Offene Handelsgesellschaft: mit der OHG selbstständig machen

Die OHG oder offene Handelsgesellschaft zählt als Rechtsform zu den Personengesellschaften. Für die Gründung einer OHG ist kein Mindeststartkapital nötig, jedoch erstreckt sich die Haftung auch auf Ihr Privatvermögen. Die Gründung einer OHG ist nötig, wenn der Gewerbebetrieb einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.

Anders als die GbR ist die OHG ins Handelsregister einzutragen. Erfahren Sie im Folgenden mehr über die OHG und wie Sie mit der OHG gründen.



Gründung einer OHG: die offene Handelsgesellschaft im Detail

Gründung einer OHG: Die Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft greift stets dann, wenn der Gewerbebetrieb aufgrund seiner Art oder seinem Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Ob eine OHG Gründung notwendig ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab.

Die notwendige Gründung einer OHG ist unter anderem abhängig von der Höhe des jährlichen Umsatzes. Bei einem Umsatz von bis zu 500.000 € ist die Gründung einer OHG noch nicht erforderlich, stattdessen kann das Unternehmen als GbR firmieren (Kleingewerbe). Ist jedoch der Betrieb eines Handelsgewerbes das Ziel, muss anstatt einer GbR eine OHG als Rechtsform gewählt werden. Wächst die GbR im Laufe der Zeit kann aus dem Kleingewerbe automatisch ein Handelsgewerbe werden und somit wird die GbR zur OHG, die dann in das Handelsregister einzutragen ist.

Die OHG im Vergleich der Rechtsformen

Die OHG gründen oder nicht? Welche Rechtsform soll es sein? GbR, OHG, GmbH oder UG? Machen Sie den interaktiven Vergleich der Rechtsformen zu den wichtigsten Kriterien und sehen Sie, wie die offene Handelsgesellschaft zu anderen Gesellschaftsformen abschneidet: zum Rechtsform-Vergleich.

Anzahl der Gründer bei Gründung einer OHG

Die Gründung einer OHG erfolgt durch mindestens zwei Gründer. Wie bei der GbR kann der Gesellschaftsvertrag einer offenen Handelsgesellschaft auch mündlich vereinbart werden. Die Schriftform sowie eine Beratung durch Notar und Anwalt sind jedoch auch bei der Gründung einer OHG empfehlenswert.

Im Gegensatz zur GbR tritt die OHG als selbstständige Firma in Erscheinung. Wie bei der GbR kann auch eine GmbH als Gründer der OHG fungieren. Sollte kein Gesellschafter eine natürliche Person sein, muss die OHG einen entsprechenden Zusatz führen, der auf die Haftungsbeschränkung hinweist (bspw. GmbH & Co OHG).

Geschäftszweck bei Gründung einer OHG

Der geschäftliche Zweck einer OHG ist der Betrieb eines Handelsgewerbes unter einer gemeinschaftlichen Firma.

Mustervertrag für die offene Handelsgesellschaft (OHG)

Wenn Sie eine offene Handelsgesellschaft gründen wollen, sollten Sie sich auch über den Gesellschaftsvertrag Gedanken machen. Sie können dabei zunächst auch auf einen Mustervertrag zurückgreifen, der die wichtigen Vertragspunkte bereits enthält. Zudem empfehlen wir, auch das Gespräch mit einem Anwalt zu suchen, wenn Sie sich unsicher sind oder spezielle Sachverhalte vertraglich festhalten wollen.

OHG Haftung / Startkapital bei Gründung einer OHG

Ein Mindeststartkapital ist  bei der Gründung einer OHG nicht erforderlich. Der Gesellschaftsvertrag der OHG kann jedoch eine vereinbarte Kapitaleinlage festhalten. Dieses Kapital geht dann auf die Gesellschaft der OHG über. Der einzelne Gesellschafter kann darüber nicht mehr frei verfügen.

Die Gesellschafter haften bei der Gründung einer OHG unbeschränkt und damit auch mit ihrem Privatvermögen. Neu aufgenommene Gesellschafter haften ebenfalls für die bestehenden Verbindlichkeiten der OHG. Scheidet ein Gesellschafter aus der offenen Handelsgesellschaft aus, haftet er weitere fünf Jahre für die Verbindlichkeiten, die bis zu seinem Ausscheiden entstanden sind. Die OHG Haftung kann durch eine individuelle Vereinbarung mit dem jeweiligen Vertragspartner ausgeschlossen werden.

Geschäftsführung bei Gründung einer OHG

  • Jeder Gesellschafter hat das Recht die interne Geschäftsführung der OHG auszuüben. Nur beim Vorliegen eines wichtigen Grunds ist es möglich, auf den Entzug der Geschäftsführungsbefugnis zu klagen. Sollten ungewöhnliche Geschäfte (Geschäfte, die über den alltäglichen Geschäftsvorgang) anstehen, erfordert das Gesetz einen einstimmigen Beschluss, sofern der Gesellschaftsvertrag der OHG keine Mehrheitsbeschlüsse vorsieht.
  • Entsprechend dem Gesetz kann jeder Gesellschafter der offenen Handelsgesellschaft die Gesellschaft nach außen alleine vertreten. Der Gesellschaftsvertrag der OHG kann hier Ausnahmen vorsehen, wie bspw. eine Verpflichtung zur Rücksprache mit allen Gesellschaftern bei wichtigen Geschäften. Ein Geschäft der OHG behält jedoch auch seine Gültigkeit, wenn dieses Regelungen verletzt. Die anderen Gesellschafter der offenen Handelsgesellschaft können hier lediglich Schadensersatz gegenüber dem entsprechenden Gesellschafter geltend machen.
  • Der Gesellschaftsvertrag der OHG kann auch die Geschäftsführung auf einen Geschäftsführer übertragen.

Gründungsformalitäten bei Gründung einer OHG

  • Bei der Gründung einer OHG ist neben der Anmeldung beim Gewerbeamt auch der Eintrag ins Handelsregister nötig, wobei Notarkosten anfallen.
  • Soll ein Grundstück in die OHG eingebracht werden, ist eine notarielle Beglaubigung erforderlich.
  • Zusätzlich Informationen, wann Sie welche Ämter über die Gründung Ihrer offenen Handelsgesellschaft zu informieren haben, finden Sie unter Unternehmen anmelden.

Steuern nach der Gründung einer OHG

  • Die OHG ist in der Regel gewerbesteuerpflichtig. Die zu entrichtende Gewerbesteuer wird über einen Schlüssel auf die durch die Gesellschafter zu zahlende Einkommensteuer angerechnet. Dabei besteht ein Freibetrag von 24.500 €.
  • Die Gesellschafter der OHG sind zur Zahlung von Einkommensteuer auf die Einkünfte aus ihrer Beteiligung an der offenen Handelsgesellschaft verpflichtet.
  • Die OHG muss ebenfalls Umsatzsteuer an das Finanzamt entrichten.
  • Auf Für-Gründer.de finden weitere Details zum Thema Steuern für Selbstständige.

Folgepflichten nach Gründung einer OHG

  • Gesellschafter einer OHG unterliegen per Gesetz einem Wettbewerbsverbot. Dies bedeutet, dass dem Gesellschafter ohne die Zustimmung der anderen Gesellschafter Geschäfte in dem Handelszweig der offenen Handelsgesellschaft verboten sind. Außerdem ist es ihm auch nicht gestattet in einer ähnlichen Handelsgesellschaft als persönlich haftender Gesellschafter aktiv zu werden.
  • Jedem Gesellschafter der OHG stehen grundsätzlich 4 % seiner Kapitaleinlage am Jahresende zur Entnahme zu – sofern dies nicht zum Schaden der OHG ist. Gewinn oder Verlust der OHG, der darüber hinaus entstanden ist, wird nach Köpfen verteilt.
  • Die offene Handelsgesellschaft tritt nach außen rechtlich selbstständig auf und führt einen eigenen Firmennamen.

Rechnungslegung bei der Gründung einer OHG

Für die Rechnungslegung der OHG gilt das Handelsgesetzbuch. Dementsprechend müssen in den Aufzeichnungen der OHG die Handelsgeschäfte und die Lage des Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung ersichtlich sein. Zur Gründung und zum Abschluss eines jeden Geschäftsjahres muss ein Abschluss (Bilanz) für die OHG erstellt werden, der das Verhältnis von Vermögenswerten und Schulden aufzeigt. Zudem ist die Erstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung am Ende des Geschäftsjahres von der OHG erforderlich. Lesen Sie mehr zum Thema Buchführung.

Unternehmensfortbestand nach der Gründung der OHG

Eine offene Handelsgesellschaft endet, wenn der Gesellschaftsvertrag abgelaufen ist, auf Beschluss der Gesellschafter der OHG oder bei der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder einer gerichtlichen Entscheidung.

Tritt ein Gesellschafter aus der offenen Handelsgesellschaft aus, haftet er noch fünf Jahre für Verbindlichkeiten der OHG, die bis zum Zeitpunkt seines Austritts entstanden sind.

TIPP

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OHG Gründung: Personengesellschaften im Überblick

Neben der Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft können Sie bei der Gründung einer Personengesellschaft auch andere Rechtsformen in Betracht ziehen:

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