Über 400 € Ersparnis Hohe Spritpreise: Lohnt sich jetzt der Umstieg aufs E-Auto?

Spritpreise steigen weiter: Lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto?
Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Zwar wurde im Iran-Konflikt zuletzt eine Waffenruhe angekündigt und die wichtige Straße von Hormus vorerst wieder freigegeben.
Doch von echter Stabilität kann keine Rede sein: Internationale Agenturen berichten, dass die Feuerpause brüchig ist, neue Spannungen in der Region jederzeit wieder auf den Ölmarkt durchschlagen können und die Lage rund um die wichtigste Route für Öltanker weiter unsicher bleibt. Selbst nach zwischenzeitlich fallenden Ölpreisen ziehen die Notierungen schon wieder an. Experten und Regierungen warnen deshalb vor zu frühem Optimismus.
Für Unternehmer, Selbstständige und Gründer bedeutet das vor allem eines – Unsicherheit bei den Kosten. Deshalb stellen sich viele die grundlegende Frage: Lohnt sich jetzt der Umstieg aufs E-Auto?
So viel pendelt Deutschland
Die hohen Spritpreise treffen vor allem diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Dazu gehören Pendler ebenso wie viele Unternehmer.
Für Unternehmer ist die Situation besonders kritisch. Wer viel fährt, etwa im Handwerk oder im Vertrieb, spürt die steigenden Spritpreise direkt in der Bilanz. Die Kosten steigen, die Margen schrumpfen. Das belastet nicht nur den Gewinn, sondern auch die Liquidität.
Die durchschnittliche Pendelstrecke der Deutschen liegt laut Deutschlandatlas bei rund 17 Kilometern pro Strecke. Das ergibt etwa 34 Kilometer pro Tag. Hochgerechnet auf rund 220 Arbeitstage im Jahr sind das etwa 7.500 Kilometer jährlich, nur für den Arbeitsweg.
Für viele ist das jedoch nur die Untergrenze: Gerade im ländlichen Raum oder im Außendienst sind deutlich höhere Fahrleistungen üblich.
Verbrenner vs. E-Auto: Der Kostenvergleich
Für den Vergleich haben wir mit dem VW Golf 1.5 TSI und dem VW ID.3 Pure zwei Modelle gewählt, die in derselben Fahrzeugklasse spielen und im Alltag ähnlich eingesetzt werden. Beide gehören zur Kompaktklasse, bieten vergleichbare Platzverhältnisse und sind typische Fahrzeuge im gewerblichen Einsatz – vom Einzelunternehmer bis zum kleinen Fuhrpark.
Genau diese Überschneidung im Einsatzzweck macht die Modelle gut vergleichbar: Sie decken zentrale Anforderungen im Geschäftsalltag ab, etwa Pendelstrecken, Kundentermine oder regionale Fahrten. Damit bilden sie eine realistische Grundlage für die folgenden Rechenbeispiele und spiegeln typische Entscheidungen wider, die Unternehmer aktuell treffen müssen.
| VW Golf 1.5 TSI Life (Benzin) | VW ID.3 Pure (Elektro) | |
| Listenpreis | 31.640 € | 33.330 € |
| Verbrauch pro 100 km | 5,3 l | 15,2 kWh |
| Leistung | 116 PS | 170 PS |
In der Anschaffung ist das E-Auto 1.690 € teurer als der Benziner. Rechtfertigen die Ersparnisse beim Laden diesen Aufpreis?
Unsere Partner-EmpfehlungenSo teuer ist Strom für E-Autos
Im April 2026 liegt der durchschnittliche Spritpreis für E5 laut benzinpreis.de bei 2,20 € / Liter. Der Preis fürs Laden von E-Autos unterscheidet sich je nachdem, ob man unterwegs oder zuhause lädt. Das Normalladen an öffentlichen Ladestationen kostet laut elektroautofahrer.net im Durchschnitt 0,56 € pro kWh.
Das Laden zuhause ist deutlich günstiger und kostet rund 0,35 € pro kWh. Dafür ist eine Wallbox notwendig. Die Kosten liegen zwischen 1.000 und 2.500 € inklusive Installation.
Bei 7.500 km im Jahr ergeben sich auf Grundlage der Energiepreise und der Verbrauchsdaten der beiden Vergleichsautos Kosten in Höhe von:
- 874,50 € (tanken)
- 638,40 € (öffentliches Laden)
- 399 € (zuhause laden)
Das entspricht einer jährliche Ersparnis in Höhe von 326,10 € (öffentliches Laden) beziehungsweise 475,50 € (zuhause laden).
Wann lohnt sich das E-Auto wirklich?
Ab wann sich das E-Auto nun lohnt, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis sich der höhere Anschaffungspreis und ggf. die Kosten für die Wallbox amortisiert haben.
In unserem Beispiel ist das E-Auto 1.690 € teurer als der Verbrenner. Wer öffentlich lädt, erreicht den Break even somit nach etwas mehr als 7 Jahren.
Beim Laden zuhause kommen weitere 2.500 € Investition für die Wallbox hinzu. Trotz günstigem Energiepreis amortisieren sich die Kosten deshalb erst nach knapp 9 Jahren.
Unser Beispiel zeigt: Ein E-Auto liefert keine kurzfristige Abhilfe für hohe Spritpreise, sondern sollte als langfristig günstigere Alternative gedacht werden.
Allerdings haben wir bisher keine Förderungen und Steuerersparnisse berücksichtigt. Für Selbstständige, die davon profitieren können, wird das E-Auto zu einer noch attraktiveren Option.
Förderungen und Steuervorteile für E-Autos
Die staatliche Förderung für Elektroautos hat sich grundlegend verändert. Neue staatliche Kaufprämien von bis zu 6.000 € richten sich aktuell in erster Linie an Privatpersonen. Entscheidend ist dabei das zu versteuernde Einkommen, das je nach Familienstand bei maximal 80.000 bis 90.000 € liegt.
Für klassische betrieblich angeschaffte Dienstwagen greift diese Förderung in der Regel nicht. Selbstständige können nur dann profitieren, wenn sie das Fahrzeug privat erwerben oder leasen und die Einkommensgrenzen einhalten.
Für Unternehmen sind aber vor allem indirekte Förderungen relevant. Besonders wichtig ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur: Über die KfW sind 900 € Zuschuss pro Ladepunkt möglich, insgesamt bis zu 45.000 € pro Standort – auch für Freiberufler und kleinere Betriebe.
Beim Fahrzeugkauf setzt der Staat auf steuerliche Anreize. Elektro-Dienstwagen werden weiterhin mit nur 0,25 % des Bruttolistenpreises versteuert, zudem sind seit 2025 Sonderabschreibungen von bis zu 75 % im ersten Jahr möglich. Ergänzt wird das durch die Kfz-Steuerbefreiung für bis zu zehn Jahre bei Neuzulassungen bis Ende 2030.
Der wirtschaftliche Vorteil eines E-Autos entsteht für Unternehmer also in erster Linie über Steuern, Abschreibung und Betriebskosten.
Wartungskosten: Der unterschätzte Vorteil
Schließlich wird ein Faktor wird in der Diskussion um E-Autos häufig übersehen: die laufenden Wartungskosten. Elektroautos sind konstruktionsbedingt deutlich einfacher aufgebaut als Verbrenner. Es entfallen klassische Verschleißteile wie Kupplung, Auspuff oder komplexe Motorbauteile, auch regelmäßige Ölwechsel sind nicht nötig.
Das senkt die Werkstattkosten im Alltag spürbar – ein Vorteil, der sich gerade bei intensiver Nutzung schnell summiert. Ganz ohne Risiken ist der Umstieg jedoch nicht. Unsicherheiten bestehen vor allem beim Restwert und bei der langfristigen Entwicklung der Batterietechnik.
Fazit: Der Umstieg rechnet sich – aber nicht für jeden sofort
Hohe Spritpreise allein sind noch kein Grund, den Fuhrpark über Nacht umzubauen. Für viele Unternehmer bleibt der Verbrenner kurzfristig die pragmatische Lösung – vor allem bei hoher Fahrleistung ohne klare Ladeinfrastruktur.
Mittelfristig verschiebt sich die Rechnung jedoch: Sinkende Betriebs- und Wartungskosten, planbarere Energiepreise und strukturelle Vorteile im Alltag sorgen dafür, dass sich E-Autos in vielen Einsatzprofilen zunehmend amortisieren.
Der entscheidende Punkt: Der Umstieg ist keine reine Kostenfrage mehr, sondern eine strategische Entscheidung. Regulierung, steigende CO₂-Kosten und der Wandel im Automobilmarkt sprechen klar für die Elektromobilität. Wer heute investiert, setzt damit auch auf die künftige Entwicklung seines Geschäftsmodells.
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Quellen:
ADAC: VW ID.3 Pure (ab 05/24); VW Golf 1.5 TSI Life (ab 07/24)
AP: Ceasefire in the Iran war teeters in the face of disagreements over Lebanon and the Strait of Hormuz
Benzinpreis.de: Spritpreise im Zeitverlauf
Deutschlandatlas: Pendelverhalten in Deutschland: Immer mehr Pendlerinnen und Pendler
Elektroautofahrer.net: Ladekosten an öffentlicher Ladesäule in € / kWh für registrierte Kunden