Space-Piraten und Häuser zum Zusammenstecken: Innovationen aus OWL



Wer an Nordrhein-Westfalen und Start-ups denkt, dem kommt wohl zuerst die Metropolregion Rhein-Ruhr in den Kopf, die laut dem Deutschen Startup Monitor zweitstärkste Gründungsregion Deutschlands. Daneben punktet jedoch noch eine zweite Region in NRW mit innovativen Start-ups: Ostwestfalen-Lippe (OWL). Wir stellen euch vier Start-ups und Gründungsprojekte aus der Region vor.

Portcrash: Notenlesen auf Piratisch

Musik ist schon eine tolle Sache. Sie begleitet uns eigentlich so gut wie überall. Gerade für Kinder ist Musik ein wichtiger Begleiter, ein Instrument zu spielen hilft zum Beispiel bei der Entwicklung verschiedener Fähigkeiten, darunter die Rechts-Links-Koordination. Wäre da doch nur nicht dieses blöde Notenlesen.

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Mit Käpt’n Portcrash und ihrer Piratencrew lernen Kinder spielend Notenlesen etc. (Bild: Portcrash)

Das Start-up um Gründerin Maike Niemeier und Piraten-Kapitänin Portcrash hilft Kindern dabei, dieses Problem zu bewältigen. Die Space-Piraten unterstützen mit Bild- und Tonmaterial, sogar ein Browsergame gibt es. Dabei sollen Kinder ihre Fähigkeiten, Noten korrekt am Klang zu erkennen, trainieren können. Dank Hamsterdrive und der tatkräftigen Unterstützung der Kleinen erlebt die Piratencrew musikalische Abenteuer und lernt jede Menge Neues.

Das Lernsystem hat die Gründerin und studierte Musikpädagogin Niemeier selbst ausgearbeitet und prompt in die Musikschule, die sie bereits während des Studiums gegründet hatte, integriert.

Clip Hut: Häuser zum Zusammenstecken

Wohnraum ist kostbar. Mietpreise schießen scheinbar überall in die Höhe und nur wenige können es sich leisten, ein eigenes Haus zu bauen.

Aber zumindest Letzteres muss ja vielleicht nicht unbedingt so sein. Das Hochschul-Projekt Clip Hut hat ein modulares Baukastensystem für die eigenen vier Wände entwickelt. Die hölzernen Bauteile können frei miteinander kombiniert werden. Und das ganz einfach durch Zusammenstecken.

Zugegeben, für eine Großfamilie, die nach einer Bleibe für die nächsten paar Generationen sucht, sind die Baukasten-Holzhäuser vielleicht nicht unbedingt ideal. Das sollen sie aber auch nicht sein. An möglichen Anwendungsgebieten fehlt es den Häuschen nämlich nicht. Im Fokus steht beispielsweise die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, die in kurzer Zeit viele Unterkünfte bereitstellen wollen.

Tech Tiny House: klein, aber fein soll’s sein

Auch die dritte Geschäftsidee, die wir euch heute vorstellen, beschäftigt sich mit dem Problem des mangelnden Wohnraums. Wie wir euch in diesem Beitrag zur Tiny-House-Bewegung bereits erklärt haben, findet die Idee der kleinen Häuschen immer größeren Zuspruch. Und das nicht nur in den USA, daher stammen die Tiny Houses nämlich eigentlich. Auch hierzulande kann der propagierte spartanische Lebensstil immer mehr Fans für sich gewinnen.

Tech Tiny House entstand eigentlich aus Eigeninteresse – die Gründer Brendan Thome und Sina Martensen hatten ihre Begeisterung für die kleinen Häuser entdeckt und wollten sich selbst eines anschaffen. Dabei bemerkten sie allerdings, dass sie das, was ihnen von verschiedenen Anbietern in Aussicht gestellt wurde, auch selbst hinbekommen würden – und sogar noch besser.

Der Erfolg gibt ihnen recht. Nicht nur, dass das Tech Tiny House Team in der Zwischenzeit auf eine stattliche Größe angewachsen ist. Neben dem Standort Detmold in Ostwestfalen-Lippe hat das Start-up mittlerweile noch einen zweiten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart.

Da Tiny Houses nicht nur als alternative Wohnlösung, sondern vielmehr als alternativer Lebensstil betrachtet werden müssen, beschränkt sich das Unternehmen auch nicht nur auf die Planung und Konstruktion der Häuschen. In Workshops wird Interessenten alles Wichtige zum Leben im Tiny House beigebracht, von der Bauart bis hin zu rechtlichen Infos.

FoodTracks: gegen Verschwendung in der Bäckerei

Ihr habt schon wieder keinen Streuselkuchen mehr bekommen? Und die Laugenbrötchen waren am Wochenende auch schon ausverkauft? Das mag daran liegen, dass es für Bäckereien oft unheimlich schwierig ist, den Bedarf im Voraus korrekt einzuschätzen. Mit FoodTracks kann sich das aber bald ändern.

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Digitale Bäckerei: Die FoodTracks-Software soll Bäckereien dabei helfen, präziser zu kalkulieren. (Bild: Antegon)

Das Start-up hat eine SaaS-Lösung entwickelt, mit deren Hilfe das Controlling in Bäckereibetrieben, vor allem in solchen mit mehreren Filialen, deutlich vereinfacht werden soll. Auf Basis eines smarten Algorithmus lassen sich so besser fundierte Entscheidungen treffen.

Dabei werden diverse Faktoren berücksichtigt, zum Beispiel der Standort der Filiale und andere äußere Bedingungen. Diese stets zu überblicken stellt eine Mammutaufgabe dar. Die Software des Start-ups lässt sich außerdem in den meisten Fällen relativ leicht ins Alltagsgeschäft integrieren, da sie kompatibel ist mit vielen gängigen Warenwirtschafts- und Kassensystemen.

Kurzum: FoodTracks ermöglicht es Bäckereien, erhebliche Kosten einzusparen. Nicht nur, dass am Ende des Tages weniger Lebensmittel übrig bleiben. Durch die neu eingeführte Kennzahl “Umsatzchance” erhalten die Bäckereien unter anderem auch Rückmeldung dazu, welche Waren nicht in hinreichendem Maße vorrätig waren und Kunden somit von einem Kauf absahen.

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