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Essentieller leben: Sinnvoll und glücklich zum Ziel

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Selbstmanagement

Zeit ist ein wertvolles Gut und viele hätten gerne mehr davon. Minimalist Cédric Waldburger verrät im Interview, wie es gelingt, essentieller zu leben und seine Zeit sinnvoller zu nutzen.

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Seriengründer Cédric Waldburger ist bekannt als Minimalist und ist unter anderem Mitgründer des Risikokapitalgebers Tomahawk. (Foto: Cédric Waldburger)

GründerDaily: Hallo Cédric, die Fastenzeit ist nun vorbei. Wenigen Menschen gelingt es, längerfristig zu verzichten, ob auf Alkohol, ungesundes Essen oder Konsum. Du hingegen hast es geschafft, deine Gegenstände dauerhaft von 700 auf 52 zu reduzieren. Wie?

Cédric Waldburger: Bei mir war das Ganze ein Prozess.

Ich habe mich gefragt was es ist, das mich glücklich macht und festgestellt, dass es in erster Linie spannende Menschen und spannende Projekte waren.

Dann habe ich mir das Ziel gesetzt, eben damit mein Leben zu füllen und alle Dinge loszuwerden, die mich bei diesem Ziel hinderten. Ich machte eine Liste mit all meinen Besitztümern und begann, nach und nach die Dinge wegzugeben, die ich in den letzten 90 Tagen nicht benutzt hatte und auch nicht vorhatte, sie in den nächsten 90 Tagen zu benutzen. Diesen Prozess wiederholte ich alle 90 Tage nochmal.

GründerDaily: Für dich ist Minimalismus ein Lebensstil geworden. Wo fing bei dir der Überfluss an und wobei hat dir der Verzicht geholfen?

Cédric Waldburger: Überfluss heißt für mich, dass ich für Dinge da sein muss, statt dass sie für mich da sind. Wenn ich spontan ein Wochenende zum Wandern in die Berge gehe oder für ein Projekt zwei Wochen nach Kapstadt fliegen muss, möchte ich mich nicht erst darum kümmern müssen, wer in der Zeit meine Pflanzen gießt oder welche Hose ich mit welchem T-Shirt kombinieren kann.

Weniger Dinge zu besitzen gibt mir Freiheit, schafft wunderschöne Erlebnisse und mehr Brain Power für das, was mir wichtig ist - spannende Menschen und spannende Projekte.

Und wenn ich das Gefühl habe, doch noch unbedingt etwas besitzen zu müssen, kann ich es mir immer noch mieten, ausleihen oder weiterverkaufen. So habe ich es schon einige Male z.B. mit einer Drohne gemacht, die ich wochenweise ausgeliehen hatte.

GründerDaily: Du möchtest dich auf die Dinge konzentrieren, die dir wichtig sind. Welche Tipps und Tools helfen dir dabei?

Cédric Waldburger: Meine Gedanken aufzuschreiben hilft mir, sie zu strukturieren, sie mit anderen zu teilen und aus meinem Kopf zu kriegen.

So haben wir im Tomahawk Team alle Prozesse verschriftlicht, sodass unsere Werte, Zuständigkeiten und Abläufe für alle klar sind.

Aber auch privat haben meine Frau Elena und ich in einem Dokument unsere Werte, Ziele und Aufgabenbereiche schriftlich festgehalten. So müssen wir uns keine Gedanken darum machen, wer zum nächsten Geburtstag meiner Tante nach einem Geschenk sucht, was für eine Wohnung wir für den nächsten Auslandsaufenthalt mieten oder warum wir unsere Tochter so erziehen, wie wir es tun.

Für mich selbst nutze ich meinen 90-Days Review und Preview Process, um mir alle 90 Tage eine Email an mich selbst zu schreiben und zu schauen, dass ich meine Prioritäten und Ziele im Leben einhalte.

GründerDaily: Wie hast Du es geschafft, dass das Einschränken kein wirklicher Verzicht mehr für dich ist?

Cédric Waldburger: Weniger zu besitzen heißt für mich, mehr Freiheit zu haben, mehr zu erleben, mehr spannende Leute kennenzulernen und mehr Platz im Kopf zu haben für das, was für mich wichtig ist. Es hat sich für mich nie nach Verzicht angefühlt.

GründerDaily: Welche Kraft, Erkenntnisse, Freiheiten hast du für dich gewonnen?

Cédric Waldburger:

Unsere Zeit ist das wertvollste Gut, was wir besitzen.

Ich versuche meine Zeit so gut wie möglich damit zu verbringen, was mich wirklich glücklich macht und die Noise drumherum so weit wie möglich zu reduzieren.

Ich bin mit mir selbst im Reinen und zufrieden, das ist ein wunderbares Gefühl.

Wie hilft dir die Reduktion im Job? Wendest du auch dort den Minimalismus an?

Einen klaren Fokus zu haben ist für mich in allen Lebensbereichen wichtig. Auch im Tomahawk Team nutzen wir unsere Zeit sehr bewusst und an den Stellen, an denen wir das Gefühl haben, den meisten Wert stiften zu können.

GründerDaily: Täglich werden wir von Informationen überflutet. Wie schaffst du es, das Wesentliche für dich herauszufiltern?

Cédric Waldburger:

Ich tracke, womit ich meine Zeit verbringe und wie ich mich dabei fühle.

So kann ich leicht feststellen, was für mich Ballast ist und was tatsächlich sinnvoll. Zum Beispiel habe ich aufgehört, News zu lesen und verbringe stattdessen eine Stunde am Tag ungestörte, bildschirmfreie Zeit mit meiner Tochter.

GründerDaily: Jahrelang hattest du als digitaler Nomade gelebt, von überall für verschiedene Start-ups gearbeitet. Was waren deine Learnings aus der Zeit und wie kann man diese in der aktuellen Corona-Krise bei seiner Arbeit anwenden?

Cédric Waldburger: Die erfolgreichsten Unternehmen für mich bestehen aus Teams mit unterschiedlichen, komplementären Skillsets, schaffen es aber dennoch auf einer Meta-Ebene miteinander klarzukommen und haben gemeinsame Ziele.

Je komplementärer ein Team ist, desto wichtiger ist es, offen zu kommunizieren und voneinander zu lernen.

Das machen wir mit unterschiedlichen Learning-Sessions, Feedbackgesprächen und Gesprächen, bei denen wir uns gegenseitig challengen.

Für dich sind gute Teams, motivierte Mitarbeiter und eine positive Arbeitskultur wichtig. Wie erhalte ich dies über Remote?

Cédric Waldburger: Das Zwischenmenschliche spielt für mich eine sehr große Rolle.

Deshalb bevorzuge ich es, in kleinen Teams zu arbeiten, bei denen ich mindestens einmal im Monat mit jedem Mitarbeiter einzeln ein tiefgründiges, gegenseitiges Feedbackgespräch führen kann und ein Gespür für den anderen entwickeln kann.

Außerdem starten wir jeden Morgen mit einem 30-minütigen Call, bei dem wir uns erzählen, wie wir uns gerade fühlen, wofür wir dankbar sind, gemeinsam Spiele spielen oder über aktuelle Themen diskutieren. Wenn es möglich ist, bringen wir das ganze Team alle 90 Tage irgendwo auf der Welt zusammen, um Ideen auszutauschen, gemeinsam etwas Ungewöhnliches zu erleben und an langfristigen Strategien und Zielen zu arbeiten.

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GründerDaily: Welche Tipps kannst du anderen Gründern geben, die minimalistischer leben möchten. Wo sollen sie anfangen?

Cédric Waldburger: Ich würde niemandem dazu raten, minimalistischer zu leben, weil das Wort für mich einen Beigeschmack von “weniger ist besser” hat. Vielmehr würde ich anderen dazu raten “essentieller” zu leben - also ihre Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft in die Dinge reinzustecken, die sie wirklich glücklich machen. Ob es dabei 50, 500 oder 5000 Dinge sind, ist für jeden unterschiedlich.

Finde heraus, was dich glücklich macht und richte dein Leben danach aus.

Sieh deine Zeit als dein wertvollstes Gut an und dass du sie bewusst verbringst - beruflich und privat.

Gründer Daily: Cédric, wir danken dir sehr für das Interview und deine Tipps!

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