"Realistische Erwartungshaltung" Spritpreis sinkt trotz Iran-Waffenruhe nicht: 10 Maßnahmen für Selbstständige

Iran-Krieg: Hohe Spritpreise trotz Waffenruhe
Der Krieg mit Iran und die Unsicherheit um die Straße von Hormus, die wichtigste Handelsroute für Öltanker, haben den Ölmarkt nervös gemacht. Nach der angekündigten Waffenruhe und der vorläufigen Freigabe der Straße von Hormus fiel der Brent-Ölpreis deutlich von 105 auf rund 92 US-Dollar pro Barrel.
Doch ob und wann das auch an den Zapfsäulen spürbar wird, ist noch offen: Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille dämpfte am Mittwoch in Berlin die Hoffnung auf sinkende Preise und mahnte zu einer "realistischen Erwartungshaltung".
Bereits wenige Wochen mit höheren Spritkosten belasten die Liquidität spürbar. Nicht jeder kann die Kosten direkt weitergeben. Wer Kunden anfährt, Mitarbeiter auf Tour schickt oder regional zustellt, verliert bei jeder unnötigen Fahrt Geld. Unternehmen mit mehreren Fahrzeugen kämpfen gleich an mehreren Fronten: Fuhrpark, Reisekosten, Einsatzplanung und teurere Arbeitswege der Mitarbeiter.
Wer jetzt nur auf sinkende Preise hofft, reagiert zu spät. Gefragt sind klare Sofortmaßnahmen, die im Alltag schnell Wirkung zeigen.
1. Gezielt tanken
Viele Betriebe tanken immer noch nebenbei. Mal hier, mal dort, oft ohne Preisvergleich. Das ist in einer Hochpreisphase ein teurer Fehler.
Der ADAC weist darauf hin, dass seine Kraftstoffpreissuche die Preise in Echtzeit abbildet. Grundlage dafür sind die Meldungen aus dem Markttransparenzsystem für Kraftstoffe. Wer also ohne Vergleich tankt, verschenkt jeden Tag Geld.
Lösung bei hohen Spritpreisen:
- feste Tankregeln
- Fahrer sollten nur mit Preis-App tanken
- Stammtankstellen regelmäßig überprüfen
- Nicht "bei Gelegenheit", sondern geplant tanken
2. Richtigen Tankzeitpunkt einplanen
Seit dem 1. April 2026 gilt eine neue Preislogik an Tankstellen. Einmal täglich darf gegen 12 Uhr der Bezin- und Dieselpreis erhöht werden. Das wird von den Mineralölkonzernen genutzt.
Das verändert den besten Tankzeitpunkt. Anstelle mittags oder kurz danach zu tanken, sollte vorher die Zapfsäule bedient werden. Insbesondere, wenn Touren vorbereitet werden.
Für Unternehmen ist das eine der leichtesten Sofortmaßnahmen. Sie kostet nichts – sie braucht nur Disziplin. Schon wenige Cent Unterschied pro Liter machen bei mehreren Fahrzeugen im Monat schnell einen spürbaren Betrag aus.
Unsere Partner-Empfehlungen3. Termine bündeln
Die größte Sparchance liegt meist nicht an der Zapfsäule, sondern im Kalender. Viele Unternehmen fahren zu oft kreuz und quer. Ein Termin hier, einer dort, zwischendurch zurück ins Büro. Das ist der Alltag vieler, aber aktuell besonders teuer.
Besser ist eine sinnvolle Bündelung: Alle Kundentermine in einer Region kommen bestmöglich auf einen Tag. Angebote, Besprechungen und Standardabstimmungen laufen digital, wenn kein Vor-Ort-Besuch nötig ist.
Wer Fahrten regional clustert, spart sofort Kraftstoff, Arbeitszeit und Nerven. Gerade für kleine Teams ist das oft der schnellste Hebel.
4. Leerfahrten sichtbar machen
Wenn Mobilitätskosten nicht gemessen werden, sind die Gesamtkosten am Monatsende nicht nachvollziehbar. Viele kleine Firmen wissen daher nicht, welches Fahrzeug teuer ist, welcher Fahrer besonders viel verbraucht oder welcher Auftrag wegen der Anfahrt kaum noch rentabel ist.
Deshalb sollten vier Kennzahlen sofort in den Blick:
- Verbrauch pro Fahrzeug
- Kosten pro Fahrer
- Kosten pro Auftrag
- Anteil von Leerfahrten
Dafür braucht es am Anfang keine große Software. Eine einfache Tabelle reicht, um Muster sichtbar zu machen. Nach wenigen Wochen ist meist klar, wo der größte Verlust entsteht.
5. Mobilitätskosten transparent in die Preise einbauen
Viele Unternehmer drücken sich davor, ihre Mobilitätskosten einzukalkulieren oder transparent als separaten Posten in der Rechnung auszuweisen. Das ist verständlich, um den Kunden keinen höheren oder gar weiteren Posten in Rechnung zu stellen.
Aber es ist riskant. Wenn die Anfahrt teurer wird, muss sie in die Kalkulation. Sonst frisst sie die Marge.
Sinnvoll sind Anfahrtspauschalen, Mindestauftragswerte bei längeren Wegen oder regionale Zuschläge. In der Praxis ist Transparenz besser: Kunden akzeptieren klare, nachvollziehbare Regeln eher als versteckte Preiserhöhungen.
Gerade bei den aktuell hohen Spritpreisen sollten Selbstständige bei neuen Angebote sofort mit den realen Mobilitätskosten rechnen und nicht erst beim nächsten Preisgespräch.
6. Nur notwendige Fahrten zulassen
Nicht jede Fahrt ist notwendig. Diese Erkenntnis ist banal, wird im Alltag aber oft ignoriert.
Unternehmen sollten deshalb ihre internen Mobilitätsregeln prüfen:
- Welche Meetings brauchen wirklich Präsenz?
- Wo reicht ein Videocall?
- Wann können Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten?
- Und wo lassen sich Teamfahrten bündeln?
Gerade bei Unternehmen mit mehreren Beschäftigten entsteht hier ein doppelter Nutzen. Der Betrieb spart Sprit. Und Mitarbeiter erleben, dass ihr Arbeitgeber die steigenden Pendel- und Fahrtkosten ernst nimmt. Das wird in einem angespannten Arbeitsmarkt schnell zum Vorteil.
7. Vor-Ort-Tage strikt trennen
Für Solo-Selbstständige gilt eine einfache Regel: Vor-Ort-Tage und Remote-Tage dürfen nicht ständig ineinanderlaufen. Wer jeden Tag ein bisschen fährt, produziert über die Woche oft unnötig viele Kilometer. Besser ist ein klares System: Zwei oder drei Tage für Kundentermine. Die übrigen Tage für Büro, Angebote, Telefonate und Videocalls.
Das spart nicht nur Sprit. Es macht auch die Woche planbarer. Gerade in teuren Phasen hilft diese Trennung, den eigenen Aufwand sauberer zu steuern.
8. Jetzt den Fahrzeugmix überprüfen
Hohe Spritpreise zeigen schonungslos, welches Fahrzeugprofil noch passt und welches nicht mehr. Wer fast nur Kurzstrecken fährt, sollte prüfen, ob ein kleineres Fahrzeug, ein anderes Nutzungsmodell oder mittelfristig ein Umstieg auf E-Mobilität sinnvoller ist. Dafür gibt es weiter Förderangebote. Die KfW unterstützt Unternehmen sowohl bei Ladeinfrastruktur als auch bei Investitionen in Elektromobilität.
Das ist keine Soforthilfe für morgen früh. Aber es ist eine strategische Antwort auf dauerhaft hohe Spritpreise.
9. Mitarbeitern Alternative zum Auto anbieten
Wer Fachkräfte halten will, sollte die Arbeitswege nicht vergessen. Das Deutschlandticket kostet seit Januar 2026 regulär 63 € pro Monat. Beim Jobticket sinkt der Preis auf maximal 44,10 €, wenn der Arbeitgeber mindestens 25 % Zuschuss zahlt. Diese Regel ist klar dokumentiert. Für viele Betriebe ist das günstiger und eleganter als improvisierte Einzelzuschüsse.
Nicht jeder Mitarbeiter kann auf Bus und Bahn umsteigen. Aber dort, wo es passt, kann ein Jobticket sofort entlasten. Es hilft Beschäftigten. Und es senkt den Druck, bei jedem Arbeitsweg auf das Auto angewiesen zu sein.
10. Szenarien festlegen
Unternehmen sollten nicht auf den Zufall setzen. Die Lage am Ölmarkt bleibt fragil. Die aktuelle Eskalation rund um Iran und die Straße von Hormus zeigt, wie schnell geopolitische Risiken an deutschen Zapfsäulen ankommen.
Deshalb braucht jedes Unternehmen jetzt einen klaren Fahrplan:
- Ab welchem Dieselpreis werden Anfahrten neu kalkuliert?
- Ab wann gibt es regionale Zuschläge?
- Welche Termine entfallen zuerst?
- Welche Fahrzeuge werden als Nächstes ersetzt?
Wer das vorab entscheidet, reagiert bei der nächsten Preiswelle ruhiger und klüger.
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Quellen:
ADAC: Tankkosten: Dieselpreis springt auf neues Allzeithoch
Jobticket Manager: Konditionen
tagesschau: Ölpreise brechen massiv ein
WirtschaftsWoche: Regierung dämpft Erwartung auf sinkende Spritpreise