Achtsamkeit: Tipps für Unternehmer



Achtsame Menschen sind authentisch, handeln meist urteilsfrei und mit Mitgefühl. Tim Weifenbach, Co-CEO von myndway verrät uns, warum wir uns auf eine achtsame Lernreise begeben sollten und wie wir ein gemeinsames Wachstum von Unternehmen und Mitarbeitern mit Achtsamkeit erreichen können.

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Wirkung auf Resilienz, die Teamdynamik und das allgemeine Wohlbefinden im Team: Tim Weifenbach über die Kraft der Achtsamkeit. (Foto: myndway)

GründerDaily: Hallo Tim, die Corona-Pandemie verlangt seit Monaten viel ab. Wie kann Achtsamkeit Unternehmern und ihren Teams helfen, durch diese herausfordernden Zeiten zu kommen?

Tim Weifenbach von myndway: Hallo, liebe Verena, vielen Dank für die Einladung zum Interview. Die Corona-Pandemie stellt Unternehmer und Teams tatsächlich vor einige Herausforderungen.

Wir beobachten bei myndway zunehmende Zustände von Stress und Druck – zum einen bedingt durch lange, digitale Arbeitszeiten, zum anderen verursacht von der allgemeinen Unsicherheit in der Gesellschaft.

Das führt zu starker psychischer Belastung – Menschen fällt es schwerer, sich im Homeoffice zu motivieren und die Beziehungen in Teams leiden unter der Distanz. Achtsamkeit und achtsame Methoden bieten hier stützende Hilfen. Wir sprechen in unseren Trainingsprogrammen mit Unternehmern und Führungskräften bspw. über Achtsamkeit im direkten Gespräch.

Die Methoden sind dabei inspiriert von der gewaltfreien Kommunikation, die sich auch digital aktiv umsetzen lassen, um so besser zu verstehen: Wie geht es den Mitarbeitenden gerade? Was brauchen sie? Was sehe ich eventuell über die Distanz nicht?

Zudem geben wir Führungskräften Tipps und Übungserfahrungen, wie sie Achtsamkeitsmethoden in Meetings mit einbringen können, damit die Angestellten bewusster mit Stress und Druck umgehen können.

GründerDaily: Warum sollte ich trotz der Aufgabenfülle und möglicher Probleme mich damit beschäftigen, achtsamer zu werden? Was kann ich dadurch langfristig erreichen?

Tim Weifenbach: Eine gute Frage, zu der es ein schönes Sprichwort gibt:

Hast Du viel Zeit, meditiere 20 Minuten am Tag. Hast Du wenig Zeit, meditiere eine Stunde.

Achtsamkeit steht für Präsenz im aktuellen Augenblick. Wenn wir viel zu tun haben und gefühlt von einer Aufgabe zur nächsten hetzen, passiert aber das Gegenteil: Wir sind zunehmend weniger präsent mit uns selbst, den Gedanken und unserem Körper. Man könnte jetzt sagen: Na, und?

Doch die Herausforderung ist, dass unser Gehirn sich unter Stress auf hoch-frequenten sog. Beta-Gehirnwellen bewegt, die es hoch aktiv, sehr wachsam und fast hyperalarmiert halten. In so einem Zustand fällt es schwer, uns tief zu konzentrieren, zu fokussieren und empathisch mit anderen Menschen umzugehen.

Unter Stress leiden also unsere Arbeitsqualität und unsere Beziehungen, was sich langfristig negativ auf die Produktivität und die Zufriedenheit auswirkt.

Zudem produzieren wir in Stresszuständen vermehrt Cortisol, was nur in ruhigeren Zuständen abgebaut werden kann und langfristig negativ auf das Immunsystem wirkt. Das merken wir aber gar nicht, denn – wie gesagt – wir sind uns darüber ja nicht so bewusst.

GründerDaily: Wie starte ich am besten und womit?

Tim Weifenbach: Starte mit kleinen Übungen, die sich einfach anfühlen und leicht in den Alltag zu integrieren sind.

Auf individueller Ebene trage Dir z. B. regelmäßige Pausen in den Kalender ein, in denen Du eine Tasse Tee trinkst oder aus dem Fenster schaust.

Das beruhigt Dein Nervensystem und das Gehirn. Es entsteht Raum für Fokus und auch für Kreativität. Oder atmet immer mal wieder 3 Mal tief ein und wieder aus. Das hilft wunderbar nach anstrengenden Gesprächen.

Einen fokussierten Start in den Tag kann darüber hinaus eine 10-minütige Meditation am Morgen ermöglichen.

Dafür setzt Du Dich einfach bequem in einen ruhigen Raum und beobachtest, wie Dein Atem fließt.

In Meetings hilft zu Beginn z. B. der achtsame Check-In, bei dem jeder Mitarbeitende in 1-2 Sätzen die individuelle ‘Wetterlage’ beschreibt. So kommen alle im Meeting an und wissen zusätzlich direkt um die Grundstimmung im Raum.

GründerDaily: Wie und wann nehme ich die Führungskräfte und Mitarbeiter mit auf die achtsame Lernreise?

Tim Weifenbach: Am wichtigsten ist für uns, dass die Menschen bereit und intrinsisch motiviert sind, um sich mit Achtsamkeit am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Das ist sozusagen das magische Einstiegstor.

Darum gehen wir auch vorab mit den Unternehmen ins Gespräch. So erhalten wir ein Gefühl über die Bedürfnisse der Führungskräfte und Mitarbeitenden und können mit unseren achtsamen Lernreisen Methoden und Tools anbieten, die genau auf diese Bedürfnisse zugeschnitten sind. Mal richten wir die Lernreisen thematisch mehr auf den Aufbau von Resilienz, mal mehr auf Beziehungen und Empathie, und ein anderes Mal mehr auf New Work und innere Transformation aus.

Wir sehen aktuell auch, dass Achtsamkeit im digitalen Arbeiten immer wichtiger wird. Auch darauf gehen wir in unseren Lernreisen aktiv ein – und was uns dabei stets auffällt: Eine gute Kombination aus Theorie und Inhalt mit Zeit zum gemeinsamen Reflektieren ist unglaublich wichtig – gerade in einer Zeit, in der soziale Kontakte und Austausch vielen fehlen.

GründerDaily: Für euch ist Achtsamkeit nicht nur eine Feel-Good-Maßnahme, sondern ein Innovations- und Transformationstool. Wie etabliere ich sie in meinen Unternehmeralltag, woran muss ich dauerhaft arbeiten und gibt es Routinen, die mir dabei helfen können?

Tim Weifenbach: Als Gründer kann ich hier ein paar einfache Empfehlungen geben, die für mich und uns gut funktionieren. Wie erwähnt, meditieren ich wie auch meine Mitgründerin und Frau jeden Morgen, was uns sehr stärkt im oft herausfordernden Gründeralltag. Uns ist aufgefallen, wir gehen anders mit den Höhen und Tiefen um.

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Tim und seine Frau Martina meditieren jeden Morgen, um sich für den herausfordernden Tag zu wappnen. (Foto: myndway)

Die Achtsamkeit und unsere Methoden helfen uns auch, Situationen und Themen aus einer Metaebene zu reflektieren.

Die Kombination aus Achtsamkeitstools mit New Work bringen wir aktiv in die Gestaltung unserer Unternehmenskultur ein. So haben wir uns bewusst am Anfang Zeit genommen, Werte, unseren Sinn und unsere Vision zu erarbeiten und steigen in diese Arbeit aktiv mit jedem neuen Mitarbeitenden ein.

Unsere Tools nutzen wir auch regelmäßig im eigenen Team, um uns gegenseitig besser einschätzen zu können und zu klären: Wie möchten wir kommunizieren? Welche Ziele verfolgen wir in unseren Rollen? Was ist das individuelle Big Picture?

GründerDaily: Welche Achtsamkeitsmethoden helfen beim Teambuilding?

Tim Weifenbach: Der achtsame Check In ist klasse. Für digitale Meetings könnt ihr auch einmal eine digitale Schnitzeljagd ausprobieren. Das macht Spaß und die Teammitglieder lernen sich besser kennen.

Tolle Erfahrungen machen wir auch mit 2-wöchigen Morning Motivations, in welchen wir immer morgens für das ganze Team Achtsamkeitsmethoden wie Meditationen und Bewegungsübungen anleiten und diese gemeinsam reflektieren. Das sind kurze Impulse mit tiefer Wirkung auf Resilienz, die Teamdynamik und das allgemeine Wohlbefinden im Team.

GründerDaily: Wie erreiche ich ein gesundes und nachhaltig gemeinsames Wachstum von Unternehmen und Mitarbeitern?

Tim Weifenbach: Ein wichtiger Teil unserer Lernreisen sind die Arbeit mit Werten und dem Purpose. New Work bedeutet, dass sich die Art des gemeinsamen Arbeitens verändert und die Fähigkeiten des Einzelnen immer wichtiger werden, um schnell auf neue Marktsituationen als Unternehmen einzugehen.

Agilität, Flexibilität und kontinuierliches Lernen werden entscheidend für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.

Und all das beginnt beim individuellen Mitarbeitenden und der Frage: Warum und wofür tust Du, was Du tust? (Purpose); Welche Werte sind Dir in Deiner Arbeit wichtig und wie möchtest Du sie ins Team einbringen? (Werte); Und welche Ziele helfen Euch im Team Euren Team-Purpose zu realisieren? (Agilität im Team)

Achtsamkeitsmethoden fördern den Erkenntnisprozess zu den o. g. Aspekten und beschleunigen somit eine innere Klarheit und die Ausrichtung in einem agilen, zukunftsorientierten und starken Team.

GründerDaily: Worauf sollte ich bei der Mitarbeiterauswahl achten?

Tim Weifenbach:

In der neuen Arbeitswelt werden Zukunftskompetenzen wie Empathie, Digitalität und Veränderungsbereitschaft immer wichtiger.

Viele erwähnen zudem immer noch die T-Shaped Ausrichtung – also die generalistischen Erfahrungen plus das Expertenwissen in einem Bereich. In unseren Einstellungsprozessen achten wir darauf.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, dass die neuen Mitarbeitenden gut zu dem Team passen, in welchem sie arbeiten werden und dass auch das Team selbst den möglichen Mitarbeitenden kennenlernt, bevor eine Einstellung erfolgt.

Darum sprechen bei uns vor einer Einstellung mehrere Kollegen mit dem Kandidaten, wir reflektieren die Gespräche gemeinsam und treffen auch gemeinsam eine finale Entscheidung. In den Gesprächen selbst ist uns neben der fachlichen Expertise auch wichtig, ein Verständnis für die Werte und Ziele des Menschen zu erhalten und auch zu sehen, was lässt ihr Herz höherschlagen.

GründerDaily: Was sind eure Learnings aus dem vergangenen Jahr und welche Methoden und Apps haben euch besonders geholfen?

Tim Weifenbach: Das vergangene Jahr hat uns alle vor enorme Herausforderungen gestellt. Wir waren davon nicht ausgenommen.

Unsere Vor-Ort-Trainings sind alle von heute auf morgen weggefallen und wir mussten überlegen, wie es weitergehen soll.

Aber Martina, meine Frau & Mitgründerin, und ich haben die Situation als Chance wahrgenommen und unsere eigene e-Learning Plattform, die myndway.academy, aufgebaut. Zudem haben wir weiter Mitarbeitende eingestellt und auf unser Bauchgefühl gehört, das uns sagte: ‘Wir sind auf dem richtigen Weg.’

Ohne unsere eigenen Achtsamkeitsroutinen und das Vertrauen in unsere Vision hätten wir die Situation womöglich nicht so einfach abfedern können.

Achtsamkeit hat uns geholfen, agiler, flexibler und offener für sich verändernde Situationen zu sein und so mit der Pandemie neutraler umzugehen. Das Potenzial einer regelmäßigen Achtsamkeitspraxis hat sich hier voll und ganz gezeigt, und diese Vorteile möchten wir noch vielen Führungskräften, Teams und Unternehmen zugänglich machen.

Gründer Daily: Tim, wir danken dir sehr für das Interview und deine Tipps!

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