Selbstständige nach dem Lockdown



Zwar sind Lockerungen erfolgt, Geschäfte und Restaurants dürfen mit Einschränkungen wieder öffnen. Aber wie hat sich der Lockdown auf die Unternehmer ausgewirkt? Das haben wir Selbstständige in unserer mehrteiligen Interviewreihe gefragt!

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Selbstständige in der Corona-Krise: In Teil 4 unserer Interviewreihe erfahren wir, wie sie ihre Zukunft nach dem Lockdown gestalten.

Fotografin, Friseurin, Online-Unternehmer, Texterin: unsere 4 Gesprächspartner

  • Die Fotografin Lydia Rech ist seit fast 12 Jahren selbstständig und eröffnete vor 11 Jahren ihr rech & friends fotostudio in Leipzig. Sie wurde vom bund professioneller portraitfotografen mit einem Stern für ihre hochwertige Fotografie ausgezeichnet und hat sich auf die Portraitfotografie spezialisiert.
  • Natalja Wagner ist 38 Jahre alt und seit 2007 selbstständig, seit dem 16.03.2020 mit ihrem eigenem Friseursalon in der Berger Straße 109 in Frankfurt am Main. Geboren in Moskau, kam sie 1995 mit ihrer Familie nach Deutschland.

Selbststaendige Corona Situation GruenderDaily Version Teil 4

  • Felix Klein ist Gründer und Geschäftsführer der DZE GmbH. Mit Dienstzeitende.de und der Online-Soldatenmesse unterstützt er seit 2009 Unternehmen dabei, neue Mitarbeiter zu gewinnen und eine hochinteressante Personalquelle zu erschließen: ehemalige Soldaten der Bundeswehr.
  • Sabine Hölper, 49 Jahre alt, eine Tochter, 10. Diplom-Betriebswirtin, gelernte Bankkauffrau, seit rund 20 Jahren freie Journalistin mit Schwerpunkt Wirtschaft. Sabine lebt seit fast 15 Jahren in Berlin und kommt aus dem Westerwald.

Hier geht es zum 1. Teil, zum 2. Teil und zum 3. Teil unserer Interviewreihe mit den Selbstständigen!


GründerDaily: Hallo Lydia, falls du bisher auf Hilfen für Unternehmer zurückgegriffen hast: Kamen diese schnell oder gab es Probleme?

Lydia:

Nachdem ich den Zuschuss vom Bund für meine Betriebskosten beantragt hatte, gab es schon einen Tag später die Bewilligung und am zweiten Tag den Geldeingang auf meinem Konto.

Mit so einer schnellen Abwicklung habe ich nicht gerechnet. Weitere Zuschüsse bzw. Hilfen habe ich bisher nicht beantragt.

GründerDaily: Natalja, hast du Hilfe beantragt und lief der Prozess auch so gut bei dir wie bei Lydia?

Natalja: Ja, ich habe Soforthilfe beantragt und schnell bekommen.

GründerDaily: Wie war es bei dir, Sabine?

Sabine: Auch ich habe finanzielle Unterstützung bekommen. Es ging sehr schnell.

GründerDaily: Und bei dir, Felix?

Felix: Wir haben keine Hilfen beantragt, bisher benötigen wir sie glücklicherweise nicht.

Lockerungen nach dem Lockdown: So ging es weiter

GründerDaily: Lydia, wie lief das Geschäft bei dir an?

Lydia: Eine Krise ist oft auch eine Chance, den Fokus zu finden und Dinge anzupacken, zu denen man sonst nicht gekommen ist. Ich habe die Zeit, in der ich mein Fotostudio schließen musste, dafür genutzt. Große Posten, die ich monatlich in Werbung investiert habe und bei denen ich immer schon darüber nachgedacht habe, abzustoßen, habe ich nun endlich gekündigt. Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder in meinem Studio arbeiten zu können und habe es die ersten Tage etwas ruhiger angehen lassen.

Viele Kunden, die vorher Termine hatten, kamen gleich in der ersten Woche.

Ich habe vorher schon ausschließlich nach Terminvereinbarung gearbeitet, daher ist es für mich keine komplette Umstellung. Passbildzeiten, an denen mehrere Kunden gleichzeitig ins Studio kommen können, finden nun nicht mehr statt.

Pausen zwischen den Kunden sind notwendig, deshalb kann ich nicht so viele Kunden annehmen wie vorher. Das macht ca. 50 Prozent vom Umsatz aus, der wegbricht.

Die Maske war anfangs ungewohnt, stören tut diese mich aber nicht. Es ist alles eine Gewohnheitssache und für mich kein Problem.

GründerDaily: Was hat sich bei dir verändert, Sabine?

Sabine: Es gibt bei mir so gesehen keinen Neustart für mein Geschäft. Ich bin ja nicht Friseur, Händler, Gastronom oder ähnliches. Als freie Journalistin ist die Lage aktuelle genauso wie vor Wochen: Da die Anzeigenlage mau ist, erscheinen Magazine mit viel weniger Seiten, also werden weniger Artikel nachgefragt. Oder Sonderveröffentlichungen werden ganz gestrichen bzw. verschoben.

GründerDaily: Felix, wie gehst du den Neustart für dein Geschäft an bzw. wie bist du diesen angegangen?

Felix: Unser Geschäft kam nicht zum Stillstand, im Gegenteil: Wir hatten alle Hände voll zu tun damit, die nächste SOLDATA vorzubereiten, unsere Online-Soldatenmesse.

Wir machen nicht einfach mit aufgesetzten Scheuklappen weiter. Uns interessiert, was unsere Kunden in der Krisenzeit beschäftigt.

Deshalb haben wir zum einen eine Umfrage unter mehreren Hundert Soldaten durchgeführt, bei der u. a. herauskam, dass die meisten ihre Jobsuche bzw. Weiterbildung fortsetzen und ihre Ziele nach wie vor verfolgen.

Zum anderen haben wir neue Features wie den “Corona-Gruß” eingeführt. Dabei handelt es sich um einen kurzen Videogruß, den Job- bzw. Bildungsanbieter neben ihren Inseraten auf DZE.de veröffentlichen können. Der Soldat erfährt über den Gruß persönlich und direkt, wie ein Bewerbungs- oder Anmeldungsprozess in Krisenzeiten vonstattengeht.

GründerDaily: Wie ging es bei dir wieder los, Natalja?

Natalja: Geöffnet habe ich gleich nach der Entscheidung, dass Friseure aufmachen dürfen. Es folgten längere Arbeitszeit von 8.00 Uhr bis zum bitteren Ende.

Am ersten Tag nach Wiedereröffnung war ich bis 23.30 Uhr beschäftigt. Das hat so gutgetan!

Und dann die zwei Wochen durchgetaktet. Momentan wird es leider wieder ruhiger.

Es geht bergauf, aber verhalten

GründerDaily: Sabine, wie zeigt sich die Krise in deinen Auftragsbüchern?

Sabine: Die Auftraggeber sind, mit wenigen Ausnahmen, verhaltener. Einige Auftraggeber sind komplett abgetaucht.

GründerDaily: Und in deinem Fotostudio, Lydia?

Lydia: Einige Kunden haben ihre Termine verschoben, weil sie erst einen Friseurtermin brauchten. Das zeigte mir, dass ich als Fotografin abhängig bin, dass Kunden sich fotografieren lassen. Nur sehr wenig Kunden haben ihren Termin nicht erneut vereinbart. Shootings finden wieder wie gewohnt statt, vor allem Familienshootings in der Natur.

GründerDaily: Wie ist das bei Dienstzeitende.de, Felix?

Felix: Unsere Kunden zeigen sich nach wie vor interessiert an unseren Angeboten. So war unsere letzte Online-Messe SOLDATA Mitte Mai ein voller Erfolg mit Tausenden Besuchern und zahlreichen Ausstellern. Auch neue Features wie der erwähnte Corona-Gruß werden angenommen.

GründerDaily: Natalja, hast du ein verändertes Kundenverhalten festgestellt?

Natalja: Die Menschen sind entspannt. Allerdings es ist eine komische Atmosphäre im Laden: Masken und Desinfektionsmittel, Kunden sitzen weit auseinander, es gibt keine gemeinsamen Unterhaltungen und keine Getränke. Einer der schönsten Berufe wird zum Pflichtprogramm – weil die Haare wachsen – und nicht zum Verwöhnprogramm mit Kaffee und Magazinen sowie lockerer Unterhaltung. Sehr schade!

Viele haben Kurzarbeit, das spüre ich deutlich. Das Geld reicht dadurch nicht für schöne Dinge, sondern nur für das Nötigste. Das kann ich natürlich verstehen.

GründerDaily: Denkst du, das wird sich noch ändern?

Natalja: Mal schauen, was uns die Zukunft noch bringt. Ich glaube, es werden noch super Zeiten kommen. Wir halten durch.

GründerDaily: Herzlichen Dank an euch alle für eure interessanten Einblicke. Wir wünschen euch viel Erfolg und bleibt gesund!

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