Von Handwerk bis High-Tech Geschäftsideen: Diese fünf haben die KfW überzeugt

1. Maßarbeit aus Holz: Corona setzt Tischlerei Evers unter Druck
Eigentlich lief das Geschäft der Tischlerei Evers gut. Der 2009 gegründete Betrieb aus Braunschweig fertigt individuelle Holzarbeiten wie Haustüren, Treppen und Fenster.
Doch mit Beginn der Corona-Pandemie geriet Geschäftsführer Dirk Evers in eine ungewöhnliche Situation: Die Werkstatt war ausgelastet, trotzdem fehlte plötzlich Geld.
Viele Kunden verschoben aus Sorge vor einer Ansteckung die vereinbarten Montagetermin. Für die Tischlerei hatte das unmittelbare Folgen.
Bereits produzierte Holzwaren im Wert von rund 80.000 € konnten zunächst nicht ausgeliefert werden. Material und Transport hatte der Betrieb zu diesem Zeitpunkt bereits bezahlt. Die entsprechenden Kundenzahlungen gingen dagegen noch nicht ein.
Um diesen Liquiditätsengpass zu überbrücken, setzte Evers unter anderem auf Kurzarbeit und zusätzliche Aufträge. Hinzu kam ein KfW-Unternehmerkredit über 30.000 €, den der Betrieb über die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg beantragte. Laut KfW lief das Darlehen über sechs Jahre, bei einem Zinssatz von 1,46 % und einem tilgungsfreien Jahr.
Die zusätzliche Liquidität verschaffte der Tischlerei Spielraum, bis sich die Lage wieder stabilisierte und die Aufträge anzogen. Rückblickend bezeichnet Evers den KfW-Kredit für diese Phase als "überlebenswichtig".
Ein eigentlich gesunder Handwerksbetrieb konnte so eine Zeit überbrücken, in der das Geld nicht wegen mangelnder Nachfrage fehlte, sondern weil Einnahmen deutlich später eintrafen als geplant.
2. Bergzeit wächst in Europa: Wie die KfW die neue Logistik mitfinanzierte
Das Logistikzentrum von Bergzeit: Mit automatisierter Lagertechnik schuf der Outdoor-Händler die Grundlage für weiteres Wachstum. Bild: Bergzeit
Wer regelmäßig in den Bergen unterwegs ist, dürfte Bergzeit kennen: Das Unternehmen startete ursprünglich als Online-Portal für Bergtouren und verkauft seit 2001 Outdoor-Ausrüstung.
Heute läuft mehr als 95 % des Geschäfts online, im Shop finden Kunden über 40.000 Artikel von mehr als 500 Marken. Bergzeit beschäftigt inzwischen mehr als 400 Mitarbeiter und verkauft in zahlreiche europäische Länder.
Mit dem Wachstum stieg allerdings auch der Druck auf die Logistik. Das bestehende Lager hätte die zunehmenden Paketmengen auf Dauer nicht mehr bewältigen können.
2017 plante Bergzeit deshalb bei der Zusammenlegung von Verwaltung und Logistik in Otterfing einen Erweiterungsbau mit automatisierter Lagertechnik mit ein. Für diese Investition suchte das Unternehmen gemeinsam mit seiner Hausbank nach einer passenden Finanzierung für Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben.
Ein KfW-Kredit deckte schließlich zwei Drittel des Investitionsvolumens für das automatisierte Shuttle-Lager ab. Zusätzlich erhielt Bergzeit einen Förderzuschuss in Höhe von drei Prozent der Kreditsumme.
Nach 20 Monaten Bauzeit ging das neue Lager in Betrieb. Heute bewegt eine digitale Steuerung die Waren weitgehend automatisiert zwischen mehr als 56.000 Lagerplätzen und den Arbeitsstationen.
In Spitzenzeiten kann Bergzeit dadurch bis zu 12.000 Pakete pro Tag abwickeln. Vor dem Umbau lag die maximale Leistung bei 7.000 Paketen.
Damit finanzierte Bergzeit nicht einfach zusätzliche Lagerfläche. Die Investition schuf vielmehr die technische Grundlage dafür, dass die Logistik mit dem wachsenden Onlinegeschäft Schritt halten kann.
Gerade bei einem Händler mit zehntausenden Artikeln und Kunden in vielen europäischen Ländern entscheidet schließlich auch die Geschwindigkeit hinter den Kulissen darüber, wie weit ein Geschäftsmodell skalieren kann.
3. Gastro-Wissen als Geschäftsmodell: Wie die KfW LUSINI bei der Digitalisierung unterstützte
Die LUSINI Group ist vor allem als Ausstatter für Hotels und Gastronomiebetriebe bekannt. Das Unternehmen aus dem bayerischen Wertingen vertreibt unter Marken wie VEGA, ERWIN M., JOBELINE und PULSIVA Ausstattung für Restaurants und Hotels. Aus dem 1987 gegründeten Textilgroßhändler ist inzwischen eine international tätige Unternehmensgruppe mit rund 650 Mitarbeitern geworden.
Mit der Gastro-Academy erweiterte LUSINI sein Geschäft um ein digitales Angebot. Die Plattform richtet sich vor allem an Gastronomen und bündelt Wissen rund um Gründung und Unternehmensführung.
Fachartikel, Apps und Coaching-Videos behandeln Themen wie Finanzierung, Preiskalkulation oder Personalsuche. Schon rund ein Jahr nach dem Start nutzten etwa 6.000 Gastronomen das Angebot.
LUSINI wollte die Plattform anschließend ausbauen. Künftig sollten nicht nur Gründer, sondern auch etablierte Restaurantbesitzer und Hoteliers auf Wachstumskurs oder in schwierigen Unternehmensphasen Unterstützung finden. Dafür investierte das Unternehmen in zusätzliche Inhalte, Personal und IT-Dienstleistungen.
Die Erweiterung der Gastro-Academy war eines von acht Innovationsprojekten, die LUSINI mit Hilfe des damaligen ERP-Innovationsprogramms der KfW finanzierte. Für LUSINI entstand damit neben dem klassischen Handel ein zusätzliches digitales Geschäftsfeld.
Ein fünfköpfiges Team arbeitete am Ausbau der Gastro-Academy, zugleich entstanden durch das Projekt neue Arbeitsplätze. Aus einem Gastronomieausstatter wurde so auch ein Anbieter von Wissen und digitalen Services für eine Branche, deren Kunden weit mehr benötigen als Teller, Möbel oder Berufsbekleidung.
4. Fahrradschaltung neu gedacht: Wie Pinion der Sprung in die Serie gelang
Die Idee für Pinion entstand aus einem alltäglichen Problem: Die späteren Gründer Christoph Lermen und Michael Schmitz störten sich an den Schwächen klassischer Fahrradschaltungen.
Während ihrer Zeit als Werkstudenten bei Porsche entwickelten sie deshalb die Idee für ein neues Schaltsystem. 2008 gründeten sie die Pinion GmbH.
Der Durchbruch kam, als Pinion seine Technik auf der Fahrradmesse Eurobike präsentierte. Das Interesse der Branche war groß. Die Zahl der kooperierenden Fahrradhersteller stieg von zunächst 11 auf rund 70. Aus der technischen Idee war ein gefragtes Produkt geworden.
Mit dem Erfolg entstand jedoch die nächste Herausforderung: Pinion musste größere Stückzahlen produzieren und gleichzeitig die Herstellungskosten senken. Dafür waren Investitionen in Maschinen, Werkzeuge und den Aufbau eines Warenlagers notwendig.
Für diesen Wachstumsschritt nutzte Pinion den damaligen KfW-Unternehmerkredit Plus. Insgesamt flossen laut KfW etwas mehr als 675.000 € in den Ausbau der Produktion.
Für das noch junge Unternehmen spielte auch die Haftungsfreistellung der Hausbank eine wichtige Rolle. Denn Pinion konnte zu diesem Zeitpunkt nur begrenzte Sicherheiten vorweisen.
Mit der neuen Finanzierung konnte Pinion den Schritt von der vergleichsweise kleinen Produktion hin zu größeren Stückzahlen gehen.
Damit zeigt die Geschichte auch eine typische Herausforderung erfolgreicher Gründungen: Wenn die Nachfrage steigt, braucht es oft zusätzliches Kapital, bevor das Unternehmen den nächsten Wachstumsschritt machen kann.
5. Mehr digitale Souveränität: Wie KfW Capital den Cybersecurity-Anbieter VMRay stärkte
Dr. Carsten Willems, CEO von VMRay: Aus seiner frühen Begeisterung für IT-Sicherheit entstand ein Unternehmen, das heute Behörden und Unternehmen vor neuartiger Schadsoftware schützt. Bild: SmartForward
Cybersecurity ist längst zu einer strategischen Frage geworden. Unternehmen und Behörden müssen sich nicht nur gegen immer ausgefeiltere Angriffe schützen.
Zugleich wächst in Europa der Wunsch nach leistungsfähiger Technologie aus Deutschland und der EU. Genau in diesem Markt ist das Bochumer Unternehmen VMRay aktiv.
Die Gründer Carsten Willems und Ralf Hund entwickelten bereits an der Universität Verfahren, mit denen sich Schadsoftware sicher analysieren lässt. 2013 gründeten sie VMRay.
Die Software des Unternehmens untersucht verdächtige Dateien in einer geschützten Umgebung und hilft dabei, neue Cyberbedrohungen zu erkennen. Heute zählt VMRay auch große internationale Unternehmen zu seinen Kunden.
Um aus der technologischen Idee ein international wachsendes Unternehmen zu machen, brauchte VMRay zusätzliches Kapital. Investiert haben unter anderem der High-Tech Gründerfonds, eCapital und Digital+.
An allen drei Fonds ist KfW Capital mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens beteiligt. Über ähnliche Beteiligungsmodelle unterstützt die KfW auch deutsche KI-Start-ups. Für Mitgründer Willems war das ein entscheidender Faktor: Durch die Investments habe VMRay deutlich schneller wachsen können.
Damit unterscheidet sich diese Finanzierung von den klassischen Förderkrediten. Gerade technologieintensive Start-ups benötigen oft viel Kapital für Entwicklung, Mitarbeiter und internationale Expansion, lange bevor ihr Geschäft sein volles Potenzial erreicht.
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Quellen:
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