Due Diligence: Genau hinsehen und prüfen

Zur Planung einer Unternehmensübernahme gehört eine genaue Prüfung der zukünftigen Firma. Ziel ist, den Zustand des Unternehmens zu erfassen. Neben dem Blick in die Bücher gibt es viele weitere Aspekte zu analysieren. Der Standort, das Personal oder auch die Lieferanten sind wichtige Punkte, die es bei der Unternehmensübernahme zu prüfen gilt.

Ziehen Sie bei der Due Diligence Prüfung auch Berater zur Unterstützung heran.

Due Diligence: Lernen Sie das Unternehmen kennen

Wenn Sie die Unternehmensübernahme planen, müssen Sie sich ein umfangreiches Bild von der Situation des Betriebs machen. Damit Sie keine Überraschungen bei der Unternehmensübernahme erleben, sollten Sie bei der Due Diligence Einblick in die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung, den Materialeinsatz, die Personal- und Sachkosten des Betriebs gewinnen, um die Zukunftsaussichten des Unternehmens abschätzen zu können. Außerdem sollten Sie bei der Unternehmensübernahme das Unternehmen mit anderen Betrieben der Branche vergleichen, um Entwicklungstrends sowie die Marktposition zu erkennen.

Bei der Unternehmensübernahme eines größeren Unternehmens ist es ratsam, dass Sie Berater konsultieren, damit Sie bei der Prüfung wichtigen Zahlen und Daten nicht übersehen. Die Vorgehensweise der „gebotenen Sorgfalt" bei der Unternehmensübernahme durch Dritte wird als Due Diligence Prüfung bezeichnet.

Bringen Sie in Erfahrung, warum der bisherige Eigentümer sein Unternehmen aufgibt. Folgende Gründe spielen für eine Unternehmensübernahme besonders häufig eine Rolle:

  • Ruhestand oder Krankheit
  • Todesfall, der den Verkauf durch die Erben zur Folge hat
  • Neuorientierung oder Geldnot des Inhabers
  • Das Unternehmen ist herunter gewirtschaftet worden.

Weitere Punkte der Due Diligence sind:

Prüfen Sie vor der Unternehmensübernahme, in welchem Zustand sich die Betriebsstätten befinden. Ebenso sind die Qualifikation, die Motivation und die Entlohnung der Mitarbeiter für Sie bei der Unternehmensübernahme interessant.

Eine Stärken/Schwächen- bzw. Chancen/Risiken-Analyse gibt Aufschluss über mögliche nächste Schritte in Bezug auf das Unternehmen nach der Unternehmensübernahme. Können Schwächen und Risiken mithilfe von Stärken und Chancen neutralisiert werden, oder sind die Probleme zu groß?

Der Ruf des Unternehmens, die vertraglichen Beziehungen, Beteiligungen, (Schutz-/ Urheber-/ Nutzungs-) Rechte sowie die möglichen Haftungs- und Prozessrisiken sind ebenfalls wichtige Faktoren zur Einschätzung im Zuge der Due Diligence bei der Unternehmensübernahme.

All diese Informationen erleichtern Ihnen die Einschätzung des realistischen Kaufpreises der Unternehmensübernahme. Somit ergibt sich für Sie eine transparente Verhandlungsbasis für die Unternehmensübernahme, bei der beide Seiten offen über den Preis sprechen können. Dafür sind ebenso zukünftige Umsatz-, Kosten- Investitions- und Ergebnisgrößen wichtig. Dabei sollte ein Prognosezeitraum von zehn Jahren veranschlagt werden.

Unternehmensübernahme: Die Analyse

Zunächst ein Rat vorweg: Ziehen Sie Berater für die Due Diligence und zur Prüfung des Unternehmens hinzu.

Ruf des Unternehmens bei der Unternehmensübernahme

Wie ist es um den Ruf des Unternehmens vor der Unternehmensübernahme bestellt. Finden Sie heraus, was Kunden, Partner oder Lieferanten über das Unternehmen denken. Einen schlechten Ruf wieder zu verbessern, kostet Sie nach der Unternehmensübernahme viel Zeit und Geld.

Standort-Check bei der Unternehmensübernahme

Erfüllt der Standort des Unternehmens die nötigen Anforderungen? Dabei geht es im Rahmen der Due Diligence explizit um die Betriebsstätten, die Maschinen und die Ausstattung. Weiterhin sollten Sie einen Blick auf die „Altlasten" werfen, denn Schad- und Abfallstoffe auf dem gewerblich genutzten Grundstück, können in den Boden und ins Grundwasser gehen und sie nach der Unternehmensübernahme teuer zu stehen kommen.

Sollte nach der Unternehmensübernahme eine Umweltbelastung durch das Unternehmen festgestellt werden, kommen hohe Kosten für eine Sanierung auf Sie zu. Weiterhin kann die Feststellung einer Umweltbelastung den Wert des Grundstücks mindern. Im schlimmsten Fall kann dadurch Ihre Existenz durch die Unternehmensübernahme gefährdet sein. Um dem vorzubeugen, erfragen Sie im Rahmen der Due Diligence bei den hiesigen Umweltbehörden Informationen zum Zustand des Standorts.

Check Unternehmensübernahme: Markt und Kunden

Bei der Unternehmensübernahme sollten Sie sich einen Überblick über das Marktvolumen sowie das geschätzte künftige Marktwachstum machen. Bei der Analyse des Marktes sollten Sie jedoch nicht nur die allgemeinen Marktcharakteristika wie das Marktwachstum, die Risiken der Schrumpfung oder der Stagnation beachten, sondern auch auf die Veränderungen der Kundenbedürfnisse und des Kundenverhaltens eingehen. Diese Schätzungen helfen bei der Due Diligence Umsatz- und Ergebnisgrößen der nächsten Jahre zu ermitteln und den Kaufpreis zu bestimmen.

Es ist von Vorteil, dass Sie bei einer Unternehmensübernahme den bereits bestehenden Kundenstamm mit übernehmen können und nicht bei Null beginnen müssen. Jedoch gibt es in jedem Kundenregister so genannte „Karteileichen", die Sie bei der Unternehmensübernahme aussortieren sollten, um die wahre Größe des Kundenstamms zu erfahren.

Konkurrenz-Check bei der Unternehmensübernahme

Im Vorfeld der Unternehmensübernahme sollten Sie sich ein umfangreiches Bild von der Konkurrenz und dem Wettbewerb machen. Außerdem sollten Sie einen Blick auf branchentypische, potenziell neue Geschäftsideen der Konkurrenten haben und sich fragen, ob Sie dafür gewappnet sind. Sie sollten sich nach der Unternehmensübernahme nicht auf den bisherigen Lorbeeren des Unternehmens ausruhen. Die Due Diligence kann Sie mit wertvollen Erkenntnissen über den Markt ausstatten.

Weitere Punkte der Unternehmensanalyse

Bei der Unternehmensübernahme sollten Sie auch die finanzielle Situation, aktuelle Produkte bzw. die Dienstleistung, den Personalbestand sowie die Lieferantenbeziehungen im Zuge der Due Diligence überprüfen.

Finanzielle Situation bei der Unternehmensübernahme

Den Löwenanteil der erfolgreichen Unternehmensübernahme macht die Finanzsituation aus. Wenn Sie das Unternehmen übernehmen, übernehmen Sie auch die finanzielle Situation. Das heißt, wenn das Unternehmen vor der Unternehmensübernahme auf einem Schuldenberg sitzt, bekommen Sie diesen mit übertragen. Damit das nicht Ihre Existenz gefährdet, verzichten Sie an dieser Stelle der Unternehmensübernahme auf keinen Fall auf einen Berater.

Produkte/Dienstleistung bei Due Diligence prüfen

Da das Produkt oder die Dienstleistung bereits besteht, haben Sie auch hier etwas Luft. Jedoch sollten Sie sich eine potenzielle Entwicklung des Produkts oder Ausweitung der Dienstleistung nach der Unternehmensübernahme überlegen, denn auch die Konkurrenz schläft nicht.

Personal-Check Unternehmensübernahme:

Mit der Unternehmensübernahme übernehmen Sie auch das Personal, für dessen Sicherung der Arbeitsplätze Sie nun verantwortlich sind. Erkundigen Sie sich bei der Due Diligence nach der Bezahlung, Sonderzahlungen, Urlaubszeiten sowie den regulären Gehältern. Am besten vorbereitet sind Sie, wenn Sie einen Arbeitsrechtsexperten hinzuziehen, der Sie umfangreich berät.

Lieferanten-Check bei der Unternehmensübernahme

Sie sind bei der Unternehmensübernahme darauf angewiesen, dass die Lieferantenbeziehungen bestehen bleiben. Denn die zuverlässige Lieferung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen ist sehr wichtig. Gehen Sie deshalb sicher, dass die Lieferanten Ihnen auch nach der Unternehmensübernahme weiterhin zur Verfügung stehen. Oder treffen Sie frühzeitig Maßnahmen für einen guten Ersatz.

TIPP

Suchen Sie sich für die Due Diligence Prüfung Ihrer Unternehmensübernahme einen passenden Berater in der Dienstleister- und Beraterbörse auf Für-Gründer.de

Unternehmensübernahme: Klären Sie Konflikte vorab

Unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten an der Unternehmensübernahme sind zumeist der rote Faden bei einem Verhandlungsgespräch einer Unternehmensnachfolge. Wenn es um die Unternehmensübernahme bzw. -übergabe geht, möchten der Alteigentümer sowie der Nachfolger beide ihre Interessen vertreten sehen.

Es ist nicht verwunderlich, dass es dabei zu Konflikten zwischen den Parteien kommen kann. Um diese nicht scheuen zu müssen und sie ergebnisorientiert zu lösen, raten wir zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation. In dem Zeitraum der Unternehmensübernahme, der meist einige Jahre dauern kann, haben Sie als Nachfolger viele Gelegenheiten Wünsche und Bedürfnisse offen anzusprechen und auch die Möglichkeit auf den Alteigentümer einzugehen. Er übergibt ihnen schließlich ein Unternehmen, das er (mit)aufgebaut und jahrelang geführt hat.

Andererseits hat sich der Verkäufer zur Unternehmensübergabe aus bestimmten Gründen entschlossen und sollte nun bereit sein loszulassen. Auch wenn es nur um das Geschäftliche geht, private Empfindungen sind bei einer Unternehmensübernahme immer mit im Spiel. Geben Sie als Nachfolger dem Alteigentümer das Gefühl, von seinem Wissen profitieren zu wollen, denn bedenken Sie, dass er das Unternehmen bereits gut kennt und ebenfalls nicht will, dass es nach der Unternehmensübernahme schlecht läuft. Im Gegenzug muss er akzeptieren, dass Sie ihre eigenen Entscheidungen nach der Unternehmensübernahme treffen.

Bei der Unternehmensübernahme innerhalb der Familie besteht größeres Konfliktpotenzial, da sich die familiäre und geschäftliche Ebene oft schlecht trennen lassen. Als Nachfolger sind Sie dazu angehalten, sofern notwendig, eine Grenze bei der Unternehmensübernahme zu ziehen. Egal, ob das Unternehmen innerhalb der Familie übergeben wird oder der Nachfolger eine fremde Person ist – von Beginn an sollten alle Fragen der Unternehmensübernahme geklärt werden und die Interessen beider Seiten nicht vom Wunschdenken geleitet werden.

Den Königsweg der Unternehmensübernahme gibt es nicht. Die Kommunikation steht bei einer Unternehmensübernahme jedoch an erster Stelle. Egal wie lange die Unternehmensübernahme dauert, Konflikte lassen sich mit Offenheit vermeiden und müssen nicht zwangsläufig gemieden werden. Schließlich haben beide Seiten nur das eine im Sinn – das Beste für das Unternehmen. Ziehen Sie am selben Strang und die Unternehmensübernahme wird ein Erfolg.

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