Als Handwerker selbstständig machen

Das Handwerk - zu dem zahlreiche Berufsgruppen gehören - zählt zu den größten Branchen in Deutschland. Um sich als Handwerker selbstständig machen zu können, sind hohe Qualifikationen wie z.B. die Meisterpflicht oft Voraussetzung. Zentrale Anlaufstelle für alle Handwerker, die sich selbstständig machen möchten, ist die Handwerkskammer. 

Existenzgründer die sich als Handwerker selbstständig machen, können von speziellen Förderprogrammen profitieren - nutzen Sie für die Prüfung den kostenfreien Fördermittel-Check.

Erster Schritt: Meisterpflicht, HWK & Förderung prüfen

Wenn Sie eine Existenzgründung als Handwerker planen, sollten Sie folgende Punkte prüfen:

  • Meisterpflicht: Ja oder Nein?
    Es gibt eine Vielzahl an Berufen im Handwerk, denen die "Meisterpflicht" zugrunde liegt. Somit können die entsprechenden Berufe im Handwerk nur mit der Qualifikation der Meisterpflicht ausgeübt werden kann. Entsprechend ist einer der ersten Schritte, wenn Sie sich als Handwerker selbstständig machen möchten, dass Sie die Meisterpflicht prüfen. Neben den Handwerksberufen mit Meisterpflicht gibt es aber auch zulassungsfreie Handwerker und handwerksähnliche Betriebe.
  • Mitgliedschaft bei der Handwerkskammer?
    Für die Handwerker gibt es die Handwerkskammer denen sich Handwerker, die sich selbstständig machen möchten, anschließen müssen. Schauen Sie doch einmal bei der Handwerkskammer in Ihrer Region, ob eine Mitgliedschaft für Sie als Handwerker verpflichtend ist.
  • Förderung für Handwerker prüfen!
    Spezielle Förderprogramme und Zuschüsse sind insbesondere an Handwerker gerichtet, die sich im Handwerk selbstständig machen. Wir raten Ihnen, wenn Sie sich als Handwerker selbstständig machen möchten und eine Finanzierung benötigen, den kostenlosen Fördermittel-Check zu machen.

Um Ihnen als Handwerker die unnötige Suche nach Ihrer Handwerkskammer in Ihrer Nähe zu ersparen, haben wir eine Liste der Handwerkskammern in Deutschland erstellt. Wenn Sie im Handwerk gründen, finden Sie dort Adressen, Telefonnummer und E-Mailadressen zu der für Sie zuständigen Handwerkskammer.

TIPP

Sie möchten sich als Handwerker selbstständig machen und benötigen ein Bankdarlehen? Dann ist ein Businessplan für das Handwerk Pflicht!

Zweiter Schritt: Markt analysieren

Handwerker sind durch Ihre persönliche Form der Leistungserbringung in stärkerem Maße regional gebunden als Unternehmer in anderen Branchen. Bevor Sie sich als Handwerker selbstständig machen, sollten Sie sich genau den lokalen Markt anschauen

  • wie groß ist die Zielgruppe
  • welcher Bedarf  besteht für dieses Handwerk
  • und wie viele Handwerker gibt es in Ihrem Bereich bereits

Die Zahl der vorhandenen Betriebe im Handwerk können Sie sehr einfach durch Branchenbücher oder Telefonbücher prüfen. Informieren Sie sich auch über die Preise der Wettbewerber im Handwerk (siehe Marktanalyse). Bezogen auf den Vertrieb nimmt auch im Handwerk das Internet eine wichtigere Rolle ein. Portale, auf denen Nutzer Aufträge für Handwerker versteigern, sind ein Beispiel hierfür. Dennoch sollten Sie als Handwerker vor allem auf Kundenbindung und -zufriedenheit achten - denn eine Empfehlung Ihrer Kunden bei Freunden und Bekannten ist als Selbstständiger im Handwerk Gold wert.

Dritter Schritt: Businessplan schreiben

Nach der Prüfung folgt die Planung. Auf dem Weg zur Selbstständigkeit im Handwerk ist der nächste Schritt die Erstellung des Businessplans. Den Businessplan schreiben sollten Sie unbedingt selbst - Ihr Geschäft ist einzigartig und so sollte es auch Ihr Businessplan sein. Nichtsdestotrotz können Sie ein Businessplan Beispiel als Vorlage nutzen, um mit den enthaltenen Informationen einen eigenen individuellen Businessplan zu erstellen.

Businessplan-Beispiel Handwerk
Die Anforderungen und Qualifikationen für die meist meisterpflichtigen Handwerksberufe sind hoch - entsprechend solide sollte auch Ihr Businessplan erarbeitet werden. Nutzen Sie dieses Businessplan-Beispiel insbesondere für die Marktanalyse und die Preisberechnung.

Hilfreich ist außerdem unsere Übersicht zum Businessplan im Handwerk. Weitere Punkte, die Sie bei der Erstellung Ihres Businessplans für einen Handwerksbetrieb ebenfalls beachten sollten, sind Folgende:

  • Selbstständiger Handwerker: Qualifikationen
    Neben der Zulassungsvoraussetzung mit oder ohne Meisterpflicht ist es wichtig, dass Sie als Gründer im Handwerk auch kaufmännische Fähigkeiten mitbringen. Diese werden im Laufe der Gründung im Handwerk vor allem in Gesprächen mit Banken relevant. Das bedeutet, dass Sie bei der Erstellung ihres Businessplans im Handwerk auch kaufmännische Qualifikationen herausstellen sollten. Für Handwerker, die keine kaufmännische Qualifikation besitzen, bietet die Handwerkskammer spezielle Existenzgründerseminare. Diese vermitteln Gründern im Handwerk kaufmännische Kenntnisse, die für die Erstellung eines Businessplans im Handwerk relevant sind. Im Rahmen des Businessplans sollten Sie sich als Gründer im Handwerk auch mit rechtlichen Fragen auseinandersetzen wie z. B. wann gilt Ihre Leistung als Handwerker als erbracht oder wie sind die Gewährleistungsfristen für Handwerker.
  • Eintragungen für selbstständige Handwerker
    Eine Gründung im Handwerk beginnt mit der Eintragung in die Handwerksrolle als zulassungspflichtiges Handwerk bzw. in das Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke und handwerksähnlichen Gewerbe. Beide Listen werden von der Handwerkskammer geführt. Für die Eintragung müssen Gründer im Handwerk persönlich bei der Handwerkskammer erscheinen und eine Gebühr bezahlen.
  • Kapitalbedarf für Ihre Gründung als selbstständiger Handwerker ermitteln
    Gründer im Handwerk müssen anders als Gründer im Handel in Vorkasse gehen. Das bedeutet, Handwerker erbringen erst ihre Leistung, stellen dann die Rechnung und erhalten dann das Geld, das oft auf sich warten lässt. Gründer im Handwerk sollten deshalb die Kosten der Vorfinanzierung in den Kapitalbedarf der Gründung im Handwerk einplanen.
  • Risiken minimieren als Selbstständiger im Handwerk
    Für Handwerker in zulassungspflichtigen Betrieben besteht ein gesetzliche Rentenversicherungspflicht, die mit der Eintragung in die Handwerksrolle bei der Handwerkskammer beginnt. Die Kosten der persönlichen Rentenversicherung sollten Gründer im Handwerk bei der Berechnung des Kapitalbedarfs im Businessplan berücksichtigen. Hier erfahren Sie zudem mehr rund um das Thema Versicherung.
  • Selbstständig als Handwerker: Finanzplan erstellen
    Für den Finanzplan von Selbstständigen im Handwerk haben wir bereits einige Aspekte benannt wie die Vorfinanzierung von Aufträgen und die Kosten der Rentenversicherung für Handwerker. Hinzu kommen im Handwerk unter anderem Kosten für Leistungen innerhalb von Gewährleistungsfristen. Umfragen der Handwerkskammer weisen darauf hin, dass viele Gründer im Handwerk in der Startphase nicht von ihrer Selbstständigkeit leben können. Für den Finanzplan sollten Sie also ausgiebig prüfen, mit wie vielen Aufträgen und welchem Gewinn Sie nach Abzug aller Kosten rechnen können.

4. Erfolgreich gründen als selbstständiger Handwerker

Nach der Planung und ggf. der Finanzierung geht es an die Umsetzung. Als selbstständiger Handwerker müssen Sie zuerst alle Formalitäten abarbeiten und sich anmelden. Wo Sie sich als selbstständiger Handwerker anmelden müssen, haben wir Ihnen hier zusammengestellt

Auf die Anmeldung folgt dann die eigentliche Umsetzung Ihres Businessplans. Indbesondere die Kundenakquise und Kundenbindung sowie die Buchführung (Stichwort Liquidität) sind wichtige Bereiche, auf die Sie als selbstständiger Handwerker achten sollten.

Bei der Unternehmensgründung geht es auch darum, Risiken zu vermeiden. Für viele Risiken, die Sie nicht beeinflussen können, gibt es Versicherungen, die Sie vor den finanziellen Auswirkungen schützen. Neben den gewerblichen Risiken, sollten sich Handwerker vor allem auch über folgende Versicherungen informieren:

Was die gewerblichen Versicherungen angeht, so ist meist eine Betriebshaftpflicht empfehlenswert. Aber auch eine Inhaltsversicherung (z.B. um das Betriebsinventar abzusichern) und oder eine Rechtsschutzversicherung können sinnvolle Ergänzungen sein.

TIPP

Welche Risiken haben Sie als selbstständiger Handwerker? Machen Sie den kostenlosen Versicherungsbedarfs-Check

Daten und Fakten rund um das Handwerk

Dem Handwerk gehören fast eine Million Betriebe an. Zu den Handwerksberufen gehören bspw. Augenoptiker, Bäcker, Friseure, Maurer und Tischler. Dabei zählen Handwerker wie Friseure, Elektrotechniker, Installateure und Heizungsbauer zu den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Berufen im Handwerk.

Laut den Zahlen, die die Handwerkskammer für das erste Halbjahr 2012 vermeldet hat, sind leichte Verluste in den Betriebszahlen im Handwerk zu erkennen. Zum 30. Juni 2012 waren im Handwerk genau 998.664 Betriebe eingetragen. Das waren 0,2 Prozent Betriebe in Handwerk weniger als zu Jahresbeginn. Zudem  verzeichnen die Handwerkskammern weniger Zugänge im Handwerk. Eine Ausnahme bilden hier die zulassungsfreien Betriebe im Handwerk. Hier wächst die Zahl der Gründer sogar.

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