So funktioniert Scrum



Scrum ist ein Modell, das aus der Software-Entwicklung stammt, sich aber längst auch im allgemeinen Projektmanagement bewährt. Wir stellen die erfolgreiche Methode vor.


Scrum im Überblick


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Projektmanagement nach Plan: Das Scrum Framework ermöglicht strukturiertes, agiles und effektives Arbeiten. (Foto: Unsplash)

Was ist Scrum?

Scrum ist ein Framework, das für die teambasierte Software-Entwicklung entworfen wurde. Dieses Framework lässt sich aber auch in das moderne Projektmanagement übertragen, was zahlreiche Unternehmen weltweit bereits tun. Die zentrale Eigenschaft von Scrum ist die agile, schlanke Projektentwicklung, auch als Lean Development bezeichnet.

Als Erfinder von Scrum gelten die beiden US-amerikanischen Entwickler Jeff Sutherland und Ken Schwaber. Mitte der 1990er-Jahre standen Sutherland und Schwaber wie weitere zahlreiche IT-Kollegen vor dem Problem, dass nur ein Bruchteil der umzusetzenden Software-Lösungen ohne Mängel entwickelt wurden.

Die Prozesse dorthin waren langwierig und teuer, was den steigenden Anforderungen des Marktes nach leistungsstarken Lösungen zuwiderlief. Daher musste eine effiziente, flexibel anpassbare Arbeitsmethodik her: Scrum.

Die Scrum-Methode vorgestellt

Scrum läuft nach einer fest vorgegebenen Reihenfolge ab. Die einzelnen Abschnitte werden auch als Scrum-Events oder -Rituale bezeichnet. Beschreibungen zu den einzelnen Scrum-Rollen finden sich weiter unten.

Sprint Planning

Der Product Owner organisiert das Sprint Planning Meeting, in welchem das Team zusammenkommt. Mit dabei ist auch der Scrum Master, der als Moderator darauf achtet, dass die Methode von Scrum im Ablauf eingehalten wird.

Stakeholder können beim Sprint Planning ebenfalls anwesend sein. Im besten Fall halten sie sich jedoch im Hintergrund und beobachten den Prozess, ohne allzu aktiv einzugreifen. Damit dies gelingt, sollte sich der Product Owner mit den Stakeholdern noch vor dem Sprint Planning austauschen.

Daily Scrum

Das Daily Scrum findet – wie der Name schon sagt – täglich statt, im Idealfall stets zur gleichen Uhrzeit und am gleichen Ort, der auch virtuell bei Videokonferenzen sein kann. Hintergrund ist, dass das Team nicht durch Abstimmungen über Termine und Treffpunkte zusätzlich abgelenkt wird. Ziel ist es daher, eine Komplexität zu reduzieren.

Das 15-minütige Daily-Scrum dient dazu, sich untereinander über den Zwischenstand der Arbeit auszutauschen, was man im Scrum auch als Synchronisieren bezeichnet. Wenn es Hürden oder Probleme beim Erreichen des Sprintziels gibt, werden diese in den Daily Scrums früh erkannt, sodass im Team flexibel und agil gegengesteuert werden kann.

In einem Daily Scrum sollte auch ein gemeinsames Tagesziel festgelegt werden, auf das sich das Team festlegen kann.

Sprint

Beim Sprint handelt es sich um Zeiteinheiten von bis zu 30 Kalendertagen, in denen das Team konsequent an Sprintzielen arbeitet. Während des Sprints dürfen dem Team keine neuen Aufgaben zugeteilt werden, auch auf weitere Meetings bis auf das Daily Scrum wird verzichtet. Die Ergebnisse eines Sprints wie etwa eine grundsätzliche nutzbare Software werden als Inkremente bezeichnet.

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Der Sprint ist das zentrale Element im Scrum und zeichnet sich durch iteratives und inkrementelles Arbeiten aus: In Sprints werden Inkremente erstellt und durch weitere Sprints zu neuen Inkrementen optimiert. (Grafik: Für-Gründer.de)

Nach jedem Sprint folgt das Sprint Review Meeting.

Sprint Review

In der Sprint Review schaut das Team gemeinsam auf die Ergebnisse des vorausgegangenen Sprints: Wurde das Sprintziel erreicht? Weiterhin wird geprüft, welche Sprint Backlog Items fertig geworden sind. Während der Sprint Review sind üblicherweise auch die Stakeholder anwesend. Die Review kann bis zu 4 Stunden dauern, wenn beispielsweise ein 30-tägiger Sprint ausgewertet wird, die Ergebnisse kürzerer Sprints werden entsprechend auch in kürzeren Sprint Reviews analysiert.

Sprint Retrospective

Die Sprint Retrospective findet nach einer Sprint Review und vor dem nächsten Sprint Planning statt. Sie ist eine Gelegenheit für das Team, die eigenen Arbeitsmethoden zu analysieren und Optimierungspotenziale zu finden. Wichtig ist hierbei, dass diese wechselseitige Kommunikation kollegial und wertschätzend geschieht.

In der Sprint Retrospective geht es natürlich darum, Verbesserungsmöglichkeiten zu finden und in den nächsten Sprint zu implementieren. Genauso bedeutsam für eine gelungene Teamführung ist es aber, das Teamgefühl zu stärken und entsprechende Erfolge im Sprint zu benennen, um sie zu würdigen.

Scrum-Artefakte

Artefakte sind Dokumente, um die Arbeitsergebnisse im Scrum überwachen und Prozesse steuern zu können.

Product Backlog

Im Product Backlog sind alle Anforderungen an ein Projekt enthalten. Der Product Owner trägt all diese Anforderungen, die Product Backlog Items genannt werden, im Product Backlog zusammen und priorisiert sie nach Dringlichkeit. So befinden sich bei der Entwicklung von Software im Product Backlog auch Fehler wie Bugs, die vom Entwicklerteam zu korrigieren sind. Deshalb ist ein Product Backlog auch nie statisch, sondern wird kontinuierlich vom Product Owner gepflegt. Das Product Backlog sollte für das Team einsehbar sein.

Sprint Backlog

Anders als der Product Backlog konzentriert sich der Sprint Backlog nicht auf das gesamte Projekt, sondern auf einen einzelnen Sprint. Jedoch ist der Product Backlog auch gleichzeitig das Rückgrat des Sprint Backlogs, da die gesammelten Aufgaben je nach Priorität aus dem Product Backlog in den nächsten Sprint Backlog übernommen werden. Der Product Backlog wird also in einzelne Sprint Backlogs zerlegt, die wiederum in den Sprints systematisch abgearbeitet werden.

Wie beim Product Backlog braucht das Team stets Einsicht in die Sprint Backlogs, um die anstehenden Aufgaben im Blick zu behalten. Die Erledigung der Aufgaben erfolgt ähnlich wie bei der Kanban-Methode, wie sie mit dem Tool Trello genutzt wird:

  • To do
  • Doing
  • Done

Die Aufgaben werden je nach Status von einer Liste in die nächste verschoben, allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Scrum und Kanban: Im Scrum erfolgt die Erledigung der Aufgaben nach sogenannten Kadenzen, den Sprints. Bei Kanban gibt es keine solchen Zeitvorgaben, allerdings liegt der Schwerpunkt dort natürlich auch auf reibungslosen Arbeitsabläufen.

Gerade weil sich die beiden Methoden so ähnlich sind, können sie auch miteinander kombiniert werden. So eignet sich Trello mit seinen Labels, Checklisten und der Möglichkeit zur Fristsetzung letztlich gut für Scrum.

Produktinkrement

Beim Inkrement handelt es sich um das Ergebnis eines Sprints, also eine funktionsfähige Software, eine Website oder ein Minimum Viable Product.

Rollen im Scrum-Team

Neben den Events und Artefakten sind die folgenden drei Rollen fester Bestandteil im Scrum.

Product Owner

Der Product Owner hat eine hohe Verantwortung im Scrum Framework: So kümmert er sich einerseits darum, das Product Backlog vollständig und aktuell zu halten. Hierzu muss er nicht nur die anstehenden Aufgaben eintragen, sondern auch erledigte löschen und die bevorstehenden für weitere Sprints priorisieren.

Weiterhin hat der Product Owner mehrere Kommunikationsaufgaben: Er muss zwischen den Stakeholdern und dem Team vermitteln, um sicherzustellen, dass die Erwartungen an das Projekt klar kommuniziert und erfüllt werden. Darüber hinaus ist er im Bereich Produktentwicklung der interne Ansprechpartner für das Team und sollte sicherstellen, dass alle Kollegen das Projekt und die einzelnen Umsetzungsschritte verstanden haben.

Scrum Master

Effektivität und Agilität sind die zentralen Stichworte des Scrum Masters. So ist er dafür verantwortlich, dass die Verständigung und Zusammenarbeit im Team optimal funktioniert. Dafür muss er sicherstellen, dass es zwischen Product Owner und Team keinerlei Missverständnisse gibt. So ist es einerseits wichtig, dass der Scrum Master die Methode selbst dem Team nahebringt und verständlich macht. Doch auch für die Stakeholder ist er ein Ansprechpartner in dieser Hinsicht.

Eine weitere der zahlreichen Aufgaben eines Scrum Masters lautet, den Product Owner zu unterstützen, etwa bei methodischen Fragen zur Erstellung des Backlogs. Weiterhin schaut ein guter Scrum Master stets nach Möglichkeiten, die Motivation und Effektivität des Teams zu steigern, etwa durch Coachings, in denen er das Verständnis für und den Sinn hinter Scrum anschaulich vermittelt.

(Entwickler-)Team

In diese Gruppe gehören alle Mitarbeiter und Unterstützer, die an der Projektumsetzung beteiligt sind. Das Team setzt sich oftmals interdisziplinär aus Experten der Bereiche Webentwicklung, Vertrieb, Marketing, Design etc. zusammen. Auch externe Berater gehören zum Scrum-Team, wenn sie in den Sprints mitwirken.

  • Erfahrt, was genau in einem Sprint passiert und wo die Vor- wie auch Nachteile dieses Arbeitsablaufs liegen. Lernt auch diese Projektmanagement-Methoden und Experten-Tipps für den agilen Wandel von Start-ups kennen. Schaut auch regelmäßig in unserem Magazin vorbei, um keine spannenden Artikel zu den einzelnen Scrum-Komponenten und weiteren spannenden Themen für smarteres Management zu verpassen!
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