10 Geschäftsideen, die Corona trotzen



In der Corona-Krise werden gewisse Produkte und Dienstleistungen so stark nachgefragt wie nie zuvor. Auch ganz neue Lösungen werden gebraucht. Wir stellen Geschäftsideen vor, die jetzt besonders erfolgreich sind.

#1 KinderarztNOW.de – die virtuelle Sprechstunde

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Hilfe von Ärzten über Video und Telefon: KinderarztNOW ist auch für Eltern zu Hause da. (Screenshot: KinderarztNOW.de)

Seit Jahren entwickelt sich der Markt der Telemedizin. Hebammen bieten Telefon-Beratung an, Apps helfen bei Kopfschmerzen und und und. Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland haben Online-Mediziner mehr Zulauf als je zuvor. Die Menschen wollen volle Arztpraxen meiden, gelten diese als Virenschleudern schlechthin. Dennoch brauchen sie Hilfe im Falle einer Erkrankung und suchen online nach Angeboten.

Ein ganz neues Online-Angebot richtet sich an Kinder bzw. deren Eltern. Am 26. März ist kinderarztNOW.de an den Start gegangen. Der Berliner Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Jan Falkenberg hat die Plattform ins Leben gerufen.

Jederzeit, auch an Wochenenden, an Feiertagen oder am Abend, beantworten Mediziner per Telefon oder Video Fragen besorgter Eltern.

Die Ärzte geben Tipps, um die Heilung zu beschleunigen, stellen aber auch Rezepte für notwendige Medikamente aus, die der Nutzer herunterladen kann.

Der früher angestellte Kinderarzt hat vor Ausbruch der Pandemie mit den Vorbereitungen für KinderarztNOW.de begonnen. Auch ohne das neuartige Virus sei die Videosprechstunde eine Entlastung für die Eltern – und daher eine Geschäftsidee mit Potenzial. Jetzt aber ist sie umso hilfreicher.

#2 Packator – schnell und sicher vor die Haustür

Viele Geschäfte sind geschlossen. Und da die Menschen nicht mehr im Laden kaufen können, was sie benötigen, oder die Läden aus Sorge vor Ansteckung meiden, lassen sie sich die Dinge bringen. Kurierdienste haben Hochkonjunktur. Etwa Packator: Das Start-up wurde im Herbst 2015 von Dejan Jocic und Michael Walser gegründet. Im Frühjahr 2016 ist es in Berlin gestartet, ein Jahr danach wurde bundesweit ausgeliefert.

Das Start-up schreibt sich auf die Fahne, dass die Beauftragung der Kuriere einfach ist – per Telefon, über die Website oder direkt per API-Anbindung über das eigene Kassensystem.

Außerdem erfolgt die Zustellung schnell. Seit Beginn der Corona-Krise transportieren die Berliner mehr denn je. Sie liefern nach wie vor alles aus, von der Waschmaschine bis hin zu Dokumenten  – jetzt aber viel häufiger Medikamente, außerdem Ausstattung fürs Homeoffice, Akten etc., da viele Angestellte derzeit von zu Hause aus arbeiten.

Die Packator-Chefs betonen, dass sie großen Wert auf Sicherheit legen. Die Ware wird per „kontaktloser Lieferung“ vor der Tür abgelegt, die Kuriere halten mindestens zwei Meter Sicherheitsabstand und tragen Handschuhe.

#3 Knick’n’clean – für einen virenfreien Kühlschrank

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Auch ein sauber aussehender Kühlschrank kann Viren enthalten. Knick’n’clean macht ihnen den Garaus. (Foto: Unsplash)

Das Coronavirus ist hartnäckig. Tagelang bleibt es auf Oberflächen am Leben. Und Oberflächen sind eben auch alle Produkte und Lebensmittel, die man im Supermarkt ersteht oder sich nach Hause liefern lässt. Bereits 2006 hat der Hannoveraner Helrik Bobke Knick’n’clean gegründet. Er hat einen Stab für Kühlschränke und Kühlkammern entwickelt, der Bakterien, Schimmel, Sporen, Viren und Pilze eliminiert und somit für Frische und lange Haltbarkeit von Lebensmitteln sorgt.

Die Handhabung des mehrfach patentierten Produkts ist einfach: Man knickt den Stab, damit sich die Flüssigkeiten vermischen und die Stoffe miteinander reagieren können, und legt oder hängt ihn in den obersten Bereich des Kühlschranks. Eine Stunde später entfaltet der Stab seine Wirkung für die Dauer eines Monats.

Wie jedes Unternehmen, das Desinfektionsmittel und ähnliche Produkte anbietet, profitiert auch Knick’n’clean von der Pandemie. Die Menschen haben eine höhere Sensibilität für die Gefährlichkeit von Viren entwickelt und unternehmen alles Mögliche, um sich der infektiösen Biester zu entledigen. Bobke versichert, dass der Wirkstoff von Knick’n’clean vor dem Coronavirus schützt. Wissenschaftliche Studien hätten dies bewiesen.

#4 Netzklasse – Schule zu Hause

Seitdem die Schulen geschlossen sind, werden Homeschooling-Plattformen derart stark frequentiert, dass die Server zum Teil zusammenbrechen. Die anbietenden Start-ups müssen ihre Kapazitäten dringend ausbauen.

Es ist logisch, dass die Zugriffs- und Nutzerzahlen in die Höhe schießen. Bis vor Kurzem haben die Schüler in der Schule gelernt, jetzt arbeiten sie zu Hause am Rechner. Zum Beispiel mithilfe von netzklasse, dem jüngsten Produkt des Dresdner Start-ups Kuravisma.

Ende des vergangenen Jahres hat Gründer Christian Bohner das Nachhilfeportal bidi.one gestartet, am 25. März 2020 ist netzklasse.com live gegangen. Etwas früher als geplant, wegen Corona.

Lehrer und Schüler versammeln sich im virtuellen Klassenraum. Gemeinsam schreiben sie ans Whiteboard, lösen Aufgaben. Sie können miteinander sprechen, sich sogar sehen, sobald die Video-Funktion freigeschaltet ist. Noch ist der Service kostenlos. Ab August will Bohner ein Lizenz-Modell einführen. Um auch Kindern, die kein eigenes Endgerät besitzen, Zugang zur netzklasse zu ermöglichen, will das junge Unternehmen Bildungspartnerschaften ins Leben rufen, etwa mit Computer-Herstellern oder gemeinnützigen Institutionen.

#5 HappyPo – die kleine Dusche nach dem großen Geschäft

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Herrscht bei euch Klopapiermangel? Eine Podusche kann Abhilfe schaffen. (Foto: HappyPo)

Noch nie zuvor haben die Menschen so viel über Klopapier gesprochen und nachgedacht wie in diesen Tage. Manche gehen regelrecht auf Klorollen-Jagd. Denn leider sind die Regale in den Supermärkten und Drogerien seit Wochen häufig komplett leer.

Bereits 2017 haben Oliver Elsoud und Frank Schmischke HappyPo gegründet. Das Berliner Start-up hat eine Po-Dusche entwickelt. Corona war noch weit weg. Die beiden richteten sich an jene, die die herkömmliche Reinigung des Gesäßes nach dem Stuhlgang mit Klopapier nicht hygienisch genug finden.

Sie entwickelten die Po-Dusche, ein handliches Gerät, das optisch an eine elektrische Zahnbürste erinnert, nur ein bisschen größer. Es wird am Wasserhahn mit Wasser befüllt, bereitgelegt, und schließlich, wenn die Reinigung ansteht, in Position gebracht. Draufdrücken, sprühen – so einfach.

Die Innovation kam schon damals gut an. In der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ überzeugte das Duo die Investorin Dagmar Wöhrl. Sie beteiligte sich an der Firma. Seit der durch Corona verursachten Toilettenpapierknappheit im gesamten Land gehen die Umsätze der Berliner durch die Decke. Laut Elsoud haben sie sich binnen weniger Wochen verzehnfacht.

#6 Amorelie – Sexspielzeug für die Zeit zu Hause

Seit der Online-Shop für Erotik-Artikel Amorelie Anfang 2013 online ging, ist die Kundenzahl stetig gestiegen. Gründerin Lea-Sophie Cramer hatte einen Nerv getroffen: Viele Paare und Singles wollten Sex-Spielzeug nutzen. Nun konnten sie es anonym online bestellen.

Die Corona-Krise hat den Absatz weiter beflügelt. Verschiedene Produkte haben bis zu 30 Prozent zugelegt, etwa Vibro-Eier. Die Abnehmer seien vor allem Singles, die wegen Ausgangsbeschränkungen oder weil sie unter Quarantäne stehen, alleine zu Hause sind. Um immerhin 20 Prozent ist der Umsatz mit sogenannten Toy-Cleanern nach oben gegangen. Der Wunsch, alles zu desinfizieren und zu reinigen, geht offenbar sehr weit. Ebenfalls mehr gefragt sind derzeit Vibratoren, die via App gesteuert werden können. Amorelie vermeldet ein Plus von 15 Prozent.

Die Gründe für den Boom des Berliner Start-ups sind vielfältig: Einen Anteil daran dürften die geschlossenen stationären Läden haben. Vor allem aber: Wenn man nicht ins Kino, ins Schwimmbad oder in die Bar gehen kann, sondern fast ausschließlich in den eigenen vier Wänden hockt, wandeln sich die Freizeitbeschäftigungen entsprechend. Wie heißt das Motto dieser Tage so schön: „#StayTheFuckHome“. Oder besser: „StayHomeAndF…“

#7 einhorn products – optimaler Schutz

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Es ist nicht das drin, was ihr von Snacktüten kennt. (Foto: einhorn products)

Der Verkehr auf Deutschlands Straßen ist zurückgegangen, seit die Menschen aufgefordert wurden, nicht mehr nach draußen zu gehen. Der häusliche Verkehr hingegen hat Konjunktur. Das spüren auch die Hersteller und Vertreiber von Kondomen. Der Weltmarktführer Durex warnte kürzlich bereits vor möglichen Produktionsengpässen.

Aber es gibt ja noch andere Hersteller, etwa das 2015 von Waldemar Zeiler und Philip Siefer gegründete Start-up einhorn products. Von Beginn an waren die Einhorn-Kondome ein Renner. Das junge Unternehmen positionierte sich gänzlich anders als die etablierten Mitbewerber. Erstens ist einhorn ein Social Start-up, die Hälfte der Gewinne fließt in soziale und nachhaltige Projekte. Außerdem gibt sich das Berliner Unternehmen hip: Die Kondome werden in von Künstlern designte Chipstüten gefüllt. Das macht optisch was her.

Das Virus kann den Berlinern nichts anhaben. Im Gegenteil, der Umsatz geht in die Höhe. Erstens: Sie verkaufen sowohl online als auch in Drogerien, die nach wie vor geöffnet haben. Zweitens: Die Menschen sind verantwortungsvoller denn je. Das gilt offenbar auch beim Sex.

#8 Tomes/Idana – effiziente Anamnese

2016 haben Lucas Spohn, Jerome Meinke und Lilian Rettegi Tomes (Abkürzung für Tomorrow’s Medical Solutions) gegründet. Das Freiburger Start-up hat die Software Idana für eine digitale Anamnese entwickelt.

Die Idee dahinter: Die Anamnese, also die vor jedem Arztbesuch erforderliche Abfrage der relevanten Patientendaten zu Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten, Risikofaktoren etc., verschlingt viel wertvolle Zeit. Die Breisgauer haben diesen Prozess verschlankt und damit effizienter gemacht: Der Patient erhält, nachdem er einen Arzttermin vereinbart hat, per Mail oder QR-Code einen Link zum digitalen Fragebogen. Anschließend schickt er ihn verschlüsselt an die Praxis zurück, wo er eingepflegt wird.

Zusätzlich zu den herkömmlichen Anamnese-Bögen hat das junge Unternehmen vor wenigen Tagen einen speziellen Fragenkatalog zu Infektionen mit dem Coronavirus aufgelegt und online gestellt. Drei Monate lang wird dieser den Ärzten kostenfrei zur Verfügung stehen. Den Umsatz beflügelt das neue Produkt folglich nicht, zumindest nicht direkt. Aber die Gründer hoffen, damit ihre Bekanntheit zu steigern.

#9 advocado – der Anwalt im Internet

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Maximilian Block (l.) und Jacob Saß gründeten 2014 gemeinsam das LegalTech advocado. (Foto: advocado GmbH)

Seit einigen Jahren etablieren sich Legal Tech Start-ups, junge Unternehmen, die die Juristerei ins Netz verlagern. Eine dieser Firmen ist advocado. Das Greifswalder Unternehmen, gefördert unter anderem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und die Europäische Union, ist seit 2014 eine Anlaufstelle für alle, die schnelle, transparente Rechtsberatung wünschen. Der Marktplatz bringt Mandanten und Anwälte zusammen.

advocado arbeitet mittlerweile mit 350 Partnerkanzleien zusammen. So kann das Unternehmen jedem Hilfesuchenden den passenden Fachanwalt vermitteln. Ein kostenloses Erstgespräch unterstützt das passgenaue Matching.

Seit Covid 19 grassiert, sind Internet-Anwälte ausgelasteter als je zuvor. Laut advocado-Gründer Maximilian Bock fragen derzeit vor allem junge Unternehmen nach Rat. Sie sind besonders betroffen von Umsatzeinbußen, wollen wissen, wie sie Kurzarbeiter-Regelungen handeln müssen oder was sie im Falle einer Zahlungsunfähigkeit zu beachten haben. Die Start-ups, die bei advocado anfragen, sind in vielen Belangen unsicher. Die Rechtslage ändert sich zum Teil täglich. Sie brauchen aber Klarheit und Rechtssicherheit. advocado setzt sich dafür ein.

#10 HelloFresh – kinderleicht Kochen

Lieferdienste haben Konjunktur. Dazu zählen vor allem solche, die Lebensmittel nach Hause bringen. Und im Windschatten derer wiederum agieren die Lieferanten von Kochboxen.

Vor einigen Jahren waren Kochboxen plötzlich das große Thema, immer mehr Start-ups kamen auf den Markt: Sie sind der ideale Dienst für alle, die zwar lieber kochen als sich fertig gekochte Menüs bringen zu lassen, dennoch schnell und bequem ein Mahl für die Familie zaubern wollen.

HelloFresh, 2011 in Berlin gegründet, befriedigt diese Wünsche: Das Unternehmen liefert Rezepte für mehrere Tage oder eine ganze Woche samt der darauf  abgestimmten, grammgenau portionierten Lebensmittel. So kommt jeden Tag Abwechslung auf den Tisch, zudem frisch und selbst zubereitet, aber der Aufwand ist gering, ebenso sind die Anforderungen auch für weniger ambitionierte Köche recht niedrig.

Das Start-up ist mittlerweile an der Börse, im MDAX gelistet. Seit Ausbruch der Pandemie in Deutschland ist der Aktienkurs um gut fünf Prozent in die Höhe geschossen. Das ist nicht verwunderlich: Gegessen wird immer. Da die Restaurants geschlossen sind und die wenigsten nach Hause liefern, ist selber kochen angesagt. Die HelloFresh-Chefs Dominik S. Richter, Nils Herrmann und Björn Kuse profitieren davon.

So erleben Selbstständige die Corona-Krise

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