Baukrise Höhbauer GmbH: Insolvenz nach 75 Jahren Tradition

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75 Jahre Tradition, rund 350 Mitarbeiter und eine solide Eigenkapitalquote: Auf den ersten Blick wirkte Höhbauer wie ein stabiler Mittelständler. Doch innerhalb kurzer Zeit brachen Gewinn und Liquidität weg – jetzt ist der Fensterhersteller insolvent. Der Fall zeigt, wie schnell eine Branchenkrise selbst etablierte Familienunternehmen ins Wanken bringen kann. Und ausgerechnet jetzt zeichnet sich am Bau eine Erholung ab.

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Standort der Höhbauer GmbH
Der Fenster- und Türenhersteller Höhbauer aus Luhe-Wildenau hat nach 75 Jahren Unternehmensgeschichte Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. Bild: Gelbe Seiten.

Bayerischer Bauelemente-Hersteller stellt Insolvenzantrag

Erst im vergangenen Jahr feierte Höhbauer sein 75-jähriges Bestehen. Nun steckt der traditionsreiche Fenster- und Türenhersteller aus dem bayerischen Luhe-Wildenau in finanziellen Schwierigkeiten.

Die Geschäftsführung hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Weiden ordnete am 22. September 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt.

Betroffen sind rund 325 Beschäftigte. Vorerst läuft der Geschäftsbetrieb weiter. Die Löhne und Gehälter sind bis einschließlich November über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. In den kommenden Wochen sollen die wirtschaftliche Lage und mögliche Sanierungsoptionen geprüft werden.

Als Ursache nennt der vorläufige Insolvenzverwalter ein schwieriges Marktumfeld. Gestiegene Kosten für Energie, Material und Personal sowie höhere Zinsen hätten die Nachfrage nach Neubau- und Sanierungsprojekten sinken lassen. Nach Umsatzrückgängen sei schließlich die langfristige Finanzierung des Unternehmens nicht mehr gesichert gewesen.

Doch die Insolvenz kam nicht völlig aus dem Nichts. Schon in den Jahren zuvor zeigten die Geschäftszahlen, wie stark der Druck auf Höhbauer zunahm. Dabei sah die Ausgangslage zunächst erstaunlich solide aus.

Vom Familienbetrieb zum Fensterhersteller mit 350 Mitarbeitern

Die Geschichte von Höhbauer begann 1950: Michael Höhbauer gründete das Unternehmen als Zimmerei im oberpfälzischen Luhe-Wildenau.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Betrieb weit über seine handwerklichen Wurzeln hinaus. 1972 nahm Höhbauer Kunststofffenster ins Sortiment auf, 1980 folgte die Eröffnung des neuen Firmenstandorts.

Auch die Führung blieb in der Familie. 1982 übernahm Hans-Günther Höhbauer die Geschäftsführung von seinem Vater.

2016 übernahm Christoph Höhbauer die operative Führung des Familienunternehmens in dritter Generation. Aus der einstigen Zimmerei wurde so ein Mittelständler, der Fenster, Haustüren, Wintergärten und weitere Bauelemente produziert. Gefertigt wird bis heute ausschließlich am Standort Luhe-Wildenau.

Zum 75-jährigen Jubiläum 2025 beschäftigte Höhbauer nach eigenen Angaben rund 350 Mitarbeiter. Das Unternehmen investierte weiterhin in neue Produkte und eröffnete im Jubiläumsjahr einen eigenen Smart-Home-Showroom. In der öffentlichen Selbstdarstellung deutete zu diesem Zeitpunkt wenig darauf hin, dass Höhbauer nur rund anderthalb Jahre später Insolvenzantrag stellen würde.

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Wie sich die Krise bei Höhbauer abzeichnete

Doch wie ernst die Lage bereits war, zeigt der Jahresabschluss 2023/24: Die Gesamtleistung von Höhbauer sank innerhalb eines Jahres um 8,11 Millionen Euro.

Noch deutlicher fiel der Einbruch beim operativen Gewinn aus: Er stürzte von 941.000 € auf nur noch 16.000 € ab. Damit verdiente Höhbauer mit seinem eigentlichen Geschäft innerhalb eines Jahres praktisch nichts mehr.

Das Unternehmen reagierte. Die Personalkosten sanken um 1,44 Millionen Euro. Dafür baute Höhbauer unter anderem Resturlaub und Überstunden ab und setzte punktuell Kurzarbeit ein. Doch selbst diese Einsparungen konnten den Rückgang im Geschäft nicht auffangen.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die verfügbaren Geldreserven: Kassen- und Bankguthaben fielen von rund 1,51 Millionen auf nur noch 427.000 €. Ein Rückgang um fast 72 %. Höhbauer führte das unter anderem auf hohe Vorleistungen für die Produktion, gebundenes Kapital im laufenden Geschäft und die Tilgung von Bankkrediten zurück.

Ausgerechnet in dieser Situation stieg die Eigenkapitalquote von 37,5 auf 43,6 %. Das klingt zunächst nach mehr Stabilität. Tatsächlich wuchs das Eigenkapital aber kaum: von 5,69 auf 5,72 Millionen Euro. Die Quote verbesserte sich vor allem deshalb, weil die gesamte Bilanzsumme deutlich schrumpfte.

Auf dem Papier wirkte Höhbauer damit weiterhin solide. Doch das operative Geschäft war bereits massiv unter Druck geraten: kaum noch Gewinn, deutlich weniger liquide Mittel und eine schwächere Auftragslage. Für das folgende Geschäftsjahr rechnete das Unternehmen selbst bereits mit einem Verlust.

Krise am Bau trifft Höhbauer mit voller Wucht

Die Befürchtungen der Geschäftsführung bewahrheiteten sich. Im Geschäftsjahr 2024/25 schrieb Höhbauer einen Verlust von rund 2,29 Millionen Euro. Damit war aus den Warnsignalen des Vorjahres eine handfeste Unternehmenskrise geworden.

Der Verlust fraß einen erheblichen Teil des finanziellen Polsters auf. Das Eigenkapital sank binnen eines Jahres von rund 5,72 auf 3,43 Millionen Euro, ein Rückgang von etwa 40 %.

Die Eigenkapitalquote fiel entsprechend von 43,6 auf 28,9 %. Gleichzeitig standen inzwischen Verbindlichkeiten von rund 5,67 Millionen Euro in der Bilanz.

Hinter dem Einbruch stand auch die anhaltende Krise am Bau. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters belasteten gestiegene Preise für Energie, Material und Personal das Unternehmen.

Gleichzeitig verteuerte die Zinswende der Europäischen Zentralbank Baufinanzierungen deutlich. Viele Projekte wurden verschoben, gestrichen oder rechneten sich schlicht nicht mehr. Für Höhbauer trafen damit steigende Kosten auf eine sinkende Nachfrage.

Nachdem die Umsatzrückgänge anhielten, war die langfristige Finanzierung des Unternehmens schließlich nicht mehr gesichert. Die Geschäftsführung stellte Insolvenzantrag. Aus der schwachen Auftragslage war eine Finanzierungskrise geworden.

Warum eine hohe Eigenkapitalquote nicht vor der Insolvenz schützt

Der Fall Höhbauer zeigt, warum eine hohe Eigenkapitalquote allein noch kein Schutz vor einer Krise ist. Die 43,6 % aus dem Geschäftsjahr 2023/24 bedeuteten zunächst: Mehr als zwei Fünftel der Bilanzsumme waren durch Eigenkapital gedeckt.

Das schafft einen Puffer für schlechte Zeiten. Es sagt aber wenig darüber aus, wie viel Geld tatsächlich verfügbar ist, um Rechnungen, Löhne oder Kredite zu bezahlen.

Gerade hier zeigt sich, warum die Eigenkapitalquote allein nur einen Teil der finanziellen Lage abbildet. Während das Eigenkapital nahezu unverändert blieb, waren die verfügbaren Kassen- und Bankguthaben binnen eines Jahres von rund 1,51 Millionen auf 427.000 € gefallen. Gleichzeitig erwirtschaftete das operative Geschäft kaum noch Gewinn.

Ein solcher Puffer hilft deshalb vor allem dann, wenn eine Krise vorübergehend bleibt. Dauern Umsatzrückgänge länger an, werden Verluste aus dem vorhandenen Kapital finanziert.

Bei Höhbauer lässt sich dieser Effekt deutlich beobachten: Schon im folgenden Geschäftsjahr führte der Millionenverlust dazu, dass ein erheblicher Teil des Eigenkapitals aufgezehrt wurde.

Am Ende war deshalb nicht allein entscheidend, wie solide die Bilanz einmal ausgesehen hatte. Sondern, ob das laufende Geschäft wieder genug Geld einbringen und finanziert werden konnte. Genau das war schließlich nicht mehr langfristig gesichert.

Kommt die Erholung für Höhbauer noch rechtzeitig?

Ausgerechnet jetzt gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich die Lage am Bau wieder bessert. Von Januar bis Juli 2026 wurden in Deutschland rund 148.800 Wohnungen genehmigt. Das waren 12,9 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei Wohnungen in neuen Wohngebäuden betrug das Plus sogar 13,5 %.

Auch Höhbauers eigene Branche rechnet mit einer Trendwende. Der Verband Fenster + Fassade prognostiziert für 2026 ein Wachstum des deutschen Fenstermarktes um 3,1 %. Im Vorjahr war der Markt noch leicht geschrumpft.

Doch von einer echten Erholung kann noch keine Rede sein. Im August meldeten weiterhin 41,3 % der vom ifo Institut befragten Wohnungsbauer einen Mangel an Aufträgen. 13,4 % berichteten sogar von stornierten Projekten.

Die bessere Stimmung sei bislang vor allem ein "Vorschuss auf die Zukunft", urteilt das Institut. Aus mehr genehmigten Bauprojekten müssen erst tatsächliche Aufträge werden.

Für Höhbauer beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, während der vorläufige Insolvenzverwalter die wirtschaftliche Lage und mögliche Sanierungsoptionen prüft. Ob der traditionsreiche Hersteller noch von der beginnenden Erholung profitieren kann, ist derzeit offen.

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