Resilienz: Tipps für mehr Widerstandskraft



Verhandlungen, Deadlines, Kündigungen: Ein Unternehmen zu führen, erfordert eine hohe Widerstandsfähigkeit, auch Resilienz genannt. Wir haben Tipps für mehr Resilienz gesammelt.

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Humor und gesunde Lebensführung: Resilienz bzw. Widerstandskraft ist eine wichtige Fähigkeit, um alltägliche Gründerherausforderungen zu meistern. (Foto: Unsplash)

Warum ist Resilienz wichtig?

Resilienz hilft dabei, den Höhen und Tiefen des Alltags gelassener zu begegnen. Sie ist damit die Grundlage von Souveränität. Im Außenauftritt macht sich fehlende bzw. mangelnde Resilienz negativ bemerkbar: Anhand von Mimik, Gestik, Tonfall und vielen weiteren Mikrosignalen strahlt ihr Unruhe und damit Unsicherheit aus. Das ist in vielen Situationen nicht hilfreich.

Wer zum Beispiel Angst vor dem nächsten Pitch hat und damit nicht souverän umgehen kann, dessen Körper wird das zeigen: Mit dünner Stimme und gekrümmtem Rücken werdet ihr Investoren kaum von eurem Vorhaben überzeugen.

Was zeichnet resiliente Menschen aus?

Resiliente Menschen zeichnen sich durch drei Kerneigenschaften aus:

  • Widerstandsfähigkeit: Ob Unfall, Krankheit oder Unternehmenskrise: Resiliente Menschen wirft nichts so leicht aus der Bahn. Sie behalten auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf und denken lösungsorientiert, anstatt in Panik zu verfallen.
  • Gelassenheit: Wie alle Menschen haben auch Personen mit hoher Resilienz negative Gefühle, aber sie werden nicht von ihnen beherrscht. Stattdessen sind sie in der Lage dazu, Abstand von einer schwierigen Situation zu nehmen und sie aus der Distanz wie ein Beobachter zu analysieren.
  • Blick nach vorn: Resiliente Menschen schauen positiv in die Zukunft, ohne Rückschläge zu ignorieren. Aus Niederlagen lernen sie und sind so ein inspirierendes Vorbild für ihre Mitmenschen.

Was sind Symptome für eine geringe Resilienz?

In der Start-up-Welt sind 12-, 14- oder sogar 16-Stunden-Tage keine Seltenheit. Insbesondere in der Anfangsphase einer Gründung können solche langen Arbeitszeiten durchaus erforderlich sein, um den Stein ins Rollen zu bringen. Auf Dauer kommt ihr durch diese Überlastung jedoch in ein Ungleichgewicht. Das merkt ihr dann u. a. an folgenden Symptomen:

  • Gereiztheit
  • Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
  • Einschlafprobleme
  • Erschöpfung
  • Nervosität

Auf solche Warnzeichen solltet ihr unbedingt Rücksicht nehmen, um nicht in einem Burn-out zu landen. Die folgenden Tipps von Unternehmern helfen euch dabei.

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Experten Resilienz

Tipps für mehr Resilienz

#1 Akzeptieren, was ist

Diesen Tipp gibt Dennis Fischer, Autor des Buches 52 Wege zum Erfolg:

Der schwierigste Schritt ist für die meisten Personen, die aktuelle Situation zu akzeptieren. Sich einzugestehen, dass es ein Problem gibt, fällt vielen sehr schwer. Aber nur, wenn die Akzeptanz gegeben ist, kann der Blick auf mögliche Lösungen fokussiert werden.

#2 Sport treiben

Unternehmer setzen ihren Kopf ein, um das Geschäft voranzubringen. Dabei darf aber nicht der Rest des Körpers außer Acht gelassen werden. Etliche Studien belegen, dass Sport den Stressabbau unterstützt.

Bewegung ist auch für Sascha essenziell, der als CTO für Breeze Technologies arbeitet:

Nach dem Sport starte ich frischer in den Tag. Ich habe zwei Tageshälften, die ich bei null beginne. Dadurch, dass man sich die Sportpause zwischendurch nimmt, verarbeitet man, zieht sich bewusst von einem Thema zurück, und kann sich entsprechend sortieren.

Sport hilft also, um den Kopf freizubekommen und aus einem neuen Blickwinkel auf bevorstehende Herausforderungen zu schauen.

#3 Pausen machen und regelmäßig meditieren

In der auf Produktivität fokussierten Arbeitswelt haben Pausen keinen guten Ruf. Sie sind aber wichtig, um leistungsfähig und gesund zu bleiben. Klar, in akuten Phasen ist das nicht immer möglich. Es hilft aber schon, wenn ihr euch kleine Räume der Erholung schafft. Diese gilt es dann jedoch physisch wie psychisch strikt einzuhalten:

  • Legt das Smartphone in einen anderen Raum oder versetzt es in den Flugmodus, wenn ihr esst.
  • Geht für eine halbe Stunde vom Laptop weg und macht euch in der Zeit einen leckeren Smoothie – ganz bewusst und mit Spaß beim Mixen der Zutaten.
  • Deaktiviert alle Push-Benachrichtigungen und schaut fünf Minuten einfach nur aus dem Fenster. Wetten, dass euch diese Übung anfangs schwerfallen wird?

Niemand kann von morgens bis in die Nacht effizient und effektiv durcharbeiten. Es ist wichtig, den für sich passenden Arbeitsrhythmus zu finden, der Erholungsphasen beinhaltet. Auch genügend Schlaf ist entscheidend, wie Wolfgang, Co-Founder von FarmInsect, weiß:

Es soll ja Leute geben, die versuchen, ihren Schlaf zu reduzieren, um mehr arbeiten zu können. Das finde ich idiotisch. Mir ist es hingegen wichtig, jeden Tag mindestens 8-8,5 Stunden erholsam zu schlafen. Dafür schaffe ich mir entsprechende Rahmenbedingungen.

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Genügend Schlaf ist eines der besten Resilienz-Mittel überhaupt. (Foto: Unsplash)

Neben dem gesunden Nachtschlaf ist Meditation eine einfache Ruhemethode, um eure Resilienz zu steigern. Denn Meditation hat erstaunliche, wissenschaftlich erwiesene Effekte:

  • Regelmäßig durchgeführte Meditation ist erholsamer als Urlaub (Zur Studie)
  • Meditation reduziert Entzündungsmarker im Blut (Zur Studie)
  • Stress wird verringert, soziale Kompetenzen werden gefördert (Zur Studie)
  • Meditation steigert die Konzentration (Zur Studie)

Es hat also viele Vorteile, wenn Meditation ein fester Bestandteil eures Alltages wird. Dafür braucht ihr keine aufwendigen Materialien oder komplizierten Anleitungen. Bereits 10 Minuten Meditation am Tag bewirken zahlreiche positive Effekte. Eine einfache Yogamatte reicht dafür. Übrigens: Auch Yoga geht schnell und hat ähnliche, gute gesundheitliche Auswirkungen wie Meditation.

Und so einfach lässt sich eine Meditation durchführen: Setzt euch bequem an einen ruhigen Ort, schließt die Augen und beobachtet zehn Minuten lang euren Atem. Wenn eure Gedanken immer wieder abschweifen, ist das ganz normal. Führt eure Konzentration einfach sanft zu eurem Atem zurück. Diese Übung bringt – regelmäßig praktiziert – viel Resilienz als Belohnung.

#4 Sparring mit Coaches durchführen

Je häufiger ihr mit unangenehmen Situationen konfrontiert werdet, desto souveräner könnt ihr damit umgehen. Deshalb gehen Kampfsportler in das Sparring: Hierbei wird unter wettkampfähnlichen Bedingungen trainiert, allerdings in leicht abgeschwächter Form, zum Beispiel mit gepolsterten Boxhandschuhen. Blessuren holt sich im Training trotzdem jeder Boxer, was auch gewollt ist.

Wenn man weiterkommen will, gehören Schmerzen und Stürze dazu. Man muss lernen, wieder aufzustehen und weiterzumachen.

– Frank Thelen

Ziel des Sparrings ist es, die Sportler abzuhärten und so auf den eigentlichen Wettkampf vorzubereiten. Mit anderen Worten: deren Resilienz zu fördern.

Diese Praxis hat sich auch im Wirtschaftsleben etabliert. In vielen Gründercoachings stehen euch Sparringspartner zur Verfügung, mit denen ihr zum Beispiel Verhandlungssituationen oder Pitches wieder und wieder trainieren könnt. So entwickelt ihr das sprichwörtliche dicke Fell und daraus hervorgehend Souveränität für Realsituationen.

#5 Soziale Beziehungen pflegen

Wichtig für einen ausgewogenen Lebensstil und damit mehr Widerstandskraft in eurem Leben ist auch, dass ihr eure sozialen Kontakte pflegt – und damit sind nicht nur die geschäftlichen gemeint. Trefft euch regelmäßig mit Familie und Freunden und sprecht über etwas anderes als euer Unternehmen.

Wie wohltuend soziale Kontakte generell sind, bestätigt auch Wolfgang:

Für den sozialen Kontakt in der Familie sowie mit Freunden stelle ich mir regelmäßig Zeit zur Seite und versuche, jede Woche Termine im Voraus zu planen, die ich dann auch nicht mehr absage, egal, wie stressig es gerade ist. Des hilft mir auch in schwierigen Phasen, den sozialen Kontakt aufrechtzuerhalten.

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Familie und Freunde zu treffen, fördert die eigene Resilienz. (Foto: Unsplash)

#6 Rückschläge verarbeiten

Zu einer hohen Resilienz gehört auch, Schicksalsschläge nicht persönlich zu nehmen. Resiliente Menschen fragen sich nicht:

Warum ist ausgerechnet mir das passiert?

Sie stellen konstruktivere Fragen wie:

Was kann ich aus der aktuellen Krise lernen?

So sieht es auch Sascha, der eine resiliente Einstellung von sich und seinem Team erwartet:

Wenn Rückschläge kommen, muss man nach vorn schauen können, um im Team zu analysieren: Was ist eigentlich passiert? Was kann man daraus lernen? Wir brauchen Leute, die dieses Mindset haben. Denn wenn uns ein Rückschlag trifft, geht das auf die ganze Firma über.

Die hohe Lernbereitschaft als Resilienz-Faktor betont auch Wolfgang:

Ich versuche grundsätzlich immer, das Positive zu sehen. Also z. B.: Was kann ich daraus lernen und was kann ich nächstes Mal besser machen? Meistens ergeben sich auch neue Möglichkeiten durch Rückschläge. Man muss nur bereit sein, diese auch zu erkennen und anzunehmen.

Bei allen ernsthaften Tipps gibt es weiterhin einen effektiven, komödiantischen Resilienz-Booster.

#7 Humor als Tool für Resilienz kultivieren

Ein spontaner Perspektivwechsel durch einen Witz entschärft eine angespannte Situation sofort. Es ist es außerdem ein Zeichen von Stärke und Resilienz, über sich selbst und die eigenen Fehler lachen zu können. Wem es gelingt, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, ist innerlich gefestigter. Ihr verzeiht euch Fehltritte schneller und seid nachsichtiger sowie empathischer mit anderen.

#8 Dankbarkeit entwickeln

Dankbar zu sein, kostet keinen Cent und kann von jedem praktiziert werden. Und wer glaubt, dass es nichts im Leben gebe, wofür er dankbar sein könnte, sollte sich diese Übung von Dennis genauer anschauen:

Notiere dir jeden Abend vor dem Einschlafen 5 Dinge, für die du heute dankbar bist. Ich kann dir aus eigener Erfahrung berichten: Selbst an den schwärzesten Tagen in meinem Leben habe ich immer noch Dinge gefunden, für die ich dankbar war.

#9 Die richtige innere Haltung lernen

Kennt ihr das berühmte Zitat des griechischen Philosophen Epiktet?

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.

Wie ihr eine Situation interpretiert, entscheidet darüber, ob sie Stress auslöst oder nicht. Wer von vornherein mit der Haltung, gleich einem “schwierigen Kunden” zu begegnen in Verkaufsgespräch geht, wirkt an der Entstehung einer stressigen Situation mit. Was aber kommt zuerst bei der Resilienz – die innere Haltung oder das Verhalten?

Sascha sieht es so:

Grundsätzlich ist beides wichtig, aber die Haltung ist die Basis für alles. Wir haben eine Fehlerkultur: Wenn Fehler passieren, ist es wichtig, dass man reagiert und reflektiert: Warum ist das passiert? Das ist der Vorteil von kleinen Teams, die Agilität: Wir fragen uns: Was ist der beste Weg, um darauf zu reagieren?

Resilienz ist also eine Mischung aus einer inneren Haltung und persönlichem Verhalten. Klingt gut, doch Wolfgang räumt ein, dass es dabei durchaus Schwierigkeiten geben kann:

Haltung ist gut, Verhalten ist besser. Aus Haltung kann zwar Verhalten entstehen, in einer akuten Phase kann es aber manchmal auch schwierig sein, Haltung zu halten. Ich finde, da hilft es, wenn man so lange ein Verhalten vorlegt, bis man wieder die passende Haltung dazu eingenommen hat. Mir hilft es in der Tat, in schwierigen Phasen einfach Verhaltensmuster abzuspielen, um mich wieder auf den richtigen Pfad zu bringen.

Resilienz ist demnach nichts, was sich über Nacht aufbauen lässt. Jeder Unternehmensbereich ist davon betroffen, wie Sascha anmerkt:

Man muss solche Themen auch explizit behandeln: Gerade was die Kultur angeht, muss man diese vorleben und sich Zeit nehmen für die Reflexion. Das betrifft mehrere Ebenen: Gründer, C-Level, Manager, das ganze Team. Es geht darum, Sichtweisen auszutauschen, Blickpunkte mitzubekommen, andere Erfahrungen anzuhören.

10 Faktoren für Resilienz

  1. Joggen, radfahren, schwimmen: Regelmäßiger Sport fördert den Stressabbau.
  2. Jeder Arbeitsalltag braucht Pausen, plant diese regelmäßig ein.
  3. Genügend Schlaf ist wichtig, ideal sind 8 Stunden pro Nacht.
  4. Bereits kurze, regelmäßige Meditationen mit einer Dauer von 15 Minuten am Tag stärken die Widerstandskräfte.
  5. Coaches und Sparring-Partner helfen dabei, Resilienz zu entwickeln.
  6. Der Mensch ist ein soziales Wesen, Treffen mit Familie und Freunden fördern die Resilienz.
  7. Rückschläge passieren jedem – entscheidend ist der Umgang mit ihnen.
  8. Lachen ist gesund und so ist auch Humor resilienzsteigernd.
  9. Haltung bedingt das Verhalten: Die innere Festigkeit bestimmt bei der Resilienz die eigenen Handlungen.
  10. Resilienz ist auch ein Thema im Teambuilding: Jede widerstandsfähiger die Mitarbeiter sind, desto stärker ist das Unternehmen im Gesamten.

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