Accelerator Förderprogramme für IKT-basierte Start-ups

Primär sind die Unternehmen, die als Accelerator auftreten, auf die Unterstützung von Start-ups mit IKT-Schwerpunkt bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee ausgerichtet. Accelerator Angebote gibt es aber auch für Start-ups aus der Medizin-, Bio- oder Cleantechnik.

Oftmals wird der Inkubator als synonymer Begriff verwendet, obwohl der Accelerator sich vom Inkubator in wesentlichen Punkten unterscheidet. Welche Accelerator Programme es gibt und was die Besonderheiten eines Accelerators sind, zeigen wir für Start-ups nachfolgend auf.

Was bedeutet Accelerator im Kontext der Existenzgründung?

Accelerator kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Beschleuniger, auf Deutsch: Akzelerator. Der Begriff Accelerator wurde in der Volkswirtschaftslehre als Multiplikationsfaktor für die Veränderung der Konsum- und Investitionsnachfrage in den wirtschaftswissenschaftlichen Sprachgebrauch eingeführt. Die Gründerwelt gebraucht den Begriff Accelerator als Bezeichnung für ein zeitlich begrenztes Förderprogramm, welches jungen Start-ups Zugang zur notwendigen Infrastruktur für den Aufbau eines Unternehmens bietet.

Ein Accelerator Programm kann von Universitäten, Inkubatoren, Venture Capital- oder Industrieunternehmen sowie von staatlichen Förderstellen angeboten werden. Wesentlicher Bestandteil der Accelerator Infrastruktur ist das Coaching durch einen Mentor. Darüber hinaus spielt der Zugang zu finanziellen Ressourcen, wie das Netzwerk zu Kunden und Know-how durch bereits erfolgreiche Unternehmer, eine entscheidende Rolle für einen Accelerator.

Ein privater Accelerator fordert oftmals Geschäftsanteile als Gegenleistung für die Unterstützung der Start-ups, ähnlich wie bei einer Media for Equity Finanzierung.

TIPP

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Accelerator Förderprogramme

Es gibt weit mehr als 250 Accelerator Programme, die unterschiedliche Ansätze haben. Deutschland hat in Bezug auf das Accelerator Angebot in den letzten Jahren extrem Fahrt aufgenommen. Die angelegte Zeitspanne für ein Accelerator Förderprogramm liegt bei einigen Monaten. Wobei es auch Accelerator Programme gibt, die zwischen wenigen Tagen, Wochen und auch bis zu zwei Jahren reichen.

Ein Accelerator fokussiert sich auf Existenzgründungen in der Early-Stage-Phase. Bei den kurzlaufenden Accelerator Programmen verbringen die Gründer die vereinbarte Zeit in den Büroräumen der Accelerator Organisatoren. Am Ende eines Accelerator Programms wird der sogenannte Demo Day veranstaltet. An diesem Tag präsentieren sich die Start-ups der Investorengemeinschaft. Dazu gehören beispielsweise Venture Capital-Geber, Business Angels oder auch Inkubatoren.

Mittlerweile bietet fast jedes internetaffine Unternehmen ein Accelerator Programm an. Dabei fokussieren sich nationale, beispielsweise die Deutsche Telekom, aber auch internationale Unternehmen, wie Microsoft, primär auf Berlin. Die Bundeshauptstadt ist also auch die deutsche Accelerator Hauptstadt.

Internationale Accelerator Programme

Die ersten Accelerator Programme stammen aus den USA. Im Jahre 2005 startete Paul Graham, Gründer von Viaweb, das 1998 für rund 50 Millionen Dollar an Yahoo verkauft wurde, den Y Combinator und „entdeckte" Airbnb und Dropbox.

Ein Jahr später folgte die Gründung der Accelerator TechStars und kurz drauf Seedcamp. 2015 gab es weltweit mehr als 250 Accelerator Programme. Schätzungen zufolge durchliefen bereits über 5.000 Start-ups einen Accelerator. In Europa sind Seedcamp aus London und Startupbootcamp mit den Standorten Kopenhagen, Amsterdam, Dublin und Berlin als Accelerator gestartet.

Mittlerweile gibt es Accelerator Programme quer durch Europa. Hier finden Sie eine kleine Auswahl der bekanntesten Accelerator Programme außerhalb Deutschlands mit Angaben zur Programmdauer:

  • Oxygen Accelerator aus Birmingham, Großbritannien: 13 Wochen
  • H-Farm ein Inkubator aus Venedig, Italien mit Accelerator: 4 Monate
  • Rockstart Accelerator aus den Niederlanden, Amsterdam: 5 Monate
  • NextStars aus Paris, Frankreich: 4 Monate
  • Idealabs aus Antwerpen in Belgien: 4 Monate
  • Eleven Accelerator aus Sofia in Bulgarien: 3 Monate
  • Wayra UK mit einem Ableger in London, Großbritannien: 12 Monate
  • Openfund aus Griechenland, Athen: 4 Monate
  • StartupHigway Accelerator aus Vilnus in Litauen: 13 Wochen
  • HardGama Rebels aus Polen, Warschau: 3 Monate

Einige der genannten Accelerator Programme sind auch in Deutschland aktiv. So hat beispielsweise Wayra, ein Accelerator der spanischen Telefongesellschaft Telefonica, auch eine Dependenz in München. Wayra hat mit dem Accelerator Programm in Südamerika und Spanien begonnen, bevor sie nach London, Dublin, Prag und München kamen.

Die Europäische Kommission unterstützt im Zuge der Startup Europe Partnership Initiative eine Plattform zur Vernetzung der Accelerator Szene: Accelerator Assembly. Zu den Partnern aus der Wirtschaft von Accelerator Assembly zählen beispielsweise Seedcamp, Start-up Weekend, Seed-DB, Nesta und Bethnal Green Ventures sowie TechStars aus London und Microsoft.

In Deutschland aktive Accelerator Programme

Im November 2013 eröffnete Microsoft seinen Venture Accelerator in Berlin. Mit einer großangelegten Offensive möchte Microsoft die deutsche Accelerator Szene aufmischen. Dabei wird der Microsoft Accelerator vom High-Tech Gründerfonds, der vom Bund initiierte Venture Capital-Fonds, unterstützt.

Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein weltweit erfolgreiches Unternehmen ein Accelerator Programm startet. Selbst der öffentliche Sektor unterstützt zunehmend den Accelerator Sektor. Vorne weg unterstützt das BMWi gemeinsam mit mehreren Sponsoren aus der Wirtschaft das German Silicon Valley Accelerator Programm, kurz GSVA.

Aber auch in der Wissenschaft bilden sich immer mehr Förderprogramme, um jungen Existenzgründer bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee zur Seite zu stehen. So entwickelte beispielsweise die Leuphana Universität Lüneburg im Rahmen ihres Inkubators ein eigenes Business Accelerator Programm.

Auf der privatwirtschaftlichen Ebene sind der ProSiebenSat.1 Accelerator, das
Accelerator Programm vom Inkubator YOU IS NOW, ein Unternehmen der Immobilien Scout GmbH und der Axel Springer Plug&Play Accelerator, sowie hub:raum von der Deutschen Telekom besonders aktiv. Ferner sind noch das Startupbootcamp Berlin, unterstützt von u.a. Daimler und der Deutschen Bahn, und das Accelerator-Programm upCAT des Karlsruher Instituts für Technologie zu nennen.

Accelerator aus Sicht der Organisatoren

Mit einem Accelerator treffen etablierte Unternehmen auf junge Talente. Damit erschaffen sich die Unternehmen eine Plattform für die zukünftige Rekrutierung gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeiter. Darüber hinaus bringen die jungen Talente auch noch innovative Geschäftsideen in den Accelerator mit ein. Und wenn sich ein Gründer nicht in das Unternehmen einbinden lässt, haben die Initiatoren immer noch eine Beteiligung durch ihren Accelerator an dem zukünftigen Unternehmen.

Allerdings bieten viele Accelerator Programme noch nicht einmal eine Finanzierung an, sondern beteiligen sich kostengünstig lediglich durch die Bereitstellung der Infrastruktur und das Know-how an der Geschäftsidee. Dies ist ein attraktives Beteiligungsmodell aus der Perspektive eines Accelerator Unternehmens.

Accelerator: Aspekte aus Sicht der Start-ups

Gerade für junge, unerfahrene Existenzgründer ist es eine echte Chance, gemeinsam mit erfahrenen Entrepreneurs ihre Geschäftsideen umsetzen und weiterentwickeln zu können. Auch die im Accelerator Programm enthaltenen Netzwerk-Veranstaltungen sowie die zahlreichen Kontakte zu den erfolgreichen Mentoren sind ein unbezahlbares Asset.

Zu guter Letzt sind auch der Zugang zum Investorennetzwerk, wie zu Venture Capitalists und Business Angels, zu erwähnen. Genauso wie der durch die Aufnahme in ein Accelerator Förderprogramm erhaltene Reputationsgewinn, der für PR-Zwecke eine entscheidende Rolle spielen kann.

TIPP

Regelmäßige Hinweise zu den unterschiedlichen Accelerator Programmen finden Sie im Veranstaltungskalender von Für-Gründer.de.

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