Finanzierung & Kredite EZB-Zinsentscheid heute: Zentralbank hebt Leitzins an

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Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen erstmals seit September 2023 wieder angehoben. Für Gründer, Selbstständige und kleine Unternehmen könnten Kredite dadurch teurer werden. Gleichzeitig steigen die Chancen auf attraktivere Zinsen für Tages- und Festgeld. Was der EZB-Entscheid jetzt bedeutet.

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Rednerpult
EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei einem früheren Auftritt der Europäischen Zentralbank: Die EZB hat den Leitzins heute angehoben. Foto: Adrian Petty / EZB.

EZB erhöht Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte

Der EZB-Rat um Zentralbank-Präsidentin Christine Lagarde hat am Donnerstag um 14:15 Uhr in Frankfurt am Main die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben.

Für Gründer, Selbstständige und kleine Unternehmen kann der Schritt vor allem teurere Finanzierungen bedeuten. Zugleich könnten Tagesgeld und Festgeld für Firmenkunden attraktiver werden.

Die aktuellen EZB-Leitzinsen im Überblick

Mit dem heutigen Beschluss hat die Europäische Zentralbank die wichtigsten Leitzinsen angehoben:

  • Einlagensatz: 2,25 %
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,40 %
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,65 %

Der Einlagensatz gilt als wichtigster Leitzins der EZB: Er bestimmt, welche Zinsen Banken erhalten, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Änderungen wirken sich häufig auf Sparzinsen, Kreditzinsen und die Finanzierungskosten von Unternehmen aus.

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Krieg im Nahen Osten erhöht Inflationsdruck

Als wichtigsten Grund für die Zinserhöhung nennt die Europäische Zentralbank die Folgen des Krieges im Nahen Osten. Nach Einschätzung des EZB-Rats erhöht der Konflikt den Inflationsdruck im Euroraum und erschwert damit die Rückkehr zum Inflationsziel von 2 %.

In ihren neuen Projektionen erwartet die EZB für das laufende Jahr eine durchschnittliche Inflation von 3,0 %. Für 2027 rechnen die Notenbanker mit 2,3 %, erst 2028 soll die Teuerung wieder den Zielwert von 2,0 % erreichen. Gegenüber den Prognosen vom März wurden die Inflationsaussichten für 2026 und 2027 nach oben korrigiert.

Als Grund nennt die EZB vor allem höhere Energiepreise. Diese könnten sich nach Einschätzung der Notenbank auch auf Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen auswirken.

Gleichzeitig erwartet die EZB eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung. Für 2026 prognostizieren die Experten nur noch ein Wachstum von 0,8 % Auch die Erwartungen für 2027 wurden nach unten angepasst.

Trotz der Zinserhöhung legt sich die EZB nicht auf weitere Schritte fest. Der EZB-Rat betonte, künftige Entscheidungen würden weiterhin von den jeweils aktuellen Wirtschafts- und Inflationsdaten abhängen.
 

Was die Zinserhöhung für Gründer und Unternehmen bedeutet

Wer in den kommenden Monaten einen Kredit für eine Gründung, eine Investition oder eine Expansion aufnehmen möchte, muss genauer auf die Konditionen achten. Zwar steigen Kreditzinsen nicht automatisch im gleichen Umfang wie die Leitzinsen. Banken könnten die höheren Finanzierungskosten aber zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.

Gleichzeitig verbessert sich die Lage für Unternehmen, die freie Liquidität angelegt haben oder anlegen möchten. Höhere Leitzinsen erhöhen die Chancen auf attraktivere Angebote bei Tagesgeld und Festgeld für Firmenkunden.

Der Wettbewerb am Markt hat zuletzt bereits zugenommen: So wirbt etwa Chase derzeit mit einem Tagesgeldangebot von bis zu 4 %. Sollte das Zinsniveau im Euroraum weiter steigen, könnten weitere Banken ihre Konditionen nachbessern, um neue Kunden zu gewinnen.

Viele Ökonomen sehen die aktuelle Zinserhöhung zudem als wichtiges Signal für die kommenden Monate. Entscheidend wird sein, ob die EZB den heutigen Schritt als einmalige Maßnahme versteht oder weitere Zinserhöhungen folgen lässt.

Weitere Zinserhöhungen erwartet

Viele Ökonomen rechnen derzeit nicht damit, dass es bei diesem einen Zinsschritt bleibt: Laut einer Reuters-Umfrage erwarten 49 von 80 befragten Volkswirten im weiteren Jahresverlauf mindestens zwei zusätzliche Zinserhöhungen.

Auch an den Finanzmärkten wurde eine Zinserhöhung im Juni bereits weitgehend erwartet. Marktbeobachter gingen zuletzt mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte aus. Entsprechend richtet sich der Blick nun vor allem auf die Frage, welche Signale die EZB für die kommenden Sitzungen sendet.

Entscheidend dürfte dabei die Entwicklung der Inflation sein. Die Verbraucherpreise im Euroraum lagen im Mai nach Schätzungen von Eurostat bei 3,2 % und damit weiterhin deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent. Sollte der Preisdruck hoch bleiben, könnten weitere Zinserhöhungen wahrscheinlicher werden.

EZB Termine 2026 im Überblick

Insgesamt stehen in diesem Jahr noch vier weitere Sitzungen des EZB-Rats an:

  • 23. Juli 2026
  • 10. September 2026
  • 29. Oktober 2026
  • 17. Dezember 2026

Besonders aufmerksam verfolgen Anleger, Unternehmen und Finanzmärkte die Termine im September und Dezember. Dann veröffentlicht die EZB regelmäßig aktualisierte Prognosen zur Inflation und zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum.

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