Clubhouse App: Tipps für Unternehmer



Die neue App Clubhouse sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Helge Wils, Co-Founder der Passion4Business GmbH, nutzt selbst die App und gibt Tipps für Clubhouse-Einsteiger.


Inhaltsverzeichnis


 BB: Wochenrückblick fortgesetzt
Exklusiver Zirkel: Wie kommt ihr in Clubhouse rein und wo liegen die Chancen für Unternehmer? (Foto: Unsplash)

Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist eine neue Online-Plattform, die über eine App betreten wird. Entwickelt wurde sie von den beiden US-Amerikanern Paul Davison und Rohan Seth. Davison war zuvor bei Pinterest tätig, Seth bei Google. Momentan gibt es die App nur für Apple-User, doch soll in einigen Wochen eine Android-Version folgen.

Die App funktioniert wie ein interaktiver Podcast: Es handelt sich hier um ein Audioforum in dem Vorträge, Diskussionen und Pitches jeglicher Art stattfinden. Durch virtuelles Handheben könnt ihr im Room darauf aufmerksam machen, dass ihr euch äußern wollt. Die Teilnehmer einer Veranstaltung können die Profile des Hörer- und Sprecherkreises anschauen und folgen.

Jeder kann zu jedem Thema eine Veranstaltung ins Leben rufen. Wenn ihr also anderen Leuten folgt, die eine Veranstaltung oder ein Forum planen, erscheint dies in eurem Stream.

Allerdings könnt ihr Clubhouse nicht wie bei sozialen Netzwerken einfach so beitreten. Es braucht dafür eine exklusive Einladung. Jedes Mitglied kann zwei weitere Personen aus seinem Adressbuch einladen.

Euch hat eine solche Einladung erreicht? Dann rät Helge dazu, die Chance zu ergreifen:

Jetzt könnt ihr die Gunst der Stunde nutzen und euch eine Community aufbauen.

Dabei sind die Themen frei, es kann grundsätzlich über alles diskutiert werden, wie Helge bestätigt:

Clubhouse ist im Prinzip eine dauerhafte Konferenz zu allen möglichen Themen. Wer sich für Online Marketing, SEO und Content Creation interessiert, ist auf der Plattform richtig. Außerdem nutzen derzeit primär die App Investoren, Start-ups, Business Angels, Politiker, die Kunst-, Schauspieler- und Musikszene, Influencer etc.


Profil Helge Wils


Auch Coaches und die Bitcoin-Community sind dort aktiv. Wo ist da aber der Unterschied zu anderen sozialen Netzwerken?

Das Besondere an Clubhouse ist die Exklusivität. Wer eingeladen wurde, darf selbst bis zu zwei weitere Einladungen an Kontakte verschicken. Weiterhin erfahren die User, wer von wem eingeladen wurde.

Sofern Verstöße gegen die Etikette mehrfach über einen User gemeldet werden, kann er von Clubhouse gesperrt werden. Doch nicht nur das: Auch der Kontakt, der eingeladen hat, kann ausgeschlossen werden. Aber ihr benehmt euch ja generell umsichtig, oder? 😉

Clubhouse-Tipps für Einsteiger

Wer glaubt, bei Clubhouse nur einen weiteren Kanal der Selbstdarstellung gefunden zu haben, sollte vorsichtig sein. Diese drei zentralen Tipps gibt Helge Einsteigern mit auf die Entdeckungsreise bei Clubhouse:

#1 Profil anlegen

Ihr solltet euer Profil aussagekräftig gestalten. Was macht ihr? Was könnt ihr? Damit an eurer Expertise interessierte Personen euch auch folgen und ihr ggf. als Experten auf die Bühne in einer Talkrunde geholt werden könnt.

 

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Alle Marken der Passion4Business GmbH auf einen Blick: Helge nutzt den Platz in der Profilbeschreibung ähnlich wie Instagrammer für die wichtigsten Infos. (Screenshot: Clubhouse)

#2 Überblick verschaffen

Nutzt die Suchfunktion, um Foren und Personen nach euren Interessen zu finden und diesen zu folgen. Dann empfiehlt Helge, einfach mal einer Veranstaltung beizuwohnen. Macht dies jedoch achtsam. Wenn ihr im realen Leben einen unbekannten Raum betretet, sondiert ihr diesen zunächst. Das ist auch eine gute Idee bei Clubhouse. Sofern ihr das Bedürfnis verspürt, eine Frage zu stellen oder auf Wunsch der Veranstalter ein Statement abzugeben, seid ihr schon voll dabei.

#3 Als Unternehmer oder Freelancer eigene Veranstaltungen durchführen

Ihr kennt Clubhouse immer besser und möchtet euch aktiv einbringen, um euer Know-how mit der Community zu teilen? Dann ist die Zeit gekommen, eine Veranstaltung zu planen und durchzuführen und bei regem Interesse ggf. euren eigenen Club zu eröffnen. Ähnlich wie bei Facebook-Gruppen gilt auch hier: Je aktiver ihr seid, desto erfolgreicher wird euer eigener Club sein. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich hieraus ja ein Geschäftsmodell.

Bringt hierfür jedoch reichlich Geduld mit und beantragt frühzeitig: Aufgrund des wahnsinnigen Hypes ist die Administration von Clubhouse derzeit überfordert. Momentan müsst ihr für eine Cluberöffnung mit mindestens 4 bis sogar 8 Wochen rechnen. Um aktiv und erfolgreich bei Clubhouse zu werden, ist ein eigener Club aber auch nicht relevant.

Vorteile von Clubhouse

Hohes Diskussionsniveau

In Social Media herrscht manchmal ein rauer Ton. Bei Clubhouse hingegen sind kultivierte, fruchtbare Unterhaltungen die Regel statt die Ausnahme. Das bestätigt auch Helge:

Die Räume, die ich besucht habe, weisen eine hohe Qualität auf. So viel geballte Kompetenz habe ich online selten erlebt.

Durch das interaktive, konzentrierte und regelbasierte Podcast-Format ergeben sich wertvolle Essenzen:

Ich sehe hier einen echten Mehrwert – Zeiten des Spazierengehens oder des Kaffeetrinkens und Wartens sinnvoll zu verbringen, um spannende Themen sowie klasse Speaker kennenzulernen und die Möglichkeit, von den Experten Tipps und Anregungen zu erhalten.

Von anderen lernen

Die hochkarätigen Mitglieder sprechen über ihre Erfolge, aber auch ungeschönt über Rückschläge. In diesen Bereichen wird sich intensiv ausgetauscht:

Sprich: Die für uns relevanten Themen, die Gründer, Selbstständige und Unternehmer beschäftigen, treffen bei Clubhouse auf einen Nährboden.

Nachteile von Clubhouse

Problematische Inhalte

Wie jedes andere soziale Netzwerk hat auch Clubhouse mit rassistischen, sexistischen und anderen problematischen Inhalten zu kämpfen. Allerdings wird hier permanent nachgebessert, so gibt es inzwischen eine Melden-Funktion. Bei mehrfachen Meldungen kann es zum Auschluss des Nutzers aus Clubhouse kommen.

Exklusivität auf Dauer schwer haltbar

Es ist eine mathematische Gewissheit: Kommen auf jede Einladung zwei neue Einladungen, wird Clubhouse irgendwann eine Massenplattform sein. Damit schwächt sich das Prinzip der Exklusivität bis hin zur Bedeutungslosigkeit ab und Clubhouse wird ein soziales Netzwerk unter vielen.

Strategie nicht planbar

Auch wenn es in Zukunft immer mehr Einladungen geben wird und damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass auch ihr eine erhaltet, wisst ihr nicht, ob und wann dieser Zeitpunkt kommen wird. Außerdem weiß niemand, wie sich das Netzwerk mit wachsender Mitgliederzahl entwickeln wird. Daher ist es jetzt noch zu früh, eine Clubhouse-Strategie bis ins Detail zu planen.

Seid ihr dagegen schon Mitglied, dann nutzt die Gunst der ersten Stunde und konzentriert euch auf den guten Austausch mit Persönlichkeiten sowie auf euer eigenes Community-Building.

Behaltet weiterhin im Blick, dass in den kommenden Wochen eine Android-App auf den Markt kommen soll. Damit erhalten auch Millionen Nicht-iOS-Nutzer potenziell Zugang zu Clubhouse.

Gefahr der Ablenkung

So viele spannende Themen und Räume – und so wenig Zeit. Als Unternehmer bleibt die oberste Priorität natürlich euer Kerngeschäft. Wie schafft ihr es trotzdem, in den Genuss der gehaltvollen Clubhouse-Gespräche zu kommen? Mit eisernem Selbstmanagement, wie Helge weiß:

Man muss knallhart diszipliniert da reingehen und sich ein Zeitfenster setzen, sonst verbrennt man zu viel Zeit. Setzt euch feste Slots für Clubhouse, zum Beispiel morgens, in der Mittagspause oder am Feierabend.

Wer wenig Zeit hat und gern pointiert gute Diskussionen hört, an denen er sich obendrein aktiv beteiligen kann, ist bei Clubhouse bestens aufgehoben.

Datenschutz

Wer sich über WhatsApp beschwert, sollte um Clubhouse derzeit auch einen Bogen machen. Die Gespräche in den Rooms werden aufgezeichnet, zwar nur temporär, wie Clubhouse behauptet, dennoch solltet ihr euch darüber im Klaren sein.

Der Sinn der Aufzeichnungen liegt Clubhouse zufolge darin, die Einhaltung der Kommunikationsregeln sicherzustellen und einen Verstoß nachweisen zu können. Hierfür werden die Aufnahmen nach Schließung eines Raums kurzfristig gespeichert und im Anschluss gelöscht. Ferner greift Clubhouse auf euer Telefonbuch zu und dies wahrscheinlich regelmäßig. Ihr könnt nämlich in euren Einstellungen sehen, welche Kontakte aus eurem Telefonbuch bereits Leute auf Clubhouse kennen.

Ist Clubhouse nur ein Hype in Corona-Zeiten?

Clubhouse trifft den Zeitgeist, indem die App das beliebte Format Podcast in der Homeoffice-Ära pusht und um das Element der Interaktion ausbaut. Wir hören jetzt nicht mehr einzelnen Personen zu, sondern gehen mit mehreren Experten in den Echtzeit-Austausch und können uns so an der Diskussion beteiligen.

Aber wird dieses Prinzip auch nach dem Lockdown noch attraktiv sein? Helge hat dazu eine ganz klare Haltung:

Dass ich mich mit Fachleuten abends um 22 Uhr und 6 Uhr so austauschen kann, das wird m. E. auch nach Corona Bestand haben.

 

Clubhouse-Feed-Screenshot
Geballte Kompetenz: In den Clubs gibt es eine große Bandbreite an Themen und Experten. (Screenshot: Clubhouse)

Hinzu kommt der angenehme Umstand, sich selbst nicht in Bewegtbild zeigen zu müssen. In Zeiten der Videokonferenzen im Arbeitsalltag stellt das eine Entlastung dar. So kann man am Abend bei Clubhouse auch dann seriös auftreten, wenn man es sich schon im Schlafanzug auf der Couch gemütlich gemacht hat.

Oder man hat andere, individuelle Gründe, wie Helge es augenzwinkernd ausdrückt:

Zu hässlich für Instagram und zu blöd für Facebook. Bei Clubhouse fühlte ich mich gleich zu Hause.

Aus jedem Talk könne man beflügelt rausgehen, ob es sich um SEO- oder Gründerthemen handle. Daher lautet seine Einschätzung:

Ich glaube, dass das Prinzip von Clubhouse das Potenzial hat, sich dauerhaft zu etablieren.

Wie verdient Clubhouse Geld?

Zum Geschäftsmodell von Clubhouse lautet Helges Einschätzung:

Denkbar wären aus seiner Sicht verschiedene Finanzierungswege: exklusive, kostenpflichtige Clubs, Foren, Panels finanziert durch Monatsabo oder Eintrittskosten per Session z.B. 99 Cent pro Veranstaltung. Auch ein Spendenbutton wäre denkbar, etwa für Künstler die bei Clubhouse Unterhaltungsangebote präsentieren.

Der erfahrene Unternehmer sieht auch noch ein weiteres Szenario, das im Kampf der Giganten gang und gäbe ist:

Es ist auch gut möglich, dass die Platzhirsche wie Twitter das Clubhouse-Feature vom interaktiven Podcast einfach bei sich integrieren und damit eine bestehende Fanbase (rund 300 Mio. User) erreichen. Oder Facebook macht ein Angebot und kauft die Plattform.

Darin sieht Helge auch eine Gefahr für das noch junge Clubhouse:

Es kann sein, dass die anderen sozialen Netzwerke angreifen und Clubhouse versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Jedoch hat Clubhouse eine Reihe von Investoren mit tiefen Taschen und bei eine Bewertung von 1 Mrd. steckt auch schon mehr als eine gute Idee zum richtigen Zeitpunkt hinter dem Geschehen.

Wie sich die App auch entwickeln wird, eines steht fest: Es bleibt spannend.

Fazit

Wenn ihr bereits bei Clubhouse seid, dann nutzt die Phase der Exklusivität, um an so vielen Gesprächen wie möglich teilzunehmen. Achtet dabei auf Themen, die zu eurem Unternehmen passen und wählt die Rooms gezielt nach Kontakten aus, die für interessanten Content anbieten.

  • Die Clubhouse-App gibt es derzeit nur im Apple App Store. In einigen Wochen soll es aber auch eine App für Android-Geräte geben.
  • Hier erfahrt ihr mehr über die Passion4Business, zu der auch das GründerDaily als starke Marke gehört.
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