Kurzarbeitergeld wegen Corona



Kurzarbeitergeld (Kug) ist eine Alternative, die aktuelle Corona-Krise zu meistern – insbesondere für Unternehmen, die wegen Geschäftsschließungen keine Aufträge generieren können. Wir zeigen euch, wie Kurzarbeitergeld funktioniert und welche Maßnahmen die Bundesregierung beschlossen hat.

Wichtige Info für alle Unternehmer: Kurzarbeitergeld muss vorfinanziert werden!

  • Zuerst muss die Arbeitsagentur der Arbeitsreduzierung zustimmen, dann erfolgt die erste Kurzarbeitergeld-Lohnabrechnung, bei der Unternehmer das Kurzarbeitergeld vorstrecken.
  • Die eigentliche Entlastung bei den Personalkosten entsteht dann, wenn die Arbeitsagentur das Kurzarbeitergeld auf Basis des Leistungsantrags an den Unternehmer ausbezahlt.

Bis zur Auszahlung des Kurzarbeitergeldes durch die Arbeitsagentur können also Tage und Wochen verstreichen. Eine gute Finanz- und Liquiditätsplanung ist hier zwingend notwendig.

#1 Welche Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld gibt es wegen Corona?

Kug gibt es, wenn Unternehmen aufgrund eines vorübergehenden Ereignisses ihre Mitarbeiter nicht voll beschäftigen können.

Praxiswissen-kompakt
Hilfe von der Regierung: Unter bestimmten Bedingungen steht euch Kurzarbeitergeld zu.

Aufgrund der Corona-Epidemie hat die Bundesregierung am 13.3.2020 Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld (Kug) beschlossen:

  • Ihr könnt Kug beantragen, wenn mindestens 10 Prozent eurer Belegschaft aufgrund von Corona mindestens 10 Prozent weniger arbeiten muss.
  • Das Kurzarbeitergeld könnt ihr rückwirkend zum 1.3.2020 beantragen.
  • Der Staat übernimmt auch die vollen Sozialversicherungsbeiträge für das Kug.
  • Das Kug wird für eine Dauer von 12 Monaten gewährt. Verlängerungen bis 24 Monate sind per Rechtsverordnung grundsätzlich möglich.

#2 Was sind die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld?

Hier gibt es grundsätzlich 4 wichtige Voraussetzungen:

  • Ihr müsst nachweisen, dass sich eure Auftragslage durch Corona verschlechtert hat oder verschlechtern wird, und dass ihr eure Mitarbeiter nicht anderweitig beschäftigen könnt.
  • Mindestens ein Mitarbeiter eures Unternehmens muss sozialversicherungspflichtig sein.
  • Mitarbeiter, die Kurzarbeitergeld erhalten sollen, dürfen sich nicht in Kündigung befinden.
  • Ihr müsst das Kurzarbeitergeld bei eurer Arbeitsagentur vor Ort beantragen.

#3 Wie ist der Ablauf beim Kug?

Schritt 1: Kurzarbeit ankündigen und Vereinbarungen mit den Mitarbeitern treffen

Als Erstes kündigt ihr im Unternehmen die geplante Kurzarbeit an und trefft Vereinbarungen mit euren Mitarbeitern über Zeitpunkt und Ausmaß der Kurzarbeit. Wenn ihr einen Betriebsrat habt, ist er euer Verhandlungspartner, andernfalls sprecht ihr mit jedem Kollegen einzeln. Anschließend füllt ihr den Antrag zum Kug aus.

Schritt 2: Kurzarbeit bei der örtlichen Arbeitsagentur anzeigen

Dazu braucht ihr das Formular “Anzeige über Arbeitsausfall” von der Agentur für Arbeit. Am besten nutzt ihr den elektronischen Weg über die e-services für Unternehmen. Der wesentliche Punkt bei dieser Anzeige ist es, den Grund für die Kurzarbeit genau zu begründen.

Anzeige Arbeitsausfall
Formular “Anzeige Arbeitsausfall”: Das ist der erste Schritt, um Kurzarbeitergeld zu beantragen.

Schritt 3: Die Antwort der Arbeitsagentur abwarten

Ist die “Anzeige Arbeitsausfall” abgeschickt, müsst ihr die Entscheidung der Arbeitsagentur abwarten. Ist die Entscheidung positiv, bereitet ihr eure erste Lohnabrechnung unter Berücksichtigung von Kurzarbeitergeld vor.

Schritt 4: Lohn- und Gehaltsabrechnung machen

In eurer Lohn- und Gehaltsabrechnung weist ihr nun pro Mitarbeiter das reduzierte Gehalt und das Kurzarbeitergeld aus und überweist die Löhne und Gehälter. Das führt bereits zu einer leichten Entlastung bei den Personalkosten. Die volle Entlastung durch das Kurzarbeitergeld erfolgt im nächsten Schritt.

Schritt 5: Leistungsantrag stellen

Habt ihr die Löhne und Gehälter überwiesen, stellt ihr den Leistungsantrag (Antrag auf Kurzarbeitergeld (Kug) – Leistungsantrag). Dazu nutzt ihr das entsprechende Formular der Arbeitsagentur.

Formuar Antrag auf Kurzarbeitergeld - Leistungsantrag
Mit diesem Antrag bekommt ihr das von euch vorgestreckte Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur.

Hier tragt ihr die Gesamtsumme der Kurzarbeitergelder ein, die ihr bereits an eure Mitarbeiter überwiesen habt. Unser Tipp: Lasst die Lohnabrechnung in jedem Fall von einem Experten machen, entweder von einer Steuerkanzlei oder einem Lohnabrechnungsdienstleister.

Bis zur Überweisung der Gesamtsumme des von euch vorgestreckten Kurzarbeitergeldes wird eine bestimmte Zeit vergehen. Diese Zeit müsst ihr überbrücken.

#4 Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Mitarbeiter mit Kindern erhalten 67 Prozent der Nettodifferenz als Kug, wer keine Kinder hat, erhält 60 Prozent. Und so wird grundsätzlich gerechnet, wie das folgende Beispiel eines Mitarbeiters mit Kind zeigt:

  • Ausgangssituation: Mitarbeiter erhält normalerweise netto 2.400 Euro, die Kurzarbeit beträgt 50 Prozent, der Mitarbeiter erhält vom Betrieb also nur noch 1.200 Euro.
  • Berechnung des Kug: 67 Prozent von 1.200 Euro sind 804 €, die erhält der Mitarbeiter von der Arbeitsagentur.
  • Insgesamt erhält der Mitarbeiter also 2.004 Euro und arbeitet dafür nur noch die Hälfte der Zeit.

Weitere Tipps der Expertin

Was gibt es beim Thema Kurzarbeit noch zu beachten? Personalmanagement-Expertin Olivia Dorn hat uns spannende Antworten dazu gegeben.

Ist eine betriebsbedingte Kündigung in Kombination mit Kurzarbeit erlaubt?

Olivia Dorn: Ja, obwohl dies eigentlich ein Widerspruch ist. Eine Voraussetzung für Kurzarbeit ist nämlich ein vorübergehender Arbeitsausfall. Die Voraussetzung für eine betriebsbedingte Kündigung ist aber ein dauerhafter Wegfall des Arbeitsplatzes. Dennoch sind betriebsbedingte Kündigungen während der Kurzarbeit möglich, da es sein kann, dass während der Kurzarbeit weitere Aufträge wegfallen bzw. die zunächst positiven Prognosen nicht eingetreten sind. Der Arbeitgeber muss dies allerdings nachweisen können.

Sind Arbeitnehmer dazu verpflichtet, Kurzarbeit hinzunehmen oder können sie diese verweigern – auch bei Betriebsratsentscheidungen?

Olivia Dorn: Arbeitnehmer in Betrieben mit Betriebsrat müssen Kurzarbeit hinnehmen, sofern diese zuvor korrekt beantragt und von Betriebsrat und Arbeitsagentur genehmigt wurde. Der Betriebsrat als Vertretungsorgan der Arbeitnehmer/innen übt sein Mitbestimmungsrecht im Namen der betroffenen Arbeitnehmer/innen aus, somit kann der einzelne Arbeitnehmer die Kurzarbeit nicht verweigern.

In Betrieben ohne Betriebsrat oder wenn ein vorhandener Betriebsrat nicht zugestimmt hat und im Arbeitsvertrag Kurzarbeit nicht geregelt ist, kann der Arbeitnehmer die Kurzarbeit verweigern. Allerdings muss er dann seinen Urlaub und seine Überstunden aufbrauchen und ist vor einer späteren betriebsbedingten Kündigung nicht geschützt.

Wie profitieren Kleinunternehmen von der „verbesserten Kurzarbeit“?

Olivia Dorn: Rückwirkend zum 01.03.2020 gilt, dass nur 10 Prozent (anstatt bisher 1/3) der im Betrieb Beschäftigten von Arbeitsausfall betroffen sein müssen, um Kurzarbeit beantragen zu können. Sozialversicherungsbeiträge für das Kurzarbeitergeld übernimmt die Arbeitsagentur voll (bisher anteilig der Arbeitgeber). In Unternehmen mit Arbeitszeitkonten wird auf den Aufbau von Negativstunden vor Einführung von Kurzarbeit verzichtet. Auch Zeitarbeitsunternehmen können die Kurzarbeit in Anspruch nehmen.

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes bleibt gleich (die Arbeitsagentur übernimmt 60 Prozen des ausgefallenen Nettolohns, bei Arbeitnehmer/innen mit Kind 67 Prozent). Vor allem wichtig: Die Beantragung kann online und rückwirkend zum 01.03.2020 bei der Arbeitsagentur erfolgen, die jeweils zuständige Arbeitsagentur steht als Ansprechpartner zur Verfügung und verspricht schnelle Entscheidungen.  à Die neuen Regelungen gelten für alle Betriebe in Deutschland, egal welcher Größe.

Was müssen Unternehmen jetzt tun, um trotz Kurzarbeit wirtschaftlich zu überleben und ihre Mitarbeiter an Bord zu halten?

Olivia Dorn: Tja, wenn wir das mal kurz und ergebnissicher beschreiben könnten, dann hätten wir eine Glaskugel und wären berühmt. ; – )  Es kommt nämlich ganz individuell auf den Betrieb und die handelnden und betroffenen Personen an und manchmal kommt es dann doch anders als man geplant hat, gerade wenn es unerwartete und unbekannte externe Einflüsse gibt, wie es im Moment der Fall ist.

Die Geschäftsleitung sollten sich Zeit nehmen und den Mitarbeiter/innen ehrlich erklären wie die wirtschaftliche Lage im Unternehmen ist und warum Kurzarbeit wirklich notwendig wird. Auch eine vorige Beteiligung der Mitarbeiter/innen mit Ideen wie die Kurzarbeit möglichst gering gehalten werden kann und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können ist sinnvoll, um deutlich zu machen, dass alle in einem Boot sitzen.

Außerdem haben Mitarbeiter/innen häufig sehr gute und vielleicht neue /andere Ideen als die GFs aufgrund ihrer Arbeit an der Basis. Es muss deutlich werden, dass in dieser Situation alle in einem Boot sitzen und es nur gemeinsam schaffen können den Betrieb und die Arbeitsplätze zu retten.

Während der Kurzarbeit gilt es laufend in gutem Kontakt miteinander zu sein, um Ängste und Sorgen zu teilen sowie neue Herausforderungen zu besprechen und gemeinsam am Ziel zu arbeiten. Auch (kleine) Erfolge sollten wahrgenommen und besprochen werden. Ebenso wichtig ist es, immer das Licht am Ende des Tunnels im Blick zu haben, dies klappt am besten durch laufende Kommunikation wo das Unternehmen derzeit steht, was noch geschafft werden muss, was gelassen werden muss, um die Kurzarbeit zu beenden und wieder in wirtschaftlich sicheres Fahrwasser zu kommen.

Die Geschäftsleitung sollte immer ein offenes Ohr für Anliegen und Vorschläge der Mitarbeiter/innen zur Bewältigung der Krise haben, selbst eine positive Zukunftssicht haben und wertschätzend führen. Wenn das Unternehmen sich am Ende der Kurzarbeit stabilisiert hat, sollte dies Anlass für Dank an alle in einem gemeinsamen Zusammenkommen sein.

Fazit: Kurzarbeit in der Corona-Krise

Kurzarbeitergeld entlastet die Personalkosten bei vorübergehendem Auftragseinbruch in der Corona-Krise. Ihr könnt das Kug grundsätzlich online beantragen. Euren Steuerberater werdet ihr für die Lohnabrechnung brauchen. Er hilft euch auch bei der abschließenden Endabrechnung, wenn die Corona-Krise überwunden sein wird, und auch schon vorab bei der Beantragung von Steuerstundungen. Ihr könnt übrigens auch die Kurzarbeit unterbrechen, wenn sich die Auftragslage kurzfristig bessert. Falls erforderlich, könnt ihr auch Liquiditätshilfen in Anspruch nehmen.

Lest weitere Leitfäden bei uns auf dem Für-Gründer.de-Portal:

Wir wünschen euch viel Mut und Kraft, um die aktuelle Krise zu meistern.

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