Versicherung & Vorsorge Dürre und Niedrigwasser: Welche Versicherung schützt?

Niedrigwasser 2026: Rhein und andere Wasserstraßen unter Druck
Die Lage ist angespannt: Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde waren Mitte August alle deutschen Stromgebiete von Niedrigwasser betroffen. An Rhein, Donau und Elbe wurden teils die niedrigsten bekannten Wasserstände erreicht oder unterschritten. Eine nachhaltige Entspannung zeichnete sich laut BfG zu diesem Zeitpunkt nicht vor Anfang Oktober ab.
Das trifft wichtige Lieferketten. Bei starkem Niedrigwasser können Schiffe aktuell mit deutlich weniger Ladung fahren. Laut GDV teilweise nur mit einem Drittel ihrer üblichen Ladung. 2025 wurden auf deutschen Binnenwasserstraßen 171,6 Millionen Tonnen Güter transportiert.
Transporte verzögern sich oder müssen auf Lkw und Schiene verlagert werden. Das wird derzeit zusätzlich teuer: Diesel kostete im Juli 2026 26,5 % mehr als ein Jahr zuvor. Die Inflationsrate lag insgesamt bei 2,8 %.
Zusätzliche Umschläge und Zwischenlagerungen erhöhen außerdem die Kosten für Unternehmen und zugleich das Risiko von Transportschäden.
Wer zahlt bei verspäteten Lieferungen?
Ein wirtschaftlicher Schaden ist nicht automatisch ein Versicherungsfall. Entscheidend ist, was konkret beschädigt wurde und wodurch der Schaden entstanden ist.
Ein wichtiges Bauteil kann aufgrund des Niedrigwassers nicht rechtzeitig ausgeliefert werden. Die Produktion kann nicht weiterlaufen.
Ersatztransporte verursachen erhebliche Mehrkosten, z.B.:
- Regulärer Schiffstransport: 1.500 €
- kurzfristiger Ersatztransport: 4.000 €
- Mehrkosten: 2.500 €
Solche Mehrkosten sind nicht automatisch versichert und bleiben in der Regel beim Unternehmen. Das gilt auch für Umsatzeinbußen durch eine verspätete Lieferung.
Hinzu kommt, dass die Produktion nicht wie geplant ablaufen kann.
Das erzeugt zusätzliche Ausfallkosten, ohne dass etwas im Betrieb selbst beschädigt wurde, z.B.:
- Produktionsstillstand: 6.000 € entgangener Deckungsbeitrag pro Tag
- Ausfall bei zwei Tagen: 12.000 € Ausfall
Für Gründer ist das besonders relevant, wenn sie von wenigen Lieferanten oder einzelnen Transportwegen abhängig sind.
Daher sollten Gründer Folgendes prüfen:
- Welche Waren sind für den Betrieb unverzichtbar?
- Welche Lieferanten und Transportwege können kurzfristig ersetzt werden?
- Wer trägt laut Liefervertrag das Transportrisiko?
- Besteht für wichtige Waren eine Transportversicherung?
"Für Unternehmen mit klar messbarer Wetterabhängigkeit kommen wiederum individuelle oder parametrische Lösungen infrage, beispielsweise gekoppelt an Rheinpegel, Niederschlagsmengen oder die Zahl besonders heißer Tage", erklärt Jan Roß, Versicherungsexperte und Partner von Für-Gründer.de.
"Unternehmen sollten Risiken nicht nur an einzelnen Schadenereignissen festmachen. Sinnvoller ist eine 360-Grad-Risikoanalyse, die alle relevanten Gefahren sichtbar macht und anschließend klärt, welche Risiken versichert, anders abgesichert oder bewusst selbst getragen werden.“
Greift eine Transportversicherung bei beschädigter Ware?
Anders sieht es aus, wenn nicht nur die Lieferung verspätet ist, sondern die Ware selbst beschädigt wird oder verloren geht.
Dann kann eine Transportversicherung greifen. Sie schützt Waren während des Transports gegen vertraglich vereinbarte Gefahren.
Wichtig bleibt die Schadenursache. Niedrigwasser allein ist kein Sachschaden. Erst wenn ein versichertes Ereignis die Ware beschädigt, kommt eine Leistung infrage.
Das Niedrigwasser erhöht zugleich das Schadensrisiko: Zusätzliche Umschläge und Zwischenlagerungen können laut GDV etwa zu Feuchtigkeitsschäden, Verunreinigungen, Verladefehlern oder Diebstahl führen.
Gründer sollten zudem wissen, wer während des Transports das Risiko trägt: der Lieferant, der Spediteur oder das eigene Unternehmen. Das ist dem Kaufvertrag sowie den vereinbarten Lieferbedingungen zu entnehmen. Die sogenannten Incoterms regeln unter anderem, wann das Risiko für Verlust oder Beschädigung der Ware vom Verkäufer auf den Käufer übergeht.
Lassen sich schlechte Erträge bei Dürre versichern?
Dürre trifft insbesondere landwirtschaftliche Betriebe und Gärtnereien. Bleibt Regen über längere Zeit aus, können Erträge erheblich sinken oder vollständig ausfallen. Zusätzlich können Kosten für Bewässerung steigen.
Solche Risiken lassen sich je nach Betrieb über Mehrgefahrenversicherungen absichern. Diese können neben Dürre beispielsweise auch Hagel, Sturm, Starkregen oder Frost einschließen.
Wie teuer Dürre werden kann, zeigte 2018: In besonders stark betroffenen Regionen brachen landwirtschaftliche Erträge um bis zu 70 % ein. Der Bund stellte 340 Millionen € Soforthilfe bereit.
Für andere Branchen ist der Schutz schwieriger. Wird ein Rohstoff wegen der Dürre teurer oder bricht der Umsatz wegen Lieferproblemen ein, handelt es sich häufig um ein unternehmerisches Risiko.
Die Faustregel: Direkte Schäden lassen sich meist leichter versichern als daraus entstehende Mehrkosten und Umsatzausfälle.
Deshalb sollten Gründer zunächst beziffern, welche nicht versicherten Mehrkosten sie im Ernstfall selbst tragen könnten. Dazu zählen etwa Ersatztransporte, Produktionsausfälle oder höhere Beschaffungspreise.
Welche Policen helfen, wenn Hitze Technik oder Produktion lahmlegt?
Hitze kann auch Maschinen und Technik treffen. Eine Kühlanlage fällt aus, Server überhitzen oder eine wichtige Produktionsmaschine steht still.
Je nach technischem Schaden kommen Maschinen-, Elektronik- oder Inhaltsversicherungen infrage.
Führt ein versicherter Sachschaden zusätzlich zu einem längeren Stillstand, kann auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung wichtig werden.
All-Risk-Versicherung: Was ist damit abgesichert?
Die All-Risk- oder Allgefahrenversicherung bietet einen besonders breiten Schutz für betriebliche Sachen wie Maschinen, Technik oder Inventar.
Das Prinzip: Statt nur einzelne Gefahren wie Feuer, Sturm oder Leitungswasser aufzuzählen, sind grundsätzlich die Gefahren versichert, die im Vertrag nicht ausdrücklich ausgeschlossen wurden.
Das kann bei hochwertiger Technik interessant sein. Auch Schäden durch Bedienfehler, Kurzschluss oder andere unvorhergesehene Ursachen können je nach Vertrag eingeschlossen sein.
Aber: All Risk bedeutet nicht, dass alles versichert ist. Ausschlüsse und Selbstbehalte bleiben entscheidend. Lieferverzögerungen oder höhere Transportkosten durch Niedrigwasser sind dadurch nicht automatisch abgesichert.

Kein Versicherungsschutz: So schützen Gründer ihren Betrieb
Nicht jedes Geschäftsrisiko lässt sich auf eine Versicherung übertragen. Deshalb gehört neben dem Versicherungsschutz immer ein zweiter Baustein dazu: Vorsorge.
Gerade Lieferketten lassen sich häufig besser durch mehrere Maßnahmen absichern:
-
Abhängigkeit reduzieren: Mehrere Lieferanten aufbauen
Bezieht ein Unternehmen ein wichtiges Bauteil nur von einem Lieferanten, kann dessen Ausfall den ganzen Betrieb treffen. Gründer sollten deshalb prüfen, für welche Waren ein zweiter Anbieter infrage kommt. Dabei zählt nicht nur der Preis. sondern auch Standorte und Transportwege. Zwei Lieferanten helfen wenig, wenn beide über dieselbe Route liefern. -
Engpässe vermeiden: Kritische Lagerbestände überprüfen
Mehr Ware einzulagern ist nicht automatisch die beste Lösung. Lagerbestände binden Geld und verursachen Kosten.
Sinnvoller ist eine gezielte Analyse: Welche Teile werden täglich gebraucht? Welche Produkte lassen sich nur schwer ersetzen? Und welche fehlende Komponente würde die Produktion sofort stoppen?
Für solche Waren kann ein Sicherheitsbestand sinnvoll sein. -
Lieferketten absichern: Alternative Transportwege vorbereiten
Wenn eine wichtige Route ausfällt, sollte die Suche nach einer Alternative nicht erst beginnen. Unternehmen können vorab prüfen, ob Waren auch per Bahn, Lkw oder über einen anderen Hafen transportiert werden können. Alternative Speditionen oder Lieferanten sollten bekannt sein. Das verhindert den Engpass nicht unbedingt, aber kann entscheidende Tage sparen. -
Ausfälle überstehen: Eine ausreichende Liquiditätsreserve schaffen
Nicht versicherte Schäden treffen häufig direkt die Liquidität. Der Transport wird teurer und Rohstoffpreise steigen. Gleichzeitig fehlen Umsätze. Miete, Löhne, Leasingraten und Kredite laufen weiter. Gründer sollten deshalb wissen, wie lange ihr Unternehmen einen solchen Ausfall finanzieren könnte. Eine Liquiditätsreserve ist damit selbst ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements.
Was müssen Unternehmer wirklich absichern?
Gerade Niedrigwasser zeigt die Lücke: Ein beschädigtes Transportgut kann versichert sein. Teurere Transporte, verspätete Lieferungen oder entgangener Umsatz bleiben dagegen häufig beim Unternehmen.
Nicht versicherbare Risiken sollen Gründer aktiv vorsorgen. Mehrere Lieferanten, alternative Transportwege, ausreichende Liquidität und klare Notfallpläne können Risiken auffangen, gegen die keine Versicherung hilft. Überschaubare Kosten kann ein finanziell gesunder Betrieb häufig selbst tragen.
Für Gründer gilt deshalb eine einfache Regel: Große Risiken absichern, kleine Risiken kalkulieren.
Quellen:
Destatis: Inflationsrate im Juli 2026 bei +2,8 % - Statistisches Bundesamt
Gesamtverband der Versicherer: Hitze, Niedrigwasser und Trockenheit stellen Wirtschaft vor große Probleme
Rekord-Niedrigwasser am Rhein erhöht Risiko von Transportschäden