Imagefilm erstellen: Tipps, Vor- und Nachteile



In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr einen Imagefilm erstellen könnt, welche Vor- und Nachteile es gibt und welche Rolle Storytelling spielt.


Inhaltsverzeichnis


imagefilm-start-ups-1200
Ein Imagefilm eignet sich für mehrere Unternehmensziele. Wichtig ist, dass Unternehmer sich über den Zweck und die Kanäle im Klaren werden, bevor sie den Imagefilm erstellen bzw. produzieren lassen. (Foto: Unsplash)

#1 Anlass, Kanäle, Aufbau: Brauche ich einen Imagefilm?

Es gibt mehrere Gründe, um einen Imagefilm zu produzieren:

  • Steigerung der Markenbekanntheit
  • Erhöhung der Reputation
  • Präsentation als attraktiver Arbeitgeber (Recruiting)
  • Als Werbung für Internet, TV und Kino
  • Für euren Messestand

Anhand des Verwendungszwecks entscheidet sich auch die Auswahl des Kanals. Wer einen mehrminütigen Imagefilm für den eigenen Messestand benötigt, wird mit demselben Film wenig bis keinen Erfolg in den schnelllebigen Social Media haben. So zeigt eine Datenauswertung des Video-Spezialisten Wistia, dass Online-Videos mit einer Dauer von maximal einer Minute am besten performen. Danach verlieren die Nutzer drastisch das Interesse.

videoanalyse engagement 1200
Eine Auswertung des Video-Spezialisten Wistia zeigt eindrücklich, wie schnell das Interesse der Nutzer an einem Video abnimmt, je länger sie werden. (Quelle: Wistia.com)

Sehr kurze Imagefilme wiederum sind für die Präsentation auf der Messe wenig zielführend, denn Besucher eines solchen Events möchten die Stände erkunden und entdecken. Entsprechend lohnt es sich, sie mit etwas mehr Bewegtbildmaterial als im Internet abzuholen.

Den allumfassenden Imagefilm gibt es nicht mehr. Sie werden für konkrete Unternehmenszwecke produziert und gezielt in Kanälen ausgespielt.

Sind der Anlass des Imagefilms und die Kanäle zum Teilen klar, geht es um den Inhalt: Wie lässt sich ein guter Imagefilm erstellen? Hierbei machen viele Gründer und Unternehmer einen Kardinalfehler, indem sie den Imagefilm mit einem Produktfilm verwechseln.

#2 Produktvideo vs. Imagefilm: Wo ist der Unterschied?

Ein Produktfilm ist vertriebsortientiert, es soll Verkäufe auslösen. Deshalb steht das Produkt mit seinen Features im Mittelpunkt. Zum Beispiel wird die Funktionsweise des Produktes im Zeitraffer als Animationsfilm kurz erklärt. Am Ende steht eine Aufforderung an den Nutzer, die Webseite zu besuchen, sich zu registrieren oder das Produkt zu kaufen.

In unter zwei Minuten erfahren Nutzer, wie das Gründungscockpit des Unternehmerhelden aufgebaut ist und wie es im Gründungsalltag weiterhilft.

Der Imagefilm dient dazu, ein Unternehmen oder eine Marke optimal zu präsentieren. Natürlich können auch Bilder und Beschreibungen des Produktes mit einfließen, allerdings deckt der Imagefilm sowohl visuell als auch inhaltlich eine größere Bandbreite ab. Beispielsweise kommen Mitarbeiter zu Wort, und Aufnahmen der Büros bzw. Werkhallen sind zu sehen, damit der Zuschauer sich ein Bild von der Arbeitsatmosphäre machen kann. Damit sollen vor allem Bewerber angesprochen werden.

#3 Vor- und Nachteile des Imagefilms

Vorteile

  • Video als beliebtestes Content-Format: Nutzer konsumieren Videos im Internet weitaus lieber als Texte. Sie schauen Clips von Freunden, aber auch von Marken und nehmen Informationen über Bewegtbild besonders gut auf.
  • Repräsentativ: Ein professionell produzierter Imagefilm veranschaulicht, dass das dahinterstehende Unternehmen Wert auf Qualität legt und hierfür keinen Arbeitsaufwand bzw. keine Kosten für eine Produktion scheut. Die hochauflösenden Bilder sind eine visuelle Visitenkarte, auf die User während ihrer Suche im Netz stoßen.
  • Sichtbarkeit: Einen Imagefilm erstellen und bei YouTube hochladen: Schon ist man in der zweitgrößten Suchmaschine der Welt. Mit den passenden Keywords wird der Film dann passend zum Thema und zur Branche gefunden. Auch in den Google-Ergebnissen erscheint das bei YouTube hochgeladene Video.

Nachteile

  • Kurzlebigkeit: Ähnlich wie eine Broschüre kann ein Imagefilm schnell veralten, sobald die Inhalte im Video nicht mehr den aktuellen Tatsachen entsprechen. Etwa dann, wenn ihr in ein neues Büro gezogen seid oder es Mitarbeiterwechsel gab.
  • Nicht mehr zeitgemäß: Videos sind zwar tonangebend unter den Content-Formaten. Doch gehören Imagefilme aufgrund ihrer starken Eigenwerbung nicht dazu. Nutzer mögen Videos, die ihnen einen Mehrwert bieten: hilfreiche Tipps etwa.
  • Niedriger Return on Investment (ROI): Da Imagefilme anders als Produktvideos nicht streng vertriebsorientiert sind, führen sie vergleichsweise selten zu Verkäufen. Erst einmal habt ihr mit dem Imagefilm also Ausgaben bzw. Aufwand, der Film kann sich über die Zeit höchstens als eine von mehreren Marketing-Maßnahmen rentieren.

#4 Imagefilm selber machen oder produzieren lassen?

Der Vorteil einer Beauftragung ist, dass ihr Zeit spart und Profis ans Werk lasst. Hierbei solltet ihr nicht an der falschen Stelle geizen. Der Markt ist umkämpft und es gibt viele günstige Anbieter. Doch ist Vorsicht geboten, wenn die Produktion eines Imagefilms nur ein paar Hundert Euro kosten soll. Das kann in der Regel nicht mit einer hohen Qualität einhergehen, da eine professionelle Produktion auch eine Konzeptionierungsphase sowie eine Preproduction-Phase beinhaltet.

Dann fallen natürlich noch die Drehtage mit allen dazugehörigen Kosten an. Entsprechend teuer wird der Imagefilm, hier sollte mit einem Preis von 5.000 Euro aufwärts gerechnet werden.

Drei Imagefilm-Agenturen und ihre Schwerpunkte vorgestellt:

  • Fiumu: Agentur in Siegen, die sich auf Storytelling und damit auf das Erzählen von Geschichten spezialisiert.
  • Mynd: Filmagentur aus Frankfurt am Main mit Fokus auf E-Learning und digitale Kommunikation.
  • Ximpix: Hannoveraner Kreativagentur, die ihren Schwerpunkt bei der Imagefilm-Produktion auf Markenstärkung legt.

Ihr könnt aber auch selbst euren Imagefilm erstellen. So habt ihr die komplette Produktion in der Hand, und niemand kennt euer Unternehmen besser als ihr. Außerdem lässt sich das einmal angeschaffte Basis-Equiptment für weitere Produktionen nutzen. Wir haben Tipps für die technische und inhaltliche Umsetzung des Imagefilms gesammelt.

#5 Technik für die Imagefilm-Produktion

In Zeiten von TikTok und Snapchat ist die Versuchung groß, das eigene Smartphone aus der Tasche zu ziehen und mal eben schnell ein Video zu drehen. Selbst die Mittelklasse-Smartphones sind inzwischen in der Lage, Videos in Full-HD- oder 4K-Qualität aufzuzeichnen. Doch damit allein werdet ihr keinen professionellen Imagefilm erstellen. Neben dem Know-how braucht ihr auch einen Grundstock an Ausrüstung.

Kameras

Zwei Kameras sind sinnvoll, damit ihr Szenen wie Interviews aus verschiedenen Perspektiven filmen könnt. Später im Schnitt lassen sich dann die diversen Blickwinkel abwechselnd zusammenschneiden, sodass die Szenen dynamischer und lebendiger wirken, als wenn ihr sie nur mit einer Kamera gedreht hättet.

imagefilm kamera 1200
Zwei Spiegelreflexkameras der Mittelklasse genügen, damit ihr einen Imagefilm erstellen könnt. Freihändige Aufnahmen solltet ihr trotzdem vermeiden, da die Bilder verwackeln. Ein Schulter-Rig, Gimbal oder ein Stativ machen hierbei einen deutlichen Unterschied. (Foto: Unsplash)

Damit könnt ihr bereits hochwertige Videos drehen und die Kameras nach und nach aufrüsten, zum Beispiel mit einem Schulter-Rig. Dieser ermöglicht es, mit der Kamera zu laufen und sie dabei trotzdem stabil zu halten.

Stative / Leitsystem

Mit Stativen sorgt ihr dafür, dass die Kameras fest an Ort und Stelle stehen. Ihr könnt auch Schwenks machen, ohne dass die Bilder verwackeln. Auch Smartphones lassen sich auf handelsübliche Stative montieren, die Adapter hierfür kosten nur wenige Euro.

Noch professioneller arbeitet ihr mit einem Gimbal. Damit könnt ihr komplett wackelfreie Aufnahmen machen und viele Kamerabewegungen ausprobieren, die sonst nicht möglich wären.

gimbal 1200
Ein Gimbal bietet euch maximale Mobilität bei gleichzeitig wackelfreien Aufnahmen. (Foto: Unsplash)

Mikrofone

Es ist riskant, sich allein auf das in der Kamera verbaute Mikrofon zu verlassen, die Aufnahmequalität lässt häufig zu wünschen übrig. Holt euch lieber noch ein externes Mikrofon für jede Kamera dazu.

Richtmikrofone nehmen Ton zielgerichtet auf und filtern zugleich Störgeräusche. Sie eignen sich damit ideal, um Interviews bzw. Statements aufzuzeichnen. Allerdings sind sie anfällig für Wind und müssen perfekt auf die Geräuschquelle ausgerichtet sein.

kamera mikrofon imagefilm 1200
Externe Richtmikrofone für Kameras eigenen sich in geschlossenen Räumen für die Aufzeichnung von Stimmen oder drinnen wie draußen für die gezielte Aufnahme von Geräuschen wie Wasserplätschern oder Uhrenticken. (Foto: Unsplash)

Ansteckmikrofone sind günstig und liefern eine hervorragende Klangqualität. Sie sind dank ihres kompakten Designs ideal für Indoor- wie auch Outdoor-Aufnahmen geeignet. Allerdings kann es je nach Kleidung schwierig sein, einen passenden Ansteckplatz zu finden. Darüber hinaus sind die meisten Ansteckmikrofone kabelgebunden, wobei es inzwischen auch Bluetooth-Alternativen gibt. Hier solltet ihr vor dem Drehstart besonders sorgfältig darauf achten, dass die Synchronisation mit dem jeweiligen Adapter funktioniert.

Beleuchtung

Wer einen Imagefilm erstellen möchte, sollte eine Grundregel beachten: Es muss immer genügend Licht vorhanden sein. Im Trend liegt hierbei die Ringleuchte, die sich schnell aufstellen lässt und gleichmäßig Licht spendet. Brillenträger sollten aber aufpassen, da sich die Leuchte deutlich sichtbar für den Zuschauer in der Brille spiegelt. Inzwischen gibt es auch Sets mit Softboxen und Anleitungen bei YouTube, dank derer ihr in Minutenschnelle erfahrt, wie ihr in jeder Situation für das passende Licht sorgt.

#6 Inhaltliche Gestaltung: Storytelling im Imagefilm

Der Imagefilm soll ein Marketingtool für euer Start-up sein. Marketing ist aber nicht gleichbedeutend mit Werbung. Denkt euch eine lustige, spannende oder bewegende Geschichte rund um euer Produkt oder eure Dienstleistung aus und dreht das entsprechende Video dazu. Das kann auch eine Geschichte sein, die im Alltag spielt. Umso besser! Desto einfacher kann der Kunde sich nämlich mit eurer Lösung identifizieren. So unterhält euer Imagefilm nicht nur, ihr schlagt auch eine Brücke zum Kunden. Und schon vermeidet ihr die Gefahr langweiliger Werbung.

Das Tool Slack erschien 2013, nur ein Jahr später begeisterte der Imagefilm das Netz. Hier stimmt alles: Ton, Bildqualität, Humor und Story. Wie im Video könnt auch ihr Effekte einbauen, dafür gibt es inzwischen viele Vorlagen und Services. Auch Freelancer können euch solche Effekte für einen günstigen Preis bauen.

Der Mensch ist ein Storytelling Animal.

Der US-amerikanische Literaturwissenschafter Jonathan Gottschall hat in seinem gleichnamigen Buch herausgefunden, dass wir Informationen besonders gut über Geschichten aufnehmen, die uns erzählt werden. Entsprechend ist Storytelling eine uralte, beliebte und höchst effektive Praxis, um wichtige Lehren und Erkenntnisse zu vermitteln. Man denke hierbei an Sagen und Märchen.

Dieser Effekt lässt sich ideal nutzen, wenn ihr einen Imagefilm erstellen wollt.

Erzählt eine Geschichte, etwa in Form eines Arbeitstages durch die Augen eines Mitarbeiters bzw. des Chefs.

Das ist zum Beispiel für Bewerber interessant, die das Unternehmen aus einer persönlichen Perspektive kennenlernen wollen.

Oder ihr erzählt von der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eures Unternehmens mit Herausforderungen, Hürden, Erfolgen und Durchbrüchen.

Wichtig beim Storytelling im Imagefilm ist es, Emotionen zu wecken.

Imagefilme funktionieren über Gefühle, nicht über die Ratio! Mimik, Gestik, Musik, Lichtstimmung – all das trägt zur Gesamtatmosphäre und zum Storytelling bei. Nutzt diese Mittel gezielt, um in jeder Szene die passende Stimmung zu schaffen. Meilensteine im Imagefilm lassen sich durch warme Farben, fröhliche Musik und lachende Gesichter hervorheben. Das wäre eine klassische Methode, es gibt aber auch subtilere Konzepte. Experimentiert mit ihnen und findet euren eigenen Stil heraus.

Auf einen Blick: 10 goldene Regeln für Imagefilme

  1. Entscheidet noch bevor ihr einen Imagefilm erstellen bzw. beauftragen wollt: Wofür braucht ihr den Imagefilm, auf welchem Kanal spielt ihr ihn aus und an wen?
  2. Je kürzer euer Imagefilm ist, desto besser. Nutzt jede kostbare Sekunde, um Bilder zu zeigen, die interessant und relevant für eure Zielgruppe sind. Streicht im Umkehrschluss jede überflüssige Szene.
  3. Ein Imagefilm ist kein Produktfilm. Imagefilme zahlen, wie der Name schon sagt, auf das Image eines Unternehmens ein, nicht auf das Produkt.
  4. Erwartet keine sprunghaften Verkaufsanstiege durch den Imagefilm. Der Clip ist ein Tool im Marketingmix – nicht mehr und nicht weniger.
  5. Überlegt euch eine aussagekräftige Videobeschreibung und Schlagworte, um bei Google und YouTube zu ranken.
  6. Professionelle Produktionen kosten Tausende Euro, Eigenproduktionen bedeuten Aufwand: So oder so ist der Invest bei einem Imagefilm hoch.
  7. Wenn ihr selbst produziert, dann legt euch von Anfang an vernünftige Technik zu. Besser als das Smartphone ist eine eigene Kamera für diesen Zweck.
  8. Mit Storytelling haltet ihr die Zuschauer bei der Stange: Erzählt eine spannende Geschichte und vermeidet so Langeweile.
  9. Macht euch filmische Stilmittel wie Licht und Sounds zunutze, um die gewünschte Atmosphäre zu schaffen.
  10. Nehmt an Wettbewerben teil, die Imagefilme sponsern: So zum Beispiel der Wettbewerb promotion Nordhessen, dort erhält jeder Preisträger einen professionell produzierten Imagefilm.

Erfahrt, was ihr für ein gutes Erklärvideo braucht und ob es für euch sinnvoll ist, bei YouTube aktiv zu sein. Lasst euch außerdem von 5 coolen Produktvideos inspirieren. Schaut euch auch die Social Media Trends an, um herauszufinden, für welchen Kanal und Zweck sich euer Imagefilm eignet.

Ähnliche Beiträge zum Thema