Homeschooling: Lernen zu Hause



Schon vor Jahren gingen die ersten Angebote online, die Schülern und Lehrern das Lernen und Lehren vereinfachen sollen. Seit Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland schießen die Nutzerzahlen der Homeschooling-Plattformen in die Höhe und es entstehen neue.

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Homeschooling-Apps erleben durch die Corona-Krise einen Boom. Wir stellen die beliebtesten vor. (Foto: Unsplash)

#1 Anton

Anton.app, die vom Berliner Start-up solocode entwickelte und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanzierte, kostenlose und werbefreie Lern-App für die Schule, ist eines von immer mehr Homeschooling-Angeboten. Seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland und den damit einhergehenden Schließungen der Schulen, schießen die Nutzerzahlen der existierenden Plattformen in die Höhe, gehen neue Unternehmen an den Start oder lancieren neue Angebote.

Die Registrierung erfolgt einfach mittels Passwort, welches die Klassenlehrerin herausgegeben hat. Die gesamte Klasse ist in einer Lerngruppe organisiert. Klickt das Kind diese geschlossene Nutzergruppe an, findet es diverse Aufgaben in Fächern wie Deutsch oder Mathe, die dem aktuellen Lernfortschritt der Klasse entsprechen.

Die Bearbeitung soll Spaß machen, zumal der Schüler nach Beendigung eines Aufgabenpaketes sofort eine Bewertung erhält. Im besten Fall blinken drei Sterne auf. Zur Belohnung gibt es virtuelle Münzen, die gegen ein der Altersklasse angemessenes Spiel eingetauscht werden können. Das zieht. Die Motivation, selbstständig Aufgaben zu lösen, während die Eltern im Nachbarzimmer ihrer Arbeit nachgehen, ist größer, wenn danach ein bisschen Unterhaltung ansteht.

#2 Kuravisma

Ein Beispiel dafür, dass Lernen und Unterhaltung gut zusammenpassen, ist das 2018 gegründete Dresdner Start-up Kuravisma. Seit Ende letztes Jahres ist ihr Nachhilfeportal bidi.one online, am 25. März ist netzklasse.com live gegangen. Gründer Christian Bohner sagt:

Eigentlich wollten wir die netzklasse etwas später starten.

Wegen Corona habe man das virtuelle Klassenzimmer schon früher freigeschaltet. Und das Angebot ist eingeschlagen: Mehr als 500 Anfragen von Lehrern seien innerhalb weniger Tage, seit dem das Unternehmen an die Öffentlichkeit gegangen ist, eingegangen. Nun arbeitet das zwölf Mitarbeiter starke Team auf Hochtouren daran, Lehrern und Schülern den Zugang freizuschalten. Zunächst kostenlos. Im Sommer will Bohner ein Lizenz-Modell einführen.

#3 Learnattack

Seit Jahren gibt es unterschiedlichste e-learning-Software. Die von dem Australier Martin Dougiamas entwickelte Lernplattform moodle ging bereits 2002 online. Auch die Konzerne sind längst eingestiegen. „Google for Education“ etwa stellt eine umfangreiche Auswahl an Apps, Aktivitäten, Lehrplänen, Tools zur Verbesserung der digitalen Kompetenz sowie Spielen, die den Unterricht ergänzen, bereit.

Ebenso haben die Schulbuchverlage reagiert. Der Cornelsen Verlag etwa stellt Schulen und anderen Bildungseinrichtungen mit lo-net² Möglichkeiten des E-Learning zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt er Schüler von der vierten Klasse bis zum Abitur seit 2015 via Duden Learnattack mit zigtausenden digitalen Lerninhalten.

Das Coronavirus hat den Markt beflügelt. Lehrer wie Schüler greifen auf digitale Lern- bzw. Lehrmaterialien, auf Unterrichtsmethoden und Möglichkeiten des Übens und Vernetzens zurück, die bis vor Kurzem zwar nice to have waren, aber nicht derart relevant. Bislang saßen die Schüler zum Teil bis zum Nachmittag in der Schule. Nun sitzen Schüler und Lehrer getrennt voneinander zu Hause. Dennoch nehmen die Pädagogen ihren Auftrag wahr, die Kinder zu bilden. Die Schüler eigenen sich Wissen an, organisieren ihre Lehrpläne, tauschen sich mit den Klassenkameraden aus. All das geschieht derzeit digital.

#4 Lehrermarktplatz

Kein Wunder, dass sich Anbieter von Homeschooling- und verwandten Angeboten im Aufwärtstrend befinden. „In der letzten Woche sind die Zugriffszahlen explodiert“, sagt der Gründer von lehrermarktplatz.de Max Maendler.

Jeden Tag kommen 2.000 Neukunden dazu.

Die Seite verzeichne aktuell eine Million Downloads.

Auf lehrermarktplatz teilen Lehrerinnen und Lehrer mehr als 60.000 selbst erstellte und unterrichtserprobte Materialien. Über 300.000 Pädagogen, von der Grund- bis zur weiterführenden Schule, nutzen diese Materialien bereits in ihrem Unterricht, sagt Maendler.

Der Grund für die hohen Zugriffszahlen: Die Lehrer können Synergieeffekte nutzen.

Normalerweise bereitet jeder Lehrer seine Aufgaben alleine vor.

Dabei gäbe es so viele inhaltliche Überlappungen. Das Portal des Berliner Start-ups Lehrerkolleg LK ermöglicht nun, dass sich die vielen Lehrkräfte gegenseitig unterstützen, gemeinsam Lerninhalte erstellen – und dabei auf Anregungen des Portals zurückgreifen.

#5 Scoolio

Die neuen digitalen Angebote richten sich aber nicht nur an Lehrer, sondern ebenso an die Schüler: Das 2016 in Dresden gegründete Start-up Scoolio hat den Schulalltag der Schüler komplett digitalisiert. Laut Gründer Danny Roller verbindet die kostenlose App „Unterricht und Spaß“, ermöglicht etwa den Stundenplan einzusehen oder den Überblick über die Noten zu behalten. Außerdem können sich die Schüler untereinander vernetzten, die in den höheren Klassenstufen haben ferner die Möglichkeit, mit potenziellen späteren Arbeitgebern in Kontakt zu treten.

#6 Sharezone

Ähnlich funktioniert Sharezone, gegründet vom 18-jährigen Nils Reichardt. Sharezone ermöglicht die digitale Verwaltung des gesamten Schulalltags. Reichardts Intention: Schüler der höheren Jahrgangsstufen seien während des Unterrichts oft wenig motiviert, bekämen nicht mit, welche Hausaufgaben aufgegeben werden. Später, zu Hause, frage man dann per Whatsapp in die Runde, was zu tun ist.

Reichardt sagt:

Wenn dann aber keine Antworten kommen, nervt das, es kommt zu Streitigkeiten.

Deshalb hat er gemeinsam mit zwei Partnern in Siegen die Plattform Sharezone entwickelt.

Wenige Tage vor dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland ist sie online gegangen. Als dann kurz später die Schulen geschlossen wurden, sind die Nutzerzahlen durch die Decke geschossen. „Die Zahl der registrierten Nutzer hat sich innerhalb einer Woche auf 80.000 verdoppelt“, sagt Reichhardt.

Zugang zu Bildung für alle

Kuravisma-Gründer Bohner rechnet für die nächsten Tage und Wochen ebenfalls mit exorbitanten Wachstumsraten. Denn sein Angebot bringt die Schule in die Wohnung: Netzklasse versammelt Lehrer und Schüler im virtuellen Klassenraum. Gemeinsam schreiben sie ans virtuelle Whiteboard, lösen Aufgaben. Sie können miteinander sprechen, sobald die Video-Funktion freigeschaltet ist, sich sogar sehen.

Nur eine Sorge hat Bohner: Nicht jedes Kind, schon gar nicht in Haushalten mit vielen Geschwistern, hat ein eigenes Endgerät. Und ohne geht es nicht. Der 33-Jährige will daher Bildungspartnerschaften ins Leben rufen, etwa mit Computer-Herstellern oder gemeinnützigen Institutionen. Sie könnten weniger gut betuchten Kindern Geräte zur Verfügung stellen.

Bohner sagt:

Mein Wunsch: Wir müssen Bildungsgerechtigkeit herstellen.

Bohners weiteres Anliegen: Selbstverständlich will er auch dann Erfolg mit seinem Geschäftsmodell haben, wenn die Krise ausgestanden ist, die Schulen wieder offen sind. Der Kuravisma-Chef ist diesbezüglich zuversichtlich, er sieht einen großen Bedarf:

Angenommen, eine Schule alleine hat zu wenige Teilnehmer für einen Latein-Kurs, dann können sich mehre Schulen über die Republik verteilt zusammentun und das Fach virtuell unterrichten.

Ferner sei netzklasse für ländliche Gebiete interessant, in denen die Schüler zum Teil weite Wege zur Schule auf sich nehmen müssen.

Nutzt ihr Homeschooling-Apps? Oder habt ihr Erfahrungen mit den im Artikel vorgestellten gemacht? Wir freuen uns über eure Impulse an redaktion@fuer-gruender.de!

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