Mit dem perfekten Pitch Deck Investoren überzeugen

Das Pitch Deck entscheidet darüber, ob ein Start-up Kapital bekommt. Es spielt eine fundamentale Rolle bei einem gelungenen Pitch.

In diesem Ratgeber zeigen wir, wie man ein Pitch Deck richtig aufbaut, Fehler vermeidet und Investoren überzeugt.

Redaktion

Geschrieben von Experte Rechtsformen

Für-Gründer.de Redaktion

Daniel Sorge hat sich bereits als Werkstudent redaktionell mit Finanzthemen auseinandergesetzt. Als SEO-Redakteur ist er bei Für Gründer einerseits dafür verantwortlich, dass möglichst viele Gründungsinteressierte die kostenlosen Inhalte über Google erreichen. Andererseits verfasst er auch selbst Beiträge: rund um das Thema Rechtsformen.

Inhaltlich geprüft Chefredakteur

Für-Gründer.de Redaktion

Seit 2010 ist René als Gründer von Für-Gründer.de Teil der deutschen Gründerlandschaft. Seine Mission: Gründerinnen und Gründern praxisnahe Inhalte und echte Insights an die Hand zu geben. Das tut er als Chefredakteur, Podcast-Host, Webinar-Moderator und auf unserem YouTube-Kanal.

Er ist Interviewpartner in anderen Medien und verfasst Fachbeiträge zu Gründungsthemen.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Um Investoren zu finden, brauchen Unternehmer ein überzeugendes Pitch Deck.
  • Ein gutes Pitch Deck überzeugt durch Klarheit.
  • 10 Folien müssen das Wichtigste kommunizieren.
  • Vorlagen sollten nicht ohne Anpassung verwendet werden.
  • Pitching Events dienen der Investorensuche.

  | Was ist ein Pitch Deck?

Ein Pitch Deck ist eine visuelle Präsentation, die Gründer für ihren Pitch nutzen, um Investoren, Partner oder Kunden von einer Geschäftsidee zu überzeugen. Auf wenigen Folien werden die wichtigsten Informationen über das Unternehmen, das Geschäftsmodell, den Markt und das Team zusammengefasst.

Pitch Decks werden unter anderem auf Pitching Events eingesetzt, auf denen Start-ups nach Venture Capital (Risikokapital) suchen. Auch bei Elevator Pitches (Präsentation einer Geschäftsidee in 60 Sekunden) können Pitch Decks nützlich sein. 

Business Angels (Mentoren mit Kapital) schauen sich oft erst das Pitch Deck eines Unternehmens an, bevor sie ausführlichere Informationen anfordern.

Das Pitch Deck soll Interesse wecken und einen Dialog anstoßen. Es müssen nicht alle Fragen abschließend beantwortet werden. Deshalb sollte ein Pitch Deck nicht nur informativ, sondern auch emotional ansprechend und visuell klar gestaltet sein.

Das Business Model Canvas hilft dabei, das Geschäftsmodell zu durchdenken, bevor es im Pitch Deck präsentiert wird.

Was ist ein Pitch?

Ein Pitch ist eine kurze, überzeugende Präsentation einer Idee vor einem Publikum, das für den nächsten Schritt im Gründungsprozess relevant ist (z. B. Geldgeber, Partner oder Mentoren). Als visuelles Hilfsmittel wird dazu in der Regel das Pitch Deck verwendet.

Man unterscheidet zwischen drei Arten von Pitches:

  1. Elevator Pitch
  2. Investoren-Pitch
  3. Sales Pitch
Tipp

Die Präsentation Ihres Pitch Decks muss von Anfang an 100%ig passen, daher sollten Sie sich gut vorbereiten. Für die Erstellung und die Vorbereitung können Sie die Hilfe eines erfahrenen Profis in Anspruch nehmen.

Beratung für Gründer

  | Was macht ein gutes Pitch Deck aus?

Ein gutes Pitch Deck überzeugt durch Klarheit, Relevanz und Wirkung. Es soll Investoren oder Partner in kurzer Zeit vermitteln, dass eine Idee Potenzial hat.

Dabei geht es nicht darum, jede Frage im Detail zu beantworten. Viel mehr gilt es, Interesse zu wecken und einen Dialog zu eröffnen.

Folgende Punkte sind für ein Pitch Deck wichtig:

  • Klare Struktur: Die Inhalte bauen logisch aufeinander auf und führen zu einem überzeugenden Gesamtbild.
  • Starke Story: Die Präsentation erzählt eine nachvollziehbare Geschichte mit Problem, Lösung, Markt und Vision.
  • Glaubwürdigkeit: Alle Aussagen sind realistisch, nachvollziehbar und mit Zahlen oder Beispielen unterlegt.
  • Investorenperspektive: Das Deck liefert genau die Informationen, die ein Investor für eine erste Einschätzung benötigt.

Außerdem sollte jedes Pitch Deck diese Fragen beantworten:

  • Welches Problem löst das Angebot?

  • Wie sieht die Lösung konkret aus?

  • Wie groß ist der adressierte Markt?

  • Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

  • Welche Fortschritte und Nachweise (Traktion) gibt es?

  • Wer steht hinter dem Unternehmen?

Strukturierte Modelle wie das Business Model Canvas und das Value Proposition Canvas helfen dabei, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Wie viele Folien hat ein typisches Pitch Deck?

Die meisten überzeugenden Pitch Decks bestehen aus rund 10 Folien. In Ausnahmefällen können es bei komplexeren Produkten auch bis zu 20 sein.

Entscheidend ist: Jede Folie muss einen klaren Mehrwert liefern. Ein hilfreicher Orientierungsrahmen ist die 10-20-30-Regel, bekannt geworden durch den US-Investor und früheren Markenbotschafter bei Apple Guy Kawasaki.

Die 10-20-30 Regel

  • 10 Folien: Die wichtigsten Inhalte lassen sich kompakt auf zehn Folien darstellen – von Problem, Lösung, Markt und Geschäftsmodell bis hin zu Team und Kapitalbedarf.
  • 20 Minuten: Selbst wenn mehr Zeit eingeplant ist, sollte der eigentliche Pitch maximal 20 Minuten dauern.
  • Schriftgröße 30: Diese Faustregel sorgt dafür, dass die Folien nicht mit Text überladen sind. Wer gezwungen ist, sich kurzzufassen, wird automatisch klarer. Gleichzeitig bleibt die Präsentation auch auf Entfernung oder im Video-Call gut lesbar.

Diese Regel zwingt dazu, Inhalte zu priorisieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Genau das schätzen Investoren. Ein unstrukturiertes Pitch Deck schreckt sie hingegen ab.

Aufbau des Pitch Decks

Der Aufbau eines Pitch Decks folgt keinem starren Schema. Dennoch hat sich eine bestimmte Reihenfolge als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Das folgende Schema dient Gründern als Orientierung. Es lässt sich je nach Geschäftsmodell, Zielgruppe oder Pitch-Situation flexibel anpassen:

Folie Erklärung
1: Deckblatt

Das Start-up und der Anlass der Präsentation wird in wenigen Worten vorgestellt. Das sollte die Folie beinhalten:

  • Kontaktdaten für den Ansprechpartner
  • Vorstellung des Start-ups in kurzem, prägnanten Satz
2: Team/Gründer

Diese Folie gehört zu den wichtigsten Elementen im Pitch Deck. Sie sollte folgendes umfassen:

  • Beschreibung der wichtigsten Teammitglieder sowie
  • ihre Erfahrung und Know-How und
  • ihre Rolle im Unternehmen.
3: Problem Auf dieser Folie wird das Problem der Zielgruppe nachvollziehbar beschrieben.
4: Lösung Das Produkt wird als optimale Lösung für das beschriebene Problem präsentiert. Vorsicht: nicht zu viele Fachtermini oder technische Details nennen.
5: Produkt Auf dieser Folie wird detaillierter auf die wichtigsten Funktionsweisen des Produkts eingegangen. Ein Prototyp oder eine Demo in Form eines Bildes, Webseite oder Software sind oft erfolgsentscheidend.
6: Markt und Marketing

Auf dieser Folie werden folgende Fragen beantwortet:

  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Wie groß ist der Markt und ist er womöglich schon gesättigt?
  • Wie soll die Zielgruppe erreicht werden?
  • Wie sieht die Konversionsrate aus?

Diese Punkte werden bestenfalls mit einer seriösen Marktstudie oder einer eigenen Marktforschung adressiert.

7: Alleinstellungsmerkmal Auf dieser Folie wird gezeigt, inwiefern sich das Produkt von den bereits bestehenden unterscheidet und was es überlegen macht. Hierzu kann ein Nutzenversprechen mithilfe eines Value Proposition Canvas erarbeitet werden.
8: Wettbewerb Diese Folie umfasst eine Auflistung der wichtigsten Wettbewerber und eine Beschreibung der Unterscheidungsmerkmale. Die Antwort "Wir haben keinen Wettbewerb" wird von keinem Investor akzeptiert. Der Wettbewerb und die eigene Positionierung können übersichtlich in einem Positionierungskreuz dargestellt werden. Zusätzlich sollte der Marktanteil berechnet werden.
9: Geschäftsmodell und Prognose Das Geschäftsmodell gehört zu den wichtigsten Folien. Daher sollte nachvollziehbar dargestellt werden, wie und ab wann man Umsätze generiert. Hat man mehrere Ideen für Einnahmequellen, sollte man sich auf die wesentlichen Umsatzträger fokussieren.
10: Proof of Concept, Testimonials, Meilensteine Der Proof of Concept, also ein Machbarkeitsnachweis des Geschäftsmodells, ist häufig eine zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Pitch. Dieser Beweis kann bspw. durch erste Umsätze oder die Zahl aktiver Nutzer erbracht werden. Testimonials eventuell bestehender Kunden dürfen auf dieser Folie ebenfalls nicht fehlen.
11: Call to Action Abschließend muss konkret genannt werden, welche finanziellen Mittel gebraucht werden, wofür sie eingesetzt werden sollen und was damit erreicht werden kann.
Bonus-Folie: Bezug zur Veranstaltung Wer mit dem Pitch Deck an einem Wettbewerb teilnimmt, kann eine Folie einbauen, die einen direkten Bezug zum Event herstellt: Warum die Teilnahme? Was verspricht man sich davon?

Diese Folien dürfen in keinem Pitch Deck fehlen. Manche Investoren erwarten auch noch Informationen zur Markteintrittsstrategie, zum Status quo sowie der langfristigen Vision eines Start-ups.

Je nach Relevanz kann das Pitch Deck um diese Folien erweitert oder die wichtigsten Infos in die vorhandenen Seiten des Pitch Decks eingearbeitet werden.

Gründerwettbewerbe
Gruenderwettbewerbe
Die besten Wettbewerbe

Gründerwettbewerbe bieten Zugang zu Knowhow, Fortbildungen, Coaches, Geld und medialer Aufmerksamkeit.

Mehr erfahren
Gründerwettbewerbsdatenbank
Wettbewerbs-Datenbank

Deutschlands größte Datenbank zu Gründerwettbewerben. Damit Sie keinen Wettbewerb verpassen!

Zur Datenbank

  | Beispiel: Das Pitch Deck von AirBnB

Das Pitch Deck von Airbnb wird meistens als perfektes Paradebeispiel vorgestellt:  Es ist klar, emotional, reduziert und schafft auf den ersten Blick Vertrauen in das Geschäftsmodell.

Wir gehen die wichtigsten Folien nacheinander durch.

 

Deckblatt

AirBnB Pitch Deck Deckblatt: Zimmer bei Ortsansässigen statt bei Hotels buchen.
Klares Statement, klare Positionierung: AirBnB erklärt mit einem Satz, worum es geht – ohne Fachchinesisch.

Das Deckblatt des AirBnB Pitch Decks überzeugt durch klare Gestaltung und starke Botschaft. Logo, Produktname und der prägnante Satz "Book rooms with locals rather than hotels" (Deutsch: "Zimmer bei Ortsansässigen statt bei Hotels buchen") vermitteln auf einen Blick, worum es geht.

Das authentische Hintergrundbild unterstreicht die Idee der persönlichen Unterkunft und erzeugt sofort ein Gefühl für das Produkt. Insgesamt wirkt die Folie modern, professionell und reduziert.

Problem

AirBnB Pitch Deck, Problem: Preise sind wichtig für Reisende. Hotels ermöglichen kein authentisches Erlebnis. Es gibt keinen einfachen Weg, bei Ortsansässigen zu buchen oder als Ortsansässiger Gastgeber zu werden.
Die Folie zur Problemstellung aus dem Pitch Deck von AirBnB: Es gibt keinen einfachen Weg, als Urlauber bei Ortsansässigen zu buchen oder selber Gastgeber zu werden.

Die Problemfolie im AirBnB Pitch Deck ist ein gutes Beispiel für eine klare, investorenorientierte Darstellung. In drei kurzen Aussagen benennt sie nachvollziehbare Schwächen im bestehenden Markt:

  • hohe Preise,
  • unpersönliche Hotelerlebnisse und
  • fehlende Alternativen.

Visuell wird das Problem durch ein Bild mit abgelebtem "HOTEL"-Schriftzug symbolisch verstärkt. Die Folie verzichtet auf lange Erklärungen und arbeitet stattdessen mit präziser Sprache und guter Textstruktur.

Problemlösung

Folie zur Problemlösung aus dem Pitch Deck von AirBnB: Eine Internet-Plattform, auf der Ortsansässige ihren Wohnraum an Reisende vermieten können.
Die Folie zur Problemlösung aus dem Pitch Deck von AirBnB: Eine Internet-Plattform, auf der Ortsansässige ihren Wohnraum an Reisende vermieten können.

Die Lösungsfolie bringt AirBnBs Mehrwert klar auf den Punkt: Die Plattform schafft einen einfachen Weg, private Unterkünfte zu vermieten oder zu buchen.

Die Vorteile für Reisende und Gastgeber werden mit drei eingängige Icons visualisiert:

  1. Geld sparen,
  2. Geld verdienen und
  3. kulturellen Austausch ermöglichen.

Die grafische Aufbereitung ist übersichtlich und emotional zugleich. Hintergrundbild, Farbwahl und Icons schaffen einen positiven Eindruck und machen die Lösung sofort greifbar.

Markt

Die Folie zum Markt aus dem Pitch Deck von AirBnB: Zahlen vom US-amerikanischem und internationalem Tourismus-Verband.
Die Folie zum Markt aus dem Pitch Deck von AirBnB: Auf Grundlage von zuverlässigen Daten wird das Marktpotenzial nachvollziehbar dargelegt.

Marktzahlen überzeugen, sofern sie klar gestuft und glaubwürdig sind. AirBnB zeigt, wie man das Marktpotenzial auf einer einzigen Folie verständlich darstellt: vom Gesamtmarkt (TAM) über den adressierbaren Teil (SAM) bis hin zum aktuellen Marktanteil (SOM) von AirBnB.

Durch die visuelle Gewichtung der Zahlen mit großer, roter Typografie entsteht sofort Aufmerksamkeit. Gleichzeitig bleibt die Folie aufgeräumt und verständlich. Quellenangaben am unteren Rand erhöhen die Glaubwürdigkeit gegenüber Investoren.

Alleinstellungsmerkmal

Folie zum Alleinstellungsmerkmal aus dem Airbnb Pitch Deck: Nutzerfreundlichkeit, Markenstärke, Monetarisierungsmöglichkeiten und ein klarer First-Mover-Vorteil.
Folie zum Alleinstellungsmerkmal aus dem Airbnb Pitch Deck: Nutzerfreundlichkeit, Markenstärke, Monetarisierungsmöglichkeiten und ein klarer First-Mover-Vorteil.

Diese Folie hebt die Wettbewerbsvorteile von AirBnB präzise und visuell ansprechend hervor. Sechs kompakte Punkte zeigen, was AirBnB von anderen Plattformen unterscheidet: darunter Nutzerfreundlichkeit, Markenstärke, Monetarisierungsmöglichkeiten und ein klarer First-Mover-Vorteil.

Die sechs Symbole funktionieren wie Markenanker: Sie bleiben visuell haften und erleichtern es, die Argumente emotional abzuspeichern.

Geschäftsmodell

Folie zum Geschäftsmodell aus dem AirBnB Pitch Deck: 10 Prozent Provision bei jeder Transaktion.
Das Geschäftsmodell von AirBnB: 10 Prozent Provision auf jede Transaktion, die über die Plattform abgeschlossen wird.

Wie verdient AirBnB Geld? Ganz einfach: 10 % pro Buchung. Diese Klarheit überzeugt auch ohne viele Worte.

Unterstützt wird das Modell durch konkrete Zahlen zu Marktanteil, durchschnittlichem Buchungswert und prognostiziertem Umsatz.

Proof of Concept

Folie zum Proof of Concept aus dem Pitch Deck von AirBnB: Die Zitate sprechen verschiedene Aspekte wie einfache Nutzung, Einnahmemöglichkeiten und das persönliche Erlebnis an.
Folie zum Proof of Concept aus dem Pitch Deck von AirBnB: Die Zitate sprechen verschiedene Aspekte wie einfache Nutzung, Einnahmemöglichkeiten und das persönliche Erlebnis an.

Diese Folie nutzt echte Nutzerstimmen, um Vertrauen aufzubauen und den emotionalen Mehrwert des Produkts zu unterstreichen. Die Zitate sprechen verschiedene Aspekte wie einfache Nutzung, Einnahmemöglichkeiten und das persönliche Erlebnis an.

Fotos und Herkunft der Personen verleihen den Aussagen Authentizität. Dadurch wirkt die Folie glaubwürdig und schafft Nähe.

Call to Action

Die Folie zum Call to Action aus dem Pitch Deck von AirBnB: 12 Monate sollen finanziert werden, um insgesamt 80.000 getätigte Transaktionen auf der Plattform zu erreichen.
Die Folie zum Call to Action aus dem Pitch Deck von AirBnB: 12 Monate sollen finanziert werden, um insgesamt 80.000 getätigte Transaktionen auf der Plattform zu erreichen.

Investoren wollen verstehen, was mit ihrem Geld passieren soll. Diese Folie beantwortet das mit drei Kernzahlen

  1. Investmentbedarf,
  2. Zielvolumen und
  3. erwarteter Umsatz.

Die visuelle Gestaltung mit drei gleich großen Kreisen ist übersichtlich und signalisiert Struktur. So bekommen Investoren eine nachvollziehbare Grundlage für die Entscheidungsfindung.

  | Pitch Deck erstellen: Typische Fehler und Tipps

Die richtige Struktur ist die Erfolgsgrundlage für ein Pitch Deck. Allerdings können unerfahrenen Gründern trotzdem noch gravierende Fehler im Pitch Deck passieren.

Wir haben die wichtigsten zusammengetragen:

  • Zu kleine Schrift, zu viel Text: Die Schriftgröße 28 wirkt groß, ist für Text aber empfehlenswert. So gerät man schon nicht in Versuchung, zu viel Text auf eine Folie zu packen. Der Leser sollte nämlich innerhalb weniger Sekunden den Inhalt einer Folie aufnehmen können. Dies ist bei zu vielen und zu langen Erläuterungen und Aufzählungen nicht möglich. Im Idealfall befinden sich auf jeder Folie maximal drei Punkte.
  • Schlechtes Foliendesign: Das Design muss kein Kunstwerk sein. Schriftgröße und -farbe sowie Abstände zueinander sollten allerdings einheitlich dargestellt werden. Eine individuell von einem Profi erstellte Präsentation ist trotz alledem deutlich beeindruckender als ein Standarddesign.
  • Fehlende Corporate Identity: Das Logo sollte auf jedem Slide integriert werden. Auch die Farben, Schriftarten und Designs sollten sich an der Corporate Identity orientieren, sonst bleibt das Unternehmen nicht im Gedächtnis. Die große Ausnahme stellt die Folie mit der Darstellung des Problems dar: hier empfehlen Experten, das Logo auf keinen Fall zu integrieren und andere Farben zu verwenden, um das Produkt nicht unterbewusst mit dem Problem zu verknüpfen.
  • Animationen und Übergänge: Bewegbilder in Präsentationen waren zu Beginn der Jahrtausendwende angesagt. Heute sind Animationen nur noch nervig und sollten in keinem Pitch Deck für Investoren verwendet werden.
  • Keine KPIs: Das Publikum möchte wissen, in was es investieren soll. Deshalb sollte das Pitch Deck alle KPIs enthalten, die für Investoren relevant sind.
  • Rechtschreib- oder Grammatikfehler: Wer in einer so wichtigen Präsentation schludert, der macht dies womöglich auch im Geschäftsalltag. Davon wird zumindest der ein oder andere Investor ausgehen.
  • Fehlender Call to Action: Was soll mit dem Pitch Deck erreicht werden? Viele Start-ups vergessen den CTA komplett oder trauen sich nicht, diesen ins Pitch Deck zu integrieren. Hier hilft eine große Prise Mut, denn Investoren wollen klare Ansagen.

Pitch Deck mit KISS und MOM testen

Ein einfacher Tipp, um das Pitch Deck zu optimieren, ist die Verwendung von KISS und MOM.

KISS steht für "Keep It Short and Simple": Maximal 10 Slides. Klare Sprache. Keine Fachbegriffe.

Das Publikum soll das Produkt oder den Service problemlos verstehen. Das schafft man am einfachsten, indem man das Produkt bzw. einen Prototyp zeigt.

Eine weitere Möglichkeit sicherzustellen, dass der Pitch nicht zu kompliziert ist: der MOM-Test. Dabei wird die Idee den eigenen Eltern oder Großeltern gepitcht.

Klingt absurd, aber an den Reaktionen lässt sich gut erkennen, ob das Pitch Deck zu kompliziert ist: Wenn sie Rückfragen stellen, falsche Schlüsse ziehen oder gar nichts verstehen, ist der Pitch zu komplex.

  | Vorlagen, Muster und Tools

Ein überzeugendes Pitch Deck lebt nicht nur von seinen Inhalten, sondern auch von einer klaren, professionellen Gestaltung. Wer auf Vorlagen oder Tools zurückgreifen möchte, findet mittlerweile eine Vielzahl an Lösungen.

Zur Auswahl stehen kostenlose Designplattform, gratis Vorlagen sowie kostenpflichtige, spezialisierte Services für Start-ups.

Im Folgenden stellen wir einige dieser Angebote. Außerdem klären wir darüber auf, worauf bei der Auswahl und Nutzung dieser Lösungen zu achten ist.

Kostenlose Powerpoint-Templates

Im Internet finden sich zahlreiche gratis Templates und Vorlagen. PowerPoint Pitch Decks werden aber kaum noch verwendet, da spezielle Tools deutlich bessere Funktionalitäten bieten.

Auf keinen Fall sollten Start-ups kostenlose Vorlagen und Muster unverändert nutzen. Ein Pitch Deck muss unbedingt auf die Corporate Identity des Unternehmens angepasst werden.

Fertige Templates können Fehler enthalten und sollten unbedingt geprüft werden. Wer trotzdem eine PowerPoint-Vorlage verwenden möchte, kann unsere kostenlose Pitch-Deck-Vorlage herunterladen.

Pitch-Deck-Vorlage herunterladen

Pitch-Deck-Tools im Vergleich

Pitch Deck Tools unter der Lupe
Es gibt zahlreiche kostenlose und -pflichtige Pitch Deck Tools für Start-ups.

Kostenlose Präsentationssoftware

Tool Vorteile Nachteile Geeignet für
Apple Keynote
  • Kompatibilität mit Apple-Geräten
  • Zusammenarbeit im Team möglich
  • Nur auf Apple-Geräten verfügbar

Nutzer im Apple-Ökosystem

Canva
  • Inutitive Bedienung dank Drag&Drop
  • Hochwertige Stock-Datenbank
  • Einige Elemente kostenpflichtig

Nutzer mit wenig Design-Erfahrung

Google Slides
  • Zahlreiche Vorlagen
  • Echtzeit-Zusammenarbeit möglich
  • Eingeschränkte Layoutoptionen

Teams, die online kollaborieren wollen

Microsoft PowerPoint
  • Große Vorlagen-Auswahl
  • Hohe Kompatibilität mit Office-Anwendungen
  • Standarddesigns wirken schnell generisch

Unternehmer mit Design-Ressourcen, die die Office-Umgebung nutzen

Peetch
  • Elegante, schlichte Vorlagen
  • Fokus auf Pitch Decks
  • Wenige Nutzererfahrungen
  • Einschränkungen bei der Kollaboration

Gründer und Start-ups mit Anspruch auf stilvolle Gestaltung und Pitch-Fokus

Kostenpflichtige Pitch-Deck-Software

Anbieter Features Kosten Geeignet für
Envato Elements
  • Pitch Deck Vorlagen
  • Kategorien wie Keynote, Business, Professional Marketing etc.
  • Über 50 Millionen Stock Fotos
  • jederzeit kündbar
  • Basis-Account: 14,50 € im Monat
Unternehmer oder Gründer mit Design-Know-how
Haiku Deck
  • Einfache, fokussierte, ansprechende Vorlagen
  • Add-in für PowerPoint verfügbar
  • Reichhaltige Bilddatenbank
  • Pro: ab 9,99 $ im Monat
  • Premium: ab 29,99 $ im Monat
Selbstständige und Start-ups, die ein fokussiertes, reduziertes Design bevorzugen
Prezi
  • Pitch Deck direkt Investoren präsentieren
  •  PowerPoint-to-Prezi-Konvertierer
  • Schnittstellen zu Video-Tools
  • Basis-Account: kostenlos
  • Standard: 5 € im Monat
  • Plus: 15 € im Monat
  • Premium: 25 € im Monat
Gründer und kleine Teams, die ihr Pitch Deck dynamisch und direkt präsentieren möchten
Slidebean
  • Beispiele von echten Start-ups
  • individuelle telefonische Beratung buchbar
  • Starter: ab 7 $ im Monat
  • Accelerate: ab 42 $ im Monat
Start-up-Gründer mit wenig Zeit, aber hohem Anspruch an Struktur und Unterstützung
XTensio
  • Vorlagen für Business Development, Fundraising, Investor Relations
  • Interaktive Beispiele für die Modifikation
  • Auch für Social Media Marketing und
    Produktmanagement nutzbar
  • Basis-Account: kostenlos
  • Plus: ab 10 $ im Monat
  • Business: ab 40 $ im Monat
  • Agency: ab 80 $ im Monat
Selbstständige, Agenturen oder Start-ups mit komplexen Kommunikationsbedarfen
Pitch
  • Live-Kommentar-Funktion
  • Für Teams geeignet
  • Basis-Account: kostenlos
  • Pro: ab 17 € im Mona
  • Business: ab 68 € im Monat
Gründerteams oder Start-ups, die kollaborativ arbeiten, Feedback direkt einbinden und moderne Präsentationen gemeinsam entwickeln möchten
Genially
  • Interaktive Inhalte möglich
  • Storytelling-Tools integriert
  • Stark auf Lehrkräfte fokussiert
  • Basis-Account: kostenlos
  • Pro: 10 € im Monat
  • Master: ab 20 € im Monat
Unternehmer oder Coaches, die interaktive Inhalte und Storytelling benötigen

Pitch Deck erstellen lassen

Keine Zeit oder Lust, ein Pitch Deck selbst zu bauen? Kein Problem. Diese Profis bieten Beratung, professionelle Erstellung oder auch Kontrolle und/oder Anpassung von Slides an:

Anbieter Angebot
Pitch Guru

Starter (ab 100 Folien): 34,95 € pro Folie
Basic (ab 250 Folien): 32,95 € pro Folie
Professional (ab 500 Folien): 29,95 € pro Folie
Business (ab 1500 Folien): 27,95 € pro Folie

Slidebean

Pitch Deck Design: ab 799 $ für bis zu 20 Folien

UnicornPitch

Basic Design: ab 29 € pro Folie
Advanced Design: ab 49 € pro Folie
Exclusive Design: ab 69 € pro Folie

Tipp

Wir haben Ihnen weitere Dos and Don'ts für einen erfolgreichen Pitch zusammengestellt.

Elevator Pitch: so gehts

  | Wie nutzt man das Pitch Deck?

Ist das Pitch Deck fertig, geht es an die Investorensuche. Dabei kann es helfen, wenn das Start-up bereits Networking betrieben hat. 

Das Pitch Deck wird im ersten Schritt digital (als PDF) an einen Investor versandt. Erst nach positiver Rückmeldung wird ein Termin zum eigentlichen Pitch vereinbart.

Wer keinen Kontakt zu Investoren hat, kann über Pitching Events Business Angels oder VCs gewinnen. Wir haben eine Übersicht über die besten Pitching Events erstellt.

Pitching Events finden

  | Häufige Fragen zum Pitch Deck

Warum ist ein Pitch Deck für Investoren so wichtig?

Kapitalgeber haben die Qual der Wahl und müssen eine fundierte Entscheidung treffen können, welches Start-up am erfolgversprechendsten ist und dementsprechend die Finanzierung erhalten soll. Kapitalgeber bekommen teilweise über 100 Anfragen monatlich, welche wiederum mit einer gewissen Sorgfalt überprüft werden müssen. Einsendungen in Form eines Businessplans sind selten hilfreich, da die Zeit zur vollständigen Durchsicht meist fehlt.

Was sind No-Gos im Pitch Deck?

No-Gos im Pitch Deck sind überladene Folien, unrealistische Prognosen, fehlende Wettbewerbseinordnung, Fachjargon ohne Erklärung, unklare Finanzzahlen und der Satz "Wir haben keinen Wettbewerb". Mehr dazu im Abschnitt "Typische Fehler und Tipps".

Wie läuft ein Pitch ab?

Ein Pitch läuft meist als kurze Präsentation ab, in der Gründer ihre Geschäftsidee vor Investoren oder Entscheidern vorstellen. Ziel ist es, Interesse bei den Investoren zu wecken.

Wie lange dauert ein Pitch?

Ein Pitch dauert meist 5 bis 10 Minuten, gefolgt von einer Fragerunde.

Wie fängt man einen Pitch an?

Ein Pitch beginnt idealerweise mit einer starken Einstiegsaussage – etwa einer provokanten Frage, einer eindrücklichen Zahl oder einem klar formulierten Problem. So wird sofort Aufmerksamkeit erzeugt und der Kontext für die Lösung geschaffen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Pitch und einem Pitch Deck?

Der Begriff Pitch bezeichnet die Präsentation (mit oder ohne Pitch Deck), während das Pitch Deck nur die Folien bezeichnet, die zur Unterstützung herangezogen werden.

Braucht man beim Elevator Pitch immer ein Pitch Deck?

Nein, besonders bei sehr komprimierten Events, bei denen jedem Start-up nur eine Minute zur Verfügung steht, kann man auf ein Pitch Deck verzichten. Bei Pitches mit einem etwas größeren Zeitrahmen werden Pitch Decks allerdings gerne genutzt.

Was interessiert Investoren oder Banken am meisten im Pitch Deck?

Investoren und Banken interessiert vor allem, ob das Geschäftsmodell tragfähig ist. Besonders wichtig sind Problem und Lösung, Marktpotenzial, Umsatzmodell, Wettbewerbsvorteil, Team und Finanzbedarf.

Wie unterscheidet sich ein Pitch Deck für Investoren von einem für Kunden oder Geschäftspartner?

Ein Pitch Deck für Investoren fokussiert auf Skalierbarkeit, Marktpotenzial, Geschäftsmodell und Finanzbedarf. Für Kunden oder Geschäftspartner stehen dagegen Produktnutzen, konkrete Anwendungsfälle und Mehrwert im Vordergrund. Ziel und Tonalität unterscheiden sich entsprechend.

  | Unser Fazit

Ein gutes Pitch Deck bringt Geschäftsideen klar, kompakt und überzeugend auf den Punkt. Es weckt Interesse, zeigt das Marktpotenzial und liefert Investoren die Basis für eine schnelle Bewertung. Struktur, Story, Design und ein klarer Call to Action sind entscheidend.

Tools und Vorlagen können helfen, doch überzeugend wird ein Pitch erst durch eine eigene Story. Wer typische Fehler vermeidet und sich auf das Wesentliche konzentriert, erhöht die Chancen auf eine Finanzierung.

Jetzt Pitch-Deck-Vorlage sichern
War der Artikel hilfreich?

Als Gründer, Selbstständiger oder Unternehmer weißt du, wie wichtig passgenaue Inhalte sind. Hilf uns, diese auch in Zukunft zu liefern, indem du uns bewertest.

Autor: Daniel Sorge
Experte Rechtsformen
Daniel Sorge, SEO-Redakteur und verantwortlich für Rechtsformen auf für-gründer.de

Daniel Sorge hat sich bereits als Werkstudent redaktionell mit Finanzthemen auseinandergesetzt. Als SEO-Redakteur ist er bei Für Gründer einerseits dafür verantwortlich, dass möglichst viele Gründungsinteressierte die kostenlosen Inhalte über Google erreichen. Andererseits verfasst er auch selbst Beiträge: rund um das Thema Rechtsformen.