Offene Handelsgesellschaft (OHG): Definition, Vertrag & Gründung

Die offene Handelsgesellschaft, abgekürzt OHG oder oHG, ist eine etwas andere Personengesellschaft, denn sie wird ins Handelsregister eingetragen. Dadurch und durch die unbeschränkte Haftung ist sie für die Hausbank und Geschäftspartner sehr attraktiv, für die Gesellschafter jedoch besonders risikoreich.

Erfahren Sie im Folgenden mehr über diese Rechtsform, wie eine OHG-Gründung abläuft und welche Unterschiede es zu anderen Rechtsformen gibt.

1. Definition: Was ist eine offene Handelsgesellschaft?

Die offene Handelsgesellschaft ist eine Personengesellschaft, in der sich mindestens zwei Personen zusammenschließen, um unter einem gemeinsamen Firmennamen (Firma) ein Handelsgewerbe zu betreiben. Die OHG ist als Personengesellschaft rechtsfähig, kann also Verträge abschließen und verklagt werden. Die Basis der offenen Handelsgesellschaft ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), deren Regeln im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert sind. Die wesentlichen Regeln der offenen Handelsgesellschaft sind jedoch im Handelsgesetzbuch (HGB) zu finden.

Daraus ergeben sich alle Regelungen zu Gesellschaftern, Geschäftsführung, Finanzierung, Haftung, Buchführung und Steuern, kurz alle Punkte, die Sie bei der OHG-Gründung beachten müssen und die wir Ihnen nachfolgend erläutern.

2. Vor- und Nachteile einer OHG

Die offene Handelsgesellschaft braucht einen kleinen Kreis unternehmerisch denkender und risikofreudiger Gesellschafter, die sich gut verstehen und einander vertrauen. Jeder Gesellschafter geht bei der Gründung einer offenen Handelsgesellschaft ein hohes Risiko ein, haftet unbegrenzt für alle Verbindlichkeiten des Handelsbetriebs und ist in der Führung des Unternehmens mit hohem persönlichen Einsatz gefordert. 

Die wesentlichen Vorteile und Nachteile einer offenen Handelsgesellschaft sind darüber hinaus folgende:

  • Keine gesetzlichen Regelungen zum Mindestkapital bzw. zum Startkapital
  • Schnelle, wenig kostenintensive Gründung der Gesellschaft
  • Hohes Ansehen bei Banken durch persönlich haftende Gesellschafter
  • Arbeitsteilung der Gesellschafter: Jeder kann seine Stärken einbringen
  • Flexibel ausgestaltbare Unternehmensführung über den Gesellschaftsvertrag
  • Jeder Gesellschafter haftet unbegrenzt mit seinem Geschäftsanteil (Gesellschaftsanteil) und mit seinem Privatvermögen
  • Vertrauen und Einigkeit im Gesellschafterkreis sind zwingend notwendig. Der Gesellschafterkreis ist daher nicht beliebig erweiterbar.
  • Streitigkeiten im Gesellschafterkreis können den Fortbestand der Gesellschaft gefährden
  • Externe Investoren beteiligen sich in der Regel nicht an einer offenen Handelsgesellschaft
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3. Gesellschafter, Gewinnverteilung, Haftung: die wichtigsten Fragen

In diesem Abschnitt stellen wir Ihnen die wichtigsten Punkte einer OHG-Gründung vor. Wir geben Ihnen dabei Antworten auf die häufigsten Fragen.

Die offene Handelsgesellschaft ist als Personengesellschaft grundsätzlich für alle Gründer geeignet, die im Team gründen wollen. Dabei übernimmt jedes Gründungsmitglied als Gesellschafter der OHG volle Geschäftsführungsbefugnis, wobei dies im Gesellschaftsvertrag präzisiert werden kann. Die Gründungsmitglieder müssen also die Absicht haben, als Geschäftsführer Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig sollte das Geschäftsmodell von den Risiken her überschaubar sein. Denn mit seiner Stellung als Gesellschafter und Geschäftsführer einer OHG haftet das Gründungsmitglied unbegrenzt mit seinem Geschäftsanteil und seinem Privatvermögen für Ansprüche Dritter.

Wenn Sie eine OHG gründen wollen, müssen Sie mindestens zu zweit sein. Die Gesellschafter sind Eigentümer der OHG und teilen sich den Gewinn. Als Gesellschafter einer OHG haben Sie Rechte und Pflichten. Sie haben das Recht, als Geschäftsführer das Unternehmen zu führen, die Unternehmenspolitik zu bestimmen und zu kontrollieren (Kontrollrechte) und haben einen Anspruch auf den Unternehmensgewinn.

Die Geschäftsführung in der OHG regelt §116 HGB. Jeder Gesellschafter der OHG ist automatisch Geschäftsführer. Die folgende Tabelle soll dies beispielhaft verdeutlichen:

Geschäftsführung in der OHGBeispiel
Einzelgeschäftsführung bei gewöhnlichen GeschäftenGesellschafter Huber kauft für 1.000 € neue Waren ein. Gesellschafter Meier bestellt Flyer für einen Messestand im Wert von 1.500 €.
Gesamtgeschäftsführung bei außergewöhnlichen Geschäften Die Gesellschafter Huber und Meier beschließen, Fritz Müller als neuen OHG Gesellschafter aufzunehmen.
Geschäftsführung per Gesellschaftsvertrag geregelt

Gesellschafter Huber will eine neue Marke in sein Sortiment aufnehmen. Der Warenwert beträgt 50.000 €. Dazu stimmt er sich mit Gesellschafter Meier ab. Denn im Vertrag ist geregelt, dass alle Einkäufe ab einem Wert von 10.000 € im Kreis der Gesellschafter abgestimmt werden müssen.

Prokura für Nicht-GesellschafterHuber und Meier, die beiden OHG Gesellschafter, übertragen Jonas Stark Prokura. Jonas Stark wird eine neue Niederlassung leiten und bekommt in diesem Rahmen Entscheidungsbefugnisse für Einkauf und Führung der Mitarbeiter des neuen Standortes.

Die offene Handelsgesellschaft verfolgt ausschließlich einen gewerblichen Geschäftszweck. Das ist für alle Gründer wichtig, die freie Berufe ausüben und im Team gründen oder zusammenarbeiten wollen: Die OHG ist für Freiberufler und gemeinnützige Unternehmen nicht geeignet.

Der gewerbliche Status hat wesentliche Folgen für den Ablauf der Gründung und die Steuern. So müssen Sie Ihre offene Handelsgesellschaft als Gewerbe im Gewerbeamt anmelden. Außerdem unterliegt sie der Gewerbesteuer.

Der Firmenname eines Unternehmens ist ein wichtiges Marketinginstrument. Der Name ist prägend für die Markenpersönlichkeit und sollte die Einzigartigkeit Ihres Unternehmens klar herausstellen. Umso wichtiger ist es, dass Sie frei in der Gestaltung sind. Bei der Gründung einer offenen Handelsgesellschaft können Sie Ihren Firmennamen, auch Firma oder Firmenbezeichnung genannt, frei wählen. 

Die wichtigste Regel bei der Firmierung ist: Der Firmenbezeichnung muss das Kürzel OHG folgen. Die Namensformel sieht also so aus: NAME + OHG. Ein Beispiel: Wir haben eine Öko-Bäckerei mit den Gesellschaftern Karl Meier und Fritz Huber. Dann kann die Namensgebung so aussehen: 

  • Personenfirma: Meier und Huber OHG
  • Sachfirma: Öko-Backwaren oHG
  • Fantasiefirma: Ökoknusperle oHG
  • Mischfirma: Meier, Huber Ökobackwaren oHG

Statt des Kürzels OHG können Sie auch "oHG" oder "offene Handelsgesellschaft" verwenden.

Wie bei allen Personengesellschaften gibt es keine gesetzlichen Vorschriften zum Mindestkapital. Wenn Sie Ihre OHG gründen können Sie als Gründer und Gesellschafter Ihren Geschäftsanteil frei bestimmen. In der Regel machen Sie mit Ihren Mitgesellschaftern die Höhe des Gesellschaftskapitals und des Mindeststartkapitals der OHG aus und regeln dies im Gesellschaftsvertrag der offenen Handelsgesellschaft. Dabei können Sie Einlagen in Bar oder Sacheinlagen einbringen. 

Natürlich sollte die Finanzierung solide geplant sein. Insbesondere beim Unternehmensstart und in der Anlaufphase werden Sie Kapitalreserven brauchen, die Sie im Businessplan berücksichtigen sollten. Ihre Hausbank wird den Punkt Finanzierung und den Finanzplan im Businessplan sehr genau betrachten.

Wächst Ihr Unternehmen, können Sie über die Aufnahme weiterer Gesellschafter das Eigenkapital der OHG erhöhen. Die Anzahl der Gesellschafter sollten Sie aber nicht unbegrenzt erweitern. Selbstverständlich können Sie für die Finanzierung des Unternehmenswachstums auch die Ertragskraft Ihres Unternehmens nutzen sowie ggf. ein Darlehen bei der Hausbank beantragen. 

Ein OHG-Gesellschafter haftet unbeschränkt, unmittelbar und solidarisch:

  • Unbeschränkt: Das Privatvermögen steht im Risiko
  • Unmittelbar: Gläubiger kann sich direkt an den Gesellschafter wenden
  • Solidarisch: Gesellschafter müssen für einander einstehen. Hat A eine offene Rechnung als Gesellschafter bezahlt, müssen Gesellschafter B und C ausgleichen

Nach Ausscheiden haftet er weitere 5 Jahre für Verbindlichkeiten, die bis zum Zeitpunkt seines Ausscheidens entstanden sind.

Erfolgt nach Kapitalanteil und nach Köpfen, wobei nach HGB der Geschäftsanteil jedes Gesellschafters mit 4% verzinst wird.

  • Zuerst also vom Gewinn die Zinsen pro Geschäftsanteil herausrechnen.
  • Den Rest (Gewinn – Gesellschafterzinsen) auf die Gesellschafter zu gleichen Teilen aufteilen

Der Gesellschaftsvertrag kann die Gewinnverteilung anderweitig regeln.

Scheiden einzelne Gesellschafter aus einer OHG aus, bleibt die OHG weiter bestehen. Dabei hat der ausscheidende Gesellschafter einen Anspruch auf Abfindung. Der Geschäftsanteil des ausscheidenden Gesellschafters wächst den verbleibenden Gesellschaftern zu. Der ausscheidende Gesellschafter haftet für die Verbindlichkeiten der OHG für einen Zeitraum von 5 Jahren ab dem Datum seines Ausscheidens. Stirbt ein Gesellschafter einer OHG, wächst sein Geschäftsanteil den verbliebenen Gesellschaftern zu. Für den Todesfall sollten Sie aber erbrechtliche Vorkehrungen im Gesellschaftsvertrag treffen. Besteht die OHG nur aus zwei Gesellschaftern, so löst sich die Gesellschaft mit Ausscheiden des vorletzten Gesellschafters auf.

Sie können den Zeitpunkt der Auflösung einer OHG übrigens auch im Gesellschaftsvertrag definieren. Grundsätzlich kann die Auflösung auch durch die Gesellschafter beschlossen werden. Die Insolvenz der OHG oder eine gerichtliche Entscheidung sind weitere Auflösungsgründe für die OHG.

Wenn Sie als Start-up auf eine Finanzierung durch Investoren angewiesen sind, ist es nicht sinnvoll, eine offene Handelsgesellschaft zu gründen. Denn Investoren wollen in der Regel nicht operativ in der Geschäftsführung tätig sein, noch wollen Sie unbegrenzt haften. Hier bietet sich bspw. die GmbH als Alternative an, weil GmbH-Gesellschafter lediglich mit ihrem Geschäftsanteil haften.

4. Gesellschaftsvertrag der OHG

Wenn Sie eine offene Handelsgesellschaft gründen wollen, brauchen Sie einen Gesellschaftsvertrag. Der Gesellschaftsvertrag der offenen Handelsgesellschaft ist grundsätzlich formfrei. Sie können dabei zunächst auch auf einen OHG Mustervertrag zurückgreifen, der die wichtigen Vertragspunkte bereits enthält. Zudem empfehlen wir, auch das Gespräch mit einem Anwalt zu suchen, wenn Sie sich unsicher sind oder spezielle Sachverhalte vertraglich festhalten wollen.

Für den Gesellschaftsvertrag Ihrer OHG sind wichtige Vertragsbestandteile zu beachten. Folgende Punkte sollten Sie im Gesellschaftsvertrag der offenen Handelsgesellschaft regeln: 

VertragspunktWas ist darin enthalten?
GesellschafterName, Anschrift, Höhe und Art der Einlage je Gesellschafter
Zweck der OHGBeschreibt Handelsgewerbe, Branche und Ziele der OHG.
Sitz der OHGAdresse des Firmensitzes, denn die OHG kann als Gesellschaft klagen oder verklagt werden.
Dauer GeschäftstätigkeitSie können die Dauer der Geschäftstätigkeit der offenen Handelsgesellschaft befristen oder Auflösungsgründe benennen.
Regelungen zur Entnahme aus dem GesellschaftsvermögenHier werden zum Beispiel die Tätigkeitsvergütungen der Gesellschafter geregelt.
GesellschafterpflichtenIn diesem Punkt geht es um die Aufgaben der Gesellschafter, die Treuepflicht und das Wettbewerbsverbot. Kurz, alle Regelungen, welche die Stabilität der OHG und die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft fördern.
GeschäftsführungsbefugnisHier definieren Sie, welche Geschäfte jeder Gesellschafter allein tätigen kann und bei welchen die Zustimmung aller Gesellschafter erforderlich ist. Oder Sie regeln, ab welcher Auftragsgröße Sie Verträge allein oder gemeinschaftlich abschließen dürfen. Wichtig hier sind auch die Regeln zur Aufnahme von Krediten. Auch Regelungen für die Vertretung oder Bedingungen für die Erteilung von Prokura können Sie hier festlegen.
GewinnverteilungHier legen Sie fest, wie Sie die Kapitalanteile verzinsen und wie Sie die Gewinnverteilung gestalten. 
Ausscheiden von GesellschafternWie hoch ist die Abfindung für den scheidenden Gesellschafter? Bleibt die Gesellschaft weiter bestehen? Was passiert mit den Anteilen beim Tod eines Gesellschafters?

Wichtig für Sie bei der Gründung einer OHG: Definieren Sie für sich diese Punkte sorgfältig und detailliert und besprechen Sie diese mit Ihrem Anwalt. Grundsätzlich gilt: für alle Bestandteile, die Sie nicht individuell regeln, sind die gesetzlichen Bestimmungen auf Basis des HGB maßgebend.

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5. Vom Vertrag zur Anmeldung in 11 Schritten

Vielleicht haben Sie sich bereits intensiv mit dem Thema "offene Handelsgesellschaft" befasst und wollen eine schnelle Information zum Gründungsprozess? Insgesamt sind es bis zu 11 Schritte, die Sie und Ihr Gründerteam bei der OHG-Gründung durchlaufen müssen:

Wichtige GründungsschritteErläuterung
GesellschaftsvertragZuerst erstellen Sie den Gesellschaftsvertrag. Eine Beratung durch einen Anwalt ist hier hilfreich.
NotarDer Notar nimmt im Namen aller Gesellschafter die Eintragung ins Handelsregister vor.
Er beglaubigt auch Grundstücke, die Sie in die OHG einbringen.
GeschäftskontoEin Geschäftskonto ist zwingend erforderlich.
Eintrag im HandelsregisterNach Eintragung erhalten Sie Ihren ersten Handelsregisterauszug.
Anmeldung beim GewerbeamtDie Geschäftsführer der OHG melden das Handelsgewerbe beim Gewerbeamt an. (Gewerbeanmeldung).
FinanzamtBeim Finanzamt müssen Sie den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Sie erhalten dann eine Steuernummer für Ihre offene Handelsgesellschaft.
Buchhaltung und SteuernFür die Unterstützung bei Rechnungen und Angeboten hilft eine Buchhaltungssoftware. Ein Steuerberater ist dringend zu empfehlen.
IHK/HWKFür alle Gewerbetreibende ist die Anmeldung bei IHK oder HWK Pflicht.
Agentur für ArbeitWenn Sie Mitarbeiter einstellen wollen, benötigt Ihre OHG eine Betriebsnummer.
BerufsgenossenschaftOft wird die Anmeldung bei der zuständigen Berufsgenossenschaft vergessen. Dies soll innerhalb einer Woche nach Gründung erfolgen.
Ggf. andere ÄmterAbhängig von Ihrer geplanten Tätigkeit müssen Sie auch zum Bauamt oder Ordnungsamt.

6. Geschäftskonto für die OHG

Wenn Sie ein Geschäftskonto für eine OHG eröffnen, müssen alle Anmeldungsschritte vollzogen sein. Denn Sie benötigen für die Anmeldung

  • Gesellschaftsvertrag
  • Auszug aus dem Handelsregister
  • Gewerbeanmeldung

Außerdem müssen Sie die Personalausweise oder Reisepässe aller Gesellschafter bei der Kontoeröffnung vorlegen. Sie sehen also, dass die Kontoeröffnung für das Geschäftskonto einer offenen Handelsgesellschaft vergleichsweise komplex ist, wenn wir das mit den Formalitäten beispielsweise bei einem Freiberufler vergleichen. Bei welcher Bank Sie nun Ihr Geschäftskonto eröffnen, hängt von verschiedenen Kriterien ab.

  • Bietet die Bank ein Geschäftskonto für die Rechtsform einer OHG an?
  • Brauchen Sie Beratungs- oder Finanzierungsleistungen durch die kontoführende Bank?
  • Wie viele Bargeldeinzahlungen und -auszahlungen werden Sie haben?
  • Wie ist das Gebührenmodell der Bank ausgestaltet?

In der Regel können Sie bei einer klassischen Filialbank jederzeit ein Geschäftskonto für Ihre OHG eröffnen. Bei der klassischen Filialbank erhalten Sie auch umfassende Beratungsleistungen und Finanzierungsdienstleistungen. Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr Onlinebanken und FinTechs, die ein Geschäftskonto für Gründer einer offenen Handelsgesellschaft anbieten.

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7. Buchführung und Steuern nach der Gründung

Als kaufmännisches Unternehmen ist eine offene Handelsgesellschaft zur doppelten Buchführung verpflichtet. Bei Gründung ist eine Eröffnungsbilanz nötig und am Ende jedes Geschäftsjahres muss ein Jahresabschluss mit Bilanz und GuV erstellt werden.

Bei den Steuern unterscheiden wir die Ebene der OHG, also des Unternehmens, und die Ebene der Gesellschafter. Die OHG bezahlt Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Lohnsteuer. Bei der Gewerbesteuer gibt es einen Freibetrag von 24.500 €. Der Gewinn der offenen Handelsgesellschaft wird von den Gesellschaftern im Rahmen ihrer persönlichen Einkommenssteuer versteuert. 

Dieser Punkt ist ein klarer Vorteil für die offene Handelsgesellschaft. Eine offene Handelsgesellschaft muss ihren Jahresabschluss nicht veröffentlichen. Davon ausgenommen sind sehr große OHGs mit einer Umsatzgröße weit über 100 Mio. € pro Jahr, die publizitätspflichtig sind. Dies ist aber in der Praxis kaum relevant.

8. Unterschiede & Gemeinsamkeiten zu anderen Rechtsformen

Wie unterscheidet sich die OHG im Vergleich zu anderen Rechtsformen? Ausgangspunkt einer offenen Handelsgesellschaft ist häufig die GbR, deshalb sollte sich jeder, der eine GbR gründet, sollte sich mit den Regelungen der OHG befassen. Denn ab einer bestimmten Unternehmensgröße wandelt sich die GbR automatisch in eine OHG um. Daher vergleichen wir zunächst die GbR mit der offenen Handelsgesellschaft.

 OHGGbR
GeschäftszweckImmer gewerblichJeder gemeinschaftliche Zweck möglich
Für Freiberufler möglichNeinJa
Mindestzahl Gründer22
GründungsformalitätenAufwändig (Notar, Handelsregister)Gering
GründungskostenMittel (mehrere Hundert Euro)Gering
GründungsdauerMindestens 1 Woche1 Tag
MindeststartkapitalNicht gesetzlich geregelt
HaftungUnbegrenzt
BuchhaltungDoppelte Buchführung, Bilanz mit GuVEinfach, EÜR

Sobald der Umsatz der GbR 600.000 € übersteigt, wandelt sich die GbR automatisch eine OHG um. Daher tun Gründer einer GbR gut daran, diese Umwandlung rechtzeitig in Angriff zu nehmen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die unbegrenzte Haftung der OHG-Gesellschafter. Daher zeigen wir jetzt im Vergleich zur offenen Handelsgesellschaft Rechtsformen, mit der Sie das Haftungsrisiko reduzieren können. Daher stellen wir jetzt KG , GmbH und UG der OHG gegenüber und zeigen Ihnen die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

 OHGKGGmbH/UG
Mindestanzahl Gesellschafter221
GeschäftszweckGeschäftlich
Ist Gesellschafter automatisch Geschäftsführer?Ja NeinNein
Wer ist Geschäftsführer?GesellschafterKomplementärBestellter Geschäftsführer
Vergütung GeschäftsführerTätigkeitsvergütungTätigkeitsvergütungGehalt
Haftung der GesellschafterUnbegrenztUnbegrenzt und begrenztBegrenzt
MindestkapitalNeinNeinJa (GmbH = 25.000 €; UG = 1 €)
Aufstockung EigenkapitalAufnahme neuer Gesellschafter nur begrenzt möglichUnproblematischUnproblematisch
Haftung GesellschafterUnbegrenztUnbegrenzt und begrenzt Begrenzt
BuchführungPflicht zur doppelten Buchführung (Bilanzierung) mit einem Jahresabschluss, der mindestens die Bilanz und die GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) umfasst
GewinnverteilungNach Köpfen und KapitalanteilNur nach Kapitalanteil
Publikationspflicht JahresabschlussNeinNeinJa
Geschäftsführergehalt steuerlich absetzbarNeinNeinJa
Besteuerung UnternehmensgewinnAuf Gesellschafterebene im Rahmen der Einkommenssteuer unter Berücksichtigung der GewerbesteuerKörperschaftssteuer und Gewerbesteuer
FirmaFrei gestaltbare Firmenbezeichnung (Firmierung) mit Rechtsformkürzel als Zusatz

Die Haftungsfrage ist also der wesentliche Unterschied. Sobald Sie eine offene Handelsgesellschaft gründen, haften Sie unbegrenzt. Ein Kommanditist einer KG oder ein Gesellschafter einer GmbH haftet dagegen nur mit seinem Kapitalanteil. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt bei den Steuern. Bei GmbH / UG sind die Gehälter der Geschäftsführer als Personalkosten steuerlich absetzbar. Bei der OHG gibt es keine Geschäftsführergehälter, sondern Tätigkeitsvergütungen, die beim Jahresabschluss mit dem Kapitalkonto jedes Gesellschafters verrechnet werden.

GmbH und UG verlangen zwingend ein Mindeststartkapital. Das Eigenkapital bei der OHG erhöhen, gestaltet sich schwieriger als bei der KG oder der GmbH. Während Sie bei der KG jederzeit neue Kommanditisten oder bei der GmbH neue Gesellschafter aufnehmen können, ist dies bei der offenen Handelsgesellschaft nicht ganz so einfach. Denn Sie verändern damit massiv die Struktur der Geschäftsführung. Die Haftungsfrage und die Möglichkeit, Geschäftsführervergütungen als Gehalt steuerlich geltend zu machen, führen in der Praxis dazu, dass GmbH und UG die häufigeren Gesellschaftsformen darstellen.

Am Schluss noch eine Feinheit. Mit der Rechtsform einer OHG können Sie keine gemeinnützige Gesellschaft gründen. Bei der GmbH oder UG geht das auf dem Wege einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) oder gemeinnützigen UG (gUG).

9. Fazit zur offenen Handelsgesellschaft

Mit der OHG gründen Sie eine gewerbliche Personengesellschaft, bei der alle Gesellschafter Geschäftsführer sind und auch zur Geschäftsführung verpflichtet sind. Alle Gesellschafter haften unbegrenzt mit ihrem Geschäftskapitalanteil und ihrem Privatvermögen. Der Erfolg einer offenen Handelsgesellschaft steht und fällt mit den sich ergänzenden Stärken der Gesellschafter und der guten Zusammenarbeit untereinander. Um Streitigkeiten im Gesellschafterkreis zu vermeiden, ist ein OHG-Gesellschaftsvertrag unbedingt erforderlich. Der Gesellschaftsvertrag regelt Rechte und Pflichten der Gesellschafter und die Befugnisse als Geschäftsführer, die Gewinnverteilung und die Regeln beim Ausscheiden und bei der Auflösung der OHG.

Den Gesellschaftsvertrag brauchen Sie im Notariat, wenn der Notar die Eintragung ins Handelsregister vornimmt. Außerdem benötigen Sie einen Gesellschaftsvertrag, wenn Sie das Gewerbe Ihrer OHG anmelden oder ein Firmenkonto bei Ihrer Hausbank eröffnen.

Die unbegrenzte Haftung der Gesellschafter ist der größte Nachteil einer offenen Handelsgesellschaft, der sich aber bei der Kreditbeantragung bei einer Bank auch als Vorteil erweisen kann. Um die Haftung der Gesellschafter zu beschränken, bietet sich die UG oder die GmbH als alternative Rechtsformen an. Nutzen Sie unseren kostenfreien Rechtsformtest. Damit finden Sie die beste Rechtsform vor dem Hintergrund Ihrer Ziele und Ihrer Ausgangssituation. 

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