Franchise: Definition, Chancen und Risiken für Gründer

Beim Franchising nutzen Gründer das Geschäftskonzept eines bestehenden Unternehmens (Franchisegeber) für die eigene Selbstständigkeit. Als Gegenleistung zahlen Gründer eine Einstiegsgebühr und monatliche Gebühren an den Franchisegeber.

Wir erklären, wie ein Franchise funktioniert und welche Vor- und Nachteile bestehen. Außerdem zeigen wir, wie sich Franchise von anderen Systemen unterscheidet.

Redaktion

Geschrieben von Content Manager Franchise

Kirsten Holst
Für-Gründer.de Redaktion

Inhaltlich geprüft Chefredakteur

Für-Gründer.de Redaktion

Seit 2010 ist René als Gründer von Für-Gründer.de Teil der deutschen Gründerlandschaft. Seine Mission: Gründerinnen und Gründern praxisnahe Inhalte und echte Insights an die Hand zu geben. Das tut er als Chefredakteur, Podcast-Host, Webinar-Moderator und auf unserem YouTube-Kanal.

Er ist Interviewpartner in anderen Medien und verfasst Fachbeiträge zu Gründungsthemen.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Franchise ist ein Geschäftsmodell, das Gründer gegen Gebühren nutzen können.
  • Das Franchisekonzept ist markterprobt und an vielen Standorten anwendbar.
  • Franchise kann ein Ein-Personen-System aber auch ein internationaler Konzern sein.
  • Gründer profitieren beim Franchise vom leichteren Markteinstieg.
  • Franchiseunternehmen wachsen schnell, weil viele Partner parallel starten können.
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  | Seit wann gibt es Franchising in Deutschland?

In Deutschland gibt es Franchising seit Mitte der 1960er-Jahre. Als erstes erfolgreiches System gilt die Schnellrestaurantkette Wimpy. Das Unternehmen startete ab 1965 mit ca. 35 Niederlassungen in Deutschland.

Mangelnde Nachfrage und aufkommende Konkurrenz führten dazu, das Wimpy seine deutschen Standorte nicht halten konnte.

Wimpy ebnete aber den Weg für nachfolgende Fast-Food-Franchises wie Subway oder McDonald's.

McDonald's eröffnete seinen ersten deutschen Standort am 4. Dezember 1971 in München. Heute zählt McDonald's mit mehr als 1.400 Filialen in Deutschland zu den erfolgreichsten Franchisesystemen.

Seit Mitte der 1960er Jahre steigt die Zahl der Franchiseunternehmen in Deutschland. 1995 gab es bereits über 550 Franchisesysteme. Aktuell gibt es in Deutschland über 1.000.

Welches war das erste Franchisesystem weltweit?

Das erste Franchisesystem weltweit war die Singer Sewing Machine Company.

Bereits im Jahr 1850 vergab der Gründer Isaac Singer die Vertriebsrechte an selbstständige Geschäftsleute. Isaac Singer entschied sich wegen Personalmangels und fehlendem Kapital für die Expansion zum Franchising.

Top 20 Franchiseunternehmen in Deutschland

Folgende Tabelle zeigt die bekanntesten Top-20 Franchiseunternehmen in Deutschland. Die Listung erfolgt absteigend und orientiert sich an der Anzahl der Filialen in Deutschland.

Franchise Branche Filialen in Deutschland
McDonald's Gastronomie über 1.400
Schülerhilfe Bildung über 1.100
Studienkreis Bildung 1.000
Fressnapf Heimtierbedarf ca. 905
Apollo-Optik Einzelhandel ca. 900
Subway Gastronomie 660
Tchibo Einzelhandel ca. 550
SANIFAIR Hygiene- & Service-Center ca. 550
Das Futterhaus Heimtierbedarf 432
Clever fit Fitness 414
Domino's Pizza Gastronomie 411
Blume2000 Blumenhandel ca. 365
Engel & Völkers Dienstleistung 353
Obi Baumarkt 351
Backwerk Bäckerei ca. 350
Kamps Bäckerei ca. 350
Nordsee Gastronomie 308
RE/MAX Immobilien ca. 220
Kentucky Fried Chicken (KFC) Gastronomie 210
burgerme Gastronomie über 130

Welches sind die größten Franchiseunternehmen weltweit?

Zu den 5 größten Franchiseunternehmen der Welt zählen:

  • Subway
  • McDonald's
  • KFC - Kentucky Fried Chicken
  • Burger King
  • 7-Eleven

  | Definition: Was bedeutet Franchise?

Franchise ist ein Geschäftsmodell, bei dem Gründer (Franchisenehmer) das erprobte Konzept eines Unternehmens (Franchisegeber) nutzen. Die Nutzung erfolgt gegen eine einmalige Eintrittsgebühr und eine monatliche Gebühr.

Zum Franchise gehören Marke, Know-how und die Unterstützung durch den Franchisegeber.

Der Franchisegeber entwickelt und etabliert das Geschäftsmodell am Markt.

Ein bekanntes Beispiel ist McDonald's: Die Marke ist weltweit durch Logo und Markenzeichen wiedererkennbar. Kunden erleben in Deutschland das gleiche Produkt- und Serviceangebot wie in den USA oder Japan.

Zudem ist der Franchisegeber dafür zuständig, dass das Geschäftsmodell standardisiert und übertragbar ist. Nur so lässt sich das Modell an jedem Standort einheitlich umsetzbar.

Nutzungsrecht, anfallende Gebühren und Vertragslaufzeit legt der Franchisegeber im Franchisevertrag fest. Der Franchisevertrag regelt die Rechte und Pflichten beider Parteien.

Der Franchisenehmer erwirbt nicht nur eine Markenlizenz, sondern verpflichtet sich, vorgegebenen Standards und Abläufe einzuhalten.

Die Systemvorgaben sind im Franchisevertrag und im Franchise-Handbuch festgelegt.

Abgesehen von den Vorgaben ist der Franchisenehmer selbstständig und ein rechtlich eigenständiger Unternehmer.

Franchise, Franchising oder Franchisesystem?

  • Franchise: Das Geschäftsmodell, das der Franchisegeber dem Franchisenehmer gegen Gebühren zur Verfügung stellt. Der Begriff "Franchise" umfasst Konzept und Nutzungsrecht.
  • Franchising: Die Form der Zusammenarbeit, bei der Geschäftsmodell, Marke und Rechte an den Franchisenehmer übergehen. Der Begriff beschreibt das "Wie" beim Franchise.
  • Franchisesystem: Die Gesamtheit des Franchise, zu der auch das Logo und gemeinsame Marketingaktionen gehören.

  | Rechte & Pflichten von Franchisegeber und Franchisenehmer

Im Franchisesystem arbeiten Franchisenehmer und Franchisegeber eng zusammen. Beide Vertragspartner haben klar definierte Rechte und Pflichten.

Franchisegeber & Franchisenehmer: Rechte und Pflichten im Überblick

Zusammenarbeit von Franchisegeber und Franchisenehmer in einem Franchise-System
Beim Franchise arbeiten Franchisenehmer und Franchisegeber zusammen am Erfolg.

Franchisegeber

Der Franchisegeber vergibt Nutzungsrechte wie Markenrechte, Rezepte oder geschützte Prozesse an die Franchisenehmer. Schulungen, einheitliche Rezepte und Prozesse sorgen für die standardisierte Umsetzung der Konzepte.

Zusätzlich unterstützt der Franchisegeber seine Partner, zum Beispiel durch Warenlieferungen sowie Markt- und Wettbewerbsanalysen.

Franchisenehmer

Rechtlich gesehen ist der Franchisenehmer ein selbstständiger Unternehmer. Er hat das Recht, seinen Betrieb eigenmächtig zu führen. Dazu zählen die Einstellung von Mitarbeitern und lokales Marketing.

Gleichzeitig ist der Franchisenehmer verpflichtet, Gebühren für das Nutzungsrecht zu zahlen und die Systemvorgaben einzuhalten.

Subordinationsfranchising versus Partnerschaftsfranchising

Subordinationsfranchising bezeichnet die hierarchische Stellung von Franchisegeber und Franchisenehmer.

Der Franchisegeber ist die übergeordnete Einheit, der Franchisenehmer ist untergeordnet.

Denkbar ist auch das Partnerschaftsfranchising. Hier entwickeln Franchisenehmer und Franchisegeber gemeinsam das Franchisesystem.

Der Franchisenehmer nimmt also ebenfalls strategische Aufgaben wahr.

In der Praxis dominiert das Subordinationsmodell. Das Partnerschaftsmodell ist eine theoretische Idealform.

Franchise: Häufige Fragen zu Rechten, Pflichten & Unternehmensformen
Was ist ein Franchisepartner?

Franchisepartner ist eine andere Bezeichnung für Franchisenehmer.

Kann ein Franchisenehmer eine GmbH gründen?

Ja, Franchisenehmer können eine GmbH gründen. Denn Franchisenehmer gelten als selbstständige Unternehmer und können ihre Rechtsform selbst wählen.

Folgende Punkte sollte der Franchisenehmer beachten:

Für eine GmbH ist ein Stammkapital von 25.000 € erforderlich. Es ist möglich, nur 12.500 € als Einlage zu tätigen. Die Gesamtschuldnerhaftung der Differenz liegt dann bei allen Gesellschaftern.

Zudem sollte das Franchise-Konzept zur Rechtsform passen. Eine GmbH eignet sich bei einem Franchise mit hohem Investitions- und Haftungsrisiko.

Ein Beispiel sind Gastronomie-Franchises, bei denen Ausstattungskosten und Haftungsrisiko hoch ausfallen.

  | Grundlegende Merkmale eines Franchisesystems

Ein Franchisesystem beruht im Wesentlichen auf fünf Merkmalen:

  1. Einem gewerblichen Schutzrecht
  2. Einem erprobten Geschäftsmodell
  3. Standardisierungen
  4. Nutzungsrechten
  5. Einer geregelten Zusammenarbeit

Im Folgenden sind die wesentlichen Merkmale eines Franchisesystems genau aufgeschlüsselt:

#1 Gewerbliches Schutzrecht

Das gewerbliche Schutzrecht schützt Marke und Konzept des Franchise. Besteht ein gewerbliches Schutzrecht, benötigt der Franchisenehmer ein entsprechendes Nutzungsrecht.

Das Recht kann der Franchisegeber beispielsweise über den Franchisevertrag vergeben.

So schützt der Franchisegeber die Elemente, die das Franchise von anderen unterscheidet. Schützenswerte Elemente sind Marke, Rezeptur oder Prozesse. Ein Beispiel ist die Rezeptur, die Coca-Cola nutzt.

Das gewerbliche Schutzrecht bildet die rechtliche Basis eines Franchise.

#2 Erprobtes Geschäftsmodell

Bei einem "erprobten Geschäftsmodell" hat der Franchisegeber sein Franchisekonzept bereits erfolgreich am Markt aufgebaut.

Franchisenehmer übernehmen somit ein bereits funktionierendes Konzept, das sie nicht selbst testen müssen.

#3 Standardisierung

Im Franchise bedeutet Standardisierung, dass alle essenziellen Abläufe im Geschäft vereinheitlicht sind.

Durch die Vereinheitlichung können Franchisenehmer die Abläufe an allen Standorten identisch umsetzen.

So lassen sich gleiche Standards und gleichbleibende Qualität an allen Standorten sicherstellen.

#4 Erteilung von Nutzungsrechten

Durch das Nutzungsrecht erhält der Franchisenehmer die Berechtigung, Marke, Konzept und Betriebsabläufe des Franchisegebers zu nutzen.

Das Nutzungsrecht erteilt der Franchisegeber in der Regel über den Franchisevertrag.

Wichtig: Das Nutzungsrecht ist zeitlich begrenzt und an laufende Gebühren gekoppelt.

#5 Geregelte Zusammenarbeit

Im Franchise besteht die "geregelte Zusammenarbeit" zwischen dem Franchisegeber und dem Franchisenehmer. "Geregelt" wird die Zusammenarbeit durch den Franchisevertrag und das Systemhandbuch.

Der Vertrag hält unter anderem die Rechte und Pflichten der beiden Vertragspartner genau fest.

Das Systemhandbuch enthält klare Vorgaben für Führung und Betriebsabläufe.

McDonald's als Franchise-Beispiel

Ein bekanntes Beispiel für ein erfolgreiches Franchise ist McDonald's. Das System zählt zu den größten Franchiseunternehmen in Deutschland.

Als Franchisegeber tritt die McDonald's Corporation auf, die sich aus Anteilseignern zusammensetzt.

Franchisenehmer erhalten die Nutzungsrechte der Marke "McDonald's", das Geschäftskonzept und das internationale Know-how.

Zudem unterstützt der Franchisegeber mit einer Ausbildung zum Franchise-Partner und bei der Standortsuche.

Aktuell ist nur die Übernahme von Bestandsunternehmen möglich.

Im Gegenzug zahlt der Franchisenehmer laufende Franchisegebühren:

  • 5 % des Nettoerlöses
  • 5 % für die Werbung

Dank klarer Vorgaben treten alle McDonald's-Restaurants nach außen einheitlich auf. Das bedeutet, dass alle Schnellrestaurants des McDonald's-Franchise den gleichen Service und die gleichen Produkte bieten.

Die Kundschaft erlebt so auch im Urlaub ein einheitliches Markenerlebnis. Auf diese Weise fördert das Franchise seine Wiedererkennbarkeit und schafft Vertrauen.

  | Formen von Franchising

Franchising lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten:

  • Konzepte
  • Organisationsformen
  • Expansionsstrategien

Je nach gewählter Perspektive ergeben sich unterschiedliche Franchiseformen. Franchisenehmer, die ein komplettes Geschäft führen wollen, wählen voll ausgestattete Filialen wie Yves Rocher.

Mini-Franchising ermöglicht die Abteilungsleitung innerhalb eines Geschäfts. Ein typisches Mini-Franchise ist beispielsweise TeeGschwender.

Wir erklären, welche Franchiseformen es gibt und wodurch sich die Formen auszeichnen.

Grundlegende Franchising-Konzepte

Das Franchise-Konzept richtet sich nach dem Angebot aus. Steht der Produktverkauf im Vordergrund oder werden Dienstleistungen angeboten?

Hier sind die drei grundlegenden Franchising-Konzepte erklärt.

Vertriebsfranchising

Beim Vertriebsfranchising verkauft der Franchisenehmer Produkte und Dienstleistungen unter dem Markennamen des Franchisegebers.

Ein bekanntes Beispiel ist McDonald's, bei dem die Franchisenehmer standardisierte Produkte anbieten. Ebenfalls einheitlich ist der Markenauftritt der Franchiseunternehmen.

Vertriebsfranchising ist ein besonders häufig genutztes Franchisesystem.

Dienstleistungsfranchising

Dienstleistungsfranchising ist eine Form, bei der der Franchisenehmer Dienstleistungen nach den Vorgaben des Franchisegebers anbietet.

Wie bei anderen Franchisesystemen, agiert der Franchisenehmer unter dem Markennamen des Franchisegebers.

Ein Beispiel bietet "Engel & Völkers": Hier erbringen Immobilienmakler unter der Dachmarke Dienstleistungen.

Produktfranchising

Der Franchisenehmer darf beim Produktfranchising Waren nach Vorgaben und unter der Lizenz des Franchisegebers herstellen.

Ein Beispiel ist "Coca-Cola": Das Unternehmen arbeitet mit selbstständigen Abfüllbetrieben zusammen. Diese dürfen die Getränke produzieren und vertreiben.

Organisationsformen beim Franchise

Nicht nur beim Konzept, auch bei der Organisation ist das Franchise flexibel nutzbar.

Franchisenehmer, die nur eine Abteilung führen wollen, profitieren vom Mini-Franchising.

Für komplett ausgestattete Geschäfte bietet sich hingegen das Vollfranchising an.

Hier stellen wir die unterschiedlichen Organisationsformen der Franchisesysteme genauer vor.

Vollfranchising (auch: Full-Service-Franchise)

Beim Vollfranchising (Full-Service-Franchise) betreibt der Franchisenehmer ein komplett ausgestattetes Geschäft. Das Geschäft kann eine Verkaufsfiliale oder ein Dienstleistungsbüro sein.

Bei dieser Organisationsform bietet der Franchisegeber Marke, Konzept und umfassende Beratung an. Die Beratung kann zum Beispiel durch Schulungen erfolgen.

Der Franchisenehmer hält sich an das vertragliche Konzept, ist ansonsten aber vollkommen selbstständig.

BackWerk und Mrs. Sporty arbeiten nach dem Vollfranchising-Prinzip.

Corporate-Franchise (auch: Investitions- oder Groß-Franchising)

Corporate-Franchisesysteme sind Formate, bei denen ganze Gesellschaften als Franchisenehmer auftreten. Bekannt ist Corporate-Franchise auch unter den Namen Investitions- oder Groß-Franchising.

Die Unternehmensleitung übernimmt beim Corporate-Franchise ein eingesetzter Geschäftsführer.

Der Investitionsbedarf startet beim Corporate-Franchise ab etwa 500.000 Euro.

Zu den Corporate-Franchisesystemen zählen Obi und Holiday Inn.

Mini-Franchising (auch: Shop-in-Shop-Franchising)

Beim Mini-Franchising übernimmt der Franchisenehmer eine Abteilung innerhalb eines bestehenden Geschäftes. Diese Franchiseform ist Teil eines größeren Unternehmens.

Ein Beispiel für ein Mini-Franchise wäre etwa ein TeeGschwender-Fachladen innerhalb eines Kaufhauses.

Das Mini-Franchising wird auch als "Shop-in-Shop-Franchising" bezeichnet.

Expansionsstrategien von Franchisegeber und Franchisenehmer

Eine schnelle Expansion ist ein Grund, sich für ein Franchise zu entscheiden. Das gilt für Franchisenehmer, besonders aber für Franchisegeber.

Nachfolgend zeigen wir, welche Expansionsstrategien im Franchise möglich sind.

Masterfranchise

Das Masterfranchise dient als Expansionshilfe für ausländische Franchise-Konzepte. Dabei arbeiten ausländische Betriebe mit Master-Franchisenehmern zusammen.

Die Master-Franchisenehmer erhalten die exklusive Lizenz, ein Franchisesystem in einem größeren Gebiet aufzubauen. Das Gebiet kann eine Region oder ein Land umfassen.

Der Master-Franchisenehmer tritt beim Masterfranchise als Franchisegeber innerhalb seines Gebiets auf.

Als Franchisegeber etabliert der Master-Franchisenehmer das Franchisekonzept und findet neue Franchisenehmer.

Konversionsfranchising

Konversionsfranchising, auch konvertierendes Franchising, beschreibt die Umwandlung eines selbstständigen Unternehmens in ein Franchiseunternehmen.

Im Gegensatz zum "normalen" Franchising schließt sich beim Konversionsfranchising ein bestehendes Unternehmen einem Franchisesystem an. In diesem Fall wird also kein neues Unternehmen gegründet.

So profitieren Unternehmen vom Konversionsfranchising:

  • Schnelles Wachstum: Übernahme von neuem Kundenstamm
  • Verbesserte Sichtbarkeit: Integration einer bekannten Marke & Teilhabe an Werbekampagnen
  • Verringertes Risiko: durch Nutzung eines bereits etablierten Geschäftsmodells
Mehrfach-Franchising (auch: Multi-Unit-Franchising)

Beim Mehrfach-Franchising erwirbt ein Franchisenehmer mehrere Lizenzen für verschiedene Standorte.

Die Lizenzen erlauben dem Franchisenehmer, mehrere Filialen zu führen und sein Unternehmen auszubauen.

Diese Expansionsform ist auch als Multi-Unit-Franchising oder Mehr-Einheiten-Franchising bekannt.

Gebietsentwicklungsverträge

Gebietsentwicklungsverträge verpflichten Franchisenehmer zur Eröffnung mehrerer Standorte in einem bestimmten Absatzgebiet.

Bei der Gebietsentwicklung (auch: Area Development) handelt der Franchisenehmer nicht nur als eigenständiger Unternehmer.

Ähnlich wie beim Master-Franchising, tritt der Franchisenehmer auch beim Area Development als Franchisegeber auf. Somit sorgt er innerhalb seines Gebiets für die Expansion des Franchisesystems.

Im Gegensatz zum Master-Franchise vergeben die Gebietsentwicklungsverträge keine Lizenz für ein Land. Hier handelt es sich meist eher um einzelne Bundesländer oder Regionen.

Die Franchiseverträge schließen die angeworbenen Franchisenehmer mit der internationalen Systemzentrale ab.

Kann ein Franchisenehmer Lizenzen unterschiedlicher Franchisesysteme erwerben?

Ja, Franchisenehmer können Lizenzen unterschiedlicher Franchisesysteme erwerben. Die Expansion über mehrere Franchisesysteme nennt man "Multi-Brand-Franchising".

Das Konzept unterliegt Auflagen:

  • Die Franchiseverträge des Franchisenehmers müssen den Betrieb unterschiedlicher Franchisesysteme erlauben.
  • Der Franchisenehmer muss mehrere Konzepte gleichzeitig bedienen können.
  • Der Franchisenehmer muss die Zeit und das Geld für mehrere Konzepte haben.

Beispielsweise der gleichzeitige Betrieb eines Fitnessstudios und eines Studios für EMS-Training.

  | Was Franchise nicht ist

Neben dem Franchising gibt es weitere Vertriebskonzepte mit eigenen Strukturen und Rechten. Wir zeigen die wichtigsten Unterschiede.

Vertriebskonzepte im Überblick:

  • Lizenzierung
  • Filialsystem
  • Vertragshändler
  • Einkaufsverbund
  • Agent / Makler
  • Strukturvertrieb
Lizenzierung

Bei der Lizenzierung überlässt der Lizenz- oder Schutzrechtinhaber dem Lizenznehmer das Recht, das Schutzrecht eigenständig zu vermarkten.

Die Lizenzvergabe ist abhängig vom Vertrag und zeitlich begrenzt.

Im Gegensatz zum Franchisesystem gibt es keine Vorgaben zur Art der Vermarktung.

Filialsystem

Beim Filialsystem handelt es sich um ein Unternehmensmodell. Hier expandiert ein Unternehmen dadurch, dass es eigene Filialen gründet.

Im Gegensatz zum Franchisenehmer ist der Filialleiter ein Angestellter.

Die Steuerung der Filialen erfolgt beim Filialsystem durch die Zentrale.

Vertragshändlersystem

Unter einem Vertragshändlersystem versteht man eine Vertriebsstrategie. Hier expandiert ein Markenhersteller durch den Vertrieb der Markenprodukte an selbstständige Händler.

Der Vertragshändler kauft die Waren des Herstellers und verpflichtet sich zur Einhaltung bestimmter Richtlinien.

Der Hersteller macht dem Vertragshändler weniger Vorgaben als ein Franchisegeber seinem Franchisenehmer.

Im Gegensatz zum Franchisenehmer erhält der Vertragshändler jedoch keine Unterstützung vom Hersteller.

Ein Beispiel sind Autohäuser, die sich an Präsentation oder Preisvorgaben des Autobauers halten müssen. Dafür entscheiden die Autohäuser selbstständig, welche Marken sie anbieten.

Einkaufsverbund

Beim Einkaufsverbund geht es um die wirtschaftliche Stärkung selbstständiger Händler.

Ziel ist es, durch den Zusammenschluss gemeinsam Waren zu kaufen und so Preisvorteile und bessere Konditionen zu erhalten.

Das Ziel erreicht der Verbund durch Bündelung der Einkaufsmacht und gemeinsames Marketing.

Im Unterschied zum Franchisesystem steht hier der Gedanke einer Geschäftsmodell-Skalierung nicht im Vordergrund.

Agentursystem, Makler und Kommissionär

Der Agent bzw. Makler vermittelt Geschäfte gegen eine Gebühr. Dafür erhält er eine Maklerprovision. Makler und Agenten arbeiten also auf fremde Rechnung.

Der Franchisenehmer verkauft dagegen Produkte und Dienstleistungen des Franchisegebers auf eigene Rechnung.

Strukturvertrieb

Ein Strukturvertrieb ist eine hierarchisch aufgebaute Form des Direktvertriebs. Ziel beim Strukturvertrieb ist nicht nur der Absatz von Produkten, sondern die Akquise neuer Vertriebsmitarbeiter.

Der Vertriebsmitarbeiter steigt durch angeworbene Verkäufer in der Vertriebspyramide auf. Gleichzeitig verdient der Vertriebsmitarbeiter an den Provisionen der akquirierten Verkäufer mit.

Der Vertriebsmitarbeiter ist rechtlich gesehen ein freier Handelsvertreter. Das bedeutet: Der Mitarbeiter vermittelt für ein Unternehmen, ist aber rechtlich selbstständig.

In der Regel investiert der Vertriebsmitarbeiter nur in ein Warenlager an Produkten.

Der Verkauf erfolgt meist im persönlichen Umfeld, etwa über private Netzwerke.

Was ist der Unterschied zwischen Franchising und Lizenzierung?

Bei der Lizenzierung erlaubt der Lizenzinhaber dem Lizenznehmer, das Schutzrecht zu nutzen. Eine konkrete Partnerschaft wie beim Franchise gibt es nicht.

Bei einer Lizenz bestehen keine Vorgaben zur Vermarktung oder Geschäftsführung.

Im Gegensatz zum Franchising erhalten Lizenznehmer aber auch keine Unterstützung vom Lizenzgeber.

  | Vor- und Nachteile beim Franchising

Neben vielen Vorteilen, birgt Franchising auch Nachteile für Franchisegeber und Franchisenehmer. In diesem Kapitel sind die Vor- und Nachteile für beide Vertragspartner aufgeführt.

Franchising: Vor- und Nachteile für Franchisegeber

Franchisegeber profitieren beim Franchising von der schnellen und kostengünstigen Expansion.

Durch Franchisenehmer lassen sich mehrere Standorte parallel eröffnen und Regionen schneller erschließen.

Die Investitionskosten fallen zudem geringer für Franchisegeber aus. Denn: Franchisenehmer bringen Eigenkapital in ihr Franchiseunternehmen ein.

Entstehen in einem Betrieb Fehler, wirkt sich dieser allerdings direkt auf die gesamte Marke aus.

Überblick über weitere Vor- und Nachteile für den Franchisegeber:

  • Franchisenehmer bringen lokales Marktwissen ein
  • Wiederkehrende Einnahmen durch Gebühren
  • Rollen und Standards sind klar festgelegt
  • Hohe Arbeitsmotivation beim Franchisenehmer
  • Hoher Aufwand für die Erstellung von Handbuch, Schulungen und Supportleistungen
  • Umfassende Aufklärungspflicht (vorvertragliche)
  • Eingeschränkte Flexibilität: Preis- oder Prozessänderungen testen und vertraglich festschreiben

Franchising: Vor- und Nachteile für Franchisenehmer

Franchisenehmer profitieren beim Franchising vom geringen Risiko beim Markteintritt. Das liegt vor allem an der Nutzung eines etablierten Franchisekonzepts.

Ein weiterer Vorteil beim Franchise ist die Finanzierungshilfe. Beim Franchisekonzept sehen Banken ein geringeres Risiko, als bei einer Neugründung. Kredite vergeben sie deshalb beim Franchising schneller.

Negativ fallen dafür laufende Gebühren und die begrenzte Autonomie aus. Franchisenehmer unterliegen festen Systemstandards und Preisvorgaben.

Zudem bietet das Franchising kaum Möglichkeiten, sich in der kreativen Weiterentwicklung einzubringen.

Weitere Vor- und Nachteile von Franchising für Franchisenehmer:

  • Vorvertragliche Informationspflicht des Franchisegebers schafft Entscheidungssicherheit
  • Preise sinken durch Beschaffung für alle Franchisenehmer innerhalb des Systems
  • Franchisegeber hilft bei Weiterbildungen, Standortsuche, etc. Für Gründungs-Anfänger gut geeignet
  • Bekannte Marke und zentrale Werbung sorgen für schnellen Markteintritt
  • Fehler eines Franchisestandorts wirkt sich negativ auf das gesamte Franchise aus
  • Fehlende Exklusivität beim Standort kann Konkurrenz zwischen Franchisenehmern des gleichen Systems entfachen
  • Informationspflicht ist nicht bei allen Franchisesystemen gleich gut. Eigenständige Recherche ist vor Vertragsabschluss notwendig

  | Fazit

Ein Franchisesystem ist laut Definition gekennzeichnet durch:

  • Rechtlich geschützte, marktfähige Elemente (z. B. starke Marke)
  • Gebührenpflichtiges Geschäftsmodell (im Franchisevertrag geregelt)
  • Einheitliche Struktur mit klaren Standards
  • Enge Kooperation zwischen Zentrale und Franchisepartnern

Franchising ist kein statisches Konstrukt mit einer festen Form. Die Franchiseformen richten sich nach Angebot und Expansionskurs des Franchisegebers.

Franchisenehmern bietet Franchising die Möglichkeit, sich mit begrenztem Risiko selbstständig zu machen.

Franchisegeber haben mit Franchising die Möglichkeit, schnell und kostengünstig zu expandieren.

Franchisesysteme kennenlernen
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Autor: Kirsten Holst
Content Manager Franchise
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