Corona-Maßnahmen für Unternehmen



In unserem Corona-Überblick erfahrt ihr, welche Schnelltests Unternehmen ihren Mitarbeitern bereitstellen müssen, was noch bei der Büroarbeit gilt, was im Homeoffice zu beachten ist und welche Hilfen ihr erwarten könnt.


Corona-Maßnahmen auf einen Blick


Neue Corona Maßnahmen 1200
Beschlossene Sache: Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Schnelltests zur Verfügung stellen, wenn diese im Büro arbeiten. (Foto: Unsplash)

Wichtige Infos und Maßnahmen allgemein

Die nachfolgenden Informationen betreffen die gesamte Gesellschaft und damit auch fundamental Unternehmer.

Schrittweise Lockerungen

Durch die sinkende Inzidenz lockern die einzelnen Bundesländer derzeit nach und nach. Die Bundesregierung möchte jedoch einen “Wettlauf der Lockerungen” vermeiden. So sollen intensive Tests in allen Lebensbereichen sowie schrittweise Lockerungen anhand der Inzidenzen die dritte Welle nachhaltig bekämpfen.

Für Unternehmen ist wichtig: Mitarbeiter können ins Büro kommen, jedoch ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, ein Homeoffice-Angebot bereitzustellen, sofern dies bei der Tätigkeit des Mitarbeiters möglich ist.

  • Tipp: Jetzt kompetente Hilfe bei einem Krisenberater suchen. 90 % der Kosten werden in maximaler Höhe von 2.700 Euro gefördert!

Einsatz der Notbremse

Liegt die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner, kommt es ab dem zweiten darauffolgenden Werktag zur sogenannten “Notbremse” mit verschärften Maßnahmen. Hier seht ihr die wichtigsten Infos des Bund-Länder-Beschlusses auf einen Blick:

Notbremse 7 Tage Inzidenz über 100
Klare Regeln: Mit der Bundesnotbremse soll eine weitere Infektionswelle frühzeitig ausgebremst werden. (Grafiken: Bundesregierung)

Auch private Kontakte werden bei Aktivierung der Notbremse wieder reduziert: Dann darf sich ein Haushalt mit nur noch einer weiteren Person treffen.

  • Wichtig: Das Infektionsschutzgesetz wurde geändert, es wurde eine bundesweite Notbremse geschaffen. Entscheidungen über Ausgangssperren, Schließungen etc. obliegen nun nicht mehr den Bundesländern und Kommunen, sondern sind im Gesetz aber einer Inzidenz von 100 vorgeschrieben.

Starke Unterschiede je nach Region bei Schließungen

Diese Betriebe müssen schließen, sobald die Notbremse in Kraft tritt:

  • Restaurants, Bars, Clubs, Kneipen. Kantinen und Lieferdienste dürfen offen bleiben, auch die Abholung von Essen für den Verzehr zu Hause ist erlaubt. Einzelne Regionen mit einer Inzidenz unter 100 wie Schleswig-Holstein öffnen bereits ihre Außenbereiche, auch Städte wie Leipzig und Berlin lockern inzwischen.
  • Freizeiteinrichtungen: Die meisten Einrichtungen wie Kinos, Theater, Opern, Konzerthäuser, Messen etc. sind nach wie vor geschlossen, doch auch hier gibt es erste Öffnungen, abhängig vom Inzidenzwert.
  • Sporteinrichtungen: Erlaubt ist nach wie vor Individualsport wie Joggen im Park. In einigen Regionen sind Fitnessstudios vorerst geöffnet, auch werden allmählich Freibäder vorbehaltlich unter Genehmigung des Gesundheitsamtes geöffnet werden.

Diese Einrichtungen haben seit Anfang März offen (Regelungen je nach Bundesland ggf. unterschiedlich):

  • Friseure, Kosmetiker und andere körpernahe Dienstleister
  • Schulen (Personal und Schüler sollen pro Präsenzwoche mindestens zwei kostenlose Schnelltests erhalten)
  • Kitas (Personal und Kinder sollen pro Präsenzwoche mindestens zwei kostenlose Schnelltests erhalten)
  • Buchhandlungen
  • Blumengeschäfte
  • Baumärkte
  • Weitere Geschäfte mit den Optionen Click & Meet sowie Click & Collect

Schließungen sind jederzeit möglich, wenn die 7-Tages-Inzidenz höher als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bleibt. Lebensnotwendige Geschäfte wie Supermärkte bleiben selbst im harten Lockdown geöffnet.

Arbeiten im Büro

Von der Arbeit im Büro ist weiterhin abzusehen, sofern möglich. Sollten sich Büroaufenthalte dennoch nicht vermeiden lassen, gelten folgende Regeln.

Testangebotspflicht für Unternehmen

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern mindestens zwei Corona-Schnelltests pro Woche verpflichtend anbieten, wenn diese im Büro arbeiten. Die Kosten dafür müssen die Unternehmen selbst tragen. Die Verordnung ist seit dem 22.04. in Kraft.

  • Achtung: Bei der beschlossenen Maßnahme handelt es sich um eine Testangebotspflicht, der Arbeitgeber nachkommen müssen. Es besteht jedoch keine Pflicht für Arbeitnehmer, sich selbst zu testen. Diese Entscheidung bleibt jedem Mitarbeiter freigestellt.

Grundsätzlich eignen sich alle gängigen Corona-Tests wie der Antigen-Test, jedoch nicht die Antikörper-Tests, welche die Anforderungen an den Virusnachweis nicht erfüllen. Ob es eine Testpflicht für Kunden von Friseuren und anderen körpernahen Dienstleistungen gibt oder nicht, richtet sich nach der Inzidenz und den regionalen Entscheidern.

Maskenpflicht: Welche Masken sind erlaubt?

Anfang des Jahres legten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten fest, dass Alltagsmasken wie Stoffmasken nicht mehr genügen. Stattdessen müssen medizinische Masken im öffentlichen Personennahverkehr, im Fernverkehr, in Geschäften, Büros und an gekennzeichneten öffentlichen Plätzen getragen werden.

Diese Masken erfüllen die Standards:

  • OP-Maske (medizinisch)
  • KN95-Maske
  • FFP2 & FFP3

In Arbeitsräumen muss der Unternehmer ausreichend FFP2-Masken oder medizinische Masken für die Angestellten bereitstellen. Die Umsetzung wird von Arbeitsschutzbehörden kontrolliert.

Bis zu 40 Kinderkrankentage für Mitarbeiter

Bund und Länder haben die doppelte Anzahl von Kinderkrankentagen beschlossen. Damit können Eltern ihre Kinder doppelt so lange krankschreiben und erhalten Krankengeld an 20 statt wie zuvor an 10 Tagen. Für Alleinerziehende gibt es 40 statt 20 Krankentage. Diese Tage können und sollen auch ausdrücklich genommen werden, wenn ein erhöhter Betreuungsaufwand für die Eltern aufgrund der Corona-Beschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen anfällt. Das Kind muss hierfür nicht krank sein. Das Kinderkrankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse, es entspricht 90 Prozent des Netto-Verdienstes.

Vereinfachte Krankschreibung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich darauf geeinigt, eine vereinfachte Krankschreibung bis zu 7 Tage zu ermöglichen. Das bedeutet, dass es genügt, wenn ihr oder eure Mitarbeiter bei einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege euren Arzt anruft, um eine Krankschreibung zu erhalten. Eine Arztpraxis muss dafür also nicht aufgesucht werden.

  • Achtung: Wenn ihr Symptome an euch feststellt, die auf Corona hindeuten könnten, dann geht keinesfalls einfach so zum Arzt! Die Gefahr einer Ansteckung anderer in der Praxis ist zu hoch. Greift lieber zum Telefon und besprecht mit dem Arzt und/oder dem örtlichen Gesundheitsamt das weitere Vorgehen.

Ein Mitarbeiter wurde positiv auf Corona getestet – und jetzt?

Der Mitarbeiter muss sofort nach Hause und Quarantäne wird angeordnet. Auch bei ausbleibenden Krankheitssymptomen oder einem milden Verlauf kann die Person ansteckend sein. Sie sollte mindestens die 14 Tage Quarantäne zu Hause bzw. im Homeoffice bleiben. Fällt ein möglicher weiterer Test nach der Quarantäne positiv aus, kann die Quarantäne nochmal um 2 Wochen verlängert werden.

Arbeitnehmer haben im Übrigen auch einen Entschädigungsanspruch, wenn der Verdacht auf eine Corona-Erkrankung besteht und ein behördliches Beschäftigungsverbot angeordnet wird. Allerdings hat der Mitarbeiter keinen Entschädigungsanspruch gegen den Arbeitgeber, sondern gegen den Staat in Höhe des Krankengeldes – auch dann, wenn die Person nicht erkrankt ist, aber ihrer Arbeit nicht nachgehen darf.

Homeoffice-Regeln & Tipps

Vorab lautet die wichtigste Frage:

Müssen die Mitarbeiter ins Homeoffice?

Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten, wenn dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen. Eine entsprechende Verordnung mit Regelungen wurde vom Bundesarbeitsministerium auf den Weg gebracht. Die Verordnung gilt so lange, wie der Bundestag die Corona-Pandemie als epidemische Lage von nationaler Tragweite feststellt, maximal jedoch bis Ende Juni, sofern sich gesetzlich nichts ändert.

Darüber hinaus sollen flexible Arbeitszeiten ermöglicht werden, um den Pendlerverkehr zu entzerren. Die Einhaltung der Regeln wird durch die Arbeitsschutzbehörden geprüft.

Homeoffice-Pauschale ermöglicht Kostenabschreibung

Die große Koalition hat sich auf eine Homeoffice-Pauschale geeinigt. Mit dieser sollen Mehrkosten der Arbeitnehmer für Strom, Heizung etc. in den eigenen vier Wänden abgefedert werden. 5 Euro pro Tag gibt es und maximal 600 Euro im Jahr.

Steuerlich wird die Pauschale wie andere Werbungskosten behandelt. Damit wird sie nicht zusätzlich zum Werbungskosten-Pauschalbetrag für Arbeitnehmer gewährt. Das Problem hierbei: Es profitieren nur Arbeitnehmer, die in ihrer Steuererklärung Werbungskosten von über 1.000 Euro geltend machen können. Alle anderen können die Pauschale nicht nutzen.

Datenschutzmaßnahmen und IT-Sicherheit im Homeoffice umsetzen

Die wichtigste Regel lautet: Der verantwortungsbewusste Umgang mit vertraulichen bzw. sensiblen personenbezogenen Daten hat oberste Priorität.

Hierfür ist es im ersten Schritt erforderlich, Betriebsgeräte für die Arbeit im Homeoffice zur Verfügung zu stellen – allen voran ein Laptop, sinnvoll ist auch ein Diensthandy. Mit beidem lassen sich private und berufliche Kommunikation sauber voneinander trennen.

Weiterhin sollten eure Mitarbeiter sicherstellen, dass eine räumliche Trennung zwischen Arbeitszimmer und dem Rest der Wohnung gegeben ist. Darüber hinaus sollten ausgedruckte dienstliche Unterlagen in einem Schrank aufbewahrt werden, der abschließbar ist. Bereits diese einfachen, aber effektiven Maßnahmen tragen dazu bei, dass der Datenschutz im Homeoffice erhöht wird.

Hilfen, Versicherungen und Entschädigungen

Wann und mit welchen Hilfen springt der Staat ein? Und wann greifen Versicherungen? Wir geben Hilfestellungen.

Ersatz von Verdienstausfällen durch Coronahilfen

Die Bundesregierung stellt Soforthilfen für Corona-Umsatzausfälle bereit, hier findet ihr die Coronahilfen im Überblick.

inforgrafik-aktuelle-coronahilfen-regierung
Wer bekommt was? Die Corona-Hilfen der Regierung auf einen Blick | Quelle: Bundesministerium der Finanzen
  • November- und Dezemberhilfe: Unternehmen erhalten für die Schließungen November/Dezember 2020 bis zu 75 Prozent Zuschuss ihrer jeweiligen Umsätze aus den beiden Vergleichsmonaten 2019.
  • Überbrückungshilfen sind Fixkosten-Zuschüsse für die von der Pandemie schwer getroffenen Unternehmen.
  • Soloselbstständige erhalten unbürokratische Hilfe und können mittels ELSTER-Zertifikat eine Fördersumme bis zu 7.500 Euro beim Bund beantragen (“Neustarthilfe”).
  • Sonderfälle, die durch das Netz der Hilfen rutschen, können Härtefallhilfen beantragen.
  • Eine besondere Nachweispflicht ist nicht erforderlich, ein einfacher Nachweis genügt.
  • Eine Sofortabschreibung bestimmter digitaler Wirtschaftsgüter rückwirkend zum 01.01.2021 ist möglich. Dazu gehört u. a. Computerhardware und Software zur Dateneingabe.
  • Bereits gewährte Hilfen wie Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen werden mit in die Ausfallentschädigung einberechnet.
  • Die Hilfen werden aus Geldern bezahlt, die vom Bund genehmigt wurden.

Die Hilfen kommen allen unmittelbar betroffenen Unternehmern zugute, auch indirekt betroffene Unternehmen erhalten Unterstützung, wenn sie nachweisen können, dass ihre Ausfälle in Zusammenhang mit den oben genannten betoffenen Betrieben maßgeblich zusammenhängen.

  • Tipp: Lasst euch von einem Rechtsanwalt bei der Beantragung helfen.

Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen für Unternehmen

Das Kurzarbeitergeld wurde bis Ende 2021 verlängert. Weiterhin bekommen Arbeitgeber die Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden erstattet – etwa dann, wenn es zu Lieferausfällen kommt und die Arbeitszeit der eigenen Mitarbeiter entsprechend reduziert werden muss. Außerdem können sie Steuerstundungen nutzen.

Abschreibungen auf verderbliche Waren

Es können Abschreibungen auf saisonale und verderbliche Waren vorgenommen werden. So können betroffene Einzelhändler diese damit verbundenen Ausgaben als Fixkosten erstatten lassen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Indikator für verderbliche Ware. Mit der Abschreibung einher gehen umfassende Nachweis- und Dokumentationspflichten, u. a. der Verbleib und was mit der Ware passiert.

Greifen Betriebsversicherungen auch beim Coronavirus?

Wenn Mitarbeiter ausfallen, kommt es so gut wie immer zu Betriebseinbußen. Werden diese von einer Betriebsunterbrechungsversicherung aufgefangen? Leider nein, denn dafür muss ein Sachschaden vorliegen. Dazu gehören:

  • Einbrüche / Diebstahl
  • Wetterphänomene wie Sturm oder Hagel
  • Feuer
  • Wasserschäden

Krankheiten bzw. Pandemien werden von Betriebsunterbrechungsversicherungen in der Regel nicht abgedeckt – es sei denn, der Anbieter beruft sich auf § 6 des Infektionsschutzgesetzes. Dabei handelt es sich um einen Katalog meldepflichtiger Krankheitserreger, in den das Coronavirus aufgenommen wurde. Ist der Inhaber der Firma versichert und gerät in Quarantäne bzw. erkrankt, springt die Versicherung ein. Das passiert aber auch nur dann, wenn der Betrieb ohne den Inhaber nicht weiterlaufen kann.

Bei der Ertragsausfallversicherung ist die Situation eindeutig: Sie springt nur bei Sachschäden ein und damit nicht beim Coronavirus.

Eine Betriebsschließungsversicherung greift auch dann, wenn ihr aufgrund der Corona-Pandemie euer Unternehmen vorübergehend schließen müsst, sofern der Seuchen- und Pandemiefall in der Police eingeschlossen ist. Dabei gibt es vertraglich zugesicherte Entschädigungen, deren Umfang sich je nach Anbieter unterscheidet:

  • Tagesentschädigungen für Schließungstage
  • Lohnkosten für Mitarbeiter
  • Desinfektionskosten für Betriebsräume
  • Ermittlungs- und Beobachtungskosten
  • Warenschäden, Brauchbarmachung von Waren
  • Werbekosten für nachgewiesene Aufwendungen

Entschädigung für Selbstständige bei Quarantäne

Im Falle einer behördlich verordneten Quarantäne springt der Staat bei Selbstständigen ein. Wenn ihr also als Einzelkämpfer erkrankt, müsst ihr euch eigenständig beim Gesundheitsamt melden. Ordnet dieses eine häusliche Quarantäne oder Isolierung an, habt ihr Anspruch auf Krankengeld. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem durchschnittlichen Einkommen des vergangenen Jahres. Nach sechs Wochen erhaltet ihr das Krankengeld in Höhe des gesetzlichen Standards.

Wie geht es weiter?

Kontakte sollen weiterhin nach Möglichkeit vermieden werden. Derzeit sieht es nach Lockerungen aus, vielerorts wird die Bundesnotbremse aufgrund niedriger Inzidenzwerte gelöst. Kitas sind geöffnet, vielerorts im Land findet der Unterricht in Schulen nach wie vor im Wechselmodell statt. Wir halten euch mit weiteren Infos auf dem Laufenden! Informiert euch währenddessen auch über Coronahilfen für Unternehmen. Helfen kann euch ein Krisenberater oder spezialisierter Rechtsanwalt.

Ähnliche Beiträge zum Thema
Das Geschäftskonto für Gründer: jetzt 6 Monate Grundgebühr sparen