspielen. Denn ohne Pasta und Pizza würden die beiden keine Getränke mehr verkaufen.

5. Deckungsbeitragsrechnung in der Wachstumsphase

Nutzen Sie das Konzept der Deckungsbeitragsrechnung auch für die Wachstumsphase Ihres Unternehmens.

  • Nutzen Sie Deckungsbeitragsrechnungen für Ihr Controlling: Welches Produkt bringt den meisten Deckungsbeitrag?
  • Machen Sie Entscheidungen für Ihr Unternehmenswachstum nicht nur an den Umsatzerwartungen fest. Sondern an den Deckungsbeiträgen, die eine Unternehmenserweiterung bringen wird.
  • Den Deckungsbeitrag berechnen Sie am besten mit einfachen Hilfsmitteln, um nicht die Übersicht über Ihre Planung zu verlieren.

6. Hilfsmittel für Ihre Deckungsbeitragsrechnung

Für eine Deckungsbeitragsrechnung brauchen Sie die richtigen Instrumente und Tools. 

#1 Deckungsbeitragsrechnung mit Excel

Excel ist gut für einfache konzeptionelle Arbeiten. Siehe unsere Tabelle von Marco und Antonella aus unserem Beispiel. Mit Excel können Sie grob planen und auch den Deckungsbeitrag berechnen. Für einen Einsatz im Finanzplan ist Excel dagegen nicht geeignet, weil große Exceltabellen schnell unübersichtlich werden.

#2 Finanzplanungstool für Ihren Businessplan

Unsere Software-Lösung Unternehmerheld bietet Ihnen einen bankfähigen Finanzplan, mit dem Sie auch die Deckungsbeiträge Ihrer Produkte und Leistungen planen können. Hier ist alles integriert und Sie können eine detaillierte Umsatzplanung und Kostenplanung vornehmen.

#3 Warenwirtschaftssysteme oder ERP-Systeme

Warenwirtschaftssysteme sind für den Handel, den E-Commerce und die Gastronomie unerlässlich. Die Systeme liefern Ihnen die erzielten Deckungsbeiträge Ihrer verkauften Produkte auf Knopfdruck. So sehen Sie sofort, wie rentabel Ihre Produkte sind. Ein ERP-System geht noch darüber hinaus. Damit können Sie den Produkten auch die Fixkosten richtig zuordnen. Gerade für Unternehmen mit unterschiedlichen Verkaufsbereichen ist dies von Vorteil.

 

Fazit - Umsatz ist nicht alles

Umsatz ist wichtig, keine Frage. Entscheidend ist aber, was am Ende dabei herauskommt, wenn Sie vom Umsatz die variablen Kosten abziehen. Und das ist der Deckungsbeitrag. Im Handel oder in der Gastronomie wird der Deckungsbeitrag auch als Rohertrag bezeichnet. Der Deckungsbeitrag muss mindestens so hoch sein, wie Ihre Fixkosten. Nur dann machen Sie Gewinn.

  • Planen Sie also Ihre Gewinnschwelle mithilfe der Deckungbeiträge Ihrer Produkte und Dienstleistungen.
  • Identifizieren Sie im Finanzplan Ihre Erfolgsbringer und erläutern Sie im Businessplan die Maßnahmen, die den Absatz Ihrer Erfolgsbringer sichern.
  • Nutzen Sie dazu ein gutes Finanzplanungstool, das Ihnen bei der Umsatzplanung, bei der Planung der variablen Kosten und der Fixkosten hilft.
  • Nutzen Sie ein gutes Warenwirtschaftssystem oder ein ERP-System. Damit erhalten Sie die Deckungsbeiträge Ihrer Produkte auf Knopfdruck und Sie können die KPI "Deckungsbeitrag" für Ihr Controlling systematisch nutzen.
  • Orientieren Sie sich auch im strategischen Controlling am Deckungsbeitrag, den beispielsweise eine Erweiterung des Sortiments oder des Unternehmens mit sich bringt. Denn Umsatz ist nicht alles.

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