Digitales Fasten: Vorteile + Tipps



Eine Zeit lang auf Smartphone, Laptop und Tablet verzichten: Was bringt es und wie geht das? Wir stellen praxisnahe Tipps für digitales Fasten im Alltag vor.


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Mehr Natur, weniger Technologie: Digitales Fasten ist eine Entscheidung gegen Ablenkung und für die Gesundheit. (Foto: Unsplash)

Digitales Fasten: Vorteile

Hersteller von Tech-Produkten und Entwickler von Apps versprechen uns ein schönes, leichteres und spannenderes Leben. Aber es hat erhebliche Vorteile, digitales Fasten umzusetzen.

#1 Ihr kommt zur Ruhe

Immer mehr Menschen fühlen sich nervös, getrieben und gestresst. Hierfür ist nicht ein Faktor allein verantwortlich, doch bestätigen immer mehr Ärzte und Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Digitalisierung und diesen Zivilisationserscheinungen.

Bekannt ist dieser Effekt schon lange durch den hohen Blaulichtanteil in Bildschirmen: Setzen unsere Augen sich diesem Licht eine längere Zeit lang aus, werden wir unruhig.

Lösen könnt ihr dieses Problem mit einem Blaulichtfilter: Viele Computer haben diesen als Einstellung im Betriebssystem (Nachtmodus), für mobile Geräte gibt es auch eine Funktion oder entsprechende Apps.

Hinzu kommen Push-Benachrichtigungen, Messages, E-Mails usw. Ein Verzicht auf elektronische Geräte durch digitales Fasten gibt unserem Körper die Chance, zur Ruhe zu kommen, die er so dringend benötigt.

Diese Phase der Ruhe kann ein paar Stunden oder auch mal einen ganzen Tag dauern – je nachdem, wie und wann die Erholung in euren Alltag passt.

#2 Fear of missing out bändigen

Seit einigen Jahren beobachten Forscher ein Phänomen, das sich Fear of missing out (FOMO) nennt: die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Lange Zeit wurde dieses Phänomen auf junge Leute eingegrenzt, die sich z. B. beruflich nicht festlegen wollten, aus Angst, etwas im Leben zu verpassen.

Das stimmt aber nur bedingt: FOMO ist ein gesellschaftliches und digitales Problem. Das Angebot an Online-Kursen, Webinaren, Apps und anderen Diensten ist unüberschaubar geworden. Gleichzeitig werben die Anbieter damit, dass ihre digitalen Lösungen das eigene Leben tief greifend verändern, uns mehr Freude, Gesundheit, Zeit etc. bringen.

Ein Dilemma entsteht: Wenn wir Webinar A besuchen, verpassen wir Webinar B, C und D, die uns vielleicht noch “besseren” Input gebracht hätten.

Fear of missing out betrügt unser Gehirn, indem diese Angst uns glauben macht, dass es immer eine noch bessere Wahl gäbe. Hier müssen Unternehmer in die Eigenverantwortung gehen: Durch digitales Fasten helfen sie ihrem Gehirn, wieder in gesunden Bahnen zu denken, da es nicht permanent mit Wahlmöglichkeiten überschwemmt wird.

Eine Lösung aus FOMO ist, sich bewusst zu machen, dass jede Entscheidung ihren Preis hat und dies zu akzeptieren.

Umso wichtiger ist es, seine Wahl ganz bewusst zu treffen. Nehmt euch ein paar Minuten Zeit, die Beschreibungen und Speaker-Listen der Webinare zu prüfen. Entscheidet euch dann, welches Webinar für euch den höchsten Stellenwert hat und schreibt euch den Grund dafür auf. Schleicht sich später oder im Nachhinein Kollege Zweifel ein, könnt ihr euren Zettel mit dem notierten Grund hervorholen und euch diesen wieder vergegenwärtigen.

  • Tipp: Für immer verpasste Gelegenheiten sind online sehr selten. Webinare werden aufgezeichnet, günstige Kurse wird es regelmäßig in Sonderangeboten geben, etc. Marketing will euch durch künstliche Verknappung manchmal etwas anderes glauben lassen, fallt nicht auf diesen Werbetrick herein.

#3 Mehr Zeit für das echte Leben

Wann habt ihr das letzte Mal bewusst einen Spaziergang unternommen, ohne auf das Handy zu schauen?

Sitzt ihr beim Abendbrot mit euren Liebsten zusammen und unterhaltet euch oder gibt es etwas Schnelles aus der Mikrowelle vor dem Smart-TV?

Zu viel Technik vernebelt den Blick für das, was um uns herum geschieht.

Soziale Interaktion verschlechtert sich durch zu viel digitale Ablenkungen, wir nehmen Veränderungen unserer Umwelt gar nicht mehr wahr. Das echte Leben, das aus mehr besteht als dem Internet, zieht an uns vorbei.

Damit dies nicht so ist, plant euch regelmäßig Auszeiten ein, sei es 10 Minuten oder eine Stunde. Trinkt bewusst euren Kaffee, schaut dabei aus dem Fenster oder geht um den Häuserblock oder raus in die Natur. Ihr werdet merken, auch ein kurzes digitales Fasten kann schon Wunder bewirken und für einen Energieschub sorgen.

Apps für digitales Fasten

Der komplette Verzicht bzw. das Abschalten elektronischer Geräte ist und bleibt die effektivste, weil konsequenteste Maßnahme für digitales Fasten. Doch insbesondere Unternehmern ist das nicht immer möglich. Hin und wieder erwartet man einen dringenden Anruf oder muss online schnell auf eine Entwicklung, wie eine Kundenbeschwerde, reagieren. Dann sind Apps eine gute Hilfe, auch wenn das paradox klingt.

Offtime

Die in Berlin entwickelte App ermöglicht die Sperrung ausgewählter Apps zu Zeiten, die der Nutzer selbst festlegen kann. Ein denkbares Szenario ist zum Beispiel, Kollaborations-Apps wie MS Teams oder Slack von 18 Uhr abends bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Tag automatisch zu deaktivieren.

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Die Berliner App Offtime möchte mehr Qualitätszeit ermöglichen. (Screenshot: Offtime)

Offtime arbeitet darüber hinaus mit einem kleinen Bestrafungssystem: Wird der User schwach und will den Modus vorzeitig beenden, fragt die App nach dem Grund und schickt ein kleines trauriges Emoji, um das schlechte Gewissen zu wecken.

Forest

Die App Forest setzt auf Belohnung für digitales Fasten: Wer es durchhält, offline und produktiv zu sein, wird von Forest mit dem Wachsen eines eigenen virtuellen Waldes belohnt.

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Weniger ablenken, digitale Bäume pflanzen und in der realen Welt Gutes tun. (Screenshots: Forest App)

Toll, mag sich der Leser jetzt denken, aber geht es nicht um Offline-Erfolge? Das haben sich auch die Entwickler von Forest gedacht, weshalb beim virtuellen Wald noch lange nicht Schluss ist: Je länger ihr das digitale Fasten durchhaltet, desto mehr Münzen erhaltet ihr für jeden gesunden Baum. Habt ihr 2.500 Münzen gesammelt, könnt ihr echte Bäume pflanzen (lassen).

Tipps für digitales Fasten

Die folgenden Tipps helfen euch dabei, digitales Fasten im Alltag umzusetzen.

#1 Fastenzeit / Urlaub als Anschub nutzen

In der Fastenzeit oder im Urlaub fällt es deutlich leichter als im Arbeitsalltag, mit dem digitalen Fasten zu beginnen. Während die meisten Unternehmer im Berufsalltag an den Mailclient, Kollaborationstools, das Smartphone usw. gebunden sind, können sie in diesen ruhigeren Zeiten komplett in den Digital Detox gehen.

Gewöhnt euch an, das Smartphone abends zu einer bestimmten Uhrzeit auszuschalten oder in den Flugmodus zu versetzen.

Wenn ihr für Notfälle erreichbar bleiben wollt, probiert eine der obigen Apps aus. Mit ihnen könnt ihr gezielt Kommunikationskanäle durchlässig halten, die für dringende Situationen wichtig sind.

#2 Die Gewohnheit des digitalen Fastens in den Alltag integrieren

Es gibt viele Chancen, digitales Fasten zu praktizieren, nicht nur am Feierabend. Auch die Mittagspause lässt sich dafür nutzen. Und der WhatsApp-Check morgens im Bett kann eigentlich auch unterlassen werden, oder?

#3 Smartphone, Laptop & Co. weglegen

Aus den Augen, aus dem Sinn.

Das gilt auch für das digitale Fasten. Eine Studie der University of Chicago hat ergeben, dass sich die eigene Hirnleistung und Konzentration verschlechtert, wenn das Smartphone für den Besitzer auf dem Tisch liegt. Von der Nutzung des Gerätes ist hierbei noch gar nicht die Rede.

Es ist davon auszugehen, dass ähnliche Geräte wie Tablet und Laptop denselben Effekt haben. Also lautet eine wichtige Erfolgsregel für das digitale Fasten: Weg mit der Technik, wenn ihr sie nicht braucht. Besser als in die Schublade ist die Verstauung in einem anderen Raum. So kommt ihr noch weniger in Versuchung, “nur mal kurz” online zu gehen.

#4 Analoge Alternativen suchen

Bei manchen Menschen wirkt digitales Fasten wie ein Entzug – mit allen Symptomen, die auch von anderen Entzügen bekannt sind: Unruhe, Schwitzen, der Drang, doch noch kurz nachzuschauen, was online so geht.

Diese Symptome sollten als Alarmzeichen dafür gesehen werden, wie tief und umfassend das Digitale bereits im eigenen Leben Einzug gehalten hat und wie mächtig die Abwesenheit dieser Geräte wirkt.

Wichtig ist daher, dem Drängen, das bis hin zur Sucht ausufern kann – wie es bei der Intersucht der Fall ist – nicht nachzugeben, sondern sich Alternativen zu überlegen.

Wer Fleisch fastet, überlegt sich vorab leckere vegetarische Rezepte, wer auf Alkohol verzichtet, wechselt abends zum Tee. Beim digitalen Fasten ist es genauso.

Überlegt euch, was ihr in eurer Freizeit statt der Ablenkungen online unternehmen wollt: wandern, spazieren gehen, joggen, ein gutes Buch lesen, mit der Familie ein Brettspiel spielen.

Es gibt auch im Lockdown etliche Möglichkeiten, die eigene Zeit offline sinnvoll zu nutzen. Ihr solltet sie euch allerdings vorher überlegen, um nicht in ein Loch zu fallen, wenn ihr die Technik vermisst.

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