Geduldig wachsen als Start-up: 5 Tipps für Erfolg durch Nachhaltigkeit



Eine große Herausforderung, aber mit vielversprechendem Ergebnis: Geduldig wachsen als Start-up. Ungewöhnlich in Zeiten schneller Exits und kometenhafter Aufstiege. Doch gerade langsames Wachstum sorgt für den nachhaltigen Erfolg eures Unternehmens.

Geduldig wachsen als Start-up – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Nur auf den ersten Blick. Denn bevor wir mit passenden Strategien und Maßnahmen loslegen, solltet ihr eine entscheidende Frage klären: Was bedeutet „Wachstum“ überhaupt für euch?

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Geduldig wachsen als Start-up: In einem harten Wettbewerbsumfeld ist der Wunsch nach raschem Vorankommen verständlich. Doch ein organisches, schrittweises Wachstum, wie es in der Natur verläuft, ist viel solider, beständiger und nachhaltiger. (Foto: piktochart)

#1 Definiert eure persönliche Vorstellung von Wachstum

Geht es euch um mehr Umsatz, eine größere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit oder um eine breitere Produktpalette? Möchtet ihr von einer Gesellschaftsform in die andere hineinwachsen, beispielsweise von der UG in eine GmbH?

Geduldig wachsen als Start-up ist ein Prozess, der mehrere Unternehmensbereiche betrifft: Marketing, Vertrieb, die Gewinnung von Investoren etc. Stellt euch die einzelnen Bereiche wie Säulen vor: Nur wenn alle Säulen gleichzeitig und Stück für Stück aufgebaut werden, kann darauf ein stabiles Deck stehen.

Definiert Wachstum daher ganz genau für euch, um Klarheit zu schaffen. Erst dann ist es sinnvoll, den nächsten Schritt anzugehen.

#2 Legt eine Strategie fest

Der Wunsch nach „Mehr Umsatz“ ist nicht konkret genug. Geduldig wachsen als Start-up verläuft kontraintuitiv: Je mehr Zeit ihr euch für die Planung nehmt, desto größer wird auf kurz oder lang das Wachstum sein.

Nicht wenige Gründer setzen sich sofort hohe Ziele und überspringen dabei einen wesentlichen Schritt: die strategische Planung, zu der eine Analyse der eigenen Wachstumswünsche gehört.

Beispiel Wachstumsziel: Mehr Umsatz

Findet Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Welches Umsatzplus wollt ihr erreichen?
  • Bis wann möchtet ihr die Umsatzsteigerung erzielen?
  • Welche Maßnahmen sind hierfür erforderlich?

Anhand dieser strategischen Vorarbeit wird euch erst klar, welche Ziele und Zwischenziele ihr entwickeln müsst, um euer Wachstum voranzutreiben. Das Team von cargonexx zum Beispiel hat eine starke Vision, wohin die Reise geht:

Der Transportmarkt in Europa ist gigantisch, es gibt praktisch keine Wachstumsgrenzen.

Diese Grenzenlosigkeit motiviert natürlich und erleichert es, geduldig als Start-up wachsen zu können. Wichtig ist auch, bei ersten Erfolgen zu reinvestieren, wie es Celonis-Co-CEO Bastian Nominacher empfiehlt:

Die Finanzierung ist dabei wie eine Art Turbobooster für uns: Wir sind weiterhin profitabel, gleichzeitig versetzt uns das Investment in die Lage, noch mehr in das Wachstum und das Produkt zu investieren. 

Wie aber legt ihr eure eigenen Ziele fest, was ruhig zügig passieren darf?

#3 Setzt smarte Ziele

Hier noch einmal die Kurzzusammenfassung der SMART-Zielsetzung:

  • Specific (spezifisch, klar definiert)
  • Measurable (messbar)
  • Achievable (erreichbar, realistisch)
  • Relevant (für das Unternehmen relevant)
  • Timeframe (innerhalb einer klar definierten Zeitvorgabe)

Es geht darum, dass ihr kurz-, mittel und langfristige Maßnahmen beschließt, die sich Stück für Stück in Wachstum zeigen.

Um auf unser Beispiel mit der Umsatzsteigerung zurückzukommen: Eine Zunahme der Umsätze in Höhe von 200 Prozent innerhalb der nächsten zwei Wochen zu erwarten ist – nun ja – gewagt. Ihr erfüllt zwar die wesentlichen Punkte des SMART-Modells (spezifisch, messbar, relevant, innerhalb einer Zeitvorgabe), missachtet aber den dritten Faktor: erreichbar, realistisch. Plant euer Wachstum also lieber langfristig, um Enttäuschungen und Frust zu vermeiden.

Und das schnelle Geld ist nicht alles, wie die Gründer von Foodpunk wissen:

Gründerspruch_Foodpunk
Geld allein ist der falsche Antrieb, um das Wachstum eines Start-ups zu fördern.
  • Tipp: In unserer kostenlosen Publikation findet ihr Zitate von 49 weiteren Top-Start-ups und 167 Gründerwettbewerbe.

#4 Werdet sichtbar

Die größte Herausforderung für Start-ups in puncto Wachstum besteht darin, dass sie von Anfang an mit etlichen Unternehmern um die Aufmerksamkeit von Kunden, Investoren und Geschäftspartnern konkurrieren. Häufig auch mit großen Playern, die schon einen festen Stand auf dem Markt haben.

Die Mission ist zwar klar: Geduldig wachsen als Start-up. Damit diese aber auch gelingt, müsst ihr euch und euer Angebot der Welt da draußen unermüdlich zeigen.

Dafür gibt es mehrere Wege:

Idealerweise geht ihr alle Wege, um zu wachsen. Das mag sich so anfühlen, als ob ihr viel Energie in Marketing und Klinkenputzen steckt, ohne handfeste Ergebnisse zu sehen. Wir erinnern uns: Es dauert seine Zeit, bis nachhaltiges und organisches Wachstum gelingt. Womit wir beim nächsten Tipp wären.

#5 Entwickelt einen langen Atem

Gründen ist wie ein Zehnkampf – die Arbeit am Wachstum nach der Gründung aber auch. Je eher ihr anerkennt, dass dieses Wachstum ein Prozess ist, der seine Zeit braucht und sich auch nicht mit Garantie voraussagen lässt, desto länger haltet ihr durch. Deshalb ist es auch wichtig, Raum für Wachstum im Unternehmen zu schaffen, wie Martina – CEO von mindful REBELS weiß:

Oft ist man als Unternehmer so vollgepackt mit Aufgaben, dass es schwer fällt, eine Metaperspektive einzunehmen. Aber Gründen ist kein Sprint – es ist ein Marathon. Achtsame Pausen helfen, gesund den Marathon über längere Zeit zu laufen und Dinge klar zu sehen.

Lasst euch von vermeintlichen Über-Nacht-Erfolgen anderer Start-ups nicht täuschen: Die meisten Gründer haben lange hart dafür gearbeitet, zur richtigen Zeit mit der richtigen Vorbereitung die richtigen Kontakte zu treffen. Der Großteil der erfolgreichen Gründer in der TV-Show Die Höhle der Löwen kann ein Lied davon singen.

Geduldig wachsen als Start-up: nicht ohne Wachstumsschmerz

Es dauerte 22 Jahre bis Amazon schwarze Zahlen schrieb. Frank Thelen hatte sich mit seiner ersten Business-Idee hoch verschuldet und brauchte ebenfalls Jahre, um zum heute bekannten, erfolgreichen Multi-Unternehmer zu wachsen.

Beispiele wie diese gibt es viele. Und sie zeigen, dass Entwicklung selten ohne persönliche Rückschläge oder Niederlagen einhergeht – das ist der Wachstumsschmerz der Unternehmer. So bestätigt auch Studybees-Gründering Julia Hetzel:

Zu guter Letzt ist eine Gründung nichts für Ungeduldige, vieles dauert in der Praxis doch länger als geplant und es kommt auf ein gutes Durchhaltevermögen an.

Wenn ihr diesen Schmerz annehmt und die Lernchancen in Stagnationen seht, werdet ihr als Gründerpersönlichkeit ganz automatisch wachsen. Und mit euch das Start-up, für das ihr brennt. Wir wünschen euch viel Erfolg dabei.