1.000 € steuerfrei Kritik am Krisenbonus: Verbände und Unternehmer warnen vor Belastung

"Nicht das, was die Arbeitgeber gefordert haben"
Besonders deutlich wird der Verband der Wirtschaft Thüringens. Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Kreft kritisiert, dass die geplante Prämie an der betrieblichen Realität vorbeigehe: "Weder Arbeitgeber noch Gewerkschaften hatten von der Bundesregierung gefordert, das Instrumentarium einer zwar steuerfreien, aber von den Arbeitgebern zu zahlenden Inflationsausgleichsprämie, wie es sie 2023 und 2024 gab, jetzt wegen der aktuellen Kraftstoffverteuerungen wieder neu aufzulegen".
Dahinter steckt ein zentraler Einwand vieler Unternehmer: Die Entlastung wird öffentlich als Hilfe verkauft, finanziell landet sie aber bei den Arbeitgebern. Der VWT verlangt stattdessen eine dauerhafte Entlastung über Steuern und Sozialabgaben. Ziel müsse es sein, das Netto-Einkommen zu erhöhen und die Lohnnebenkosten zu senken, um Arbeit attraktiver zu machen, wie es in der Verbandsmitteilung heißt.
"Bundesregierung will Problem auf Unternehmen abwälzen"
So scharf formuliert es Thomas Bürkle, Präsident von Unternehmer Baden-Württemberg. Und sagt weiter: "Die Prämie soll zwar steuer- und abgabenfrei sein, muss aber von den Arbeitgebern gezahlt werden, nicht vom Staat."
Der Spielraum vieler Unternehmen für einen Krisenbonus dürfte derzeit gering sein. Die wirtschaftliche Lage sei schon vor dem Iran-Krieg schwierig gewesen sein und wurde jetzt durch die steigenden Öl- und Gaspreise verschärft. Dies träfe Unternehmen genauso wie ihre Mitarbeiter. "Da können sie unmöglich weitere Belastungen tragen", so der UBW-Präsident.
Für kleine und mittlere Unternehmen ist das ein Punkt mit Sprengkraft. Denn eine freiwillige Zahlung bleibt in der Praxis oft keine freiwillige Entscheidung mehr, sobald die Erwartung im Team da ist. Sie müssten nicht nur die Zahlung finanzieren, sondern im Zweifel auch erklären, warum sie sich den Bonus gerade nicht leisten können.
"Völlig untaugliches Instrument"
Kritik kommt auch aus der Metall- und Elektroindustrie. Südwestmetall-Vorsitzender Peter Sebastian Krause sieht in einer steuerfreien Prämie grundsätzlich ein sinnvolles Entlastungsinstrument. Wenn die Nutzung aber auf 2026 begrenzt werde, "macht sie das für uns zu einem völlig untauglichen Instrument".
Für 2026 laufen in vielen Branchen bereits die Tarifverträge. Daher seien Sonderzahlungen nicht eingeplant und wirtschaftlich nicht immer darstellbar. Aus seiner Sicht müsste die Prämie deshalb im Gesetzgebungsverfahren deutlich flexibler ausgestaltet werden.
Sein Vorschlag: "Sinnvoll wäre, dass die Prämie 2027 und darüber hinaus für die Sozialpartner als kluger tarifpolitischer Baustein nutzbar gemacht wird, oder dass die Prämie 2026 auch auf bestehende Entgeltbestandteile angewendet werden darf und nicht nur On-Top gezahlt werden muss."
Ökonom: "Zum Kopfschütteln"
Kritik kommt auch aus der Wirtschaftsforschung, wie die Welt berichtet. Oliver Holtemöller, Vizepräsident des IWH sagt: "Und auch hier sind die Verteilungswirkungen ungerecht, denn es werden vor allen Dingen Menschen in Unternehmen profitieren, die gut dastehen, die sich diese Prämie leisten können, die das auszahlen können."
Ausgerechnet krisengeplagte Betriebe hätten oft gar keinen Spielraum für Sonderzahlungen. Genau das macht den Krisenbonus aus seiner Sicht wenig treffsicher.
Unsere Partner-EmpfehlungenErste Unternehmen wollen den Krisenbonus zahlen
Bei aller Kritik gibt es inzwischen auch Unternehmen, die den Krisenbonus ausdrücklich befürworten oder ihn nutzen wollen. Nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zählen dazu mehrere Firmen, darunter auch der regionale Händler Edeka Seifert mit zwei Filialen am Bodensee.
Das zeigt: Die Prämie ist nicht nur ein Thema für große Konzerne. Auch kleinere Arbeitgeber können sie als Signal an ihre Belegschaft einsetzen.
Ein besonders klares Pro-Signal kommt von Rossmann. Das Unternehmen hatte sich schon früh öffentlich für einen solchen Bonus ausgesprochen. Raoul Roßmann sagte: "Ich plädiere für einen Inflation-Bonus!" Und weiter: "Die Politik ist hier gefragt, Unternehmen dies zu ermöglichen." Dass Rossmann nun zu den Unternehmen zählt, die die neue Entlastungsprämie anteilig nutzen wollen, passt zu dieser Linie.
Auch der Bielefelder Agenturchef Jannis Johannmeier kündigte auf LinkedIn und gegenüber Bild an, allen 12 Mitarbeitern seiner Firma "The Trailblazers" die 1.000-Euro-Prämie zahlen zu wollen, sobald das rechtlich möglich ist. Seine Begründung: "Wir haben das bei der Energieprämie vor einigen Jahren genauso gemacht. Wenn der Laden läuft, gehört sich das als Unternehmer so."
Für andere Selbstständige mit kleinen Teams ist das ein interessanter Gegenpol zur Kritik der Verbände. Denn es zeigt: Wo die Auftragslage stimmt, kann der Bonus auch als bewusste Führungsentscheidung verstanden werden.
Ähnlich ist es laut X (ehemals Twitter) bei Carsten Maschmeyer: Der Unternehmer will die 1.000-Euro-Entlastungsprämie allen Mitarbeitern seiner Unternehmensgruppe zahlen und damit deren Leistung anerkennen. Zugleich kritisiert er, dass die Politik von Entlastung spreche, die Kosten aber den Arbeitgebern überlasse – obwohl viele Unternehmen sich den Bonus gar nicht leisten könnten und Selbstständige erneut leer ausgingen.
Entlastungsprämie 2026: Starkes Zeichen, aber herausfordernd
Noch ist die Zahl der bekannten Zusagen aber überschaubar. Von einer breiten Bewegung in der Wirtschaft kann deshalb bislang keine Rede sein.
Für Selbstständige und kleinere Arbeitgeber zeigt das vor allem eines: Der Bonus kann ein starkes Zeichen sein – aber eben nur dort, wo der wirtschaftliche Spielraum dafür vorhanden ist.
Denn wo Energiepreise, Personalkosten und schwächere Umsätze ohnehin auf die Liquidität drücken, wird selbst eine freiwillige Sonderzahlung schnell zur wirtschaftlichen und kommunikativen Herausforderung.
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Quellen:
VWT: „Eine "Entlastungsprämie" ist nicht das, was die Arbeitgeber gefordert haben“ - VWT
Unternehmer Baden-Württemberg: UBW: Geplante Entlastungsprämie ist ein Geschäft der Politik zu Lasten Dritter – Unternehmer Baden-Württemberg
Die Welt: IWH-Vize kritisiert Entlastungspaket: «zum Kopfschütteln» - WELT
Stuttgarter Zeitung: Krisenbonus: Diese Firmen wollen sicher zahlen
Bild: Erster Boss kündigt an: „Ich zahle allen die 1000-Euro-Prämie!“ | Politik | BILD.de