Presseseiten: 8 Beispiele + Design-Tipps



Jedes Unternehmen profitiert von medialer Aufmerksamkeit. Während proaktive Pressearbeit zäh sein kann – insbesondere für junge Unternehmen – wird häufig eines unterschätzt: die eigene Presseseite. Wir stellen gelungene Beispiele vor.

#1 Einhorn

Presseseite Einhorn
Verspielt und einladend für die Kommunikation: Einhorn zeigt sich auf der Presseseite medienaffin und offen für den Austausch. (Screenshot: Einhorn)

Ein Banner, das die bisherigen Berichterstattungen in verspielter Form zeigt, ein Pressekontakt, der alles außer “dumme Fragen” beantwortet, Pressemitteilungen zu relevanten Themen, vielseitiges Bildmaterial und zwischendrin Consulting- sowie Vortragsangebote: Die Presseseite von Einhorn könnte nicht besser zum Gesamtauftritt des Start-ups passen und ist aus Sicht von Journalisten spannend sowie authentisch. Das Start-up, das vegane Design-Kondome und Periodenprodukte verkauft, hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es in Sachen Marketing viel auf dem Kasten hat.

#2 eLink

presseseite elink
Alles am Platz und schnell zu finden: eLink kombiniert Mini-Grafiken und Schlagworte perfekt für eine schnelle Auffindbarkeit. (Screenshot: eLink)

eLink ist ein Content Creation Tool für Websites, Unterseiten und E-Mail-Newsletter. Die seit 2016 stark wachsende Plattform verfügt über einen einladenden Pressebereich, der mit wenig Text auskommt. Die einzelnen Medienbausteine sind mit Miniaturbildern optimal platziert und strukturiert. So erkennt der Journalist blitzschnell, wo er Logos, Erklärgrafiken und Videos bekommt. Am Ende der Presseseite findet sich ein Kontaktformular für Medienanfragen, was sich grundsätzlich für einen Pressebereich empfiehlt.

#3 Etsy

Presseseite Etsy
Kontaktdaten und Keyfacts auf einen Blick. Perfekte Recherche-Bedingungen für Journalisten. (Screenshot: Etsy)

Etsy ist ein Online-Marktplatz, auf dem Künstler ihre Werke präsentieren und verkaufen können. 2005 wurde das Start-up gegründet, heute hat die Plattform 25 Mio. Mitglieder. Nicht nur die kreativen Stücke der Künstler stechen hervor, auch der Pressebereich der Website ist ein kleines Kunstwerk.

Beim Aufrufen begrüßt die Presseseite mit einem farbenfrohen Foto aus dem Hauptquartier. Das allein sorgt bereits für gute Laune, die sich angesichts des durchdachten Designs fortsetzt. Direkt im Anschluss an den positiven visuellen Eindruck folgen die Kontaktdaten und weiterführend die wichtigsten Fakten zur Plattform.

Beim Weiterscrollen erhält der Besucher eine Übersicht der Blogartikel mit Artikelbildern, Überschrift und Teasern – ein cleverer Weg, um auf den eigenen Content hinzuweisen. Die am Ende der Seite mit jeweils einem Klick herunterladbaren Bilder runden den guten Gesamteindruck ab.

#4 Ginmon

Presseseite Ginmon
Die minimalistische Presseseite von Ginmon wirkt klar und aufgeräumt. Sie repräsentiert damit das Start-up-Image in der Fintech-Branche. (Screenshot: Ginmon)

Schlicht, informativ und vollständig – so kann man die Presseseite von Ginmon beschreiben. Hier zeigt sich, dass der Pressebereich in puncto Aufbau und Darstellung zum jeweiligen Unternehmen passen muss. Eine Seite wie bei unserem anderen Beispiel Einhorn wäre für das Fintech Ginmon fehl am Platz. Bei diesem Unternehmen stehen die Referenzen stark im Fokus, aber mit F.A.Z., Reuters, Capital, Wirtschaftswoche & Co. kann man sich auch sehen lassen. Auch in einen Presseverteiler können sich Journalisten direkt eintragen. Mit Factsheets, Produktbildern, Teamfotos und Logo zum Download fehlt hier nichts.

#5 INASKA

Presseseite INASKA
Die vielfältigen Presseberichte harmonieren mit dem den inhaltlichen Angeboten für Journalisten wie Pressemappe und Logo-Download. (Screenshot: INASKA)

Bei INASKA gefällt uns, dass die Gründerinnen die Presseinformationen direkt für verschiedene Themen aufbereitet haben: Mit lokalem Bezug und Nachhaltigkeit decken sie zwei Themenschwerpunkte ab, die Journalisten und Medienkonsumenten gleichermaßen interessieren. Der einfache Zugriff auf die Pressemappe und das Logo erleichtern die Arbeit von Journalisten enorm.

#6 LOVECO

Presseseite LOVECO
Alles auf einen Blick: Unternehmensinfos und Pressefotos zum Download findet ihr gut strukturiert bei LOVECO. (Screnshot: LOVECO)

LOVECO ist ein Onlinshop für Slow Fashion und Eco Fashion. An dieser Presseseite schätzen wir die klare, durchdachte Aufteilung: Ob ihr euch von dort aus direkt auf die Über-uns-Seite begebt oder ein PDF mit einem Porträt der Gründerinnen herunterladet, bleibt euch überlassen. Genauso bequem und unkompliziert könnt ihr das Unternehmensporträt im PDF-Format abrufen. Damit haben Journalisten alle wichtigen Informationen gebündelt, ohne von ihnen überschwemmt zu werden.

Wer auf der Suche nach Bildern ist, gelangt auf der Presseseite ohne großes Scrollen direkt zu den Pressefotos. Auch clever: LOVECO zeigt nicht einfach nur die Logos von Medien, die über das Start-up berichtet haben, sondern verlinkt direkt auf die externen Presseberichte. Klug platziert wurde auch das Kontaktformular mit Ansprechpartnerin und E-Mail-Adresse. So haben wir die freie Wahl, ob wir das Formular nutzen oder eine Mail verschicken wollen.

#7 Pitch

Presseseite Pitch
Das klare Design und ein professionelles Presse Kit stechen bei Pitch hervor. (Screenshot: Pitch)

Der PowerPoint-Wettbewerber Pitch will künftig nicht nur dabei helfen, schickere Präsentationen zu entwerfen – das Start-up selbst präsentiert seinen Pressebereich auch sehr ansprechend.

Bereits im ersten Satz der Kurzbeschreibung findet sich der Download-Link zum Media Kit, nach dem Journalisten häufig auf der Suche sind. Wem das Media Kit nicht umfangreich genug ist, kann darüber hinaus an die ebenso prominent platzierte E-Mail-Adresse schreiben. Produktbilder im animierten GIF-Format, Teamfotos und ein Fact Sheet bringen jede Menge nützliche Infos für die Berichterstattung mit.

Auch angenehm: Wer einfach nur schnell das Logo benötigt, findet dieses separat und muss nicht gleich das komplette Media Kit herunterladen.

#8 Radbonus

Presseseite Radbonus
Die Ansprechpartnerin ist gut sichtbar platziert, daneben steht ein aussagekräftiger Kurztext zum Unternehmen. (Screenshot: Radbonus)

Mit „Miles & More fürs Radfahren” erhalten Journalisten schon anhand des ersten Satzes auf der Presseseite von Radbonus eine konkrete Vorstellung vom Unternehmen. Kontaktperson ganz oben, eine gute Auswahl an Bildern, in weniger als zehn Sätzen das Unternehmen erklärt, mit Fakten unterlegt und die bisherigen Erscheinungen – schlicht und nicht zu aufdringlich – genannt. Ein Lob an die PR dieses Start-ups!

Die perfekte Presseseite: Darauf kommt es an

Wichtig ist vor allem eines: Der Bereich „Presse“ muss ebenso wie die Über-uns-Seite oder die Karriereseite direkt auf der Startseite, bspw. im Header oder Footer, verlinkt sein. Ohne große Suche sollte der Journalist eure Seite erreichen können, das bedeutet: auf den ersten Klick!

Auf der Presseseite sollten sich folgende Elemente befinden:

  • Pressekontakt: Auf einer guten Presseseite ist direkt ersichtlich, an wen sich der Journalist wenden kann. Dabei ist eine E-Mail-Adresse genauso wichtig wie eine Telefonnummer. Übrigens: presse@…-Adressen könnt ihr nutzen, es empfiehlt sich hierbei, den Namen des Ansprechpartners auf der Presseseite zu nennen.
  • Keyfacts: Ob grafisch dargestellt, in Form eines Factsheets oder als Bulletpoints: Eine zentrale Aufgabe eurer Presseseite ist, dass Journalisten die wichtigsten Daten und Fakten über euer Unternehmen erfahren – und zwar auf dem kürzesten Weg. Dabei könnt ihr euch an den W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Wie viel? Warum?) orientieren. Versucht aber, euch möglichst kurzzufassen.
  • Bildmaterial: Geschichten leben von Bildern. Gute Chancen auf eine Berichterstattung habt ihr also, wenn ihr bereits Bildmaterial anbietet. Hierzu können sowohl Bilder von eurem Team als auch von euren Produkten etc. zählen. Eine bunte Mischung ist ideal. Auch Videos können sinnvoll sein, beispielsweise für Eindrücke aus der Produktion, die ihr Journalisten nicht jederzeit und ortsunabhängig ermöglichen könnt. Sehr modern sind auch 360-Grad- und Virtual-Reality-Touren, die das virtuelle Erlebnis intensivieren.
  • Pressemitteilungen: Natürlich sollten Journalisten direkt sehen, was aktuell bei euch los ist. Eure Pressemitteilungen solltet ihr also – chronologisch absteigend – auf der Presseseite veröffentlichen (idealerweise als Text- und PDF-Datei).
  • Referenzen: Wer hat bisher über euch berichtet? Auch das interessiert Journalisten. Schließlich ist es eine Art Qualitätsmerkmal, wenn etablierte Medien euch bereits vorgestellt haben. Nutzt eure Presseseite, um zu zeigen, wo ihr schon überall vertreten wart – am besten direkt mit Verlinkung. Achtung bei der Nutzung von Logos: Hier solltet ihr aus rechtlichen Gründen besser vorher anfragen, ob ihr diese nutzen könnt. Falls es dafür keine Möglichkeit gibt: Auf jeden Fall einen Link hinter das Logo setzen.

… und dann ist da noch die Frage mit dem „Sie“

Die einen duzen, die anderen siezen. Beides haben wir auf euren Presseseiten gefunden. Im Start-up-Umfeld ist man schnell beim „Du“ – da ist es auch nur authentisch, wenn man auf der gesamten Webseite duzt und auf der Presseseite nicht plötzlich wechselt. Ganz generell hängt es auch individuell vom Journalisten, dem Medium und eurer Branche ab, was „richtig“ ist. Von daher können wir hier keine pauschale Antwort geben. Wenn es dann aber an den direkten Kontakt geht, würden wir grundsätzlich erst einmal beim „Sie“ bleiben.

No-Gos: Die vier häufigsten Fehler auf Presseseiten

Leider haben wir auch einige weniger gelungene Beispiele für Presseseiten von Start-ups gefunden. Daher nennen wir zum Abschluss noch die vier größten No-Gos, die ihr jedoch ganz einfach vermeiden könnt.

#1 Presseseite = Auflistung bisheriger Artikel

Wir sind häufig auf Presseseiten von Start-ups gestoßen, auf denen einzig und allein Artikel gelistet wurden, oft waren es nur wenige. Weder Keyfacts noch sonstige Informationen für Journalisten waren dort zu finden. Dabei ist gerade das auf einer guten Presseseite entscheidend.

Die Presseseite wird vor allem von Journalisten besucht, die noch vorhaben, über euch zu berichten. Sagt ihnen, warum ihr das wert seid. Euer Hauptargument sollte nicht sein, dass schon viel über euch berichtet wurde.

#2 Die Presseseite ist nur nach vielen Klicks auffindbar – wenn überhaupt

Bei vielen Start-ups konnten wir gar keine Presseseite finden, obwohl wir uns bei der Recherche wirklich Mühe gegeben haben. Manchmal war diese auch erst auf dritter oder vierter Unterebene – beispielsweise im Bereich „Über uns“ zu finden. Macht es Journalisten so einfach wie möglich, die Keyfacts über euer Unternehmen schnell zu erfahren.

#3 Fehlender Pressekontakt

Viele Start-ups geben keinen Pressekontakt an, sondern verweisen lediglich auf ein Kontaktformular. Wir raten davon ab – gebt Journalisten die Chance, persönlich Kontakt aufzunehmen.

#4 Falsches Verständnis vom Begriff Pressemitteilung

Auch das haben wir hin und wieder gesehen: Pressemitteilungen sind keine Mitteilungen der Presse, sondern an die Presse. Das heißt: Wer auf eine Pressemitteilung klickt, der erwartet eine News von eurem Unternehmen. Unter “Pressemitteilung” verlinkte, bereits erschienene Artikel wecken falsche Erwartungen. Diesen Bereich solltet ihr besser “In den Medien” nennen.