Influencer Marketing für Gründer und Start-ups einfach erklärt inkl. Beispiele

Influencer Marketing, das bedeutet, Personen, die ohnehin eine große Reichweite durch ihre Social Media-Kanäle haben, für eigene Marketingzwecke zu gewinnen. Wer Influencer Marketing einsetzt, profitiert von einem hohen Maß an Glaubwürdigkeit und einem geringen Streuverlust.

Doch ist Influencer Marketing nicht dasselbe wie Schleichwerbung? Wann lohnt sich für Gründer eine Influencer Marketingkampagne? Und wie plane ich diese? Wir geben Praxistipps und stellen Ihnen Beispiele vor.

Kurz erklärt: Was ist Influencer Marketing?

Das Wort Influencer stammt aus dem Englischen und bedeutet Einflussnehmer. Damit sind im Kontext von Marketing Personen gemeint, die eine große Reichweite durch Ihre Social Media-Plattformen aufgebaut haben und diese für werbliche Zwecke nutzen. Besonders verbreitet ist das Influencer Marketing bei YouTube, Facebook, SnapChat sowie Instagram. Aber auch bei Twitter und in Blogs wird von Influencern gesprochen.

Prinzipiell ist die Idee also nicht neu: So wurden auch schon vor der Entstehung sozialer Netzwerke Promis von Modeherstellern ausgestattet, um auf eine neue Kollektion aufmerksam zu machen oder Thomas Gottschalk bot seinen "Wetten dass...?"-Gästen auf dem Sofa ausschließlich HARIBO-Gummibärchen an.

In Zeiten, in denen die sozialen Medien nicht mehr wegzudenken sind, erlebt Influencer Marketing jedoch einen neuen Boom. Zahlreiche Studien haben belegt, dass zum einen ein positiver Effekt auf die Kaufkraft der Konsumenten nachgewiesen werden kann. Zum anderen ist aber auch die Glaubwürdigkeit der Influencer Marketing-Kampagnen besonders hoch. Und: Influencer Marketing kann durch keinen Adblocker gestoppt werden.

Influencer Marketing für Gründer - lohnenswert?

Letztendlich entscheiden Ihre Marketingziele sowie Ihr Marketingbudget über den Mehrwert von Influencer Marketing für Ihr Unternehmen. Für Gründer, Start-ups und kleine Unternehmen kann das Influencer Marketing aus den folgenden drei Gründen jedoch besonders spannend sein:

  1. Influencer Marketing ist bereits mit einem niedrigen Budget möglich. 
  2. Influencer produzieren den Content selbst und nehmen Ihnen somit Arbeit ab (bspw. im Vergleich zu klassischem Content Marketing).
  3. Influencer bewerben nur Produkte, die auch zu ihrem Kanal und somit auch zu den Usern passen. Der Streuverlust ist folglich sehr gering.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob sich Influencer Marketing für Sie eignet, lesen Sie auch weiter unten im Text den Abschnitt zum Thema "Einsatzbereiche und Kosten von Influencer Marketing".

In 5 Schritten zur Influencer Marketing-Kampagne

Wenn Sie sich für eine Marketingkampagne durch Influencer Marketing entscheiden, so sollten Sie folgende fünf Schritte einplanen.

Schritt 1: Planung

Im ersten Schritt sollten Sie sich fragen, welche Ziele Sie mit Influencer Marketing erreichen wollen. Geht es darum, eine Marke aufzubauen oder ein positives Image herzustellen? Wollen Sie ein neues Produkt besonders bewerben und somit auch den Umsatz steigern? Wollen Sie Vertrauen und Glaubwürdigkeit schaffen? Oder Suchmaschinenoptimierung durch Linkbuilding betreiben?

Je nach Marketingziel eignet sich auch eine andere Plattform. Wie eingangs erläutert, ist das Influencer Marketing vor allem auf YouTube, Instagram, Facebook und SnapChat beliebt. Wenn Sie jedoch beispielsweise SEO betreiben wollen, wäre ein Blogger als Influencer geeigneter. Wenn Sie ein Produkt vertreiben, das man anschaulich in einem Video präsentieren kann, wären YouTube oder für kurze Clips auch SnapChat, Instagram oder Facebook sinnvoll.

Außerdem sollten Sie vorab auch ein festes Budget sowie das Thema der Influencer Kampagne festlegen. Zusammenfassend gilt es also, diese Fragen zu klären:

  • Was sind meine Ziele?
  • Welche Plattformen eignen sich dafür?
  • Welches Budget habe ich?
  • Welches Thema / Produkt möchte ich in den Fokus stellen?

Schritt 2: Influencer finden

Haben Sie die grundsätzlichen, strategischen Fragen geklärt, geht es weiter mit der Suche nach einem passenden Influencer. Manchmal ist das Naheliegendste dabei gar nicht so schlecht: Gibt es in Ihrer Branche oder in Ihrer Stadt bekannte Personen, die zu Ihrem Produkt oder Ihrer Dienstleistung besonders gut passen?

Ist das nicht der Fall, so empfiehlt sich die Suche über Hashtags auf der entsprechenden Plattform: Welche User mit vielen Fans haben vielleicht schon ein grundlegendes Interesse an diesem Thema? Wer hat besonders viele Fans?

Außerdem gibt es mittlerweile auch zahlreiche Agenturen und Plattformen, die sich auf die Vermittlung spezialisiert haben. So ist im Bereich YouTube beispielsweise HitchOn aus Mainz eine der bekanntesten Influencer Marketing-Agenturen. Deutschlands größter Online-Marktplatz für Influencer Marketing heißt ReachHero mit Sitz in Berlin, wobei hier YouTube, Twitter und Instagram besonders im Fokus stehen. Die Plattform Influma aus Nordrhein-Westfalen versteht sich als Suchmaschine, mit der Sie die für Ihr Unternehmen wichtigsten Influencer und Blogger finden können. Außerdem ist auch eine Analyse darüber möglich, welche Themen in den Social Media-Kanälen besonders häufig geteilt werden.

Zusammenfassend finden Sie passende Influencer also:

  • in Ihrem Umfeld
  • über die Suche von Hashtags
  • über eigens auf Influencer Marketing spezialisierte Agenturen, Online-Marktplätze und Suchmaschinen

Schritt 3: Vertrag aufsetzen

Sobald Sie einen passenden Influencer gefunden haben, geht es an die genauen Absprachen. Dabei ist es wichtig, klare Vereinbarungen zu treffen und diese auch schriftlich festzuhalten: Was wird wann gepostet? Wie oft wird etwas geteilt? Wo erscheint etwas und mit welchem zeitlichen Abstand? Wo liegen die Nutzungsrechte? Ein Vertrag ist durchaus üblich im Influencer Marketing. Denn: Schon früher wurden Produkte an Stakeholder gesendet, die einen Hinweis darüber enthielten, dass Tests oder eine Veröffentlichung gewünscht sind. Ein Produkttest zieht jedoch immer nach sich, dass das Ergebnis auch negativ sein kann. Im Kontrast dazu steht beim Influencer Marketing ganz klar eine positive Verbindung - auch wenn die Meinungsfreiheit des Influencers dabei immer gewahrt werden muss.

Schritt 4 + 5: Durchführung und Kontrolle

Schritt 4 ist dann die Durchführung. Dabei besonders wichtig: die Interaktion. Wie viele Fans wurden erreicht? Wie viele haben kommentiert, geteilt, geklickt oder ein "Like" vergeben? Diese Kennzahlen sollten im Anschluss jeder Kampagne ausgewertet werden.

Die Interaktionsrate kann in der Praxis zwischen 0,5 und 5% schwanken. Je mehr Reichweite ein Influencer hat, desto niedriger ist in der Regel die Interaktionsrate. Wenn Sie Ihre Kampagne über eine Agentur anbieten, wird ein Tracking oftmals direkt mit angeboten. Wenn Sie ohne eine Agentur arbeiten, sollten Sie vertraglich festhalten, welche Daten Ihnen wie zur Verfügung gestellt werden.

Im Anschluss an die Durchführung und das Reporting sollten Sie auswerten, ob sich eine langfristigere Zusammenarbeit lohnt bzw. welche Learnings Sie aus der Kampagne mitnehmen können.

Beispiel für eine Influencer-Bekanntheit in Deutschland

Pamela Reif ist eine der bekanntesten Influencerinnen in Deutschland. Das 1996 in Karlsruhe geborene Model hat sich insbesondere auf Instagram spezialisiert. Dabei veröffentlicht sie insbesondere Bilder, die sich rund um die Themen Sport und Fitness drehen. In ihrem Kanal bewirbt sie entsprechend Produkte, die zu diesen Themen passen. Puma konnte sie direkt für ein ganzes Jahr als Influencerin gewinnen - nicht ganz so einfach, bei durchschnittlich 20 Anfragen, die Pamela Reif pro Tag bekommt.

Beispiel für Influencer Kampagne eines Start-ups

Eines der bekanntesten Beispiele in Sachen Influencer Marketing aus der Startup-Szene ist Stilnest, eine Onlineplattform für Designerschmuck aus dem 3D-Drucker. Das Unternehmen begann bereits 2015 mit Influencer Marketing, was nach eigenen Angaben den großen Wachstumsschub ermöglichte.

Dabei arbeitet Stilnest mit einer Vielzahl an Influencern auf verschiedenen Plattformen zusammen, die jeweils eigene Schmucklinien entwerfen und auf ihren Kanälen präsentieren. Kunden erhalten somit ein authentisches Schmuckstück von ihrem Star - was wiederum den Verkauf enorm ankurbelt. Erste Influencerin bei Stilnest war die Schauspielerin Nilam Farooq. In nachfolgendem Video stellt die Influencerin eine Kollektion vor.

Einsatzbereiche und Kosten für Influencer Markting

Die Einsatzbereiche von Influencer Marketing sind sehr vielseitig. Insbesondere bei neuen Produkten, die sich gut bildlich festhalten lassen, bietet sich Influencer Marketing an. Aber auch für Dienstleistungen kann sich Influencer Marketing eignen, wenn der Influencer die Dienstleistung beispielsweise in einem YouTube-Video testet. Des Weiteren können Sie Influencer aber auch für Ihre Markenbekanntheit, Image-Kampagnen oder als Promotion für eine Veranstaltung Ihres Unternehmens gewinnen.

Die Kosten beim Influencer Marketing hängen in der Regel von der Bekanntheit des Influencers und dessen Reichweite ab. Da diese oftmals nicht über ihre Verträge reden, ist es schwer zu sagen, was Influencer Marketing durchschnittlich kostet. Kosten für einen Post von Kim Kardashian oder Selena Gomez werden auf 50.000 Euro geschätzt, bei Nicht-Promis liegen die geschätzten Kosten bei ca. 1.000 Euro bei einer Reichweite über 100.000 Followern.

Für Gründer bietet es sich aber an, auch im Umfeld "Branchengrößen" zu finden, hier sollten die Preise noch deutlich günstiger sein (ca. ab 100 Euro pro Post). Zu definieren ist hier jedoch in erster Linie für Ihr eigenes Unternehmen, ab wann ein Influencer auch wirklich ein Influencer ist - sprich: wer erreicht Ihre Zielgruppe am besten? Hier eignen sich möglicherweise bereits Mikro-Influencer (1.000-10.000 Follower), da diese oft eine höhere Glaubwürdigkeit als Influencer mit 100.000 Fans oder mehr haben. Mikro-Influencer sind im Vergleich zu den "Großen" auch bereits für kleines Geld zu engagieren.

TIPP

Um Ihnen die Planung für Ihr Marketing zu erleichtern, stellen wir Ihnen ein kostenloses Tool zur Verfügung. Mit diesem Marketingtool können Sie zum einen die Werbeeffizienz verschiedener Werbemittel analysieren und vergleichen.

weiterlesen

Kritik: Von Schleichwerbung bis zum Shitstorm

Zwei große Kritikpunkte werden immer wieder am Influencer Marketing laut: das Thema Schleichwerbung und das Thema verärgerte Fans. Das Problem, das hinter beiden dieser Aspekte steckt, ist die klare Abgrenzung zwischen Werbung und eigener Meinung. Denn auf der einen Seite wirkt Werbung für Unternehmen authentischer, wenn sie nicht als solche wahrgenommen wird. Auf der anderen Seite ist Schleichwerbung laut Telemediengesetz in Deutschland verboten - es herrscht Kennzeichnungspflicht. Und auf der Fan-Seite ist es ähnlich: Schließlich folgen diese einer Person allen voran, weil sie diese inspirierend finden, nicht um als Käufer für ein Produkt oder Nutzer einer Dienstleistung akquiriert zu werden.

Von außen betrachtet, ist nur schwer einzuschätzen, ob ein Influencer aus eigener Überzeugung ein Produkt empfiehlt oder eben, weil er ein Influencer ist. Nicht selten kommt es bei einer vermeintlichen "Enttarnung" auch vor, dass Fans sich "ausgenutzt fühlen", an Vertrauen verlieren oder es sogar zu einem Shitstorm kommt. Rechtlich ist das Thema mit Stand 2019 mittlerweile eindeutig: Gesponserte Produkte oder Posts, die gegen Bezahlung veröffentlicht werden, müssen mit "Werbung" gekennzeichnet werden. Prinzipiell können für einen Verstoß gegen das Telemediengesetz bis zu 500.000 Euro Bußgeld drohen. Bereits im März 2017 wurde erstmals ein Influencer in Deutschland verurteilt. Im Fall von "Flying Uwe" lag die Geldstrafe bei 10.500 Euro. Er wurde zuvor mehrfach von der Medienanstalt zur Kennzeichnung aufgefordert.

Daraus ergibt sich die verantwortungsvolle Aufgabe von Unternehmen und Influencern, bewusst mit diesem Thema umzugehen. Schließlich haben sowohl Influencer als auch Unternehmen eine Vorbildfunktion, deren Glaubwürdigkeit sie durch negative PR aufs Spiel setzen. Während viele Influencer nicht über ihre Verträge sprechen (dürfen), so haben andere die Kennzeichnungspflicht längst umgesetzt (z.B. obiges Video von Stilnest). Bei YouTube ergeben sich durch das Textfeld unter dem Video auch andere Möglichkeiten als beispielsweise bei Instagram. Dort werden Anzeigen meistens durch einen Hashtag wie #Werbung gekennzeichnet. Wenn Sie Influencer Marketing für Ihr Unternehmen planen, sollten Sie den Aspekt der Kennzeichnungspflicht also unbedingt vorab bedenken, um möglichen rechtlichen Konsequenzen oder Negativ-PR vorzubeugen.

Fazit: Influencer Marketing für kleine Unternehmen

Denkt man an Thomas Gottschalk und HARIBO-Gummibärchen, so wird klar: Influencer Marketing ist keine Neuerfindung. Doch in Zeiten, in denen die Social Media-Kanäle kaum mehr wegzudenken sind, bieten sich ganz neue Möglichkeiten, um "Einflussnehmer" der eigenen Zielgruppe für seine Werbezwecke einzusetzen - insbesondere für Gründer, die nicht - wie HARIBO - eine Platzierung in einer bekannten Samstagabend-TV-Show finanzieren können. Für Gründer kann Influencer Marketing aber nicht nur Kosten, sondern auch Zeit sparen. Denn die Inhalte erstellt der Influencer (bspw. im Vergleich zum Content Marketing) selbst. Außerdem ist der Streuverlust beim Influencer Marketing extrem gering.

Wichtig für eine Kampagne ist in erster Linie die sorgfältige Planung. Dazu gehört auch, Fragen zu klären wie: Welche Ziele verfolge ich? Welche Plattformen eignen sich? Welches Budget habe ich? Außerdem sollten Sie sich über die Vertragsgestaltung sowie das Tracking Gedanken machen - beides ist Basis für eine längerfristige Kooperation mit dem passenden Influencer. Die Kosten hängen von der Reichweite des jeweiligen Influencers ab. Zahlreiche Agenturen haben sich bereits auf das Thema spezialisiert und helfen Ihnen dabei, den passenden Influencer zu finden.

Weitere Marketingaktivitäten wie beispielsweise das Content Marketing oder Google AdWords können das Influencer Marketing unterstützen. Natürlich ist auch für Ihr eigenes Unternehmen eine Social Media-Strategie wichtig - vielleicht kommt sogar ein eigener Instagram-Account in Frage?