Agiles Arbeiten: Was sind Sprints?



Scrum ist ein beliebtes Framework, um Ziele schnell zu erreichen. In sogenannten Sprints arbeiten Teams auf diese Ziele hin. Wir erklären, wie Sprints funktionieren und was die Vor- sowie Nachteile sind.

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Packen wir es an: Sprints sind festgelegte Zeiteinheiten mit To-dos im Scrum-Framework. (Foto: Unsplash)

Was ist ein Sprint?

Ein Sprint beschreibt eine Zeiteinheit, in der das Team einen zuvor besprochenen Plan zur Erreichung eines Zwischenziels umsetzt. In Scrum-Sprache ausgedrückt geht es darum, Backlog Items in potenziell auslieferbare Inkremente umzuwandeln. Diese speziellen Begriffe der Scrum-Methode werden wir in späteren Artikeln noch genauer beleuchten, vorerst müssen wir uns nur eines merken: Sprints sind zeitlich eindeutig definierte Phasen, in denen das Team auf ein Ziel hinarbeitet.

Merkmale von Sprints

  • Dauern maximal 30 Kalendertage, können aber auch je nach Projekt kürzer ausfallen (Minimum eine Woche), diese sogenannte Timebox legt der Scrum-Master zusammen mit dem Product Owner und dem Development Team fest
  • Das Sprint Planning Meeting ist dem Sprint vorgelagert.
  • Während des Sprints kommen keine neuen Anforderungen oder Anpassungen hinzu, das Team soll nicht gestört werden.
  • Zwischenmeetings sollten ebenfalls vermieden werden, da sie den Arbeitsfluss bremsen – besser ist es, den Sprint vorher gründlich zu planen, damit alle Teammitglieder von Beginn an Klarheit über ihre Aufgaben haben.
  • Eine wichtige Ausnahme bildet jedoch das Daily Stand Up: Hier kommt das Team durchaus jeden Tag zusammen, um den Stand der Dinge zu besprechen, aber nur kurz innerhalb weniger Minuten.
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Der Sprint ist das zentrale Element im Scrum und zeichnet sich durch ungestörte, effektive Arbeit aus. (Grafik: Für-Gründer.de)
  • Stakeholder wie Kunden oder Auftraggeber stehen während des Sprints für Rücksprachen zur Verfügung.
  • Der Product Owner überwacht den Sprint und stoppt diesen, falls er sich erheblich in eine falsche Richtung entwickelt.
  • Auf einen erfolgreich abgeschlossenen Sprint folgt das Sprint Review Meeting, dort wird das geschaffene Ergebnis präsentiert, sei es im eigenen Team oder gegenüber dem Kunden.
  • Anschließend hält das Team das Sprint Retrospective Meeting ab, hier wird mit dem Fokus auf menschlich angenehmes Zusammenarbeiten ausgewertet, was gut lief, was verbessert werden kann und womit es im nächsten Sprint weitergeht.
  • Neue Sprints beginnen unmittelbar nach abgeschlossenen Sprints.

Vorteile von Sprints

Klare Projektplanung: Das Sprint Planning Meeting sorgt dafür, dass jedes Teammitglied weiß, was es zu tun hat und bis wann.

Minimierter Aufwand für Kommunikation: Die klare Projektplanung minimiert den Kommunikationsaufwand deutlich, Nachfragen sind im Vergleich zu klassischen Herangehensweisen wesentlich seltener. Aufkommende Fragen landen bei der Projektleitung bzw. dem Scrum Master, während die anderen Teammitglieder sich auf die Erfüllung ihrer Sprint-Aufgaben konzentrieren.

Frühes Feedback: Durch die kurzen Zeitabschnitte und die sich anschließenden Reviews können früh Kurskorrekturen vorgenommen werden. Die Gefahr, dass Teams monatelang vor sich hinwursteln oder von der Führung unbemerkt in die falsche Richtung arbeiten, wird damit erheblich verringert.

Schnelle Zwischenergebnisse: Der Stichtag ist für jeden Sprint gesetzt, dieser kann dem Kunden kommuniziert werden. So erhält er optional im Abstand von 7 Tagen bzw. 4 Wochen zufriedenstellende Ergebnisse. Dieses zügige Vorankommen stellt auch einen erheblichen Motivationsfaktor dar, denn das Team sieht regelmäßig die Resultate der eigenen Arbeit.

Nachteile von Sprints

Hoher Planungsaufwand: Sprints funktionieren nur dann, wenn ihr vom Ende her denkt: Erst wenn ihr ganz genau wisst, wie das endgültige Projektergebnis aussehen soll, könnt ihr das Projekt in die mit Sprints zu erreichenden Teilschritte zerlegen. Ihr könnt euch das Ganze wie bei einem Schnellboot vorstellen: Die starken PS im Motor nützen nur dann etwas, wenn der Fahrer noch vor dem Losfahren sein Ziel kennt. Sonst geht schnell der Sprit alle und das Boot treibt ziellos auf See umher.

Der Blick für das große Ganze kann verloren gehen: Während des Sprints sollen die Teams sich auf ihre konkreten Aufgaben und das zu erreichende Zwischenziel konzentrieren. Das ist dem Grunde nach gut so, allerdings kann dieser Tunnelblick gefährlich werden, wenn das übergeordnete Ziel untergeht. Damit dies nicht passiert, sollte der Scrum-Master stets die kleinen wie auch großen Ziele im Blick behalten.

Hohe Eigenverantwortung vorausgesetzt: Wer die enge Begleitung durch Führung braucht, wird sich in Sprints schnell verloren vorkommen. Scrum setzt auf eine eigenverantwortliche Arbeitsweise, ähnlich wie bei selbstständigen Dienstleistern, die von einem Kunden beauftragt wurden. Doch nicht jeder Angestellte kann und/oder möchte so arbeiten.

Überforderung: Diese kann sich bei Sprints auf vielen Ebenen einschleichen. Schnell verschätzen sich Teams, die Scrum erstmals begeistert ausprobieren, beim Workload von Sprints. So können nicht nur Mitarbeiter mit zu eng gesteckten Zielen in Sprints überfordert sein, auch einen Product Owner oder den Scrum Master kann es treffen. Deshalb sollten beide nicht mit verschiedenen Projekten, bei denen sie durcheinanderkommen können, überlastet werden.

Sprintgeschwindigkeit und Sprintabbruch

Der Begriff Sprint lässt zwar vermuten, dass es darum geht, besonders schnell ans Ziel zu kommen. Bei der Sprint Velocity, der Geschwindigkeit also, liegt die Absicht aber darin, die Arbeitsmenge eines Teams während eines Sprints zu messen und realistisch einzuschätzen. Um aussagekräftige Einschätzungen treffen zu können, muss ein Team mindestens zwei Sprints absolviert haben.

Keinesfalls sollten die Ergebnisse der Velocity-Messungen dazu benutzt werden, den nachfolgenden Sprint mit zusätzlichen Aufgaben zu überladen, da dies die Wahrscheinlichkeit eines Sprintabbruchs durch Frustration oder Fehler erhöht. Am produktivsten ist ein Sprint daher, wenn das Team die perfekte Balance aus Planungszielen und zu bewältigender Arbeit auf dem Weg dorthin gefunden hat.

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