Digitalisierung auf der Straße: “Es gibt praktisch keine Wachstumsgrenzen”



Laut statista betrug die Fahrleistung von LKW in Deutschland im Jahr 2017 fast 71 Milliarden Kilometer. Die vollbepackten LKW-Kolonnen, die die rechte Spur komplett für sich in Beschlag nehmen, kennen wir alle. Aber was macht eigentlich so ein LKW, nachdem er seine Fracht am Zielort abgeladen hat? Diese Frage stellte sich Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer von cargonexx. Die Antwort brachte ihn auf eine Geschäftsidee, von der sich selbst Weltmarktführer überzeugen ließen.

GründerDaily: Hallo Rolf-Dieter, 2016 hast du dich mit Cargonexx selbstständig gemacht. Wie kam die Idee zustande? Welches Problem willst du mit der Unternehmensgründung genau angehen?

Rolf-Dieter von cargonexx: Etwa 40 Prozent der Kapazitäten im LKW-Verkehr fahren leer. Die Folgen für den CO2-Ausstoß und die Verkehrsbelastung sind enorm. Wir bauen die Spedition der Zukunft, in der Ladungen automatisch auf Kapazitäten zugewiesen werden. So erhöhen wir die Auslastung der LKW. Die Auftraggeber sparen Geld, die Transportunternehmer verdienen mehr und wir alle profitieren von weniger LKW auf der Autobahn.

Die Idee kam mir zufällig. Ich stand im Stau auf der Autobahn und überlegte, ob man den Verkehr mit modernen Technologien besser organisieren kann.

GründerDaily: Stelle dich doch bitte kurz vor. Welchen beruflichen Werdegang hast du hinter dir?

Rolf-Dieter von cargonexx: Ich habe Betriebswirtschaft an der WHU studiert, allerdings war das noch vor dem Gründerhype dort. Dann wurde ich Partner bei Schickler, einer Unternehmensberatung für Medienunternehmen. Die Medienbranche wurde als Erstes von der Digitalisierung transformiert. Ich beschäftige mich also seit vielen Jahren mit der Frage, wie man Technologie einsetzen kann, um Märkte zu verändern und neue Geschäftsmodelle zu finden.

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Rolf-Dieter Lafrenz gründete 2016 cargonexx. © Pascal Messmer / EIT Digital

GründerDaily: Als Quereinsteiger in einer neuen Branche musstest du mit Sicherheit erst einmal Vertrauen aufbauen. Wie schafft man das?

Rolf-Dieter von cargonexx: Das Misstrauen in einer traditionellen Branche wie Logistik ist groß. Aber es gibt immer einige Innovatoren, die mit dem Status Quo nicht zufrieden sind.

Aber auch deren Vertrauen muss man sich hart erarbeiten. Das dauert Zeit.

In der Logistik gibt es keine schnellen Lösungen.

GründerDaily: Mit wie vielen Kunden arbeitet ihr mittlerweile zusammen? Aus welchen Bereichen kommen diese?

Rolf-Dieter von cargonexx: Über 200 große Unternehmen zählen zu unseren regelmäßigen Auftraggebern, darunter mehr als 30 Unternehmen im Milliardenbereich und einige Weltmarktführer in ihrer Branche. Wir fahren für die großen Handelskonzernen, Konsumgüterhersteller und Industrieunternehmen. Auf der Transportseite haben sich über 8.000 Unternehmen mit mehr als 150.000 LKW registriert, die für uns fahren wollen.

GründerDaily: Cargonexx wurde bereits vielfach ausgezeichnet. Wie wichtig sind Gründerwettbewerbe und Awards aus deiner Sicht? Achten eure Kunden auf so etwas?

Rolf-Dieter von cargonexx:

Die Auszeichnungen helfen, Vertrauen aufzubauen.

Ein Unternehmen, das über zehn Gründerpreise gewonnen hat, kann nicht schlecht sein. Bei unseren Kunden sitzt immer ein Logistikentscheider, der ein Risiko eingeht, wenn er etwas Neues probiert. Wenn die LKW nicht ankommen, gerät die gesamte Supply Chain durcheinander mit weitreichenden Folgen. Deshalb hilft Vertrauen und Reputation, den ersten Schritt zu gehen.

Auch für die Mitarbeiter und im Recruiting spielen Gründerpreise eine große Rolle.

Es gibt viele Start-ups. Aber nur wenige, die so oft ausgezeichnet werden und einen solchen Erfolg bei renommierten Welt-Konzernen haben. Das hilft uns, sehr gute Mitarbeiter zu finden.

GründerDaily: Welche große Herausforderung musstest du und dein Team bislang bewältigen?

Rolf-Dieter von cargonexx: Wir sind sehr schnell gewachsen und hatten Schwierigkeiten, die Prozesse in der gleichen Geschwindigkeit zu optimieren und zu automatisieren. Wir mussten lernen, dass wir im Markt nur so schnell wachsen können wie in unserer internen Organisation.

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Zu schnelles Wachstum kann schädlich für ein Unternehmen sein, wissen Rolf-Dieter Lafrenz und das cargonexx-Managementteam. © Pascal Messmer / EIT Digital

GründerDaily: An welcher Stelle verdient Cargonexx genau Geld?

Rolf-Dieter von cargonexx: Wir verkaufen Transportdienstleistungen an die Verlader und kaufen Kapazitäten bei den Transportunternehmen ein. Dazwischen liegt eine Marge für uns. Je besser unser System funktioniert, desto höher ist die Marge.

GründerDaily: Deine Ziele für die kommenden drei Jahre?

Rolf-Dieter von cargonexx:

Der Transportmarkt in Europa ist gigantisch, es gibt praktisch keine Wachstumsgrenzen.

Wir bauen in den kommenden Monaten ein weitgehend automatisiertes System für die Abwicklung von LKW-Transporten auf und werden große Volumina abwickeln können. Allein die Einsparung von CO2 wird schon gewaltig sein, von den ökonomischen Effekten ganz zu schweigen.

GründerDaily: Besten Dank für diese spannenden Einblicke und weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts über Cargonexx GmbH

  • Gegründet im Jahr: Ende 2016
  • Firmensitz in: Hamburg
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 55-60 Mitarbeitern
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Erfahrung unseres Managements, Marktteilnehmer der Logistikbranche, Gesellschafter
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/ uns folgende:
    • Menschen: unsere Mitarbeiter, unsere Kunden
  • Kontakt

  • Rolf-Dieter Lafrenz
  • Cargonexx GmbH
    Herrengraben 30
    20459 Hamburg
  • hallo@cargonexx.de
  • www.cargonexx.com/de