Corona-Soforthilfen für Selbstständige



Ein Teil-Lockdown ist am 02. November in Kraft getreten, der in einen bundesweiten Lockdown bis zum 30.01. mündet. Die Regierung hat neue Corona-Soforthilfen für betroffene Unternehmen bereitgestellt und bestehende Hilfen verlängert. Wir geben euch die wichtigsten Infos zu Berechtigung und Beantragung.

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Neue Corona-Soforthilfen für Unternehmen: Schnell und ohne besondere Nachweispflicht sollen die Gelder bereitgestellt werden. (Foto: Pixabay)

Welche Umsatzhilfen stehen mir zu?

Die Corona-Soforthilfen gibt es als außerordentliche Wirtschaftshilfe (Novemberhilfe bzw. Dezemberhilfe) für Umsatzausfälle. Das gesamte Finanzvolumen beträgt mehrere Milliarden Euro, von denen Unternehmen Hilfen wie folgt erhalten:

  • 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November bzw. Dezember 2019
  • Obergrenze: 1 Mio. Euro, die darüberliegende Zuschüsse warten noch auf die Sichtung und Genehmigung der EU-Kommission

Für die genaue Berechnung der Umsatzhilfe wird der durchschnittliche wöchentliche Umsatz des Novembers bzw. Dezembers 2019 herangezogen, gezahlt wird für jede angeordnete Lockdown-Woche. Angerechnet werden jedoch bereits geleistete Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld.

  • Hinweis: Eine Verlängerung der Corona-Soforthilfen mit Abfederung der Umsatzausfälle ist für Januar 2021 nicht geplant, stattdessen soll bei den Fixkosten geholfen werden.

Die Beantragung der neuen Corona-Soforthilfen läuft über die Plattform des BMWi.

Bekomme ich auch Hilfen, wenn ich im November/Dezember 2019 keinen Umsatz hatte?

Ja. Betroffene Unternehmen ziehen stattdessen den durchschnittlichen Wochenumsatz 2019 als Bemessungsgrundlage heran.

  • Tipp: Ein Krisenberater hilft euch kompetent weiter, 90 % der Kosten für die Beratung werden gefördert (maximale Höhe: 2.700 Euro)!

Wie sieht es mit anderen Wirtschaftshilfen aus?

Zusätzlich zu den neuen Corona-Soforthilfen wird die Überbrückungshilfe als branchenoffenes Zuschuss-Programm zu den Fixkosten verlängert.

Überbrückungshilfen

Die Überbrückungshilfe unterteilt sich in zwei Phasen:

  • Überbrückungshilfe I betrifft die Fördermonate Juni bis August 2020. Für diese konnten betroffene Unternehmen bis zum 09. Oktober Anträge auf Hilfe stellen, eine rückwirkende Antragstellung ist nicht möglich, Änderungsanträge konnten bis einschließlich 30. November gestellt werden.
  • Überbrückungshilfe II ist die Verlängerung der Überbrückungshilfe, sie beinhaltet die Fördermonate September bis Dezember dieses Jahres. Die Höhe der Förderung bemisst sich nach den zu erwartenden Umsatzeinbrüchen und voraussichtlichen betrieblichen Fixkosten im Verhältnis zu den Monaten September bis Dezember 2019. Bis zum 31. Januar 2021 könnt ihr Anträge auf diese Förderhilfe über euren Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt auf der Website des BMWi stellen.
  • Überbrückungshilfe III gilt für die Fördermonate Januar bis Juni 2021 und soll sich bevorzugt auf Soloselbstständige sowie die Veranstaltungs- und Kulturwirtschaft konzentrieren. Es werden bis zu 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei einem Umsatzrückgang von über 70 Prozent erstattet, bis zu 500.000 Euro pro Monat sind möglich. Begleitend hierzu könnt ihr als Soloselbstständige die Neustarthilfe beantragen: Dabei handelt es sich um eine Sonderunterstützung i. H. v. 5.000 Euro als unbürokratischer Zuschuss.

Für die Überbrückungshilfe II gibt es weiterhin Anpassungen bei der Bewilligung:

  • Anträge können seit dem 21. Oktober 2020 von Steuerberatenden, Wirtschaftsprüfenden, vereidigten Buchprüfenden sowie Rechtsanwältinnen und –anwälten gestellt werden.
  • Die Überbrückungshilfe wird über diese Website des BMWi beantragt. Die Anträge werden von Dritten auf Plausibilität geprüft und anschließend über digitale Schnittstellen an die Bewilligungsstellen der Länder übersandt. Erst dann erfolgt die Bewilligung. Ausnahme: Anträge Soloselbstständiger mit einer Förderhöhe bis 5.000 Euro können ohne die Hilfe Dritter gestellt werden, hierfür benötigt ihr jedoch ein ELSTER-Zertifikat.
  • Die Förderung beläuft sich auf maximal 50.000 pro Monat bzw. maximal 200.000 Euro für vier Monate.
  • Personalkosten werden mit einer Pauschale i. H. v. 20 Prozent erstattet.
  • Deckelbeträge von 9.000 und 15.000 Euro wurden ersatzlos gestrichen.
  • Fördersätze werden gestaffelt auf 90 Prozent erhöht.

Es gelten die folgenden Staffelungen:

  • 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch > 70 Prozent
  • 60 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch ≥ 50 Prozent und ≤ 70 Prozent
  • 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten bei Umsatzeinbruch > 30 Prozent

Weitere wichtige Infos zur Überbrückungshilfe II

  • Tipp: Die Thüringer Aufbaubank hat einen Schnellcheck online gestellt, mit dem ihr eure Eignung für die Überbrückungshilfe II feststellen und die voraussichtliche Förderhöhe errechnen könnt.

    Beachtet beim Check bitte, dass dieser für Thüringer Unternehmen erstellt wurde. Ihr solltet also die “Thüringen Extras” herausrechnen und bedenken, dass in Thüringen die Schwelle für die Zuschusshöhe bei besonders betroffenen Unternehmen bereits ab 20 Prozent Umsatzrückgang des Geltungszeitraums beträgt. Davon abgesehen hilft euch der Check dabei, die Fördersumme anhand der einheitlichen Fördervoraussetzungen zu ermitteln.

Überbrückungshilfe II Thüringer Aufbaubank Schnellcheck
Mit dem Online-Schnellcheck der Thüringer Aufbaubank errechnet ihr in kurzer Zeit, ob ihr grundsätzlich Anspruch auf die Überbrückungshilfe II habt. (Screenshot: Thüringer Aufbaubank)
  • Unternehmen, die nach dem 30. Juni 2019 gegründet wurden, müssen die Monate November/Dezember 2019 für den Nachweis eines Umsatzeinbruchs i. H. v. mindestens 50 Prozent heranziehen.
  • Unternehmen, die nach dem 31. August 2019 gegründet wurden, ziehen für den Nachweis des Umsatzeinbruchs die Vergleichsmonate November 2019 bis Februar 2020 heran.
  • Unternehmen, die nach dem 31. Oktober 2019 gegründet wurden, sind nicht antragsberechtigt.
  • Gewährt wird die Überbrückungshilfe maximal 4 Monate.
  • Private Lebenshaltungskosten werden durch die Überbrückungshilfe nicht abgedeckt.

Wann gibt es die neuen Corona-Soforthilfen und den Überbrückungszuschuss II?

Corona-Hilfen-Regierung
Wer bekommt was? Die Corona-Hilfen der Regierung im Überblick | Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Die Soforthilfen des Bundes und der Länder können ab sofort über diese Plattform beantragt werden.

KfW-Schnellkredit

Darüber hinaus wird der KfW-Schnellkredit nun auch für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten mit bis zu 300.000 Euro bereitgestellt. Den KfW-Schnellkredit könnt ihr hier beantragen.

Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld wird bis Ende 2021 verlängert, Grundlage hierfür ist das Gesetz zur Beschäftigungssicherung infolge der COVID-19-Pandemie.

Welche Unterstützungen gibt es bei den Steuern?

Diese steuerlichen Hilfen gibt es bis zum 31. Dezember:

  • Senkung der Mehrwertsteuer (regulär von 19 auf 16 Prozent, ermäßigt von 7 auf 5 Prozent)
  • Erstattung und Anpassung von Steuervorauszahlungen
  • Stundungen von Steuerzahlungen
  • Steuerfreistellung von Aufstockungen des Kurzarbeitergeldes
  • Aussetzung von Vollstreckungsmaßnahmen
  • Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrages für die Jahre 2020 und 2021 auf 5 bzw. 10 Millionen Euro (bei Zusammenveranlagung)

Mit welchen Hilfen können Start-ups rechnen?

Start-ups können alle Unterstützungsmaßnahmen des Corona-Soforthilfepakets in Anspruch nehmen. Weiterhin gibt es ein Unterstützungspaket für zukunftsfähige Start-ups, das auf zwei Säulen fußt:

  • Säule 1: Corona Matching Fazilität (CMF): Für Start-ups mit VC-Fonds im eigenen Investorenkreis werden öffentliche Mittel bereitgestellt, damit die Finanzierung dieser Start-ups weiterhin sichergestellt wird
  • Säule 2: Für Start-ups und kleine Unternehmen ohne Zugang zur CMF werden weitere öffentliche Mittel über die Landesförderinstitute bereitgestellt.

Weitere Hilfen für Start-ups und kleine Unternehmen (Säule 1 & 2)

Start-ups erhalten alle wichtigen Informationen rund um die Corona Matching Fazilität inklusive Ansprechpartner in einem One-Pager der KfW. Eine Übersicht der Landesförderinstitute für Hilfen der Säule 2 findet sich auf der Website der KfW.

Hilfe für Freiberufler

Freiberufler, die keinen Anspruch auf Soforthilfen haben, erhalten einen vereinfachten Zugang zur Grundsicherung. So wird die Vermögensprüfung wesentlich vereinfacht und Aufwendungen für Heizung sowie Unterkunft werden vollumfänglich anerkannt.

Hilfe für Restaurants

Restaurants dürfen weiterhin außer Haus verkaufen und dürfen die Einnahmen daraus behalten. Sie müssen also nicht mit den Hilfen verrechnet werden, die sie von der Regierung zum Überstehen des November-Lockdowns erhalten.

Hilfe rund um Steuern

Für Steuerstundungen, Aussetzungen von Steuervorauszahlungen und andere Steuerhilfen setzen sich Unternehmer mit dem für sie zuständigen Finanzamt in Verbindung.

Wofür können die Hilfen genutzt werden?

Als Soforthilfe für die Auswirkungen der Corona-Krise soll der Zuschuss dazu dienen, Liquiditätsengpässe zu überbrücken, die durch rückläufige und ausbleibende Umsätze sowie weiterlaufende Kosten wie bspw. für Waren, Miete oder Kredite entstehen würden.

Müssen die Hilfen zurückgezahlt werden?

Der Zuschuss aus dem Frühjahr als Corona-Hilfe für Freiberufler, Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen muss nicht zurückgezahlt werden, es sei denn, die Voraussetzung für die Gewährung wurden nicht vollumfänglich geprüft.

  • Aber: Der Zuschuss wird im Jahr 2021 in der Ermittlung eurer Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer (bei Kapitalgesellschaften) bei der Gewinnermittlung berücksichtigt – ihr müsst also ggf. Steuern auf den erhaltenen Zuschuss zahlen.

Auch die neuen Hilfen müssen prinzipiell nicht zurückgezahlt werden, mit Ausnahme einer Überkompensation. Steuerlich kommt der Bund entgegen, indem der Zuschuss bei der Steuervorauszahlung 2020 nicht berücksichtigt wird. Dennoch bleibt auch dieser Zuschuss grundsätzlich steuerpflichtig, ein individueller Steuersatz darauf wird jedoch nur dann fällig, wenn in diesem Jahr ein positiver Gewinn erwirtschaftet wurde.

Was ihr neben den Corona-Soforthilfen auch im Blick haben solltet:

  • Prüft das Kurzarbeitergeld sowie Steuerstundungen und -herabsetzungen.
  • Achtet auf Liquidität: Wo könnt ihr sparen? Und behaltet offene Rechnungen im Blick – wartet nicht mit Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Zur Rechnungsvorfinanzierung könnt ihr Factoring einsetzen.
  • Lernt aus den Erfahrungen Selbstständiger im Umgang mit dem ersten Lockdown: Hilfreiche Tipps findet ihr in unserer Interview-Reihe zum Thema, hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.
  • Auch wenn ihr jetzt noch keine Liquiditätsprobleme habt, ist es ratsam, zu prüfen, ob die Liquiditätshilfen des Bundes nicht in den kommenden Monaten notwendig werden könnten.
  • Hilfe in der Not durch einen Experten: Wir helfen euch dabei, einen kompetenten Krisenberater zu finden.
  • Seelisch stabil durch die Krise: Hier findet ihr Tipps vom Psychologen und Ratschläge von Unternehmern für mentale Stärke und Resilienz.
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